Rund um die Tiergesundheit

Das TASSO-Tiergesundheits-Lexikon

Genau wie wir Menschen können Tiere an zahlreichen unterschiedlichen Erkrankungen leiden. Ein Symptom kann meist Indiz für mehrere Tierkrankheiten sein. Mit unserem Tiergesundheits-Lexikon geben wir Ihnen einen Überblick über gängige Krankheiten bei Hunden, Katzen und Kleintieren sowie deren Ursachen und Therapiemöglichkeiten. Außerdem erhalten Sie zahlreiche Tipps zur Ernährung und Fellpflege.

  • Akute Diarrhoe (Durchfall)

    Definition

    Abnormale Häufigkeit und Flüssigkeit von Kot.

    Durchfall entsteht, wenn die Wasseraufnahme im Darm sinkt oder die Wasserabgabe in den Darm steigt.

    Vier verschiedene Grund-Mechanismen liegen bei Durchfall dem Krankheitsgeschehen zugrunde:

    osmotisch:
    Durch Zufuhr bestimmter Stoffe wird Flüssigkeit aus der Darmwand passiv in den Darm gezogen, beispielsweise durch nicht aufgespaltene Zucker (Laktose) oder durch Fehlverdauung von Futter.
     
    sekretorisch:
    Hier wird von den Darmzellen Flüssigkeit aktiv in den Darm abgegeben, bedingt durch magendarmwirksame Giftstoffe, magendarmwirksame Hormone, Botenstoffe wie Prostaglandine, Serotonin, Gallensäuren, bestimmte Fettsäuren oder Laxative.

    erhöhte Permeabilität:
    Hier wird die Darmwand abnormal durchlässig für Flüssigkeit, bedingt durch chemische Mediatoren und/oder bei Entzündungsprozessen.

    Motilitätsstörungen:
    Hier kommt es zu einer gestörten Eigenbeweglichkeit des Darmrohres.

    Zur besseren Einschätzung der Schwere des Durchfalls:
    • Bei einer milden Erkrankung ist der Patient munter, nicht ausgetrocknet, hat nur 3-4 x Durchfall in den letzten 24 Stunden und hat kein Blut im Stuhl.
    • Bei einer moderaten Erkrankung kommt es zu Austrocknung (Dehydratation), Abgeschlagenheit (Apathie) und Antriebslosigkeit, häufigerem Durchfall (mehr als 6 x pro Tag) und auch zu Blut im Stuhl.
    • Eine schwere Erkrankung ist es, wenn der Patient nicht nur Durchfall hat, sondern eine systemische Erkrankung vorliegt.

    Symptome
    • Durchfall
    • Dehydratation

    Ursachen

    Diätetisch
    • verdorbenes Futter
    • Aufnahme von Fremdmaterial
    • Überfressen
    • plötzlicher Futterwechsel
    • Intoleranzen
    • Laktose
    • fettreiche Diät (essentielle Fettsäuren)
    • Zusatzstoffe

    Medikamente/Toxine
    • Schmerzmittel
    • Digitalis
    • Steroide
    • Chemotherapeutika
    • Antibiotika
    • Schwermetalle

    Infektiöse Agentien
    • VIRAL: Parvovirus, Coronavirus, Rotavirus
    • BAKTERIELL: Salmonellen, Clostridien, Campylobacter, Yersinien, Escherichia coli
    • FUNGAL: Pilze (verursachen eher chronischen Durchfall)
    • PARASITÄR: Parasiten wie Giardien, Würmer, Kokzidien

    Bei Jungtieren wird Durchfall eher durch die Ernährung und infektiöse Ursachen hervorgerufen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Allergien bei Hunden

    Die atopische Dermatitis

    Allergien stellen eine Überempfindlichkeit des Organismus gegenüber Substanzen aus unserer Umwelt dar.

    In den Industrieländern sind Allergien schon seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch. Man geht zurzeit in der Humanmedizin davon aus, dass alle zehn Jahre Allergien beim Menschen um 50-100 % zunehmen. Eine ähnliche Entwicklung ist leider auch in der Tiermedizin, speziell bei Hunden, zu beobachten.

    Die Symptome der Allergien beim Hund sind vielgestaltig und reichen von Verdauungsstörungen, asthmatoiden Symptomen bis hin zu zum Teil erheblichen Hautproblemen mit massivem Juckreiz.

    Auf Allergien mit Hautproblematik, im speziellen die atopische Dermatitis, soll hier eingegangen werden.

    Atopische Dermatitis bedeutet „eigentümliche, nicht fassbare Krankheit“ und bezeichnet eine oft mit massivem Juckreiz einhergehende, allergische Erkrankung. Vom Körper werden hierbei bestimmte Antikörper (IgE) gegen verschiedenste Allergene, wie Pflanzenpollen, Futtermittel, Milben, Flohspeichel oder Schimmelpilze gebildet, die in der Haut eine ganze Reihe von Zellen des Immunsystems (Mastzellen, Langerhanszellen, dentritische Zellen, Granulozyten und Lymphozyten) stimulieren.

    Nach neueren Studien geht man von einer gewissen genetischen Veranlagung aus, die vermehrt bei Boxern, Labrador-Retrievern und Deutschen Schäferhunden auftritt. Meist sind Hunde im Alter von ein bis drei Jahren betroffen.

    Als Symptome sind vor allem massiver Juckreiz, vor allem am Kopf, an den Pfoten und in den Achseln zu beobachten, in schwerwiegenden Fällen kann jedoch auch der gesamte Körper betroffen sein. Aufgrund des starken Juckreizes sind fast immer sekundäre Läsionen durch Kratzen, Beißen und Knabbern zu beobachten. Diese können sich in Form von mehr oder weniger tiefen Kratzern, offenen Stellen, Haarausfall, aber auch in Form von Fellverfärbungen durch intensives Belecken manifestieren.

    Die Diagnose erfolgt zunächst über den Ausschluss anderer Hauterkrankungen, wie Milbenbefall, Hautpilzen oder bakteriellen Hautentzündungen, jedoch können all diese Erkrankungen auch parallel zur atopischen Dermatitis beobachtet werden. Des Weiteren wird eine reine Futtermittelallergie durch eine hypoallergene Spezialdiät ausgeschlossen.

    Besteht nach diesen Untersuchungen nach wie vor der Verdacht auf eine atopische Dermatitis, erfolgt die Diagnosesicherung durch den Nachweis der auslösenden Antikörper (IgE) entweder durch einen so genannten Intrakutantest, bei dem kleine Mengen der möglichen auslösenden Allergene in die Haut gespritzt werden, oder aber über den Nachweis der Antiköper im Blut in einem Speziallabor.

    Lassen sich schließlich ein oder mehrere Allergene als Auslöser der atopischen Dermatitis ermitteln, besteht die Möglichkeit einer Hyposensibilisierung, bei der dem Hund wiederholt kleinste Mengen des auslösenden Allergens gespritzt werden, um im Körper eine „Gewöhnung“ zu erreichen. 75 % der hyposensibilisierten Tiere zeigen nach etwa sechs Monaten eine Besserung des Krankheitsbildes.
     
    Lässt sich das auslösende Allergen nicht ermitteln oder zeigt die Hyposensibilisierung nicht den gewünschten Erfolg, besteht die Möglichkeit der Behandlung mit Kortison, die zwar fast immer zu einem deutlichen Rückgang der Symptome führt, jedoch je nach eingesetzter Dosis auch zu zum Teil erheblichen Nebenwirkungen führen kann.

    Eine in Deutschland verfügbare Behandlung besteht in der Gabe von Ciclosporin, die nach ersten Erfahrungen die Vorteile einer Kortison-Behandlung, nämlich eine sehr hohe Erfolgsquote bietet, jedoch deutlich selektiver wirkt, also mit weniger Nebenwirkungen verbunden ist.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Anaplasmose

    Anaplasmose wird von Anaplasma platys, einer Rickettsienart, hervorgerufen. Rickettsien sind Bakterien, die nur innerhalb von Körperzellen überleben können. Genauso wie die Ehrlichiose werden diese Erreger durch die Braune Hundszecke übertragen.

    Die Erkrankung heißt auch canine (den Hund betreffende), zyklische (wiederkehrende) Thrombozytopenie (CCT). Eine Thrombozytopenie ist eine Verminderung der Blutplättchen. Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung. Ein Mangel bedingt eine Störung der Gerinnung. Diese äußert sich in einer Blutungsneigung mit dem Auftreten von Blutungen. Das klinische Bild variiert je nach Schwere der Gerinnungsstörung und kommt in Schüben mit ein- bis zweiwöchigem Abstand.

    Symptome können sein: Gewichtsverlust, Teilnahmslosigkeit, Blutarmut, Fieber, Gelenksentzündungen

    Die Diagnose wird idealerweise durch einen Erregernachweis in einer Gewebeprobe gestellt.

    Es gibt eine medikamentöse Therapie.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Anorexie

    Definition

    Appetitlosigkeit

    (Pseudo-Anorexie: Das ist die Unfähigkeit Futter aufzunehmen, zu kauen und/oder zu schlucken. Hier hat der Patient Appetit, kann aber nicht fressen.)

    Beispielsweise bei:

    • Tetanus
    • Abszessen im Maulbereich oder hinter dem Augapfel
    • Blindheit
    • Erkrankungen der Zunge, des Zungenbeins, der Zähne, der Muskulatur, des Rachens, der Speiseröhre bedingt durch einen Fremdkörper
    • Tumor
    • Entzündung oder eine Dysfunktion

    Appetitlosigkeit ist meist durch eine systemische Erkrankung bedingt und beruht auf verschiedenen Mechanismen.

    Ursachen

    • Schmerzen aller Art
    • Verlust des Geruchsinns
    • Veränderungen im Gehirn (bedingt durch Tumor, Infektion, Trauma, Entzündung)
    • Veränderungen an Bauchorganen (bedingt durch Tumor, Infektion, Entzündung, stoffwechselbedingt)
    • Toxisch (Medikamente, endogene und exogene Gifte, z. B. Pyrogene, Endotoxine)
    • Herzversagen
    • Atemwegserkrankungen
    • Infektionskrankheiten
    • hohe Umgebungstemperatur
    • Reisekrankheit
    • nicht schmackhaftes Futter
    • Stress

    Text: © Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Antibiotika-Therapie

    Antibiotika sind Stoffe, die in der Lage sind Keime abzutöten oder am weiteren Wachstum zu hindern. Mit Hilfe von Antibiotika können wir Infektionen, die sonst eventuell tödlich oder zumindest schwerwiegend für den Patienten wären, erfolgreich behandeln.

    Keime tauschen Erbgut untereinander aus. Auf diesem Wege können auch vorhandene Resistenzen (= Unempfindlichkeit gegen bestimmte Wirkstoffe) zwischen den Keimen ausgetauscht werden. So werden Keime gegen Antibiotika resistent und der Wirkstoff unwirksam gegen die Erreger. Daher ist der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika für uns alle äußerst wichtig. Jeder – egal ob Mensch oder Tier – kann im Laufe seines Lebens auf die Gabe eines wirksamen Antibiotikums angewiesen sein.

    Aus diesem Grund sollten gewisse Grundregeln im Umgang mit Antibiotika immer eingehalten werden. Diese sind:

    Die Verabreichung einer ausreichend hohen Dosierung, die regelmäßige Wiederholung dieser Gabe und die ausreichend lange Gabe des Mittels. Patienten sollten daher auf keinen Fall das Medikament früher als durch den Arzt verordnet selbstständig absetzen. Auch sollten die Einnahmezeiten genau eingehalten werden und keinesfalls überschritten werden. So bedeutet beispielsweise die Vorgabe 2 x täglich, alle 12 Stunden. Die 3 x tägliche Gabe bedeutet entsprechend alle 8 Stunden (und nicht um 8, 10 und 12 Uhr). Nur so können Antibiotika ihre Wirkung in dem erkrankten Gewebe optimal entfalten und die Infektion sicher bekämpfen.

    Während der Einnahme von Antibiotika können auch unerwünschte Wirkungen (sogenannte Nebenwirkungen) auftreten. Dies sind meistens Störungen des Magen-Darm-Traktes wie Erbrechen und/oder Durchfall. Diese Symptome sind bei Hunden und Katzen eher nur leichter Natur, von kurzer Dauer und von selbst vorübergehend. Bei Pflanzenfressenden Tieren sind diese Störungen schwerwiegender und sollten immer ernst genommen und prompt behandelt werden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Arthrosen

    Bei der Arthrose handelt es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung, bei der es zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels, in einem fortgeschrittenen Stadium auch des unter dem Knorpel gelegenen Knochens sowie der Bänder, kommt. Entstehen nun, beispielsweise bei starker Belastung des betroffenen Gelenks, vermehrt Abriebsprodukte, so kommt es sekundär zu einer Gelenkkapselentzündung, die dem Patienten Schmerzen bereitet. In dieser Phase fallen dem Tierhalter nun in aller Regel Lahmheiten, Bewegungsunlust oder andere Schmerzäußerungen auf. Gleichzeitig ist häufig eine Schwellung im Bereich des betroffenen Gelenks, ein so genannter Gelenkerguss, zu beobachten, hervorgerufen durch eine vermehrte Produktion entzündlich veränderter Gelenkschmiere. Im Extremfall kommt es im Laufe der Zeit zu einer teilweisen oder gar vollständigen Zerstörung des Gelenks mit Verlust der Gelenkfunktion.

    Die Entstehung einer Arthrose hat meist mehrere Ursachen, man spricht von einer Multi-Faktoren-Krankheit. Einen wichtigen Punkt stellen vererbte Entwicklungsstörungen dar, die zu einer Fehlbelastung des Gelenks führen. In derart fehlbelasteten Gelenken kommt es zu einer Freisetzung von körpereigenen Entzündungsprodukten, die den Knorpel weiter schädigen und somit das Fortschreiten der Arthrose beschleunigen.

    Einen zweiten wichtigen Punkt stellen Traumata wie beispielsweise Kreuzbandrisse dar, die zu Instabilitäten und Fehlbelastungen im Gelenk und somit sekundär zu Arthrosen führen.

    Auch die Ernährung hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. So kann eine zu energiereiche Fütterung im Welpenalter zu einem überschnellen und unausgewogenem Wachstum führen, durch das sich wiederum Fehlbelastungen im Gelenk ergeben. Auch Übergewicht sollte als Ursache nicht unterschätzt werden, da adipöse (fettleibige) Tiere ebenfalls eine starke Belastung, vor allem der Gelenke der Gliedmaßen aufweisen.

    Zu guter Letzt können auch Infektionen mit Gelenkbeteiligung (als Beispiel sei hier die Borreliose angeführt) die betroffenen Gelenke derart vorschädigen, dass es sekundär zu einer Arthrose kommt.

    Die Therapie der Arthrose setzt, auch wenn es zunächst paradox klingt, vor deren Entstehung an. So kann eine ausgewogene Ernährung im Welpen- und Erwachsenenalter in Kombination mit einer adäquaten Belastung (also kontinuierliches Training ohne Überbelastungen) die Entstehung einer Arthrose verzögern, im Einzelfall sogar völlig verhindern. In diesem Zusammenhang muss deutlich gemacht werden, dass eine Minimierung der Bewegung des Tieres keinen positiven Effekt hat, sondern im Gegenteil durch das Fehlen stützender Muskulatur die Entstehung von Arthrosen begünstigt wird.

    Bestehende orthopädische Probleme (wie zum Beispiel angeborene oder erworbene Fehlstellungen oder Kreuzbandrisse) sollten nach eingehender Prüfung des Einzelfalls gegebenenfalls chirurgisch korrigiert werden. Auch bei bestehenden Arthrosen kann ein operatives Vorgehen in bestimmten Fällen das Fortschreiten verlangsamen (ob und wann dies sinnvoll ist, kann jedoch nicht allgemein beantwortet werden, sondern muss vom behandelnden Tierarzt in Zusammenarbeit mit dem Halter geprüft werden).

    Unterstützend zu operativen Maßnahmen, oder falls ein chirurgisches Vorgehen nicht möglich oder sinnvoll erscheint, können mit Futterzusätzen (zum Beispiel Glycosaminoglykane aus Grünlippmuscheln und Teufelskralle-Extrakten) die Ernährung des Gelenkknorpels unterstützt und Entzündungen im arthrotischen Gelenk reduziert werden.

    Bei fortgeschrittener Arthrose und entsprechender klinischer Symptomatik ist auch der Einsatz von Schmerzmitteln (so genannter NSAID‘s) notwendig. Dabei sollte jedoch immer auf für die entsprechende Tierart zugelassene Schmerzmittel zurückgegriffen werden, da die meisten humanmedizinisch genutzten Schmerzmittel bei Tieren toxisch wirken.

    Bei Problemen oder weiterführenden Fragen berät Sie Ihr Tierarzt gerne.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

     

  • Asthma

    Asthma ist eine anfallsweise auftretende Erkrankung, die durch die akute Engstellung der Bronchien, eine chronische entzündliche Reaktion sowie eine Überempfindlichkeit der Atemwege auf bestimmte Reize entsteht.

    Asthma kommt bei Katzen eher vor als bei Hunden. Siamkatzen sind insgesamt anfälliger für Atemwegserkrankungen – so auch für Asthma. Eine genetische Grundlage wird angenommen. Beim Menschen wird als Auslöser für Asthmaanfälle bei entsprechender (auch allergischer) Veranlagung das Einatmen von kalter Luft, körperliche Bewegung, die Einnahme von Medikamenten (Aspirin) oder auch Stress beobachtet. Bei der Katze liegt vermutlich einzig eine allergische Reaktion der Atemwege als Ursache für Asthma vor. Dies führt zu einer ständigen Reizung der Bronchien beziehungsweise deren Schleimhaut und Muskulatur, die sich beide dadurch chronisch verdicken können. Dadurch wird die Verengung der Atemwege bei betroffenen Tieren weiter verstärkt. Gleichzeitig steigt die Schleimproduktion im Lungengewebe an, was die Situation zusätzlich verschlimmert. Bei der Erkrankung kann die Luft daher schlecht wieder aus der Lunge entweichen. An Asthma leidende Tiere zeigen also unter anderem eine erschwerte Ausatmung.

    Die Erkrankung kann bei Katzen jeden Alters auftreten, vermehrt wird sie bei jüngeren Tieren beobachtet. Die betroffenen Tiere zeigen in erster Linie Husten, oft bereits über einen längeren Zeitraum und auch teilweise verminderte körperliche Aktivität. Der Husten kann in leichter Ausprägung bestehen oder hochgradig sein und mit plötzlicher Atemnot einhergehen. Risikofaktoren können unter anderem auch Zigarettenrauch, Staub, Parfüms oder andere Aerosole sein.

    Als wichtige andere, davon zu unterscheidende Ursachen für die gleichen Symptome kommen beispielsweise Herzerkrankungen oder infektiöse Lungenerkrankungen (beispielsweise durch Lungenwürmer oder Bakterien) in Frage. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sollten diese anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden. Hierfür sind diagnostische Maßnahmen wie Röntgen, Ultraschall und eine Lungenspiegelung in Narkose in der Regel notwendig.

    Die Therapie besteht in der Gabe von entzündungshemmenden und Bronchien-weit-stellenden Medikamenten. Die meisten Katzen dulden eine Verabreichung der Wirkstoffe mittels Inhalation in einem sogenannten Spacer (= Speicherkammer für einen Stoß des Dosieraerosols, welches dann vom Tier in 10-20 Atemzügen inhaliert wird). Dies vermeidet die Nebenwirkungen, die bei systemischen Wirkstoffgaben (das heißt im ganzen Körper wirkenden Gaben) auftreten können. Wichtig ist hier immer die Entzündungshemmung durch die Inhalation von Kortison. Der Einsatz, vor allem von kurzfristig wirkenden Bronchienweitstellern sollte nicht als Dauertherapie erfolgen, da sonst ein entzündungsfördernder Effekt von diesen Wirkstoffen ausgehen kann und das eigentliche Problem verschleiert wird. Sogenannte Leukotrien-Antagonisten und Antihistaminika, die beim Mensch ebenfalls therapeutisch eingesetzt werden, scheinen bei der Katze eher unwirksam zu sein. Optimal für eine Asthmatherapie wäre, die auslösenden Reize zu vermeiden. Dies ist oft nicht durchführbar. Dennoch sollte auf reizende Aerosole in der Raumluft wie beispielsweise Zigarettenrauch dauerhaft verzichtet werden. Ergänzend ist unbedingt zu betonen, dass übergewichtige Tiere insgesamt gesundheitlich und oft auch speziell das Asthma betreffend von einer Gewichtsreduktion profitieren.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Babesiose

    Eine Reisekrankheit wird heimisch

    Bei der Babesiose, die auch als „Hundemalaria“ bekannt ist, handelt es sich um eine parasitäre Infektion, bei der die roten Blutkörperchen des Hundes befallen und zerstört werden. Die Übertragung der Babesien (vor allem Babesia canis) erfolgt in erster Linie über die so genannte Auwald- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus), die die Parasiten bei ihrer Blutmahlzeit auf den Hund überträgt.
     
    Bis vor einigen Jahren galt die Babesiose als klassische Reisekrankheit, die bei Hunden auftrat, die entweder aus Südeuropa (Südfrankreich, Spanien, Portugal, Griechenland oder der Türkei) stammten oder mit ihrem Halter eine Reise in diese Regionen unternommen hatten. In Deutschland galt lange Zeit lediglich eine relativ kleine Region am Oberrhein als Babesiose-Risiko-Gebiet.

    Seit einiger Zeit jedoch sind leider zunehmend auch Infektionen bei Hunden zu beobachten, die sich nachweislich niemals in einem Risikogebiet aufgehalten haben. In neueren Untersuchungen konnten mit Babesien infizierte Buntzecken in sich progressiv ausdehnenden Gebieten in ganz Deutschland nachgewiesen werden. Dadurch besteht inzwischen auch für Hund, die Deutschland nie verlassen haben, eine nicht zu unterschätzende Gefahr an Babesiose zu erkranken.

    Die Inkubationszeit (also die Zeit zwischen Infektion und dem Auftreten erster Krankheitssymptome) kann bis zu einem Monat (in Einzelfällen sogar noch länger) betragen. Dadurch ist es für den Tierhalter häufig sehr schwer, einen Zusammenhang mit einem bestimmten Zeckenbiss zu realisieren.

    Tückischer Weise variieren die Verlaufsformen der Babesiose relativ stark. So unterscheidet man den so genannten perakuten Verlauf, bei dem vor allem Hunde mit zuvor durch andere Infektionen geschwächtem Immunsystem innerhalb kürzester Zeit mit starken Atem- oder Herzkreislaufbeschwerden versterben. Bei der akuten Verlaufsform stehen hohes Fieber (bis 42°C), blasse bis gelblich verfärbte Schleimhäute, roter Urin sowie eine auffällige Schwäche des Patienten im Vordergrund. Die Symptome einer chronischen Babesiose sind dagegen relativ unspezifisch. Sie äußert sich in Teilnahmslosigkeit, wiederkehrenden Fieberschüben, Abmagerung sowie einer mehr oder weniger ausgeprägten Gelbsucht (hervorgerufen durch den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der beim Zerfall der befallenen roten Blutkörperchen frei wird).

    Die Diagnose einer Babesiose erfolgt entweder durch den mikroskopischen Nachweis von Babesien in den roten Blutkörperchen (der zum Teil recht schwierig sein kann und daher nur in einem positiven Nachweis beweisend ist) oder aber durch eine Untersuchung (Immunfluoreszenz oder ELISA) in einem Speziallabor.

    Die Behandlung einer diagnostizierten Babesiose gestaltet sich zum momentanen Zeitpunkt in Deutschland noch etwas schwierig, da wirksame Medikamente (Phenamidin oder – besser –
    Imidocarb) zurzeit in Deutschland (noch) keine arzneimittelrechtliche Zulassung besitzen. (Stand April 2016). Ihr Tierarzt kann diese Medikamente jedoch über eine internationale Apotheke beziehen.

    Als Vorbeugung dient an erster Stelle eine wirksame Zeckenprophylaxe (zum Beispiel mit Permethrin). Eine Impfung gegen Babesiose ist im Moment zwar in südeuropäischen Ländern, nicht aber in Deutschland erhältlich. Letztendlich kann bei Reisen in Risikogebiete oder -länder auch eine prophylaktische Behandlung mit Imidocarb erfolgen, die einen wirksamen Infektionsschutz für etwa vier Wochen bietet.

    Bei der Diagnose und Behandlung der Babesiose berät Sie Ihr Tierarzt gerne.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • BARF = biologisch argerechtes rohes Futter

    Der Trend zur Rohfütterung von Hunden hält an. Vor allem bei Allergien und Unverträglichkeiten sowie Verhaltensauffälligkeiten wird Hundehaltern oft die Rohfütterung empfohlen.

    6 bis 10 % aller Hunde in Deutschland werden mit selbst zubereiteten Rationen ernährt (roh und gekocht). Viele Halter möchten ihrem Hund etwas Gutes tun, indem sie selbst für ihn kochen. Leider fehlt jedoch häufig die entsprechende Sachkenntnis, um bedarfsgerechte Portionen zusammenzustellen. Ca. 90 % aller Hunde, die selbst zubereitetes Futter erhalten, weisen Fehlversorgungen bei einzelnen Vitaminen, Mineralstoffen beziehungsweise Spurenelementen auf, weil eine passende Supplementierung fehlt. Daher sollten die Blutwerte von BARF-Hunden regelmäßig kontrolliert werden. Inzwischen gibt es von externen Laboren speziell aufs BARFing ausgerichtete Profile.

    Viele Tierhalter BARFen nicht im klassischen Sinne, sie füttern rohes Fleisch und dazu gekochtes oder gedünstetes Gemüse oder Obst. Meist besteht nur ein Teil der Ration aus rohen Zutaten. Oft wollen Hundehalter dem menschlichen Wunsch nach Abwechslung entsprechen. Tatsächlich neigen Hunde, deren Fütterung variiert, aber eher zu Durchfall und Verdauungsproblemen als Hunde, deren Fütterung konstant bleibt, was der Halter oft als „eintönig“ oder „langweilig“ empfindet.

    Kommerzielles Hundefutter, das als „Alleinfuttermittel“ gekennzeichnet ist, bietet den Vorteil einer konstanten Fütterung und enthält alle wichtigen Inhaltsstoffe, um einen Hund gut zu ernähren. Zusätzlich benötigt jedes Tier ausreichend Trinkwasser. 75 % aller Hunde in Deutschland werden mit kommerziellem Hundefutter ernährt. Dabei ist die Ration für den jeweiligen Hund nach Angaben des jeweiligen Herstellers zu ermitteln und variiert je nach Futtersorte, Nass- oder Trockenfutter und „Body Condition Score2“ (BCS = Einteilung zur Beurteilung des Unterhautfettgewebes) des Tieres. Die Dosierung von Alleinfuttermitteln ist einfach zu handhaben, geht schnell und ist sauber. Die lange Haltbarkeit und unkomplizierte Lagerung (vor allem bei Nassfutter) ist ein deutlicher Vorteil gegenüber selbst zubereiteten Rationen.

    Rohfütterung ist eine zeitaufwändige Angelegenheit, die entsprechende Kühl- und Lagermöglichkeiten voraussetzt und für den Urlaub beziehungsweise unterwegs gut organisiert werden muss. Für viele Tierhalter ist die Möglichkeit der individuellen Kombination von Einzelzutaten ein wichtiges Argument. Bei verschiedenen Erkrankungen, zum Beispiel Allergien, können die einzelnen Zutaten gezielt gewählt werden, was ein Vorteil gegenüber Fertigfuttermitteln ist, deren Deklarationen nicht immer eindeutig und nachvollziehbar sind. Auch die Frische und direkte Nachvollziehbarkeit der Herkunft der einzelnen Zutaten sind für BARFer ausschlaggebende Argumente. Dabei sollte man bedenken, dass die Herkunft und Qualität der Produkte leider nur ebenso eingeschränkt nachvollziehbar sind wie beim Einkauf für den Menschen.

    BARFer sollten sich über die Gefahr von Aujeszky-Virusinfektionen bei Fütterung von rohem Schweinefleisch beziehungsweise Wildschweinleber im Klaren sein. Aujeszky ist eine für Hund und Katze in der Regel tödlich verlaufende Erkrankung. Oft wird das Infektionsrisiko von rohem Fleisch deutlich unterschätzt, denn Bakterien, Einzeller (Protozoen) und Würmer stellen auch für den Menschen ein Risiko dar. Außerdem können Knochengaben zu „Knochenkot“ (Verstopfung) und Verletzungen im Magen-Darm-Trakt führen.

    Häufig werden für die Rationsberechnung Internetrechner zur Hilfe genommen, die eine Portion für einen „typischen“ Hund der Größe, Rasse, Konstitution etc. berechnen, individuelle Bedürfnisse aber nicht berücksichtigen können. Oft werden bei dieser Berechnung auch die Leckerchen vergessen.

    Wer BARFen möchte, sollte sich von einem Fachtierarzt mit Zusatzbezeichnung „Ernährungsberatung“ begleiten lassen. Vor allem im Wachstum, während Trächtigkeit und Säugephase, bei sportlich aktiven Hunden und bei Hunden mit Erkrankungen sollte das BARFen gut überdacht werden und in jedem Fall eine professionelle Rationskalkulation eingeholt werden.
    Für welche Fütterung man sich als Tierhalter auch entscheidet, wichtig sind vor allem feste Futterzeiten, die Aufteilung der Mahlzeiten auf ein-, besser zweimal täglich und ausreichend lange Ruhepausen nach der Fütterung.

    Kriterien für eine gut getroffene Futterwahl sind zum Beispiel:

    • das Halten des Idealgewichts
    • gesunde Haut
    • glänzendes Fell
    • ein- bis zweimal täglich Absatz von geformtem Kot
    • lebhaftes Verhalten

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Blasenschlamm und Harnsteine beim Kaninchen

    Kaninchen werden beim Tierarzt meist vorgestellt, wenn sie das Futter verweigern, sich zurückziehen und sich „anders“ verhalten als sonst. In vielen Fällen leiden die Tiere an Verdauungsstörungen oder Zahnerkrankungen, aber auch Probleme mit den Harnwegen sollten in Betracht gezogen werden.

    Die kleinen Pflanzenfresser haben aufgrund physiologischer Besonderheiten eine hohe Kalziumausscheidung über die Nieren, die auch im Normalzustand im Harn zum Ausfall von Kristallen führt. Im Gegensatz zum Menschen nehmen diese Tiere das Kalzium ungeregelt auf, das heißt je höher der Kalziumgehalt im Futter ist, umso mehr wird aufgenommen und muss dann wieder über die Niere ausgeschieden werden.

    Es kann sich sogenannter Blasenschlamm bilden, der als Sediment in der Blase liegt und die Harnröhre verstopfen kann, so dass die Tiere keinen Harn mehr absetzen können. Der Übergang vom Blasenschlamm zu Harnsteinen ist fließend.

    Die Ursachen für die Bildung dieser Ablagerungen sind:

    • Kalziumüberschuss im Futter
    • Bewegungsmangel
    • zu geringe Wasseraufnahme

    Da mit einer Fehlfütterung oft auch eine Verfettung mit Bewegungsmangel einhergeht, spricht man vom „fat lazy rabbit Syndrome“ (engl. = dickes, faules Kaninchen-Syndrom).

    Kaninchen können über erstaunlich lange Zeiträume hinweg mit diesen Beschwerden leben und keine Krankheitsanzeichen zeigen. Blasenschlamm beziehungsweise -steine sind extrem schmerzhaft und können zu Entzündungsprozessen im gesamten Harnapparat führen. Oft haben Kaninchen mit Blasenproblemen eine verschmierte Genitalregion und verklebtes Fell.

    Ein freilebendes Kaninchen hat natürlicherweise eine hohe Bewegungsaktivität, frisst den ganzen Tag und setzt zur territorialen Markierung häufig Urin ab. Unsere „Käfighasen“ mit weniger Bewegungsaktivitäten und nicht immer optimalen Ernährungsbedingungen sind für Harnwegserkrankungen besonders anfällig. In vielen handelsüblichen pelletierten Futtermitteln finden wir nicht die optimale Zusammensetzung. Kaninchen, die zu Blasenschlamm oder -steinen neigen, sollten vor allem kein fertiges Pelletfutter erhalten.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Borreliose

    Borreliose wird durch Bakterien hervorgerufen. Sie ist die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung weltweit. Bei experimentell infizierten Hunden beträgt die Inkubationszeit zwei bis fünf Monate. In manchen Gegenden haben über 80 % der Hunde Antikörper gegen Borrelien im Blut. Daher sagt eine Antikörperbestimmung im Blut (= Titer) nur aus, dass dieses Tier mit Borrelien Kontakt hatte. Es hat mit einem positiven Titer aber noch keine Borreliose. Nur etwa 5 % dieser seropositiven Hunde erkranken auch an Borreliose. Borrelien können auch Menschen, Katzen, Pferde und Rinder infizieren.

    Eine Übertragung der Borrelien durch die Zecke kann bereits zwei Stunden nach dem Biss der Zecke erfolgen. Die typischen Symptome sind Arthritis mit Gelenksschmerzen und daraus folgender Lahmheit. Fieber, Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit können ebenfalls auftreten. Außerdem können das Herz, die Nieren und das zentrale Nervensystem Beschwerden hervorrufen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Brucellose beim Hund

    Viele Tierhalter haben von der Krankheit Brucellose bereits im Zusammenhang mit Rindern gehört. Die Brucellose beim Hund ist eine Erkrankung, die in Deutschland eigentlich nicht heimisch ist. Durch die Einführung von Hunden aus dem Ausland werden die Bakterien (Brucella canis) aber zunehmend eingeschleppt. Es wird vermutet, dass diese Erkrankung in Deutschland eine größere Rolle spielt als angenommen. Sie ist auf den Menschen übertragbar (Zoonose).

    Die Symptomatik dieser Erkrankung ist unterschiedlich. Vornehmlich tritt sie als Geschlechtskrankheit auf. Übertragbar sind Brucellen über Schleimhäute, Hautverletzungen, Urin, Ejakulat, Milch und Fruchtwasser. Da viele Hunde symptomfrei bleiben, sind Verbreitung und Ansteckungsrisiko in Deutschland schwer einzuschätzen. Tierhalter und Tierärzte sollten bei klassischen Anzeichen wie Fehlgeburten, Geburt toter Welpen, Hodenentzündungen, Prostataentzündungen, Unfruchtbarkeit auch an Brucellose als mögliche Ursache denken. Unspezifische Symptome, wie Gewichtsverlust, Lahmheit, Augenveränderungen, Mattigkeit oder neurologische Ausfälle, können ebenfalls durch Brucella canis verursacht werden.

    Im Verdachtsfall gibt es für die Abklärung verschiedene Laboruntersuchungen. Eine Impfung steht nicht zur Verfügung. Die Bakterien können mit Antibiotika behandelt werden, ein vollständiges Ausschalten gelingt jedoch selten. Nachgewiesen infizierte Hunde müssen von der Zucht ausgeschlossen, im besten Fall umgehend kastriert und in Einzelhaltung ohne weiteren Hundekontakt gehalten werden. Um die Ansteckungsgefahr für andere Hunde so gering wie möglich zu halten, wird sogar empfohlen, infizierte Hunde zu euthanasieren.

    Viele Tierschützer, die Hunde aus Ländern wie Rumänien oder Ungarn nach Deutschland vermitteln, lassen die Tiere inzwischen vor der Einfuhr auf sogenannte Mittelmeerkrankheiten testen, wie zum Beispiel Leishmaniose, Erlichiose, Anaplasmose oder Babesiose. Auf Brucellose werden die Hunde bisher nicht getestet. Hier ist ein Umdenken der Tierschutzorganisationen und Tierinteressenten gefragt. Wie viele Menschen sich in Deutschland mit caniner Brucellose bisher angesteckt haben, ist bislang schwer zu beurteilen, weil sie meist nicht als solche diagnostiziert wird.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Cushing-Erkrankung

    Unter Morbus Cushing versteht man ein Zuviel an Kortison im Körper. Dies kann auftreten, wenn entweder zu viel Kortison von außen zugeführt wurde oder der Körper selber zu viel Kortisol produziert. Wenn der Körper zu viel Kortisol produziert, liegt die Ursache entweder in einer veränderten Hypophyse im Gehirn oder in einer tumorös entarteten Nebenniere. Die Nebenniere ist bei 10-15 % der Patienten verantwortlich. Die Hälfte dieser Tiere hat einen bösartigen Nebennierentumor. Die meisten Tiere haben allerdings eine Erkrankung der Hypophyse bedingt durch einen Tumor oder eine andere Organvergrößerung.

    Die Erkrankung ist beim Hund eine der häufigsten Hormonstörungen. Bei Katzen tritt diese Erkrankung selten auf. Pudel, Dackel, Boston Terrier, Boxer und Beagle sollen ein höheres Risiko haben, an Cushing zu erkranken.

    Die Schwere der Symptome ist unterschiedlich ausgeprägt. Sie ist unter anderem abhängig von der Dauer der Erkrankung. Folgende Symptome sind typisch: vermehrtes Trinken und Urin lassen, Hängebauch, Fellverlust, dünne Haut, Bildung von Mitessern in der Haut, Lethargie, Muskelschwäche, Muskelabbau, Fettleibigkeit, Hodenschrumpfung

    Die Diagnose erfordert mindestens Laboruntersuchungen aus Blut und Urin sowie weiterführende, bildgebende Diagnostik wie Ultraschall des Bauchraumes, Röntgen des Brustkorbes und eventuell auch Magnetresonanz oder Computertomographie des Kopfes.

    Bestimmte Formen dieser Erkrankung können chirurgisch behandelt werden. Meistens wird eine medikamentöse Therapie eingeleitet, womit es den allermeisten Hunden gut geht. Unbehandelt hat Cushing eine schlechte Prognose. Die genaue Prognose ist abhängig davon, wo genau der Tumor sitzt und um welche Art Tumor es sich handelt.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • "Demenz" (kognitive Dysfunktion)

    Unter kognitiver Dysfunktion versteht man eine Fehlfunktion im Bereich der Wahrnehmung oder des Erkennens. Diese Verhaltensstörung tritt bei älteren Hunden und Katzen auf.

    Betroffene Tiere zeigen folgende Symptome:

    • Veränderten Schlaf-Wach-Rhythmus
    • Verlust der Stubenreinheit
    • Verwirrtheit
    • Desorientiertheit
    • Nicht-Erkennen von bekannten Dingen (zum Beispiel Menschen, Tieren, Orten)
    • veränderte Aktivität
    • Teilnahmslosigkeit
    • Unruhe
    • Appetitlosigkeit
    • zwanghaftes Verhalten wie Drangwandern

    Im Gehirn solcher Patienten finden sich ähnliche Veränderungen (Plaque-Ablagerungen) wie bei Alzheimerpatienten.

    Zusätzlich zu einer kognitiven Dysfunktion haben ältere Tiere oft weitere Probleme im Bereich des Bewegungsapparates (zum Beispiel Arthrosen), Kreislaufes (zum Beispiel „Altersherz“) oder der Sinneswahrnehmungen (zum Beispiel Augen, Ohren), die ebenfalls behandelt werden können.

    Bei kognitiver Dysfunktion besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Nach einer Testphase von vier bis sechs Wochen zeigt sich, ob die Behandlung zu einer Verbesserung der Lebenssituation des Tieres und der beteiligten Menschen führt. Dann sollte die Therapie lebenslang fortgeführt werden. Unterstützend können dem Tier zusätzlich B-Vitamine gegeben werden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)

    Kleintierpraxis Oberursel

     

     

  • Demodexmilben

    Demodikose wird durch die Milbe Demodex canis hervorgerufen. Diese Erkrankung kommt relativ häufig bei Hunden, sehr selten bei der Katze, vor. Demodexmilben sind bei allen Hunden normale Bewohner der Haarfollikel in der Haut. Die Milben werden bereits von der Hündin beim Säugen auf die Welpen übertragen. Wenn es zu einer zu starken Vermehrung der Milben in der Haut kommt, erkranken die Tiere.

    Es gibt zwei Formen der Demodikose:

    Die lokalisierte Form tritt vor allem bei jungen Hunden im Alter von drei bis sechs Monaten auf. Diese Form zeigt zu einem hohen Prozentsatz eine erfolgreiche Selbstheilungstendenz. Die zweite Form ist die generalisierte Form. Eine lokale Symptomatik kann in eine generalisierte Form übergehen. Diese Form kann bei jungen und älteren Hunden auftreten und stellt eine schwerwiegende Erkrankung da, die im schlimmsten Fall nicht therapierbar ist und zum Tod des Tieres führen kann. Die Demodikose kann parallel zu der erstgenannten Einteilung auch in Jugend- und Erwachsenenform unterschieden werden. Die Jugendform kommt häufiger vor und heilt in der Regel spontan ohne Komplikationen ab. Die Erwachsenenform entsteht dann, wenn das Tier an einer anderen schwerwiegenden inneren Erkrankung wie zum Beispiel einer Tumorerkrankung leidet. Diese Grunderkrankung schwächt das Immunsystem und führt dazu, dass sich die Milben gut vermehren und damit die Infektion sehr schlecht kontrollieren lässt. Eine Sonderform der Demodikose ist der Befall an den Pfoten (Pododemodikose). Diese Form lässt sich auch oft kaum erfolgreich behandeln.

    Die Symptome der Demodikose sind oft typisch mit Haarausfall verbunden, zuerst oder vor allem um die Augen, dezente Schuppenbildung, bei zusätzlicher Infektion mit Bakterien: Juckreiz, Hautvereiterung, offene Stellen. Besonders oft sind die Stellen im Gesicht oder an den Vorderbeinen, können aber auch am restlichen Körper auftreten.

    Die Diagnose wird durch den Nachweis der Milben in einer Haarprobe oder in einem Hautgeschabsel gestellt.

    Die Behandlung besteht bei der generalisierten Form in der Gabe von milbenabtötenden Medikamenten. Auch Shampoos und Antibiotika werden eingesetzt, wenn gleichzeitig eine bakterielle Infektion der Haut vorliegt. Eine zugrundeliegende weitere Erkrankung sollte gefunden und entsprechend behandelt werden. Je nach vorhandener Situation kann die Demodikose eine langwierige und kostenintensive Behandlung erfordern.

    Da eine erbliche Veranlagung bei Demodex vermutet wird, sollte mit an Demodikose erkrankten Tiere nicht gezüchtet werden. Bei unkastrierten Hündinnen kann durch die hormonellen Schwankungen während des Zyklus ein Rückfall entstehen. Die Hündinnen sollten aus diesem Grund kastriert werden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Ehrlichiose

    Die Ehrlichiose ist eine der wichtigsten sogenannten Reisekrankheiten des Hundes. Die Erkrankung wird durch Ehrlichia canis, eine Rickettsie hervorgerufen. Rickettsien sind Bakterien, die nur innerhalb von Zellen überleben können.

    Im Speichel der Braunen Hundszecke (Rhipicephalus sanguineus) wird dieser Erreger übertragen. Nach einer Inkubationszeit von ein bis drei Wochen sind drei verschiedene Verläufe der Erkrankung möglich:

    Während der ersten, akuten Phase verteilen sich die Ehrlichien im Körper in Milz, Leber und Lymphknoten. Hierbei kann es zu Fieber, Fressunlust und Teilnahmslosigkeit kommen. Danach entscheidet sich je nach Immunlage, was weiter passiert. Entweder dem Körper gelingt es, die Infektion abzuwehren oder es schließt sich die nächste Phase an, wenn das Immunsystem nicht erfolgreich ist. Diese zweite Phase kann Monate bis Jahre andauern. Die Erreger sind während dieser Zeit ständig im Körper vorhanden. Irgendwann kommt als Drittes die chronische Phase.

    Betroffene Hunde zeigen folgende Symptome:

    • Generelle Blutungsneigung mit dem Auftreten von spontanen Blutungen, zum Beispiel aus der Nase oder Blutungen in der Haut/Schleimhaut
    • Blutarmut
    • Lymphknotenvergrößerung
    • Augenveränderungen, zum Beispiel in Form von Blutungen und Blindheit
    • Gewichtsverlust, Wassereinlagerungen, zum Beispiel an Beinen oder Hodensack

    Selten können Gelenksentzündungen oder Krampfanfälle auftreten. Auch die Nieren können betroffen sei, sodass vermehrtes Trinken und entsprechend vermehrtes Wasserlassen auffällt.

    Falls gleichzeitig Infektionen durch Anaplasmen, Babesien oder Hepatozoon vorliegen, führt dies meist zu einem schwereren Verlauf der Erkrankung.

    Eine Diagnosestellung kann mittels Antikörpernachweis und Erregernachweis aus Gewebeproben (zum Beispiel Vollblut oder Knochenmarkspunktat) erfolgen.

    Die Erkrankung kann medikamentös behandelt werden. Meist ist eine Therapie über mehrere Wochen notwendig. Solange das Knochenmark noch nicht zu stark geschädigt ist, sind die Heilungsaussichten in der Regel gut.

     Als Vorbeugung ist eine gute Zeckenprophylaxe bedeutsam:

    1.  Regelmäßige Anwendung eines gegen Zecken wirksamen Insektizides
    2.  Absuchen des Tieres nach Zecken nach jedem Aufenthalt im Freien

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Encephalitozoonose („Schiefhalskrankheit“) des Kaninchens

    Immer wieder werden in der Kleintierpraxis Kaninchen mit zum Teil sehr schwerwiegenden neurologischen (also das Nervensystem betreffenden) Ausfallserscheinungen vorgestellt. Das klinische Bild variiert zwar relativ stark, beinhaltet aber immer eines oder Kombination von mehreren der folgenden Symptome:

    • eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kopfschiefhaltung
    • in schweren Fällen Rollen um die Längsachse des Tieres
    • unkoordiniert erscheinende Bewegungen der Gliedmaßen
    • Krampfanfälle, teilweise mit Bewusstlosigkeit
    • bei länger dauerndem Krankheitsgeschehen Rückgang der Muskulatur (Muskelatrophie)
    • unkontrollierte Bewegungen der Pupillen, meist in horizontaler Richtung (Nystagmus)
    • schlaffe oder krampfartige Lähmungen einer, mehrerer oder aber aller Gliedmaßen
    • Schmerzempfindungen ohne erkennbare äußere Ursache, die zur Selbstverstümmelung führen können (Automutilation)
    • ein Ausfall der Fähigkeit der Pupille, sich bei Lichteinfall zu verengen (Ausfall des Pupillarreflexes)
    • in seltenen Fällen können auch Blindheit, Taubheit oder chronisches Nierenversagen auftreten

    Hervorgerufen wird dieses Krankheitsbild durch einen Parasiten, der vor allem Zellen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) aber auch andere Organe wie Niere, Lunge, Leber, Milz, Darm oder Augen befällt. Bei diesem Parasiten handelt es sich um Encephalitozoon cuniculi, der primär Kaninchen befällt, jedoch auch bei anderen Säugetieren nachgewiesen werden konnte. Infektionen bei Menschen beschränken sich nach heutigem Wissensstand auf einige wenige Personen mit massiv geschwächtem Immunsystem (AIDS-Patienten).

    Infizierte Kaninchen scheiden den Erreger mit ihrem Urin aus oder übertragen ihn während der Trächtigkeit auf ihren Nachwuchs. Die meisten Patienten infizieren sich über die orale Aufnahme von Erregern, meist über kontaminierte Einstreu oder Futter.

    Tückischerweise können Kaninchen den Erreger über Jahre in sich tragen, ohne klinisch zu erkranken. Studien zeigen, dass etwa 50 % der als Haustier gehaltenen Kaninchen Antikörper gegen Encephalitozoon haben, nur ein Bruchteil dieser so genannten seropositiven Tiere erkrankt jedoch im Laufe seines Lebens auch. Leider lässt sich mit heutigen Methoden nicht voraussagen, welches Tier erkrankt und welches „nur“ stiller Träger bleibt.

    Die Diagnose „Encephalitozoonose“ stellt der behandelnde Tierarzt primär durch den Ausschluss in Frage kommender Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik (zum Beispiel Mittel- oder Innenohrentzündung). Sollten danach noch Zweifel an der Diagnose vorhanden sein, kann eine Blutuntersuchung auf die oben erwähnten Antikörper im Blut einen weiteren wertvollen Hinweis liefern.

    Eine Therapie ist umso Erfolg versprechender, je früher sie einsetzt. Gerade Patienten, die eine schon ausgeprägte Muskelatrophie aufweisen, überleben die Erkrankung meist nicht. Interessanterweise steht die Schwere der Symptomatik in keinem Zusammenhang mit der Chance auf Heilung. So erholen sich (aus eigener Erfahrung) meist auch Kaninchen, die komplett gelähmt sind, so lange sie noch selbstständig Futter aufnehmen erstaunlich gut. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang erscheint die Tatsache, dass auch bei einer klinischen Gesundung die Tiere nach wie vor den Erreger in sich tragen.
    Die Therapie selbst erfolgt über eine Kombination von Antiparasitika (Fenbendazol), Antibiotika (Enrofloxacin oder Chloramphenicol), Vitaminen (Vitamin-B-Komplex) sowie gegebenenfalls Zwangsfütterung und Physiotherapie.

    Bei der Diagnose und Behandlung der Encephalitozoonose berät Sie Ihr Tierarzt gerne.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Ernährung von Meerschweinchen und Kaninchen

    Meerschweinchen und Kaninchen besitzen ein kompliziertes Verdauungssystem – ähnlich dem eines Pferdes. Diese Tierarten haben nicht die Möglichkeit zu erbrechen, um Futter wieder loszuwerden. Verdorbenes Futter oder andere aufgenommene Bestandteile, die „Bauchschmerzen bereiten“, müssen den gesamten Verdauungstrakt passieren, bevor sie den Körper wieder verlassen können. Der Darmkanal ist bei Meerschweinchen und Kaninchen relativ lang. Die Damendurchgangszeit (also bis das aufgenommene Futter wieder gut ausgeschieden wird) dauert drei bis vier Tage.

    Frisst das Tier zu viel auf einmal, kann es zu einer Magenüberladung kommen. Eine akute Magenüberladung kann rasch zum Tod des Tieres führen. Daher sollten diese Tiere mehrmals täglich portionsweise gefüttert werden. Die Größe der Futterration im Verhältnis zum Magen ist hierbei wichtig. Gutes Heu sollte immer und jederzeit zur Verfügung stehen. Heu trägt alle Bedürfnisse dieser Tierarten. Es dient neben dem Fressen der Beschäftigung sowie zum Spielen oder zum Verstecken. Durch das kontinuierliche Zermahlen werden die Zähne der Tiere gut abgenutzt. Dies hilft, Zahnprobleme zu vermeiden. Außerdem dient Heu als Rohstofflieferant für die empfindliche Darmflora beziehungsweise deren Erhaltung. Auch frisches Wasser muss stets für die Tiere verfügbar sein. Hierfür eignen sich zum Beispiel schwere, kippsichere Gefäße. Trinkflaschen sind weniger geeignet, da die Tiere hieraus nicht gemäß ihrer natürlichen Trinkhaltung Wasser aufnehmen können. Außerdem stellen Trinkflaschen oft ein hygienisches Problem bezüglich der Besiedelung durch Bakterien, Algen oder Pilze dar. Diese Mikroorganismen schädigenden dann wieder das Tier. Sie können unter anderem zu Verdauungsstörungen führen.

    Zudem besitzen Meerschweinchen und Kaninchen ein anderes Verdauungssystem als der Mensch oder Fleischfresser wie zum Beispiel Katzen. Die darmeigene Muskulatur ist bei Pflanzen fressenden Heimtieren nur schwach ausgeprägt. Der Futterbrei wird vor allem durch die Aufnahme neuen Futters weiter durch den Darmkanal geschoben. Daher fressen diese Tiere 60-80 Mahlzeiten pro Tag. Bei dieser Art der Verdauung spielen die richtigen Darmbakterien und auch die vorhandenen Gärkammern wie der große Blinddarm eine entscheidende Rolle.

    Auch wird der eigene Kot (Blinddarmkot) von den Tieren gefressen. Man bezeichnet dies als Caecotrophie. Dies ist normal und lebenswichtig für die Aufnahme von Vitaminen.

    Für Meerschweinchen und Kaninchen sind also kontinuierlich die richtige Futtermenge und die richtige Futterzusammensetzung äußerst wichtig. Wenn entweder der Darminhalt nicht weitergeschoben wird oder blähende Futtermittel oder verdorbenes Futter oder Getreide gefüttert wird, führt dies zu einer längeren Verweildauer des Futterbreis im Magendarmkanal und zur Bildung von Gärungsgasen. Durch diese Situation bläht sich der Magen-Darm auf. Dies wird als Trommelsucht bezeichnet. Es kommt bei betroffenen Tieren zu massiven Kreislaufbelastungen verbunden mit starken Bauchschmerzen. Die Tiere hören auf zu fressen, zeigen Teilnahmslosigkeit und Schwäche sowie typischerweise einen aufgeblähten Bauch. Plötzliche Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Versagen und/oder durch Sepsis nach Platzen des Magens sind möglich.

    Zusammengefasst ist für die gesunde Ernährung von Meerschweinchen und Kaninchen Folgendes wichtig: Gutes Heu als Grundnahrungsmittel genauso wie frisches, sauberes Wasser immer reichlich zur Verfügung stellen und Grünfutter je nach Verträglichkeit.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Feline Infektiöse Peritonitis (FIP)

    Die FIP ist eine systemische Infektion, die weltweit bei allen Katzenarten auftritt. Die Erkrankung verläuft tödlich. Die Ursache dieser Erkrankung ist ein Coronavirus. Coronaviren an sich sind erst mal Erreger von Darminfektionen und führen als solche bei vielen Tierarten und dem Menschen zu Durchfällen. Diese Viren können leicht zwischen den Spezies übertragen werde, zum Beispiel vom Hund auf die Katze. FIP erzeugende Viren entstehen bei Katzen durch genetische Veränderung (Mutation) der im Katzendarm vorhandenen Coronaviren. Diese Mutation tritt spontan und zufällig auf. Je mehr Coronaviren eine Katze im Darm hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch eine Mutation die FIP auslösende Variante entsteht. Durch die Mutation erlangt das Virus neue Fähigkeiten: Es kann jetzt nicht nur Darmzellen befallen, sondern auch Zellen der Immunabwehr. Mit Hilfe dieser infizierten Zellen verteilt sich das Virus im gesamten Körper und ruft klinische Symptome von FIP hervor. Dieser Vorgang nimmt vermutlich eine Zeitspanne von Wochen bis Monaten ein.

    Die Katze steckt sich über Mund und/oder Nase an einem mit Coronaviren-infiziertem Tier an. Hierbei wird nicht die mutierte Variante übertragen, sondern die „normalen“ Durchfallerreger. Coronaviren sind in der Außenwelt mehrere Wochen ansteckend und können auch über unbelebte Gegenstände übertragen werden.

    FIP äußert sich mit ganz verschiedenen Symptomen. Diese können sich auch unspezifisch als Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust darstellen. Ein typischer Befund bei FIP kann die Ansammlung von freier Flüssigkeit in Bauch- oder auch Brusthöhle sein.

    Eine FIP zu diagnostizieren kann schwierig sein. Es gibt mehrere Tests, die aber alle nur eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer FIP-Erkrankung machen. Eine sichere Diagnose gibt es nur dann, wenn die typischen Veränderungen in Organproben der Katze nachgewiesen wurden. Häufig kann aber aufgrund der klinischen Symptome, wenn diese typisch sind, eine Verdachtsdiagnose gestellt werden.

    Bisher gibt es keine erfolgreiche Therapie der FIP. Einige Medikamente können manchmal den Krankheitsverlauf hinauszögern.
     
    FIP tritt vor allem überall dort auf, wo mehr als drei Katzen zusammen gehalten werden (Zuchten, Tierheime). Es gibt eine Impfung, deren Schutzwirkung aber kontrovers diskutiert wird. Bei Katzen, die älter als 16 Wochen sind, schadet die Impfung zumindest nicht. Den besten Schutz vor FIP bietet der Schutz vor Coronaviren und diesen bekommt man durch eine sehr gute Katzentoilette-Hygiene: mehrmals tägliches Reinigen der Toiletten, Trennung von Toilette und Futterplatz, regelmäßige Reinigung und Desinfektion der Räume.
     
    Nach dem Tod einer an FIP erkrankten Katze sollte eine circa dreimonatige Wartezeit eingehalten werden, bevor eine neue Katze angeschafft wird. Auch sollten die Räume gereinigt und nach Möglichkeit desinfiziert werden. Dies gilt insbesondere für die Katzentoilette. Für den Menschen sind die Coronaviren der Katze nicht gefährlich.
     
    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Feline Osteoklastische Resorptive Läsion (FORL)

    Diese Erkrankung kam bei der Tierart Katze bereits bei den alten Ägyptern (an Mumien von beerdigten Katzen nachweisbar) vor und trifft sowohl Haus- als auch wildlebende Großkatzen.

    Bei Katzen über fünf Jahren gilt jedes zweite Tier als betroffen.

    Ursachen:

    Die Ursachen für FORL sind immer noch nicht vollständig geklärt. Durch unbekannte Auslöser werden körpereigene Zellen im Knochen, sogenannte Osteoklasten, aktiviert, die dann die Zahnsubstanz der Zähne abbauen. Diese Zellen hatten ursprünglich die Aufgabe, die Milchzahnwurzeln im Jungtieralter aufzulösen, damit diese ausfallen und der neue Zahn seinen Platz im Gebiss einnehmen konnte.

    Bei FORL werden diese Zellen im Kiefer bei erwachsenen Katzen wieder aktiv und zersetzen die bleibenden Zähne. Es sind immer alle Zähne betroffen, allerdings zeitlich meist in unterschiedlichen Stadien.

    Symptome:

    FORL ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung. Das Problem speziell bei Katzen hierbei ist, dass diese höchst selten Anzeichen von Schmerzen zeigen. Häufig sind aber die Folgen der Erkrankung zu erkennen: chronische Magenschleimhautentzündung, Erbrechen, Durchfall, vermehrtes Trinken, Fellverlust durch intensives Belecken und Wesensveränderungen wie Aggression und/oder Depression. Nur in extremen Fällen zeigen die Tiere ein verändertes Fressverhalten mit Zähneknirschen, Speicheln, Reiben am Maul, Ausspucken von Futter, schmerzgeschuldeten Lautäußerungen beim Fressen, Fressunlust oder besonders hastiges Fressen.

    Diagnose:

    Da sich dieser krankhafte Prozess mehrheitlich unter dem Zahnfleisch abspielt, braucht es zwingend Röntgenaufnahmen der Zahnwurzeln des Patienten, um den Zustand der Zähne sicher beurteilen zu können. Für diese Röntgenuntersuchung ist eine Narkose des Tieres notwendig. Der in den meisten Fällen vorhandene Zahnstein überdeckt die Zahnkronen zusätzlich und erschwert so die Beurteilung des sichtbaren Teils der Zähne.

    Therapie:

    FORL ist nicht mit Medikamenten heilbar. Die einzig erfolgreiche Therapie besteht in der Entfernung aller(!) betroffenen Zähne. Dies ist unproblematisch, da Katzen Schlingfresser sind und auch ohne Zähne weiterhin gut fressen können.

    Katzen mit FORL sollten engmaschig (alle 4-6 Monate) kontrolliert werden, solange noch verbliebene Zähne in der Maulhöhle vorhanden sind.

    Prophylaxe:

    Eine gute Mundhygiene mit speziellem Futter oder Nahrungsergänzungen sowie eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung in Narkose sind hilfreich, da Entzündungen in der Maulhöhle und Zahnstein die Entstehung von FORL anscheinend begünstigen.

    Text: © Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Felines Leukämievirus (FELV)

    Das feline (= die Katze betreffende) Leukämievirus kommt weltweit bei Katzen vor. Erkrankungen durch FELV Infektionen sind bei Katzen nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen, auch wenn das Vorkommen dieser Infektion insgesamt bei Katzen rückläufig ist. Das Virus wird vor allem mit dem Speichel infizierter Tiere ausgeschieden. Virusmaterial kann aber auch im Urin und Kot betroffener Tiere nachgewiesen werden. Eine weiterer Übertragungsweg sind Bluttransfusionen und vom Muttertier auf die Welpen (vor und auch nach der Geburt). Die Übertragung durch Flöhe ist vermutlich ebenfalls möglich. Die Ausscheidungsdauer des Virus kann bei bestimmten Katzen lebenslang anhalten. In der Außenwelt ist das Virus nur Sekunden bis wenige Minuten überlebensfähig. Die Ansteckung erfolgt daher meist durch direkten Kontakt zwischen den Tieren. Die Inkubationszeit beträgt Monate bis Jahre. Junge Katzen sind für eine Ansteckung besonders gefährdet. Ältere Tiere scheinen eine gewisse Altersresistenz zu entwickeln.

    Die Erkrankung zeigt verschiedene Verlaufsformen, je nach Immunlage und Alter des Tieres beziehungsweise Aggressivität des Virus und die von der Katze aufgenommene Virusmenge. Einige Katzen scheinen das Virus in ihrem Körper an der weiteren Vermehrung und Ausbreitung hindern zu können (sogenannte Regressorkatzen). Gelingt es dem Immunsystem der Katze nicht, das Virus zu eliminieren, verteilt sich das Virus über die Blutbahn im Körper und besiedelt nach wenigen Wochen das Knochenmark. Manche Katzen schaffen es während dieser Phase der Infektion doch noch, die Ausbreitung des Virus zu beenden. Das heißt aber nicht zwingend, dass dann auch alle Erreger eliminiert sind. Wenn das Knochenmark noch nicht infiziert war, hat die Katze noch die Chance, das Virus vollständig zu eliminieren. Ist das Knochenmark aber erst einmal durch Viren besiedelt, bleibt immer Virusmaterial – in körpereigene Zellen eingebaut – vorhanden. Eine Reaktivierung des Virus, beispielsweise durch Stress kann vor allem in den ersten zwei Jahren nach der Infektion erfolgen.

    Die Symptome der Infektion variieren sehr stark. Es kann Jahre dauern, bis Krankheitszeichen wie Blutarmut auftreten. Auch das Auftreten sogenannter FELV-assoziierter Krankheiten ist möglich. Diese werden vor allem durch die Immunschwächung des Organismus hervorgerufen. Betroffene Tiere neigen zu wiederkehrenden Infektionen durch andere Erreger. Aber auch Fortpflanzungsstörungen (zum Beispiel Tot- oder Fehlgeburten) Nervenerkrankungen und das Auftreten von Tumoren zum Beispiel Lymphome und Fibrosarkome) kommen vor.

    Zur Diagnosestellung gibt es verschiedene Nachweisverfahren, die für den Einzelfall ausgewählt werden müssen.

    Bisher gibt es keine effektive Behandlung erkrankter Katzen. Eine Heilung bei dauerhaft und systemisch infizierten Katzen ist sehr unwahrscheinlich. Die meisten Tiere sterben innerhalb weniger Jahre, wobei Ausnahmen mit längeren Überlebenszeiten ebenfalls vorkommen.

    Gegen FELV gibt es die Möglichkeit zu impfen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Fellpflege beim Hund

    Um die Fellpflege beim Hund zu erleichtern, sollte man dem Hund spielerisch oder mit Leckerli Folgendes beibringen (es erleichtert die Pflege, den Tierarztbesuch und den Besuch im Hundesalon ungemein): Der Hund sollte beide Pfote geben können und diese auch nicht zurückziehen, er sollte sich entspannt hinlegen können im Beisein fremder Personen. Je mehr der Hund die Pflege als wohltuend oder spielerisch empfindet, desto weniger Aufwand ist nötig.

    Wie oft darf man den Hund baden?
    Hier gehen die Meinungen extrem auseinander, die Hersteller von Hundeshampoos geben zwei bis drei Mal pro Woche als möglich an, andere Meinungen von Hundetrainern schlagen einmal im Jahr vor. Meiner Meinung nach sollte einmal in der Woche durchaus ausreichen, wichtig ist dabei, dass Hundeshampoos eingesetzt werden, die rückfettend sind, das heiß die Haut des Hundes darf nicht austrocknen.

    Mein Hund haart, was kann ich dagegen tun?
    Die meisten Rassen haben zweimal im Jahr einen Fellwechsel. Um das Problem so angenehm wie möglich zu lösen, hilft nur einen Eiweißzusatz im Futter und mehrmaliges Bürsten/Carden, ohne die Haut zu reizen (jeden 2. Tag 1/2 Stunde). Der Fellwechsel kann bis zu einem Monat dauern, da die Haare nicht alle gleichzeitig ausfallen.

    Den Hund selber mit der Maschine scheren
    Hier sollte man die vielen Gefahrenpunkte am Hund kennen, um ihn nicht zu verletzen und in Hautpartien zu schneiden. Es gibt speziell für Hundehaar Schermaschinen, Rasiermaschinen für den Menschen sind dafür ungeeignet.

    Durch die verschiedenen Fellarten bei Hunden kommt es oft zu falscher Pflege
    Hunde mit Fellwechsel und Unterwolle sollten regelmäßig gecardet werden (einmal pro Woche), normale Bürsten oder Furminator bringen da keine Verbesserung. Dafür verwendet man einen sogenannten „Coat King“, um die abgestorbene Unterwolle zwischen dem Deckhaar zu entfernen. Den „Coat King“ gibt es in verschiedenen Größen. Um die beste Variante zu finden, besuchen Sie einen Hundesalon und lassen Sie sich die Handhabung vorführen.

    Hunde ohne Fellwechsel und ohne Unterwolle
    Bei diesen Hunden müssen die Haare rasiert oder geschnitten werden.

    Carding/Carden
    Hier holt man die lose, abgestorbene Unterwolle heraus, das Fell selber bleibt erhalten und ist wieder luftdurchlässiger und ganz leicht zu kämmen. Die Haut selber bekommt endlich wieder Luft; der Hund schwitzt nicht mehr, und es können keine Ekzeme entstehen (zum Beispiel Hot Spot). Viele Hunde bekommen Verfilzungen und Hautekzeme durch die Unterwolle. Gecardet kann der Hund das ganze Jahr werden – auch im Winter. Das Carding ist reine Handarbeit und dauert bis zu zwei Stunden je nach Unterwolle des Hundes. Der Hund fühlt sich wieder wohler und ist aktiver, ohne dass man den Hund abscheren muss. Beim Scheren erreicht man genau das Gegenteil dessen, was man möchte. Beim Scheren wird das Deckhaar abgeschoren, und die Unterwolle bleibt auf dem Hund erhalten.

    Carding ist für Rassen, die viel Unterwolle haben, wie zum Beispiel Schäferhunde, Collie, Sheltie, Border Collie, Bearded Collie, Australien Shepherd, Spitz, Elo, Schlittenhunde, Berner Sennenhund, Leonberger, Neufundländer, Golden Retriever, Briard, Hovawart, Eurasier, Pekinese, Havaneser, Shih Tzu, Lhasa Apso, Langhaardackel, Bolonka Zwetna, Tibet Terrier, Schwarzer Russischer Terrier und alle Mischlinge aus diesen Rassen.

    Trimmen*
    Trimmen (aus dem Englischen = stutzen, nachschneiden) bezeichnet im Zusammenhang mit Hunden das Auszupfen toter, aber auch bestimmter gesunder, Haare aus dem Fell mit den Fingern oder mit dem Trimmmesser. Einige Hunderassen, vor allem Terrier, mit rauhaarigem Fell, beispielsweise der Airedale-Terrier, Foxterrier, Cairn Terrier, aber auch Schnauzer und Rauhaardackel müssen getrimmt werden. Durch die gezielte Züchtung der entsprechenden Hunderassen wurde ihr Fell sehr robust und schützte besonders gut gegen Wasser. Der normale Fellwechsel fand nicht mehr statt. Damit waren die Hunde in der Lage, das ganze Jahr zum Beispiel als Jagdhunde zu arbeiten. Trotzdem muss abgestorbenes Deckhaar entfernt werden, um Hautreizungen und Ekzeme zu vermeiden und das Fellwachstum anzuregen. Lose Unterwolle kann dagegen einfach ausgekämmt werden. Das Trimmen erfolgt kontinuierlich alle drei bis vier Monate, ohne dass die Schutzfunktion des Felles längere Zeit beeinträchtigt wird. Fälschlicherweise steht es umgangssprachlich auch für das Scheren und Schneiden des Hundefells.

    *Hundefriseurjargon:
     Trimmen = mit dem Trimmesser arbeiten
     Strippen = mit den Fingern arbeiten

    Pflege der Ohren
    Es sollte nicht dazu kommen, dass zu viele Haare das Ohr verstopfen, da das eine Ohrenentzündung und Parasitenbefall (Milben) begünstigt.

    Pflege der Augen
    Die Tränenabsonderung bewirkt meist eine braune Farbveränderung der Haare, um das zu verhindern, gibt es spezielle Pflegemittel, die die harten Verkrustungen lösen können.

    Pflege der Zähne
    Die wenigsten Hunde lassen es sich gefallen, die Zähne mit einer Zahnbürste zu reinigen. Es gibt Fingerlinge, die mit Hundezahnpasta verwendet werden können. Die Reinigung der Zähne kann mit Kaustreifen beziehungsweise Kauknochen aus getrockneter Haut erfolgen. Zahnstein sollte der Tierarzt entfernen, das verhindert auch Mundgeruch beim Hund.

    Pflege der Pfoten
    Die Krallen der Hunde sind durchblutet, daher sehr vorsichtig mit einer Krallenzange kürzen. Die Krallen sind dann zu lang, wenn diese bei stehendem Hund den Boden berühren. Die Haare zwischen den Ballen sollten kurz gehalten werden, um ein Wundscheuern durch Steine oder Dreck zu verhindern.

    Fragen? kontakt@trimmoase.de

    Text: ©Hundesalon Trimm Oase

  • Fellwechsel

    Mit den erheblichen Temperatur-Veränderungen im Frühjahr und Herbst beginnt für viele Haustiere die Fellwechsel-Zeit. Die spezielle Pflege von Haut und Haar variiert je nach Tierart und Felltyp.

    Gut zu wissen: Bei Hunden unterschiedet man kurzhaarige Rassen, wie zum Beispiel Labrador Retriever oder Jack Russell Terrier, von rauhaarigen Typen wie zum Beispiel, Rauhaardackeln oder Airedale Terriern. Weichhaarige Hunde, wie zum Beispiel Pudel und Malteser, haben andere Ansprüche als Hunde mit kombiniertem Fell aus langen und kurzen Haaren, beispielswese Golden Retriever und Collies.

    Für alle Typen gibt es spezielle Bürsten und Kämme, mit denen man verknotetes Fell entwirren und abgestorbene Haare ausbürsten kann. Hunde mit mehrschichtigem Fell oder Unterwolle sollten nicht geschoren werden, weil beim Scheren alle Haare auf eine Länge gestutzt werden und die Unterwolle anschließend schneller wieder nachwächst und das Deckhaar somit rasch überwuchert. Diese Rassen sollten „getrimmt“ werden. Dabei werden die Haare mit den Fingern oder dem Trimmmesser ausgezupft.

    Bei Katzen unterscheidet man zwischen Kurzhaarkatzen, die in der Pflege recht anspruchslos sind und nur vorübergehend während der Fellwechselzeit Unterstützung beim Entfernen von ausgefallenen Haaren brauchen. Langhaarige Katzen dagegen können ihre Fellpflege nicht selbst übernehmen und brauchen Hilfe, möglichst durch tägliches Kämmen. So kann man der Bildung von Haarballen entgegenwirken. Zusätzlich gibt es Spezialfutter und Pasten für Katzen, die der Haarballenbildung vorbeugen und helfen, die abgeschleckten Haare wieder loszuwerden.

    Tiere mit extrem starkem Eigengeruch, stark verfilztem Fell, Haarausfall oder Juckreiz sollten für eine dermatologische Untersuchung bei einem Tierarzt vorgestellt werden.

    Auch Kaninchen und andere kleine Heimtiere können während der Fellwechselzeit zusätzliche Pflege benötigen. Vor allem bei langhaarigen Rassen kann es, ähnlich wie bei Katzen, durch das Abschlecken von Haaren beim Putzen zu Haarballenbildung kommen. „Perlschnur-Köttelchen“ sind ein Anzeichen dafür, dass zu viele Haare aufgenommen wurden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Fieber

    Definition

    Fieber ist eine (bei erwachsenen Hunden und Katzen) über 39,3°C erhöhte Körperinnentemperatur. Hierzu wird im Körper in einer bestimmten Gehirnregion, dem Hypothalamus, der Sollwert für die Temperatureinstellung vom Normalwert weiter nach oben verschoben.

    Dies geschieht durch die Ausschüttung von sogenannten Pyrogenen (= fieberauslösende Botenstoffe). Durch diese Stoffe wird der Sollwert im Temperatur-Regulationszentrum verändert. Es kommt zu verschiedenen Reaktionen bei allen Stoffwechselvorgängen im Körper, zum Beispiel zu Muskelabbau, Unterdrückung der Aktivität im Knochenmark, zu erhöhtem Flüssigkeit- und Kalorienverbrauch. Im schlimmsten Fall kann es zu schwerwiegenden Gerinnungsstörungen und Schockgeschehen kommen.

    Symptome

    • Abgeschlagenheit
    • Teilnahmslosigkeit
    • fehlender Appetit
    • Austrocknung
    • erhöhte Herz- und Atemfrequenz

    Temperaturen von über 41,1°C führen zur Schwellung des Gehirns, Beeinträchtigung lebenswichtiger Funktionen, Schockgeschehen und können so zum Tod führen.

    Mögliche Ursachen

    Infektiös (am häufigsten):

    • Viral: Felines Leukämievirus, Katzenaids, Parvovirus, Staupevirus, Herpesvirus, Calicivirus
    • Bakteriell: von Bakterien ausgeschiedene Gifte
    • Mykotisch: systemische Pilzerkrankungen (Histoplasmose, Blastomyces, Cryptokokkose)
    • Rickettsien: (Ehrlichien, Hämobartonellen)
    • Parasiten/Protozoen: (Babesien, Toxoplasmen, Larva migrans, Herzwurm, Leishmanien)

    Immun-mediierte Prozesse:

    • Systemischer Lupus
    • Hämolytische Anämie
    • Pemphigus
    • Polyarthritis
    • Polymyositis
    • Hypersensitivitäts-Reaktion
    • Transfusions-Reaktion

    Hormonell/Metabolisch:

    • Hyperthyreose
    • Phäochromozytom
    • Morbus Addison
    • Hypernatriämie

    Tumorös:

    • Lymphom,
    • Mastozytom
    • metastatische Erkrankung,
    • Malignom

    Andere entzündliche Bedingungen

    • Pankreatitis
    • Hepatitis
    • Leberzirrhose
    • Lipidose
    • Peritonitis
    • Pleuritis
    • Inflammatory Bowel Disease IBD
    • Enzephalitis
    • Lungenthrombose

    Medikamente/Toxine

    • Tetrazykline
    • Sulfonamide
    • Penicillin
    • Cimetidin
    • Antihistamin
    • Schwermetalle

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Flöhe

    Flöhe sind die häufigsten Ektoparasiten bei Hund und Katze. Ektoparasiten leben im Gegensatz zu Würmern oder anderen Magendarmparasiten, die Endoparasiten sind, außen auf dem Tier.
    Bei uns kommen vor allem der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und der Hundefloh (Ctenocephalides canis) vor. Flöhe gehören zu der Klasse der Insekten. In unseren Breiten gibt es an die 80 Arten.

    Diese Parasiten springen auf ihren Wirt. Ihre langen Hinterbeine ermöglichen Sprünge bis zu einem halben Meter. Sie sind nicht wirtsspezifisch, sondern parasitieren auf verschiedensten warmblütigen Tieren (Säugetieren und Vögeln), auch auf Menschen. Einmal auf dem Wirt angekommen, beginnen Flöhe sofort mit ihrem Stech- und Saugrüssel die Blutmahlzeit. Ein bis zwei Tage nach erfolgter Mahlzeit beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Sie können 20-50 Eier täglich legen. Die Eier fallen vom Hund oder der Katze herunter. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich über Puppenstadien zu erwachsenen Flöhen entwickeln. In einer gut beheizten Wohnung kann dieser Zyklus in 3-4 Wochen durchlaufen werden. Gute Bedingungen sind für Flöhe dunkle, warme und feuchte Umgebungen. In Puppenstadien können Flöhe bis zu einem Jahr bei widrigen Bedingungen verweilen. Erwachsene Flöhe können etwa zwei Monate ohne Nahrung auskommen. Eine Flohpopulation lebt nur zu 5 % auf dem Wirt; der Rest tummelt sich als Eier, Larven und Puppen in der Umgebung des Wirtstieres, am liebsten in Teppichen und Polstermöbeln.

    Die Folgen des Flohbefalls sind erstmal Hautirritationen und Juckreiz. Durch das Kratzen kommt es zur weiteren Entzündung und auch Infektion der Haut. Außerdem können allergische Hautreaktionen durch den Speichel der Flöhe auftreten („Flohspeichelallergie“). Bei starkem Befall kann es durch den Blutverlust zu einer Blutarmut kommen. Davon sind vor allem Jungtiere betroffen. Flöhe übertragen Bandwürmer, Viren und Bakterien. Im Mittelalter war der Rattenfloh Hauptüberträger für die Pest.

    Da der Floh einen sehr festen und stabilen Chitinpanzer hat, kann er nicht zerrieben oder leicht zerdrückt werden wie andere Insekten. Es gibt mehrere Möglichkeiten der Behandlung bei Flohbefall z.B. insektizid wirkende Präparate zum Einnehmen oder Auftragen auf die Haut des Tieres.

    Text: © Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

     

  • Gebärmuttervereiterung (Pyometra)

    Eine Vereiterung der Gebärmutter entsteht, wenn sich die Schleimhaut in der Gebärmutter krankhaft verändert hat und eine bakterielle Besiedlung derselben stattfindet. Der erste Teil dieses Vorgangs ist hormonell bedingt. Man spricht dann von einer glandulär-zystischen Hyperplasie der Gebärmutterschleimhaut. Die entstehenden Sekrete sind ein guter Bakteriennährboden. Durch einen geöffneten Muttermund können dann Bakterien aus dem Scheidenbereich in die Gebärmutter aufsteigen.

    Wiederholte Östrogen- und Progesteronbehandlungen von Hündinnen können zur Entstehung einer Pyometra führen. Die Erkrankung kann zwischen einer bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit auftreten. Bei Katzen ist diese Erkrankung nicht so häufig wie bei Hunden. Bei Katzen tritt die Erkrankung mehr im Zusammenhang mit der Rolligkeit auf. Auch bei Tieren, bei denen die Gebärmutter zu einem früheren Zeitpunkt entnommen wurde, kann es zu einer sogenannten Stumpfpyometra kommen. Dies geschieht aber selten.

    Die Symptome sind oft typisch bei einer Hündin einige Wochen nach der Hitze: Lethargie, Abgeschlagenheit, vermehrtes Trinken und Urin lassen, Fressunlust, Erbrechen, Fieber, Bauchschmerzen und blutig bis eitrig-schleimiger Scheidenausfluss.

    Die Diagnose kann mit Blutuntersuchungen und bildgebender Diagnostik wie Röntgen und Ultraschall des Bauchraumes bestätigt werden.

    Eine Pyometra mit geschlossenem Muttermund kann schnell eine lebensbedrohliche Situation werden, wenn immer mehr Eiter entsteht, der aber nicht durch den Muttermund abfließen kann. Ein Platzen der Gebärmutter mit anschließender Bauchfellentzündung und Blutvergiftung kann zum Tod des Tieres führen.

    Die bevorzugte Therapie der Pyometra ist die Entfernung des erkrankten Organes mit einer Bauchoperation in Vollnarkose. Eine medikamentöse Therapie ist möglich, heilt aber meistens nicht die zugrundeliegenden Veränderungen der Gebärmutter. Das Tier sollte zusätzlich unbedingt auch mit einem Antibiotikum behandelt werden. Ein Wiederauftreten der Erkrankung ist bei der medikamentösen Therapie wahrscheinlich.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Hanta-Virus-Infektionen

    Hantaviren kommen natürlicherweise in Nagetieren vor. Dies sind in Deutschland vor allem Mäuse und Ratten. Infektionen mit diesen Viren treten weltweit auf. Infizierte Tiere scheiden das Virus mit Speichel, Kot und Urin aus. Hantaviren sind in der Umgebung relativ stabil. Menschen können sich daher bereits durch das Einatmen von mit virushaltigem Material (kontaminiertem Staub) anstecken. Eine Ansteckung ist auch durch direkten Nagetierkontakt und zum Beispiel durch den Biss eines Nagetieres möglich. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch, durch andere Tiere oder über Insekten wie Zecken ist wohl eher unwahrscheinlich. Erkrankungen durch Hantaviren treten ganzjährig auf. Es gibt aber eine Häufung während der warmen Jahreszeit.

    Eine Infektion kann leicht bis unbemerkt verlaufen. Es gibt aber auch schwere Verläufe mit starken Blutungen und Nierenversagen: sogenanntes hämorrhagisches Fieber (Hämorrhagie = Blutung). Der jeweilige Verlauf ist unter anderem abhängig davon, welcher Virusstamm bei der Infektion beteiligt ist. Meist treten zuerst grippeartige Symptome auf (Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen). Im Anschluss folgen Blutungen, Blutdruckabfall, Kreislaufversagen und Nierenversagen. Die Virustypen, die in Deutschland vorkommen rufen aber selten diese schweren Verläufe hervor. Die Verbreitung von Hantaviren in Deutschland ist nicht gleichmäßig. Es gibt ähnlich wie bei anderen Virusinfektionen (zum Beispiel FSME = Frühsommermeningoenzephalitis) bestimmte Gebiete, wo mehr Infektionen auftreten als in anderen Gegenden. Die Infektionsrate ist auch von Jahr zu Jahr verschieden.

    Es gibt keine Impfung gegen Hantaviren. Eine Behandlung im Erkrankungsfall kann nur symptomatisch erfolgen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Hautpilzinfektionen (Dermatophytose)

    Unter einer Dermatophytose versteht man die Infektion von Haut, Haaren und/oder Nägeln mit einem Fadenpilz. Die Erreger, die bei Hund und Katze am häufigsten solche Infektionen hervorrufen, heißen Microsporum und Trichophyton. Die Infektion ist vom Tier auf den Menschen übertragbar und damit eine sogenannte Zoonose. Fadenpilze leben entweder auf Tieren oder im Boden. Man kann sich mit einem Hautpilz anstecken, indem man mit einem infizierten Tier oder Böden Kontakt hat. Auch die Übertragung mittels kontaminierten Gegenständen ist möglich. Pilze können Sporen bilden, um Zeiten schlechter Wachstum- oder Umweltbedingungen zu überstehen. Solche Sporen sind je nach Pilzspezies über ein Jahr auch ohne Wirt überlebensfähig. Kontakt mit Hautpilzen führt nicht zwangsläufig zu einer Infektion (= Ansteckung). Und eine Infektion zieht nicht unbedingt klinisch sichtbare Anzeichen nach sich. Wie so oft ist der Verlauf abhängig von der Stärke des Immunsystems des Wirtes.

    Die Inkubationszeit (= Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten von Krankheitszeichen) einer Dermatophytose dauert etwa ein bis vier Wochen. Jüngere Tiere erkranken häufiger als ältere Individuen. In Regionen mit warmem, feuchtem Klima werden insgesamt mehr Pilzinfektionen beobachtet. Bei Katzen erkranken mehr Tiere mit langem Fell. Oft beginnt die Infektion mit schlechter Fellqualität und Haarausfall. Typisch sind kreisrunde, haarlose Stellen am Körper. Rötung, Schuppenbildung und Juckreiz können auftreten. Die Infektion der Krallen und des Nagelbettes kommt ebenfalls vor und resultiert in brüchigem Horn und manchmal auch Nagelbettentzündung. Hier lässt sich die Erkrankung oft sehr schwer eindämmen.

    Die Behandlung eines Hautpilzes kann schwierig sein und auch kostspielig werden. Dies trifft vor allem zu, wenn mehrere Tiere (Katzen) oder ein älteres Tier betroffen sind. Bei Einzeltiererkrankungen, Kurzhaarkatzen oder jungen Tieren kommt es oft innerhalb einiger Wochen zu Spontanheilungen.

    Folgende Therapiemaßnahmen gibt es:

    • Scheren des Tieres, je nach Anzahl der betroffenen Stellen eventuell komplett, Vernichtung der Haare
    • Umgebungsbehandlung
    • Impfung gegen bestimmte Dermatophyten möglich sowohl als Prophylaxe (vorbeugend) oder als Therapie
    • lokale Behandlung mit Waschungen
    • systemische Behandlung in Form von Einnahme von Anti-Pilz-Medikamenten

    Die Therapie muss meistens für einen längeren Zeitraum (Wochen bis Monate) durchgeführt werden. Falls die Behandlung nicht erfolgreich ist, ist es notwendig nach weiteren vorhandenen Erkrankungen des Tieres zu suchen. Gerade bei dieser Erkrankung ist es hilfreich, wenn Tierhalter und Tierarzt eng und gut zusammenarbeiten. Der durch den Tierarzt aufgestellte Behandlungsplan sollte genauestens eingehalten werden, um die Heilungschancen und den Verlauf optimal zu gestalten.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Helicobakter-Infektionen bei Hund und Katze

    Spätestens seit Verleihung des Medizin-Nobelpreises 2005 ist ein Keim in das Interesse der Bevölkerung gerückt: das Bakterium Helicobakter pylori. Dieser, von J. Robin Warren 1979 erstmals als potentiell pathogen (krankheitserregend) beschriebene Keim, der bei auffällig vielen Menschen mit Magenschleimhautentzündungen nachweisbar ist, steht zudem im Verdacht, beim Menschen das Risiko an Magenkrebs zu erkranken deutlich zu erhöhen.

    Bakterien der Helicobakter-Gruppe zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Ihnen ist es möglich, im extrem sauren Milieu des Magens, das annähernd dem pH-Wert von Salzsäure (pH 1-2) entspricht zu überleben. Dies wird zum einen durch die spezielle Lokalisation der Bakterien, die sich unter der Magenschleimbarriere aufhalten, zum anderen durch spezielle, durch die Bakterien synthetisierte Enzyme (Urease, Katalase und Oxidase) ermöglicht.

    Die Schadwirkung von Helicobakter beruht vor allem in der Störung des Aufbaus der Magenschleimhautbarriere sowie einer Veränderung der Magensäureproduktion. Die Magensäureproduktion kann bei einer Helicobakter-Infektion sowohl übermäßig erhöht als auch vermindert sein. In beiden Fällen ist die normale Funktion des Magens gestört.

    Im Gegensatz zum Menschen, bei dem vor allem die Unterart Helicobakter pylori zu finden ist, führen bei Hunden und Katzen zusätzlich auch die Unterarten H. heilmannii und H. felis zu Krankheitssymptomen.

    Uneinigkeit herrscht, analog zur Humanmedizin, auch in der Tiermedizin über die Pathogenität (krankmachende Wirkung) der Helicobakter-Gruppe. So konnten zwar auch vielfach bei symptomlosen Tieren Helicobakter-Infektionen nachgewiesen werden, auffällig ist jedoch (auch nach eigenen Erfahrungen) der gehäufte Nachweis bei Patienten mit gastrointestinalen Problemen wie häufigem Erbrechen, wiederkehrenden Durchfällen und schlechtem Appetit. Diese Patienten zeigen in aller Regel nach erfolgter Therapie eine rasche Erholung.

    Besteht der Verdacht einer Helicobakter-Infektion, so stehen heute mehrere Möglichkeiten der Diagnostik zur Verfügung. Als sicherster Nachweis gilt nach wie vor eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme einer Probe der Schleimhaut und anschließender histologischer Untersuchung. Diese diagnostische Maßnahme bietet zwar den Vorteil, auch andere Erkrankungen des Magen-Darmtraktes nachweisen zu können, erfordert aber eine Sedierung des Patienten. Weit weniger aufwändig und invasiv ist entweder der direkte Erregernachweis in Erbrochenem oder Kot oder aber der Nachweis von Antikörpern im Blut. Der Nachteil dieser Nachweismethoden besteht darin, dass ein negatives Testergebnis eine Infektion nicht sicher ausschließt, da zum einen nicht bei jedem Tier in ausreichendem Maße Antikörper gebildet werden beziehungsweise vom Beginn der Infektion bis zum Auftreten von Antikörpern einige Wochen vergehen können, zum anderen die Erreger nicht kontinuierlich ausgeschieden werden.

    Ist eine Helicobakter-Infektion nachgewiesen, erfolgt die Therapie in Form einer dreiwöchigen so genannten „Trippel-Therapie“. Diese Besteht aus den Antibiotika Amoxicillin und Metronidazol sowie dem Magensäure-Blocker Ranitidin. Sicherheitshalber sollte nach Abschluss der Therapie nochmals eine Kontroll-Untersuchung durchgeführt werden.

    Sollten Sie den Verdacht hegen, dass Ihr Haustier unter einer Helicobakter-Infektion leidet, berät Sie Ihr Tierarzt gerne.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek

  • Hepatozoonose

    Erreger der Hepatozoonose ist Hepatozoon canis, eine sogenannte Protozoe (wie auch Babesien und Leishmanien). Der Überträger dieser Erkrankung ist die Braune Hundszecke Rhipicephalus sanguineus. Die Infektion wird hier allerdings – anders als bei anderen durch Zecken übertragbaren Krankheiten – nicht durch den Speichel der Zecke während des Bisses übertragen. Bei der Hepatozoonose nimmt das Wirtstier die Zecke über den Mund (oral) auf. Dies kann beispielsweise beim Belecken des Fells erfolgen. Wirt ist in erster Linie der Hund. Bei Katzen kommt die Erkrankung selten vor. Wenn die Erkrankung bei Katzen auftritt, dann bei Tiere mit geschwächtem Immunsystem.

    Eine Infektion allein mit Hepatozoon canis verläuft in der Regel ohne klinischen Symptome. Die Inkubationszeit beträgt drei bis fünf Wochen. Als Symptome können auftreten: Fressunlust, Apathie, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Lahmheiten, Muskelschmerzen, Muskelschwund. Auch eine Infektion des zentralen Nervensystems ist möglich. Meist treten schwerwiegende Krankheitszeichen nur auf, wenn gleichzeitig Infektionen mit weiteren Erregern wie Ehrlichien oder Babesien vorliegen oder das Tier immungeschwächt ist. Eine Schwächung des Immunsystems kann beispielsweise durch die Einnahme von Kortison hervorgerufen werden.

    Es gibt eine medikamentöse Therapie. Allerdings ist unklar, ob eine dauerhafte Elimination der Erreger möglich ist. Wichtig wie bei allen durch Zecken übertragbaren Erkrankungen ist der Schutz vor Zecken:

    1. Absuchen des Tieres nach jedem Aufenthalt im Freien
    2. Vorbeugende Anwendung eines wirksamen Insektizides (Spot on, Halsband etc.)

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Herbstgrasmilben

    Die Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis) legt im Spätsommer und Herbst ihre Eier in feuchten, kühlen Wiesen in den Boden. Aus den gelegten Eiern entwickeln sich mehrere Larvenstadien. Die Larve 3 klettert dann auf Grashalme und heftet sich von dort an einen Wirt. Menschen, Katzen und Hunde sind beispielsweise solche Wirte. Mit ihren Mundwerkzeugen bohrt die Larve von außen die Haut an, um sich von Gewebeflüssigkeit zu ernähren. Dies tut sie für einige Tage. Danach fällt die Larve von alleine wieder vom Wirt ab und beendet ihren Entwicklungszyklus in der Umgebung ohne Wirt. Die Larven sind als kleine orangefarbene Pünktchen (wie orangefarbene Zuckerkörnchen) an den befallenen Stellen mit bloßem Auge erkennbar. Typische Lokalisationen sind hierfür Pfoten (Füße), Kopf, Ohren und der Bauch.

    Durch den oft starken Juckreiz fügen sich die befallenen Tiere auch Selbstverletzungen in Form von aufgekratzten Stellen und Haarverlust zu. Es gibt allerdings auch Tiere, die keinen Juckreiz, sondern nur Krusten, kleine Pickelchen oder Schuppenbildung zeigen. Die Symptome in Kombination mit der Jahreszeit allein sind meist schon typisch. Wenn die Milben außerdem sichtbar sind, ist die Diagnose klar.

    Die Milben lassen sich gut mit einer lokalen insektiziden Therapie beseitigen. Allerdings bleibt der Juckreiz manchmal auch nach Verschwinden der Milben noch für einige Wochen bestehen. Hier können juckreizstillende Präparate wie Antihistaminika oder auch Kortison helfen.

    Vorbeugend sollten Tierhalter in der entsprechenden Jahreszeit versuchen, sich von befallenen Gebieten fernzuhalten, soweit dies möglich ist. Auch der vorsorgliche Einsatz von Spot on- oder Sprayinsektiziden als Schutz vor einem Befall kann versucht werden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Herpesvirusinfektionen der Katze (FHV-1)

    Eine der häufigsten Virusinfektionen der Katze stellt die Infektion mit dem felinen Herpesvirus 1 (FHV-1), einem von mehreren Erregern des Katzenschnupfens dar. Es handelt sich hierbei um ein speziesspezifisches Virus, das ausschließlich bei Katzen zu Krankheitssymptomen führt, und bis auf sehr wenige Ausnahmen bisher auch nur bei Katzen nachgewiesen werden konnte.

    Infektionen mit FHV-1 finden über die Schleimhäute der Mundhöhle und des Rachens (oral), über die Nasenschleimhaut (nasal) oder über die Schleimhäute des Auges (conjunktival) statt. Die Übertragung erfolgt entweder direkt (zum Beispiel durch Bisse) oder aber über virushaltige Sekrete.

    Da das FHV-1 relativ temperaturempfindlich ist und eine Vermehrung des Virus nur bei Temperaturen bis 37°C stattfindet, werden vor allem die relativ kühlen Schleimhäute von Mund, Rachen, Nase und Auge befallen. Hier vermehrt sich das Virus in den obersten Schichten der Schleimhaut (Epithelzellen), wodurch es zu Entzündungen der Schleimhaut bis hin zum mehr oder weniger großflächigen Gewebsuntergang (Nekrosen) kommt. Sehr häufig ist eine Doppelinfektion des FHV-1 mit dem felinen Calicivirus (FCV) zu beobachten, das ebenfalls zu einer Schädigung der Schleimhaut, vor allem auf der Zunge führt. Die so vorgeschädigten Schleimhäute sind wesentlich anfälliger für bakterielle Sekundärinfektionen, die das Krankheitsbild weiter verkomplizieren können.

    Eine Besonderheit, die allen Herpesviren gemein ist, ist deren besondere Fähigkeit, dem Immunsystem des Trägers zu entgehen. Zum einen findet die Übertragung der Viren in den Schleimhäuten von einer infizierten Zelle zur Nachbarzelle statt, wodurch sie den in Blut und Lymphe zirkulierenden Antikörpern entgehen können. Zum anderen besitzen die FHV-1 die Fähigkeit, sich in Nervenzellen „zurückzuziehen“ und so ebenfalls dem Immunsystem zu entgehen. In den Nervenzellen können die FHV-1 auch bei scheinbar geheilten Katzen zum Teil über Jahre überdauern und bei einer Schwächung des Immunsystems (durch Stress oder andere Infektionen) zu einem erneuten Aufflammen der Erkrankung führen.

    Als Symptome einer FHV-1-Infektion sind, analog zur hauptsächlichen Lokalisation der Viren, Niesen, Nasenausfluss, übermäßiger Speichelfluss, Augenausfluss, Nahrungsverweigerung, Fieber sowie eine Störung des Allgemeinbefindens zu beobachten. Diese Symptome können bei entsprechenden Sekundärinfektionen in ihrer Intensität zum Teil besorgniserregende Ausmaße annehmen.

    Diagnostiziert werden kann die Erkrankung durch den behandelnden Tierarzt in aller Regel schon anhand der Symptomatik. Im Zweifelsfall kann jedoch auch der Nachweis der Viren aus den Sekreten von Mund, Nase und Augen durch den behandelnden Tierarzt in Kooperation mit einem Speziallabor erfolgen.

    Eine Therapie, die zur sicheren Eliminierung der FHV-1 aus dem Körper der Katze führt, ist zum momentanen Zeitpunkt nicht bekannt. In schweren Fällen ist es jedoch versuchsweise möglich, die Virusvermehrung durch antivirale Medikamente (wie zum Beispiel Azyklovir) zu verlangsamen. Einen relativ neuen Therapieansatz stellt der Einsatz von felinem Interferon dar.

    Diese Fakten verdeutlichen, dass vor allem der Prophylaxe einer Infektion eine entscheidende Bedeutung zugemessen werden kann. Diese Prophylaxe findet in Form einer Impfung, die erstmalig in der vierten bis neunten Lebenswoche erfolgen sollte, statt. Selbst wenn die Impfung im Einzelfall die Infektion nicht völlig verhindern kann, führt sie doch zu einer wesentlich milderen Verlaufsform der Erkrankung.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Hitzschlag

    Vor allem im Sommer werden in der Kleintierpraxis immer wieder Tiere in einem lebensbedrohlichen Zustand vorgestellt. Meist können die Tierhalter schon den Verdacht äußern, dass ihr Vierbeiner unter einem Hitzschlag leiden könnte, gelegentlich muss aber auch der Tierarzt nach gezielter Befragung des Halters (Anamneseerhebung) diese Verdachtsdiagnose stellen.

    Vielen Tierhaltern ist die Tatsache nicht bewusst, dass Haustiere (Hunde, Kaninchen, aber auch Katzen) anfälliger für Hitzschläge sind als Menschen. Erklären lässt sich diese erhöhte Anfälligkeit mit der fehlenden Fähigkeit der genannten Tierarten, ihre Körperinnentemperatur durch Schwitzen zu regulieren. So fehlen Kaninchen die (bei Menschen dazu notwendigen) Schweißdrüsen völlig, während sie bei Hunden und Katzen nur noch rudimentär an Pfotenballen und Nasenspiegel vorhanden sind. Die Temperaturregulation erfolgt hier primär über die Atmung (Hecheln) und dem Meiden von Orten mit extremer Hitze.

    Leider kommt es immer vor, dass Halter ihre Tiere aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit dazu zwingen, sich mit extremer Hitze auseinandersetzen zu müssen. Beispielsweise werden immer wieder Hunde bei Einkäufen „kurz“ im geparkten Auto gelassen, in dem sich trotz teilweise geöffnetem Fenster unter Sonneneinstrahlung sehr schnell Temperaturen jenseits der 50°C entwickeln können. Aber auch längere Transporte im Auto bei hochsommerlichem Wetter können, vor allem bei Kaninchen, schon ausreichen, um das Tier in Lebensgefahr zu bringen. Als weiteres Beispiel sei der Freilauf von Kaninchen und Kleinnagern in Freigehegen genannt. Auch hier kommt es immer wieder zu Hitzschlägen, wenn keine schattigen Plätze zum Abkühlen verfügbar sind (hier sollte man auch den im Laufe des Tages wechselnden Sonnenstand bedenken: Sind morgens noch schattige Areale, können diese im Laufe des Tages verschwinden.).

    Betroffene Tiere fallen zunächst durch ungewöhnlich unruhiges Verhalten auf, das zunehmend in Apathie übergeht. Die Atmung ist auffallend angestrengt und flach und, ebenso wie die Herzfrequenz beschleunigt. Im fortgeschrittenen Stadium ist das Tier nicht mehr ansprechbar und es treten Krämpfe auf. Misst man bei den betroffenen Tieren Temperatur, so sind Werte von über 42°C keine Seltenheit. Derart hohe Körpertemperaturen führen innerhalb sehr kurzer Zeit zu Veränderungen von Eiweißstrukturen im Körper sowie zum Absterben von Geweben (Nekrosen) in diversen Organen und letztendlich zum Tod.

    Die Therapie muss daher auf eine möglichst rasche Normalisierung der Körpertemperatur abzielen. Als Erstes muss das Tier unverzüglich gekühlt und zu einem Tierarzt gebracht werden. Der Tierhalter kann diese Abkühlung durch Befeuchten des Fells oder das Wickeln in feuchte Tücher erreichen. Der Tierarzt wird zusätzlich kühle Infusionen verabreichen und medikamentös den Kreislauf des Tieres stabilisieren. Wichtig ist auch, die Temperatur des Tieres fortlaufend zu kontrollieren, um zu verhindern, dass das Tier während der Therapie unterkühlt wird.

    Auch wenn es gelingt, das Tier aus der akuten Krise zu retten, so besteht auch noch einige Tage später die Gefahr, dass das Tier aufgrund der beschriebenen Organschädigung zum Beispiel an Nierenversagen stirbt.

    Sie werden nun verstehen, wie wichtig es ist, einen Hitzschlag schon im Vorfeld zu verhindern. Dass dies für die eigenen Tiere gilt ist selbstverständlich. Aber auch bei fremden Tieren sollten Sie nicht zögern entsprechend zu intervenieren: Wenn Sie zum Beispiel einen Hund in einem in der Sonne geparkten Auto sehen sollten, sollten Sie unverzüglich die Polizei verständigen, die das Tier dann schnellstmöglich befreien kann.

    Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserer Projektseite „Hund im Backofen“.
    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Husten

    Definition

    Plötzliche, kräftige Ausatmung von Luft durch den Kehlkopf mit hörbarem Geräusch.

    Husten ist ein sehr starker Reflex des Körpers und dient dem Atmungssystem als Schutzmechanismus. Der Hustenreflex entsteht durch Reizung von Nerven im Kehlkopf, der Luftröhre und der großen Bronchien.

    Ursachen

    Die Ursachen können einmal in den oberen Atemwegen liegen. Dazu gehören anatomisch gesehen die Nase, der Rachen, die Mandeln, der Kehlkopf und die Luftröhre.

    Ursachen können hier sein:

    • eingeatmete Fremdkörper
    • Entzündungen
    • Tumore
    • Infektionen oder ein sogenannter Trachealkollaps (hierbei verschließt sich/kollabiert die Luftröhre beim Atmen, so dass die Atemluft nicht problemlos hin und her bewegt werden kann)

    Außerdem gibt es die Ursachen in den unteren Atemwegen. Dies sind die Bronchien, die Lungengefäße (hier bedingt durch Herzwürmer, Gefäßverschlüsse (Thrombose/Embolie) oder auch Herzversagen), das Brustfell und die Speiseröhre.

    Husten kann zwei verschiedene Qualitäten haben:

    • laut, bellend → Ursprung im Kehlkopf
    • leise → Ursprung in der Lunge

    Gleichzeitiges Niesen und Husten ist grundsätzlich auch möglich. Dies führt manchmal zur Verwirrung, aber beim reinen Niesen ist das Maul in der Regel geschlossen.

    Beim Hund gibt es noch das sogenannte „reverse sneeze“. Das Rückwärts-Niesen. Dies entsteht meist durch eine lokale Reizung im Nasen-Rachenraum und ist erst mal nichts Schlimmes. Wenn es häufiger oder regelmäßig vorkommt, sollte die Ursache erforscht werden.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)

    Kleintierpraxis Oberursel

     

     

  • Insektenstiche

    Sommerzeit ist Bienen-, Wespen- und Hornissenzeit. Und jeden Sommer kommt es bei Mensch und Tier immer wieder zu schmerzhaften Begegnungen mit diesen an und für sich nützlichen und schützenswerten Insekten. Bei vielen Tierhaltern herrscht in diesem Zusammenhang eine gewisse Unsicherheit, wie gefährlich Stiche dieser Insekten für unsere Vierbeiner sind. Wer kennt nicht das Gerücht, dass zehn Hornissenstiche ein Pferd töten können?

    Grundsätzlich stechen sowohl Bienen als auch Hornissen entgegen anders lautender Gerüchte in aller Regel nur, wenn sie sich bedroht fühlen, während sich Wespen unter bestimmten Umständen auch aggressiv verhalten und scheinbar grundlos zustechen können (dies gilt vor allem, wenn sie sich bei der Futteraufnahme gestört fühlen).

    Gerade junge, unerfahrene Hunde und Katzen werden häufig beim Versuch, mit den sich bewegenden Insekten zu spielen oder diese zu fressen, gestochen. Die am häufigsten betroffenen Körperstellen sind daher auch die Sohlenflächen der Pfoten sowie die Mundhöhle. Ältere Tiere, die schon einmal schmerzhafte Erfahrungen mit den gelb-schwarz gestreiften Insekten gemacht haben, sind in aller Regel wesentlich vorsichtiger und werden somit auch seltener gestochen. Bei anderen Haustieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen sind Stiche eher eine Seltenheit und beruhen meist auf einer Verkettung unglücklicher Umstände.

    Bei einem Stich stehen normalerweise Schwellungen im Bereich des Stichs sowie eine mehr oder weniger ausgeprägte Schmerzhaftigkeit, hervorgerufen durch bestimmte Proteine im Insektengift als Symptome im Vordergrund. Während einzelne Stiche am Körper oder an den Gliedmaßen bei gesunden Tieren normalerweise lediglich unangenehm sind, können Stiche im Mund-Rachenbereich (vor allem in Zunge oder Kehlkopf) zu erheblichen Schwellungen und einer damit verbundenen Verlegung der Atemwege führen, die im Extremfall auch lebensbedrohlich sein können. Auch mehrere Stiche am Körper sind normalerweise nicht lebensbedrohlich, hier spielt jedoch die Größe des Tieres eine entscheidende Rolle. So können bei Zwerghunderassen oder Katzen schon 10 bis 20 Stiche zu ernsten Allgemeinsymptomen führen, wohingegen bei Riesenrassen wie Dogge oder Bernhardiner erst 100 Stiche oder mehr kritisch werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass sich Giftmenge und Giftstärke von Bienen, Wespen und auch Hornissen nicht wesentlich unterscheiden. Die (zu Unrecht) gefürchtete Hornisse ist daher nicht gefährlicher als eine Honigbiene. Eine andere Zusammensetzung von Wespen- und Hornissengift führt jedoch dazu, dass die Stiche dieser Insekten schmerzhafter als die der Biene sind.

    Eine Sonderstellung in der Gefährdung nehmen Tiere ein, die allergisch auf ein oder mehrere Bestandteile der Insektengifte reagieren und bei denen unter Umständen schon der Stich eines einzelnen Insekts zu lebensbedrohlichen Schwellungen oder Schockzuständen führen kann.

    Sollte Ihr Tier gestochen werden, sollte zunächst (im Falle eines Bienenstichs) der Stachel mit der anhängenden Giftdrüse vorsichtig aus der Haut entfernt werden und anschließend die Stichstelle gekühlt werden. Auch der Einsatz eines Antihistaminikums (zum Beispiel Dimetidin) in Salben- oder Tropfenform kann helfen, die Symptome zu lindern.

    Im Falle von ausgeprägten Schwellungen, vor allem im Kopfbereich, sowie beim Auftreten von Schocksymptomen (wie Gehstörungen, blassen Schleimhäuten oder stark beschleunigter Herzfrequenz) sollte das Tier unverzüglich in tierärztliche Behandlung gelangen. Der Tierarzt wird durch Verabreichung von Antihistaminika, Cortison und/oder Adrenalin dem Schock entgegenwirken und im Bedarfsfall den Kreislauf mit Infusionen stabilisieren.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek

  • Kaninchen schützen durch regelmäßige Impfungen

    Zwergkaninchen gehören zu den beliebtesten Haustieren, vor allem bei Kindern. Die vergnügten kleinen Heimtiere gelten als pflegeleicht, dabei ist ihre Haltung anspruchsvoller als man im ersten Moment meint. Es ist wichtig, dass die Eltern hinter ihren Kindern stehen und sie bei der Versorgung und Pflege unterstützen.

    Im Gegensatz zu Meerschweinchen und kleineren Nagern gehören Zwergkaninchen zu den Heimtieren, die regelmäßig geimpft werden müssen, um sie vor Infektionskrankheiten zu schützen. Am wichtigsten sind die Schutzimpfungen gegen Myxomatose und RHD (auch bekannt als „Chinaseuche“).

    RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) ist eine Viruserkrankung, die für ungeimpfte Kaninchen lebensbedrohlich ist. Erkrankte Tiere sterben schnell und oft bereits, bevor offensichtliche Krankheitsanzeichen auftreten. Es kommt vor, dass ein erkranktes Tier am Abend noch munter ist und keine Auffälligkeiten zeigt, am nächsten Morgen aber tot im Käfig liegt oder binnen kurzer Zeit mit Fieber, Krämpfen und blutigem Nasenausfluss verstirbt.

    Übertragen wird die Krankheit durch Insekten, von Tier zu Tier und über kontaminierte Gegenstände wie zum Beispiel Kleidungsstücke, Futter, Einstreu, Transportkisten, Trinknäpfe – weshalb auch „Wohnungskaninchen“, die keinen Auslauf im Freien haben, geschützt werden sollten.

    Myxomatose ist ebenfalls eine Viruserkrankung, die sich in Deutschland weiter ausbreitet und die die wenigstens erkrankten Tiere überleben. Infizierte Tiere leiden an Schwellungen, vor allem im Kopf- und Analbereich. Die Tiere werden apathisch und verweigern Wasser- und Futteraufnahme. Übertragungswege sind vor allem Stechmücken und Kaninchenflöhe und direkter Kontakt von Kaninchen zu Kaninchen, wobei das Virus auch von Wildkaninchen auf Hauskaninchen übertragen wird.

    Geimpft werden können Kaninchen bereits ab der vierten Lebenswoche. Mit einer Wiederholungsimpfung vier Wochen später ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Auch bei älteren Kaninchen empfiehlt sich eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von jeweils vier Wochen. Die Myxomatose-Impfung sollte alle sechs Monate aufgefrischt werden. Eine Nachimpfung ist bei der RHD einmal pro Jahr nötig.

    Da verschiedene moderne Impfstoffe auf dem Markt sind, lassen Sie sich bitte in der Tierarztpraxis individuell beraten, welcher Schutz für Ihr Tier am besten geeignet ist. Zusätzlich helfen eine gute Stallhygiene, regelmäßige Insektenprophylaxe und im Sommer ein zusätzliches Moskitonetz über dem Stall. Futter, zu dem auch Wildkaninchen Zugang haben, sollte nicht verfüttert werden.

    Kaninchen, die geimpft werden sollen, sollten gesund sein. Der Organismus sollte nicht durch eine Erkrankung oder Parasitenbefall geschwächt sein, weil derart belastete Kaninchen keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Katzenschnupfen

    Katzenschnupfen ist eine Entzündung der Kopfschleimhäute und der Atemwege. Bei dieser Infektion sind mehrere Erreger beteiligt. Dies sind vor allem das feline Herpesvirus (FHV) und das feline Calicivirus (FCV). Feline heißt „die Katze betreffend“. Weitere Keime wie Chlamydien und Bordetellen und andere können zusätzlich vorkommen.

    Katzen können sich direkt an Sekreten infizierter Artgenossen anstecken, wenn die Sekrete mit Mund, Augen oder Nase in Kontakt kommen. Aber auch die Übertragung auf indirektem Wege über Menschen und Gegenstände, die mit infizierten Tieren Kontakt hatten, ist möglich. Hierbei ist bedeutsam, dass Herpesviren gegenüber allen normalen Reinigungsmitteln empfindlich sind und nur 24 Stunden in der Außenwelt überlebensfähig sind. Caliciviren sind gegenüber allen Desinfektionsmitteln empfindlich. Diese Viren können Tage bis zu einem Monat in der Außenwelt überleben.

    Die durch die Erreger hervorgerufenen klinischen Symptome zeichnen sich durch unterschiedliche Schweregrade aus. Die Art der Erreger, die aufgenommene Menge, das Alter der Katze, der Ernährungs- und Gesamtzustand des Tieres sind entscheidend für den Krankheitsverlauf. Die Katzen zeigen zu Beginn Niesen und Augen- und Nasenausfluss. Auch Fieber kann genauso wie Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Husten tritt eher selten auf. Die beteiligten Herpesviren können auch speziell an den Augen Veränderungen wie Bindehaut- und Hornhautentzündungen hervorrufen. Normalerweise verschwinden die klinischen Symptome nach etwa zwei bis drei Wochen wieder. Es gibt aber auch schwere Verläufe mit Lungenentzündung.

    Katzenschnupfen sollte tierärztlich behandelt werden. Die Therapie besteht aus dem Einsatz von Medikamenten gegen Viren. Eine symptomatische Therapie wird mit Antibiotika, Schleimlösern, Vitaminen, Augenmedikamenten und bei Bedarf Flüssigkeitsersatz und Stoffe zur Appetitanregung durchgeführt.

    Akuter Katzenschnupfen kann ausheilen. Durch die Beteiligung von Herpes- und Caliciviren ist aber eine komplette Erregerausmerzung oft nicht möglich. Die Viren bleiben bei den allermeisten angesteckten Katzen im Körper vorhanden. Stress für das Immunsystem in Form von Trächtigkeit, Änderung der Lebenssituation, Gabe von Kortison etc. kann jederzeit zu einem erneuten Krankheitsschub führen. Herpesinfizierte Katzen sind dauerhaft infiziert, scheiden aber nicht permanent den Virus aus. Calicivireninfizierte Katzen sind meist sogar Dauerausscheider.

    Bei Caliciviren sind die Heilungsaussichten stark vom Virusstamm abhängig. Es gibt neue Stämme, die eine systemische Erkrankung mit vielen Todesfällen auslösen. Für eine Übertragung auf den Menschen gibt es bisher keine Hinweise. Gegen „Katzenschnupfen“ stehen Impfstoffe zur Verfügung. Auch Katzen, die nur im Haus gehalten werden, sollten dagegen geimpft sein. Ein guter und lang bestehender Schutz entsteht durch eine sorgfältige Grundimmunisierung der Tiere. Dies bedeutet: Katzenwelpen sollten mit der 8., 12. Und 16. Woche und dann nach einem Jahr geimpft werden. Weitere Auffrischungsimpfungen folgen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Kurzköpfigkeit (Brachyzephalensyndrom)

    Unter Kurzköpfigkeitsyndrom versteht man die Folgen der züchterisch bedingten verkürzten Kopfform bei verschiedenen Hunde- (zum Beispiel Mops oder Bulldogge) und auch Katzenrassen (zum Beispiel Perser). Das Syndrom tritt bei Tieren auf, bei denen durch züchterische Auswahl eine Verkürzung der Nase, ein runder (kindchenhafter) Kopf sowie ein kurzer und dicker Nacken entstanden ist.

    Die Tiere, die unter diesem Syndrom leiden, zeigen Atembehinderungen bis hin zur Atemnot, fehlende Belastbarkeit und eine großes Maß an Wärmeintoleranz. Die meisten dieser Patienten zeigen bereits in Ruhe und bei normalen (niedrigen) Temperaturen die oben genannten Symptome. Aufregung, Stress, körperliche Belastung und steigende Außentemperaturen verstärken die Symptomatik. Auch andere vorliegende Erkrankungen wie beispielsweise Übergewicht oder auch eine Infektion der Atemwege verschlimmern die Situation. Die meisten Hunde zeigen ein von außen hörbares, schnarchendes oder ziehendes Atemgeräusch. Da Hunde und Katzen normalerweise durch die Nase atmen, stellen die Veränderungen eine große Beeinträchtigung für die Tiere dar.

    Halter von Tieren mit Kurzköpfigkeitsyndrom sollten drauf achten, dass ihr Tier ein normales Körpergewicht hat. Sie sollten Aktivität des Tieres eventuell einschränken. Dies gilt besonders bei hohen Außentemperaturen. Das Narkoserisiko bei betroffenen Tieren ist ebenfalls erhöht.

    Durch die spezielle Zuchtauslese bei besagten Rassen können folgende anatomische Veränderungen in unterschiedlichem Schweregrad entstehen:

    • Verengung des Naseneinganges an den Nasenlöchern
    • Verengung des sich anschließenden Nasenvorhofes
    • Verlegung der Nasenhöhle durch fehlgebildete, zu große und falsch gelagerte Nasenmuscheln
    • Verlegung des hinteren Nasenausganges durch ebensolche Nasenmuscheln
    • zu langes und zu dickes Gaumensegel
    • Verengung des Kehlkopfes durch zu viel Schleimhaut und durch einen zu instabilen (weichen) Kehlkopf
    • zu lange und zu dicke Zunge
    • im Durchmesser zu enge oder zu wenig steife Luftröhre
    • zu große Tonsillen (Mandeln)

    Die Folge dieser anatomisch bedingten Situation ist, dass die Tiere nicht ausreichend Luft durch die an mehreren Stellen verengten Atemwege bekommen. Sie leiden daher an einem chronischen Atemnotproblem. Es kommt zu wenig Atemluft in die Lungen und damit auch zu wenig Sauerstoff zum Gasaustausch in das Blut. Gleichzeitig entsteht bei den betroffenen Hunden ein weiteres Problem: Sie können ihre Körpertemperatur durch die anatomischen Veränderungen in ihrer Nase nicht mehr regulieren. Hunde können nicht schwitzen. Sie senken ihre Temperatur vor allem durch das Verdunsten von Wasser in der Nase. Das Wasser hierfür bilden Hunde durch eine spezielle Nasendrüse. Durch den Kontakt mit der durch die Nase eingeatmeten Luft entsteht Verdunstungskälte auf der (normalerweise großen) Oberfläche in den Nasenmuscheln. In den sehr gut durchbluteten Nasenmuscheln wird so das Blut gekühlt. Die Wärme wird an die Ausatmungsluft und diese über das Maul abgegeben (= Hecheln). Funktioniert dieses System nicht, kann die Körpertemperatur nicht herunterreguliert werden. Eine zu hohe Körpertemperatur mündet schließlich irgendwann in einem Kreislaufkollaps und kann dann schnell zum Tod des Tieres führen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Leishmaniose

    Die Erreger dieser Infektionskrankheit sind Leishmanien. Leishmanien gehören zur Gruppe der Protozoen wie zum Beispiel auch Babesien (Erreger der Hundemalaria). Die Übertragung der Leishmanien erfolgt vor allem durch den Stich von Schmetterlingsmücken (Phlebotomen). Die Übertragung durch infizierte Wunden, beim Deckakt oder mittels Bluttransfusionen bei Hunden untereinander ist eventuell ebenfalls möglich. Eine Übertragung der Leishmanien vom Hund auf den Mensch durch Kontakt mit einer infizierten Wunde ist wohl eher nicht möglich.

    Leishmaniose tritt überall dort auf, wo es Schmetterlingsmücken (Sandmücken) gibt. Dies ist vor allem die gesamte Mittelmeerregion inklusive Frankreich. Es soll aber auch schon bei Hunden vereinzelt Fälle in Deutschland gegeben haben, die nicht importiert sind.

    Es gibt zwei Formen der Erkrankung: die Haut- und die Organform. Bei der Organform werden die Erreger durch körpereigene Zellen im Organismus verteilt und befallen so auch Leber, Milz, Knochenmark und Lymphknoten. Hunde erkranken meistens an der Organform. Auch hierbei können Hautsymptome auftreten. Die Leishmaniose ist beim Hund in den allermeisten Fällen eine systemische Erkrankung. Wenn die Erreger im Blut vorhanden sind, können sie weitere Mücken bei deren Blutmahlzeit infizieren. Infizierte Hunde sollten daher eine lebenslange Vorbeugung gegen stechende Insekten erhalten, um weitere Tiere vor einer Ansteckung zu schützen.

    Die Symptome der Leishmaniose sind vielfältig:

    • Gewichtsverlust
    • Fressunlust
    • Leistungsschwäche
    • brüchige Krallen
    • Lymphknotenvergrößerung
    • Nierenveränderungen
    • Gelenksentzündungen
    • Augenveränderungen
    • Blutungsneigung

    Bei der Haut sind nicht juckende, schuppende Hautveränderungen an Extremitäten, Nase und Ohren typisch.

    Die Erkrankung kommt selten bei Katzen vor.

    Die Diagnose der Leishmaniose gilt als gesichert, wenn das Tier Symptome zeigt, Antikörper hat und auch Erreger im Tier in Proben, beispielsweise aus Lymphknoten oder der Haut, gefunden werden. Ein reiner Antikörpernachweis (Titer) besagt nur, dass sich das Tier bereits mit den Erregern auseinandergesetzt hat. Ein Titer besagt nicht, dass das Tier an Leishmaniose erkrankt ist oder erkranken wird. Tiere ohne Titer können auch mit Leishmanien infiziert sein und noch erkranken.

    Die Behandlung der Leishmaniose ist schwierig, sollte aber immer durchgeführt werden. Aktuell gibt es keine Medikamente, die zu einer dauerhaften Erregerfreiheit führen. 

    Der beste Schutz gegen Leishmaniose ist, Hunde nicht in Gebiete, wo die Erreger vorkommen, mitzunehmen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Magen-Darm-Erkrankungen

    Die wahrscheinlich häufigsten Symptome, aufgrund derer Hunde und Katzen in der Tierarztpraxis vorgestellt werden, sind Durchfall und Erbrechen. Gerade hier sind sich Tierhalter häufig sehr unsicher, wann es sich um einen vergleichsweise unkomplizierten Magen-Darm-Infekt handelt und wann eine ernste Erkrankung zugrunde liegt, die ein therapeutisches Eingreifen dringend erfordert.

    Zunächst muss in diesem Zusammenhang betont werden, dass es sich sowohl bei Durchfall als auch bei Erbrechen nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne handelt, sondern beides Symptome einer Erkrankung darstellen. Die zugrunde liegenden Erkrankungen können hierbei sehr mannigfaltig sein (was verständlicherweise zu der beschriebenen Verunsicherung führt).

    Meist handelt es sich bei der zugrunde liegenden Erkrankung um unkomplizierte Infektionen oder aber um eine Reaktion auf eine Aufnahme von verdorbenen oder unverdaulichen Substanzen. Welcher Hundehalter hat es noch nicht erlebt, dass der Vierbeiner beim täglichen Gassi-Gang irgendetwas nicht Identifizierbares abgeleckt oder gar gefressen hat und einige Stunden später mit Erbrechen oder Durchfall reagiert?

    Es sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass auch schwerwiegende Erkrankungen sich in gleicher Weise äußern können. Als Beispiele seien hier Leber-, Nieren- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Vergiftungen oder parasitäre Erkrankungen angeführt (diese Liste ließe sich aber noch fast beliebig erweitern).

    Ob und wann nun bei Durchfall und Erbrechen ein Tierarztbesuch nötig ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. So stellen die Schwere der Symptome sowie das Allgemeinbefinden sicher einen recht guten Indikator dar. Erbricht der Patient in einem fort oder leidet unter anhaltenden reißwasserartigen Durchfällen, sollte ebenso wenig gezögert werden einen Tierarzt zu kontaktieren, wie wenn eine deutliche Störung des Allgemeinbefindens, Fieber, erkennbare Bauchschmerzen oder Blutbeimengungen in Kot oder Erbrochenem zu beobachten sind. Generell sollten Vierbeiner, die länger als zwei bis drei Tage unter Durchfällen oder Erbrechen leiden in jedem Fall einem Tierarzt vorgestellt werden.

    Leichtere Fälle, die nicht mit Störungen des Allgemeinbefindens oder sonstigen Auffälligkeiten einhergehen, erfordern häufig kein aggressives therapeutisches Vorgehen, sondern können (im Zweifel nach telefonischer Rücksprache mit dem Haustierarzt) zunächst rein diätetisch angegangen werden.

    Im Folgenden nun ein Vorschlag für einen entsprechenden Diätplan (alternativ sind in Tierarztpraxen auch kommerzielle Magen-Darm-Diäten erhältlich):

    1.Tag: 24 Stunden vollständige Nahrungskarenz, zum Trinken Mineralwasser ohne Kohlensäure oder Kamillen- oder schwarzen Tee, jeweils in kleinen Portionen.
    2.-4.Tag: Kartoffelbrei, Nudeln oder Reis; Magerquark oder Hüttenkäse; mageres Hähnchenfleisch, jeweils zu einem Drittel. Die Fütterung sollte auf viele kleine Portionen verteilt werden.
    Ab 5. Tag: Langsame Umstellung der Diät auf Normalfütterung, dabei sollten Teile der Diät anfangs durch kleine, im Laufe der nächsten Tage zunehmende Portionen des gewohnten Futters ersetzt werden.

    Prinzipiell gewarnt werden muss vor eigenmächtigen Therapieversuchung mit Arzneimitteln aus der eigenen Hausapotheke, da einige humanmedizinische Arzneimittel, alleine oder gar in Kombination verabreicht, schwere unerwünschte Wirkungen beim Tier haben können.

    Sollte sich auch unter der Diät keine Besserung einstellen oder falls bei Ihnen Zweifel am harmlosen Charakter der Symptome kommen, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Tierarzt kontaktieren.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Magendrehung

    Unter einer Magendrehung versteht man das Aufgasen und Drehen des Magens in der Bauchhöhle um seine Längsachse. Die Drehung kann teilweise (90°) bis zu vollständig (360°) sein. Durch die Drehung wird der Magenaus- und Mageneingang mehr oder weniger verschlossen. Auch wichtige große Blutgefäße werden durch die Drehung abgeschnürt. Daraus entsteht ein verminderter Rückfluss von Blut in den Gefäßen aus dem Bereich der Bauchhöhle zum Herzen. Die Herzauswurfleistung nimmt drastisch ab, lebenswichtige Organe werden unzureichend durchblutet, der Kreislauf kollabiert. Eine Magendrehung ist daher immer ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofortiger tierärztlicher Hilfe bedarf. Ohne Behandlung stirbt der Hund. Die Operationschancen sind je nach Ausgangslage etwa 50:50. Das bedeutet, die Alternative zu einer OP ist meist nur das Einschläfern des Tieres.

    Die klassische Magendrehung kommt mit dem Vorbericht, dem Hund geht es in relativ kurzer Zeit sehr schlecht. Er wird zunehmend teilnahmslos, der Leibesumfang nimmt zu. Der Hund speichelt, versucht zu würgen und zu erbrechen, ohne Erfolg. Eine Magendrehung kann bei jedem (auch kleinem) Hund auftreten. Diese Erkrankung kommt allerdings deutlich mehr bei mittelgroßen bis großen Hunden vor, die einen tiefen Brustkorb besitzen. Sie tritt vor allem bei mittelalten bis älteren Hunden auf. Es gibt bestimmte Hunderassen, die im Verhältnis häufiger eine Magendrehung bekommen als andere Rassen. Dies sind: Deutsche Schäferhunde, Deutsche Doggen, Bernhardiner, Rottweiler, Labrador Retriever und Malamuts

    Bei Katzen wurde dieser Erkrankungskomplex bisher nicht beschrieben.

    Die Ursachen für eine Magendrehung sind vielschichtig. Folgende Punkte sollen eine Rolle spielen:
    Schon vor dem Auftreten der Magendrehung bestandene Verdauungsstörung in Form einer abnormalen Magen-Darmtätigkeit

    • Bewegung des Hundes nach dem Fressen
    • über den Rücken rollen
    • schlechte Futterqualität
    • hoher Aschegehalt des Futters
    • zu große Menge Futter/Wasser
    • zu stark quellfähiges Futter
    • zu hohe Keimbelastung des Futters
    • verdorbenes Futter
    • jede große Aktivität oder Stress des Hundes

    Falls der Magen nicht gedreht, sondern „nur“ aufgegast ist, kann es ausreichen, mit einer dicken Magensonde das Gas abzulassen. Wenn der Magen aber gedreht ist, hilft nur eine Bauchoperation. Hierbei ist wichtig, dass der Magen am Ende des Eingriffes an der Bauchwand festgenäht wird. Bei Tieren, bei denen diese sogenannte Gastropexie nicht gemacht wird, bekommen 80 % wieder eine Magendrehung.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Maulhöhlenentzündungen bei Katzen

    Diese Erkrankung zeigt sich in Form von wiederkehrenden, oft schwer behandelbaren Entzündungen im Maul- und Rachenbereich von Katzen. Die Maulschleimhaut um die Zähne und im Rachen ist mehr oder weniger stark gerötet. Die betroffenen Katzen riechen unangenehm aus dem Maul. Viele zeigen verändertes Fressverhalten bis hin zur kompletten Fressunlust, schlecht gepflegtes Fell und Teilnahmslosigkeit oder auch aggressives Verhalten beim Fressen oder Kontakt.

    Die Ursache dieses sogenannten Stomatits-Gingivitis-Komplexes ist vermutlich durch verschiedene Faktoren bestimmt. Auf jeden Fall liegt eine Überreaktion des Immunsystems bei den erkrankten Tieren vor. Das Immunsystem reagiert mit einer überschießenden Immunantwort auf vorhandene Erreger in der Maulhöhle. Dies können Viren und auch Bakterien sein.

     Aus diesem Grund ist es bedeutsam, auf eine sehr gute Mundhygiene des betroffenen Tieres zu achten. Dies beinhaltet, dass die Zähne möglichst immer ohne Zahnstein und ohne Zahnerkrankungen wie Verlust von Zahnsubstanz sind. Dazu sind regelmäßige professionelle Zahnreinigungen und eventuell auch Zahnentfernungen von erkrankten Zähnen durch den Tierarzt notwendig. Auch die Unterdrückung der entzündlichen Reaktion in der Maulschleimhaut durch die Gabe von Kortison, anderen immununterdrückenden Substanzen oder anderen Hormonen wird praktiziert. Häufig ist der Erfolg aber nur vorübergehend. In schweren Fällen kann es notwendig und hilfreich sein, alle Zähne zu entfernen. Meistens führt diese Maßnahme zu einem Abklingen der Entzündung.

    Katzen mit dieser Erkrankung sollten auf innere Erkrankungen wie zum Beispiel Nierenerkrankungen und Infektionen mit dem felinen (die Katze betreffenden) Leukämievirus (FeLV) und dem felinen Immunschwächevirus (FIV) sowie auf das Vorhandensein von Calici- oder Herpesviren in der Maulschleimhaut untersucht werden.

    Wenn die Erkrankung nur mit lokal begrenzten Symptomen innerhalb der Maulhöhle auftritt (also nur an einer Stelle oder nur auf einer Seite), sollte eine Gewebeprobe für eine histologische Untersuchung entnommen werden, um eine andere Erkrankung (zum Beispiel einen Tumor) sicher auszuschließen.

    © Dr. Anette Fach (Tierärztin)
     Kleintierpraxis Oberursel

     

     

  • MDR1-Defekt

    MDR1 heißt multi drug transporter 1. Es handelt sich dabei um einen Membrantransporter, der in verschiedenen Geweben bei Säugetieren vorkommt. Der Transporter sitzt zum Beispiel in der Bluthirnschranke, wo er den Übertritt von Stoffen aus der Blutbahn in das zentrale Nervensystem verhindert beziehungsweise reduziert. Der Transporter kommt außerdem auch unter anderem in Geweben der Niere, Leber und des Darmes vor. An allen Stellen reguliert er den Durchtritt von Stoffen durch die körpereigenen Membranen (= Grenzgewebe). Bei den Stoffen kann es sich um körpereigene (zum Beispiel Hormone) oder um körperfremde Stoffe (zum Beispiel Arzneimittel wie beispielsweise Medikamente gegen Parasiten, Loperamid oder Zytostatika) handeln.

    Beim Hund gibt es einen erblichen Defekt bei diesem Transporter. Dieser Defekt ist mittlerweile bei zahlreichen Hunderassen beschrieben. Er kann auch bei jedem Mischlingshund vorkommen.

    Betroffenen Rassen, bei denen der Defekt gefunden wurde sind unter anderem:

    • Collie
    • Australian und English Shepherd
    • Border Collie
    • Bobtail
    • Deutscher Schäferhund
    • Canadischer Schäferhund
    • Whippet

    Der Gendefekt kann reinerbig (als MDR1 -/-) oder gemischterbig als (MDR1 +/-) auftreten. Hunde ohne Defekt sind MDR1+/+, das heißt hier ist das kodierende Gen für den Transporter in Ordnung. Die Firma TransMIT in Gießen bietet einen Bluttest für diese Erbkrankheit an. Es sinnvoll und wichtig, bei seinem Hund den MDR1 Status zu kennen, um potentiell tödliche Vergiftungssituationen durch Arzneimittel bei den Hunden zu vermeiden.

    Bei Tieren mit MDR1-Defekt kann die sonst sichere Anwendung gängiger Arzneimittel gefährlich sein. Aufgrund des Defektes dringen Stoffe durch die Bluthirnschranke in das zentrale Nervensystem ein. Dort können sie Vergiftungen auslösen.

    Diese können sich mit folgenden Symptomen äußern:

    • Speicheln
    • schwankender Gang
    • Verwirrtheit
    • Krämpfe
    • Blindheit

    In schweren Fällen kann das Tier ins Koma fallen und an der Vergiftung sterben.

    Als Therapie gibt es nur unterstützende Maßnahmen, die im Rahmen einer intensiven tiermedizinischen Versorgung angewandt werden können, zum Beispiel: Aktivkohle eingeben (nur wenn das Tier schlucken kann!), Dauertropfinfusion, künstliche Ernährung oder auch gezielte Behandlung von Krampfanfällen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Modernes Schmerzmanagement

    Noch in den 80er Jahren stritten sich Wissenschaftler darüber, ob Tiere überhaupt Schmerzen empfinden können. Heute ist es wissenschaftlich erwiesen, dass sich das Schmerzempfinden und die Schmerzverarbeitung von Tieren nur gering von denen des Menschen unterscheiden.

    Die Tiermedizin hat große Fortschritte in der Schmerzbehandlung gemacht. Bei Operationen, Verletzungen, Unfällen, Tumorschmerzen etc. sollte jedes Tier eine geeignete Schmerztherapie erhalten. Auch chronische Schmerzzustände können mit einer Dauermedikation gut behandelt werden. Für den Tierhalter wird die Anwendung immer leichter. Heute gibt es neben Tabletten für die tägliche Gabe auch Schmerzmittel in flüssiger Form, die bequem über das Futter verabreicht werden können. Vor allem für Tierhalter mit unkooperativen Katzen ist das eine große Erleichterung. Tabletten sind größtenteils mit Fleischaroma erhältlich, was die Akzeptanz verbessert. Moderne Medikamente, die nur einmal pro Monat gegeben werden und ihre Wirkung über vier Wochen gleichmäßig abgeben, sind für viele Patientenhalter eine praktische und gute Lösung.

    Jedes Tier geht mit Schmerzen anders um. Für die Diagnostik in der Praxis ist für den Tierarzt eine genaue Beobachtung des Tiers durch seinen Halter eine große Hilfe. Denn Tiere können ihre Schmerzen nicht beschreiben. Wichtig zu wissen ist, dass die wenigsten Tiere Lautäußerungen von sich geben, wenn sie Schmerzen haben. Erst wenn der Zustand unerträglich wird, geben manche Laut. Viele leiden „stumm“ vor sich hin, weil es für sie ein natürliches Verhalten ist, Schmerzen und Schwächen zu verbergen, um von anderen Tieren nicht gemobbt oder ausgeschlossen zu werden. Auch in der Praxis zeigen Tiere oft eine höhere Schmerzduldung als zu Hause, weil die Aufregung die Empfindlichkeit bei der Untersuchung überlagert.

    Vor allem Senioren und übergewichtige Tiere leiden unter schmerzhaften Gelenkveränderungen und Arthrosen. Schmerzzustände, die sich schleichend entwickeln, sind sowohl für den Tierarzt als auch den Halter schwieriger zu erkennen, weil sich Verhaltensänderungen und Einschränkungen langsam einstellen.

    Um uns ein besseres Gesamtbild machen zu können, sollten bei der Schmerzdiagnostik unter anderem das Verhalten des Tieres, die Körperhaltung, die Nahrungsaufnahme, der Aktivitätsgrad, der Pflegezustand, die Stubenreinheit und die Gewichtsentwicklung berücksichtigt werden. Weitere Untersuchungsmöglichkeiten bieten Röntgenaufnahmen, Ganganalysen und das Führen eines Schmerztagebuchs mit Hilfe einer Schmerzskala.

    Zusätzlich zur Behandlung mit Medikamenten kann eine Physiotherapie bei einem fachkundigen Kollegen oder eine zusätzliche Akkupunkturbehandlung hilfreich bei der Schmerzlinderung sein.
     
    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Ohrentzündung (Otitis)

    Unter einer Ohrentzündung versteht man die Entzündung des Ohrkanals und/oder des Mittel- beziehungsweise Innenohres. Sie kann bei allen Tierarten vorkommen. Bestimmte Hunderassen wie Spaniel, Retriever oder Pudel neigen mehr zu Ohrentzündungen, genauso wie Hunde, die viel ins Wasser gehen.

    Symptome einer Entzündung des äußeren Ohres sind Ohrenschmerzen, Kopfschütteln, Kratzen am Ohr und Schiefhalten des Ohres. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen fällt oft ein unangenehmer Geruch auf. Das Ohr ist innen und/oder an der Ohrmuschel gerötet, und es besteht Ausfluss. Bei Mittelohrbeteiligung kann es zu Bewegungsstörungen und Kopfschiefhaltung bei dem betroffenen Tier kommen.

    Die Ursachen für Ohrentzündungen sind vielfältig. Junge Hunde sind oft mit Parasiten infiziert (Ohrmilben). Bei älteren Hunden liegt der Otitis meist eine Allgemeinerkrankung, wie zum Beispiel eine Allergie, zugrunde. Eine weitere mögliche Ursache ist ein Fremdkörper im Gehörgang. Dieser kann bei Hunden jeden Alters auftreten.

    Das Auftreten einer Ohrentzündung wird durch drei Faktorengruppen bestimmt:

    1. Veranlagung des Hundes (individuell oder rassebedingt): zum Beispiel hängende Ohren, viel Haar in den Gehörgängen, Verengung des Ohrkanals oder häufiges Schwimmen

    2. Zugrundeliegende Ursache: zum Beispiel Parasiten, Allergien, Tumore oder Verhornungsstörungen der Haut

    3. Die Entzündung weiter erhaltende Faktoren: zum Beispiel bakterielle Infektionen oder Infektionen mit Hefepilzen

    Auch aggressives Reinigen und Haarzupfen aus den Ohren kann genauso wie eine nicht angemessene Behandlung das Risiko für das Auftreten einer Otitis erhöhen.

    Die Behandlung erfolgt je nach Ursache. Dabei sollten alle oben angeführten Faktorengruppen berücksichtigt werden, um einen Heilungserfolg erzielen zu können.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Problemverhalten von Hunden beim Autofahren

    Folgende unerwünschte Verhaltensweisen können auftreten (vor allem bei Welpen, Junghunden und Hunden, die Autofahren nicht gewohnt sind):

    Übelkeit und Erbrechen („Reisekrankheit“). Diese tritt oft in Kombination mit Unruhe, Hecheln und schwitzigen Pfoten auf. Vermehrter Speichelfluss bis hin zu starkem Sabbern kann als typischer Vorbote von Erbrechen hinzukommen.

    Die Übelkeit bei Reisekrankheit ist zentral (also ursächlich nicht im Magen) bedingt. Das bedeutet, Mittel, die auf den Magen wirken, sind unwirksam. Wenn medikamentell eingegriffen wird, sollte ein Medikament gegeben werden, das zentral gegen Übelkeit und Erbrechen eingreift. Für den Hund gibt es bei der Problematik Reisekrankheit ein gut wirksames Medikament bei jedem Tierarzt.

    Das häufigere Erleben unangenehmer Erfahrungen, wie zum Beispiel starke Übelkeit beim Autofahren, kann beim Hund zu einer dadurch erlernten Angst vor der jeweiligen Situation führen. Die unangenehmen Erlebnisse können für den Hund vielfältiger Art sein: Übelkeit, Schmerzen während der Fahrt z.B. durch Bremsen oder rutschende Gepäckstücke, das Erleben eines Unfalls, Zug am Halsband oder Geschirr, Schmerzen beim Ein- und Aussteigen (gerade bei orthopädischen Patienten) oder elektrische Entladungen im Bereich des Türrahmens. Der Hund verknüpft das negative Erlebnis mit dem Auto und fährt nicht (mehr) entspannt mit. Das Verhalten ist daher kein „Ungehorsam“ oder „Strafe“ für Herrchen oder Frauchen, sondern Ausdruck von erlernter Schmerz- bzw. Angstverknüpfung.

    Manchmal ist die Ursache für unerwünschtes Verhalten des Hundes beim Autofahren aber auch eine andere: Durch große Vorfreude und Anspannung auf anstehenden Spaziergang oder das Training etc. gerät der Hund in eine positive Erwartung und dadurch in einen hohen Erregungszustand. Er wird hektisch, unruhig und vokalisiert (bellt und jault). Auch dies ist eine erlernte Verhaltensweise.

    Man kann den Hund in beiden Fällen klassisch gegenkonditionieren und/oder alternative Verhaltensweisen anbieten. Hierzu ist es stets sehr wichtig, die genauen auslösenden Faktoren für das Verhalten des Tieres zu identifizieren. Hierfür kann es notwendig sein, professionelle Hilfe und Rat z.B. durch eine Tierverhaltenstherapie einzuholen (siehe Gesellschaft für Tierverhaltenstherapie).

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • RHD - Rabbit Haemorrhagic Disease (Chinaseuche)

    Diese hochansteckende Viruserkrankung ist erstmalig 1984 bei Kaninchen in China aufgetreten und kommt mittlerweile weltweit vor. Auch in Deutschland ist RHD überall verbreitet.

    Der Erreger ist ein Calicivirus. Das Virus kann in der Umgebung je nach Temperatur bis zu mehreren Monaten ansteckend bleiben. Eine Übertragung ist sowohl durch direkten Kontakt mit einem erkrankten Tier als auch indirekt über stechende Insekten, Fliegen, Gegenstände und Futter etc. möglich. Seit einigen Jahren gibt es neben dem RHDV-1-Stamm auch zunehmend eine Variante: RHDV-2. Bei RHDV-1 waren Jungtiere unter einem Monat von der Infektion in der Regel nicht betroffen. Anders bei RHDV-2: Hier sterben Tiere aller Altersstufen. In manchen Kaninchenpopulationen fallen bis zu 95 % der Tiere der Erkrankung zum Opfer.

    Die Zeit von der Infektion bis zur Erkrankung kann ein bis mehrere Tage betragen. Zu Beginn des Auftretens dieser Erkrankung zeigten die Tiere Blutungen aus den Körperöffnungen (=Hämorrhagien). Mittlerweile versterben die meisten Tiere plötzlich ohne spezielle Krankheitsanzeichen. Der Tod tritt meist innerhalb von 1-2 Tagen nach der Ansteckung ein.

    Hauptbefund in der pathologischen Untersuchung toter Kaninchen mit RHDV ist bei beiden Virusstämmen eine sogenannte Lebernekrose (=Absterben und Zerfallen der Leberzellen), die dann auch schnell zum Versagen des gesamten Stoffwechsels und dem Versterben der Tiere führt bzw. geführt hat.

    Bei RHDV-1 finden sich auch die typischen Einblutungen in innere Organe, vor allem in das Nierengewebe.

    Es gibt gut wirksame und sehr gut verträgliche Schutzimpfungen gegen RHDV-1 und auch gegen RHDV-2.  Kaninchen sollten je nach verwendetem Impfstoff erstmalig im Alter von 4-6 Wochen geimpft werden. Da es aktuell in Deutschland ein erhöhtes Vorkommen von RHD-Fällen gibt, sollte bei Erstimpfern immer eine Grundimmunisierung mit einer Auffrischungsimpfung nach 2-4 Wochen durchgeführt werden. Danach sollte der Impfschutz halbjährlich aufgefrischt werden.

  • Sarkoptesräude

    Sarkoptesräude ist eine hochansteckende Hauterkrankung des Hundes, die durch Sarkoptesmilben hervorgerufen wird. Die Erkrankung kommt relativ häufig vor und zeichnet sich durch das Vorhandensein von starkem Juckreiz aus. Bei Katzen kommt die Erkrankung nur äußerst selten vor.

    Sarkoptesräude ist eine Zoonose, das heißt auf den Menschen übertragbar. Beim Mensch heilt sie meist von selber ab, wenn das übertragende Tier entsprechend behandelt wird. Sarkoptesmilben können in der menschlichen Haut nicht gut überleben.

    Die typischen Anzeichen einer Räude sind starker und anhaltender Juckreiz. Bei gut gepflegten Tieren oder Tieren, die regelmäßig mit Insektiziden behandelt werden, können die Symptome unauffälliger sein. Es kommt zu Haarausfall und Krustenbildung. Oft sind Ohren, Ellbogen und Sprunggelenke betroffen. Die Symptome können ein bis mehrere Wochen nach Kontakt mit einem infiziertem Tier beginnen.

    Die Diagnose wird mit Hilfe der Krankengeschichte, der Untersuchung des Tieres und idealerweise dem Nachweis von Milben gestellt werden. Es gibt die Möglichkeit einen Antikörpernachweis aus dem Blut durchzuführen. Hierbei ist bedeutsam, dass dieser Titer erst Wochen nach Beginn der Infektion ansteigt. Durch den starken Juckreiz werden die Tiere aber meist viel früher bereits beim Tierarzt vorgestellt. Außerdem steigt der Antikörpertiter für Sarkoptes auch durch andere Milben, zum Beispiel Hausstaubmilben, an (sogenannte Kreuzreaktion). Am besten ist immer ein direkter Nachweis der Erreger.

    Auch wenn keine Milben bei der Untersuchung gefunden werden, sollte eine Therapie gegen Milben durchgeführt werden. Stimmt die Diagnose, verstärkt sich oft nach Behandlungsbeginn der Juckreiz bedingt durch das Absterben der Parasiten. Gleichzeitig sollten, wie bei anderen übertragbaren, parasitären Infektionen, alle Kontakttiere mit einem wirksamen Insektizid mitbehandelt werden.

    Die Heilungsaussichten bei Sarkoptesräude sind sehr gut.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

    Eine Überfunktion der Schilddrüse tritt vor allem bei älteren Katzen häufig auf. Beim Hund ist diese Erkrankung sehr selten.

    Die Ursache für eine Hyperthyreose bei der Katze ist eine tumoröse Veränderung von Schilddrüsengewebe. Diese ist zumeist gutartig, macht aber durch die Produktion von Hormonen Beschwerden bei den Tieren. Sehr selten ist die Ursache bei der Katze ein bösartiger Tumor. Durch eine erhöhte Menge an aktiven Schilddrüsenhormonen im Blut wird überall im Körper die Stoffwechselaktivität gesteigert.

    Dies führt zu folgenden Symptomen:

    • Heißhunger mit Aufnahme großer Futtermengen
    • gleichzeitiger Gewichtsverlust
    • vermehrtes Trinken und entsprechend größere Urinmenge
    • Wesensveränderungen wie Hyperaktivität und/oder Aggression
    • Atemprobleme, zu schnelle Atmung
    • Erbrechen, Durchfall

    Es gibt aber auch Patienten, die untypische Symptome wie schlechten Appetit, Fressunlust, Apathie und Schwäche zeigen. Daher sollte bei allen Katzen, die älter als acht Jahre alt sind im Rahmen einer Blutuntersuchung (sei es als Check-up, sei es, weil die Katze krank ist) immer der Schilddrüsenwert T-4 zusätzlich zu den anderen Blutwerten mitbestimmt werden.

    Es existieren grundsätzlich drei Behandlungsmöglichkeiten:

    1. Chirurgische Entfernung des entarteten Organes
    2. Behandlung mit einer Radioiodtherapie (stationärer Aufenthalt der Katze für drei Wochen in einer entsprechenden Klinik notwendig)
    3. Lebenslange medikamentöse Therapie mit einem Schilddrüsenhormon-Hemmer

    Wenn die Erkrankung nicht behandelt wird, können Folgeschäden wie Herzversagen, Nierenschäden, Netzhautablösung, unstillbare Durchfälle und der Tod des Tieres auftreten.

    Mit Therapie haben die Katzen eine sehr gute Prognose, wenn gleichzeitig keine anderen Erkrankungen wie beispielsweise der Nieren vorliegen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

    Unter einer Hypothyreose versteht man eine Unterfunktion der Schilddrüse. Dabei kommt es durch eine Erkrankung der Schilddrüse selbst oder durch andere vorliegende innere Erkrankungen zu einer zu geringen Produktion von Hormonen (T4 und T3) in der Schilddrüse. Auch eine angeborene Variante gibt es.

    Die häufigste Ursache für die Unterfunktion der Schilddrüse ist eine autoimmune Entzündung des Organs. Hierbei bildet der Organismus Antikörper gegen sein eigenes Gewebe.

    Schilddrüsenerkrankungen sind bei Hunde viel seltener als Zuckerkrankheit und Cushing Syndrom. Bestimmte Hunderassen sollen eine Veranlagung für die Ausbildung einer Hypothyreose haben. Das sind unter anderem Boxer, Retriever und Pudel. Bei der Katze kommt die Unterfunktion (im Gegensatz zur Überfunktion) sehr selten vor. Sie entsteht dann meist als Nebenwirkung der chirurgischen Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse beziehungsweise nach Therapie mit Radioiod.

    Die Symptome entwickeln sich normalerweise langsam während eines längeren Zeitraumes. Die meisten Hunde sind bei Auftreten der ersten Symptome über vier Jahre alt.

    Typischerweise treten als Anzeichen auf:

    • Lethargie
    • Mattigkeit
    • Gewichtszunahme
    • erhöhtes Schlafbedürfnis
    • Wesensveränderungen
    • fortschreitender Haarverlust unter anderem am Schwanz (sogenannter Rattenschwanz)
    • wiederkehrende Haut- und Ohreninfektionen
    • trockenes und brüchiges Fell
    • trauriger Gesichtsausdruck durch Verdickung der Haut im Gesichtsbereich (sogenanntes Myxödem)

    Aber auch Krampfanfälle, Nervenlähmungen und Veränderungen im weiblichen Zyklus kommen vor.

    Die Diagnose ist manchmal nicht einfach zu stellen. Allein erniedrigte Werte der Schilddrüsenhormone beweisen noch keine Unterfunktion der Schilddrüse. Sie werden aber immer als Einstieg in die Diagnostik bestimmt.

    Diese Schilddrüsenwerte werden unter anderem durch folgende Faktoren mit beeinflusst:

    • Hunderasse (zum Beispiel nordische Hunde und Greyhhounds haben erniedrigte Werte, was für diese Hunde normal ist)
    • Medikamenteneinnahme (zum Beispiel die Einnahme von Kortison oder bestimmten Antibiotika führt ebenfalls zu erniedrigten Werten)
    • andere vorliegende innere Erkrankungen
    • Fütterung (zum Beispiel Füttern von Schlund beim Barfen erhöht die Schilddrüsenwerte fälschlicherweise)

    Als zuverlässiger Test gilt ein sogenannter Stimulationstest. Dazu wird dem Patient ein Medikament gespritzt, das die Schilddrüse stimulieren (also zum Freisetzen von Hormonen bringen) soll. Kommt es nach der Gabe nicht zu einem Anstieg der Schilddrüsenhormone im Blut, geht man von einer Unterfunktion aus.

    Die Behandlung der Hypothyreose besteht in der lebenslangen Gabe vom Schilddrüsenhormon (Thyroxin). Die Hunde haben eine normale Lebenserwartung und normale Lebensqualität. Es sollten regelmäßig (wie bei jeder dauerhaften Gabe von Medikamenten) die Blutwerte durch einen Tierarzt kontrolliert werden.

    Als Komplikation kann es durch die Thyroxingabe zu einer Überversorgung mit dem Hormon kommen. Dies zeigt sich bei dem Tier in Ängstlichkeit, vermehrtem Trinken und Urinlassen, Gewichtsverlust, Durchfall und Herzrasen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

     

  • Staupe

    Staupe wird durch das canine (den Hund betreffend) Staupevirus hervorgerufen. Diese Viren gehören zu derselben Virusfamilie wie das menschliche Masernvirus. Die Erkrankung kommt weltweit vor und kann auch andere Fleischfresser wie zum Beispiel Frettchen infizieren.

    Die Erkrankung ist hochansteckend. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. An Staupe erkrankte Tiere scheiden das Virus mit allen Körperflüssigkeiten aus. Manche Tiere zeigen keine Krankheitszeichen und scheiden dennoch Erreger aus. Junge Tiere sind mehr gefährdet an Staupe zu erkranken als erwachsene Tiere.

    Die ersten Symptome können bereits drei bis sechs Tage nach der Infektion auftreten. Es sind im Einzelnen:

    • Fieber
    • Teilnahmslosigkeit
    • typischerweise Nasen- und Augenausfluss
    • Fressunlust

    Oft schließt sich an diese erste Phase eine vermeintliche Erholung an oder es folgt direkt eine zweite Phase mit zusätzlichen Symptomen wie Erbrechen, Durchfall, Husten und Lungenentzündung. Auch ein Befall des zentralen Nervensystems kommt vor (sogenannte nervöse Staupe). Hierbei zeigen die Tiere Lähmungen, unsicheren Gang, Muskelzittern und Krampfanfälle. Diese Form der Erkrankung führt meist zum Tod des Tieres.

    Der Verlauf der Staupe variiert stark, je nachdem welche Organsysteme bei dem jeweiligen Patienten durch das Virus befallen werden. Folgeschäden an den Zähnen (sogenanntes Staupegebiss) und den Pfotenballen (sogenanntes Hard Pad Disease) können vorkommen.

    Idealerweise wird die Diagnose durch einen Nachweis von Virusmaterial, zum Beispiel in einem Lidbindehautabstrich, gestellt.

    Virale Infektionen sind schwierig zu behandeln. Antibiotika werden eingesetzt, um bakterielle Begleitinfektionen zu bekämpfen.

    Gegen Staupe kann man zuverlässig Schutzimpfen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Tetanus (Wundstarrkrampf)

    Tetanus wird durch Nervengifte (= Neurotoxine) des Bakteriums Clostridium tetani hervorgerufen. Clostridien kommen im Erdreich und auch als normale Bewohner im Darm von Säugetieren vor. Die Erreger sind weltweit verbreitet (vor allem in den Tropen). Clostridien können eine Dauerform, sogenannte Sporen, bilden. Die Sporen sind in der Umgebung sehr widerstandsfähig. Sie können mehrere Jahre in der Außenwelt überleben. Auch gegen Desinfektionsmittel sind sie sehr unempfindlich. Tetanus tritt eher bei Hunden als bei Katzen auf, wobei beide Tierarten relativ unempfindlich gegen Tetanus sind. Für Menschen oder auch beispielsweise Pferde stellt Tetanus dagegen eine ernste Gefährdung dar.

    Empfängliche Spezies können sich durch eine Wunde oder schon kleine Verletzungen der Haut mit dem Erreger anstecken. Die Clostridien geben dann im Gewebe ihre Neurotoxine (zum Beispiel Tetanospasmin) ab. Diese lösen die Symptome aus. Krankheitszeichen treten meist etwa drei Tage bis mehrere Wochen nach der Infektion auf. Sie können lokal begrenzt sein oder den gesamten Körper betreffen. Typisch ist eine krampfartige Lähmung der Muskulatur (Wundstarrkrampf). Häufig ist die Eintrittspforte des Erregers dabei nicht (mehr) auffindbar beziehungsweise erkennbar. Ein generalisierter Tetanus zeigt typischerweise steif gestreckte Gliedmaßen und einen nach hinten gestreckten Kopf. Die Muskelkrämpfe sind schmerzhaft. Auch Veränderungen der Gesichtsmimik sind möglich. Erkrankte Tiere können aufgrund der betroffenen Muskulatur teilweise weder stehen noch fressen oder trinken. In schweren Fällen kommt es durch die Beteiligung der Atemmuskulatur zum Atemstillstand.

    Die Infektion kann mit spezifischen Immunseren, Antibiotika und Medikamenten zur Beruhigung sowie zur Muskelentspannung behandelt werden. Eine Heilung ist je nach Schwere der Symptomatik möglich. Je nach Ausprägung des Tetanus sind die Tiere Intensivpatienten. Die Behandlung ist dann zeitaufwendig und daher mit hohen Kosten verbunden.

    Für Hunde gibt es zwar einen Impfstoff gegen Tetanus. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung bei dieser Tierart, wird eine Impfung aber nicht routinemäßig durchgeführt. Pferde dagegen sollten immer gegen Tetanus geimpft sein. Dies gilt ebenfalls für den Menschen.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

     

  • Therapie von Virusinfektionen der Katze mit felinem Omega-Interferon

    Virusinfektionen stellen in der Kleintiermedizin, ebenso wie in der Humanmedizin, ein ernstes Problem dar, da es zum momentanen Zeitpunkt zwar medikamentös zum Teil möglich ist, die Virussynthese (also die „Virusvermehrung“) im befallenen Organismus zu stören (Virustatika), Virus-abtötende Medikamente (analog zu bestimmten Antibiotika bei bakteriellen Infekten) aber nicht zur Verfügung stehen, beziehungsweise mit sehr starken Nebenwirkungen verbunden sind.

    Dieses Problem gründet vor allem auf der Tatsache, dass Viren keinen eigenen Stoffwechsel besitzen, sondern viral infizierte Zellen derart verändert werden, dass sie selbst neue Viren produzieren. Der infizierte Organismus wird somit (bildlich gesprochen) zur „Virusfabrik“.

    Ein verhältnismäßig neuer therapeutischer Ansatz in der Tiermedizin besteht im Einsatz eines Stoffes, der von infizierten Zellen selbst produziert wird. Es handelt sich hierbei um Omega-Interferon, das zur Gruppe der Zytokine zählt. Interferon wird von Körperzellen nach Infektion mit Viren produziert, reagiert mit noch nicht infizierten Zellen und führt zu einer erhöhten unspezifischen antiviralen Abwehr.

    Nach erstmaliger humanmedizinischer Zulassung eines interferonhaltigen Medikaments 1986, scheiterte ein Einsatz in der Tiermedizin zunächst einerseits an den sehr hohen Medikamentenkosten und andererseits an der beschränkten Wirksamkeit des humanen Interferons bei Tieren. Erst nach erstmaliger Isolierung von felinem (also „katzenspezifischen“) Omega-Interferon 1986 und der später folgenden Möglichkeit, dieses auch industriell (durch gentechnisch veränderte Seidenraupen) in größeren Mengen herzustellen, hielt es Einzug in die tiermedizinische Therapie.

    Heute wird Omega-Interferon bei Katzen unter anderem zur Therapie von Herpes- und Calicivirusinfektionen (zwei Erregern des Katzenschnupfenkomplexes) eingesetzt. Klinische Erfahrungen haben gezeigt, dass der Krankheitsverlauf hierdurch verkürzt und die Hauptsymptome (Niesen, Augenentzündungen sowie Entzündungen der Mundschleimhaut) abgemildert werden können.
    Weitere Einsatzmöglichkeiten bestehen bei Infektionen mit felinem Leukämievirus (FeLV), felinem Immunschwächevirus („Katzenaids“ FIV) sowie der felinen infektiösen Peritonitis (FIP, einer Sonderform von Coronavirusinfektionen). Bei diesen, in aller Regel tödlich verlaufenden Infektionen, kann oftmals eine Verlängerung der Überlebenszeit und eine Verbesserung des Allgemeinbefindens erreicht werden.

    Interessanterweise ist der Einsatz des felinen Omega-Interferons jedoch nicht auf Katzen beschränkt. So hat sich gezeigt, dass auch der Verlauf bestimmter Virusinfektionen des Hundes (zum Beispiel der Parvovirose) ebenfalls positiv beeinflusst werden kann. Das in Deutschland erhältliche feline Omega-Interferon ist daher in Deutschland sowohl zur Anwendung bei Katzen als auch bei Hunden zugelassen.
    Wie bei jedem anderen Medikament, muss auch über den Einsatz von felinem Omega-Interferon im Einzelfall entschieden werden. Diese Entscheidung sollte immer mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt werden, der im Bedarfsfall das Omega-Interferon auch per Injektion verabreicht.

    Text. ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek

     

  • Tollwut

    Tollwut ist eine tödlich verlaufende Virusinfektion, die alle warmblütigen Tiere und den Menschen betreffen kann. Da die Erkrankung auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann, ist es eine Zoonose, für die in Deutschland Meldepflicht besteht.

    Die Erkrankung kommt weltweit – mit einigen, wenigen Ausnahme wie beispielsweise Großbritannien – vor. Der Tollwuterreger infiziert von der Eintrittspforte ausgehend das zentrale Nervensystem. An Tollwut erkrankte Tiere scheiden das Virus mit dem Speichel aus. Durch Bissverletzungen wird das Virus so in jedem Fall übertragen. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass das Virus auch über Wunden in den Körper gelangen kann. Je nach Entfernung der Eintrittspforte des Erregers zum Nervensystem können Symptome nach kürzerer oder längerer Zeit auftreten. Eine ungefähre Zeitspanne von zwei bis vier Wochen bis zu den ersten Krankheitszeichen ist häufig.

    Die Erkrankung verläuft typischerweise in drei Stadien: Zuerst zeigen betroffene Tiere Verhaltensänderungen (zum Beispiel Wildtiere verlieren ihre Scheu vor Menschen). Danach folgt das Erregungsstadium mit unter anderem aggressiven Verhalten. Bestimmte Tierarten wie beispielsweise Rinder oder Pferde zeigen eher eine sogenannte „stille Wut“ ohne aggressives Verhalten. Typischerweise tritt bei diesen Tieren eine ausgesprochene Wasserscheue auf. Im dritten Stadium kommt es zu Lähmungserscheinungen, Schluckbeschwerden, daraus resultierendem Speicheln und Krampfanfällen.

    Es gibt keine Behandlung bei Tollwut. Eine sichere Diagnose kann am toten Tier durch Gewebeproben gestellt werden.

    Deutschland gilt aktuell als tollwutfrei. Dieser Status kann sich jedoch jederzeit wieder ändern. In Deutschland besteht keine Impfpflicht für Tiere gegen Tollwut. Wer bei seinem Tier (Hund, Katze oder Frettchen) eine gültige Tollwutimpfung nachweisen kann, dem kann mit seinem Tier bei einem Tollwutverdachtsfall nichts weiter passieren. Wer im Zweifelsfall keine gültige Tollwutimpfung nachweisen kann, dessen Tier darf in Deutschland im Rahmen einer Tollwutverdachtssituation getötet werden. Wer mit seinem Tier außerhalb Deutschlands reisen will, braucht immer eine gültige Tollwutimpfung (und einen EU-Heimtierpass und eine Mikrochipkennzeichnung des Tieres).

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

     

  • Tumorerkrankungen bei Tieren

    Ein in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnendes Thema in der Kleintierpraxis stellen Tumorerkrankungen dar. Dies liegt zum einen an der teilweise deutlich gestiegenen Lebenserwartung unserer Vierbeiner, zum anderen aber auch an immer ausgereifteren diagnostischen Möglichkeiten in der Tiermedizin. Darüber hinaus wird in Fachkreisen auch immer wieder eine gestiegene Tumorinzidenz aufgrund zunehmender Umweltbelastungen diskutiert.

    Weitgehende Unwissenheit und Unsicherheit herrschen bezüglich der Definition des Begriffes „Tumor“. So ist im allgemeinen Sprachgebrauch „Tumor“ gleichbedeutend mit „Krebs“. Zumindest im medizinischen Sinne ist dies nicht zutreffend. Das Wort Tumor entstammt dem griechischen, bedeutet Schwellung und wird heute zumeist sowohl für benigne („gutartige“) als auch für maligne („bösartige“) Umfangsvermehrungen gebraucht.

    Grundsätzlich lassen sich die Patienten, die aufgrund von Tumoren in der Praxis vorgestellt werden, in zwei große Gruppen einteilen. Die erste Gruppe beinhaltet Tiere, bei denen die Patientenhalter selbst Umfangsvermehrungen oder Wucherungen bei ihrem Vierbeiner bemerkt haben und diese vom Tierarzt untersuchen und gegebenenfalls entfernen lassen möchten. Die aus eigener Erfahrung größere Gruppe stellen jedoch Tiere dar, die entweder aufgrund von Routineuntersuchen (zum Beispiel im Rahmen von Impfungen) oder aber wegen unspezifischer Symptome vorgestellt werden und bei denen im Laufe der klinischen Untersuchung zumindest die Verdachtsdiagnose „Tumor“ gestellt wird.
    Während bei der erstgenannten Gruppe nun die diagnostische Abklärung der Umfangsvermehrung im Vordergrund steht, muss bei der zweiten Gruppe durch weitere Untersuchungen versucht werden, den Tumorverdacht zu verifizieren oder aber zu entkräften.

    Die Symptomatik, die auf einen (nicht offensichtlichen) Tumor hinweisend sein kann, kann sehr vielgestaltig sein und richtet sich zum einen nach dem Sitz des Tumors und eventuell vorhandener Metastasen („Tochtergeschwulsten“), sowie zum anderen nach einer möglichen Wirkung des Tumors auf den Stoffwechsel (man spricht hier von einem so genannten paraneoplastischen Syndrom).

    Eine Übersicht über einige der häufigsten Symptome:

    • Gewichtsverlust bei normalem oder reduzierten Appetit
    • Schleichender Leistungsabfall
    • Atembeschwerden
    • Unerklärliche Umfangszunahme des Bauches
    • Lahmheiten ohne erkennbare Ursache
    • schlecht heilende Wunden

    Betont werden muss in diesem Zusammenhang, dass keines der genannten Symptome beweisend für einen Tumor ist, da auch andere Erkrankungen zu diesen Symptomen führen können. Auch erhebt diese Liste keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll nur einen groben Überblick geben.
    Erhärtet sich der Tumorverdacht, so sollen die Tumorart und Lokalisation möglichst genau bestimmt und gegebenenfalls das Vorliegen von Metastasen überprüft werden. Ohne eine möglichst genaue Diagnose ist weder eine gezielte Therapie möglich, noch kann eine Aussage über die Prognose getroffen werden.

    Falls Sie den Verdacht einer Tumorerkrankung bei Ihrem Tier hegen, sollten Sie keinesfalls zögern, Ihren Tierarzt umgehend zu kontaktieren und ihm Ihren Verdacht schildern.

    Diagnostisches Vorgehen bei Tumorverdacht

    Der erste (und wichtigste) Schritt stellt eine eingehende Allgemeinuntersuchung des betreffenden Patienten dar, bei der sich der Tierarzt zunächst ohne aufwendige Hilfsmittel einen Überblick über die Körperfunktionen des Patienten verschafft. Diese Untersuchung umfasst auch die eingehende Anamnese (Befragung des Halters zu Krankheitssymptomen oder sonstigen Auffälligkeiten).
    Dieser Teil der Untersuchung (so lapidar er auch erscheinen mag) liefert meist wertvolle Hinweise auf Ausmaß, Schwere und Sitz der Tumorerkrankung. Gleichzeitig können im Rahmen dieser Untersuchung gegebenenfalls Anzeichen weiterer Erkrankungen festgestellt werden, die bei anstehenden Entscheidungen über mögliche Therapiemöglichkeiten Berücksichtigung finden müssen.
    Als zweiter Schritt schließen sich Hilfsuntersuchungen an, die weitere Auskunft über das Ausmaß und den Sitz des Tumors, eventuell vorhandener Metastasen („Tochtergeschwulste“) oder begleitender Organfehlfunktionen liefen können. Diese Hilfsuntersuchungen umfassen Blutuntersuchungen, wie das Erstellen eines Blutbildes oder die Bestimmung von Organparametern (zum Beispiel Leber- und Nierenwerte) sowie die so genannten bildgebenden Verfahren wie Ultraschalluntersuchungen, Röntgenbilder oder Computertomographie. Welche Kombination von Untersuchungen sinnvoll ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern muss von Fall zu Fall vom behandelnden Tierarzt entschieden werden.

    Ist nun der Tumor lokalisiert, wird durch Probennahme die Tumorart bestimmt. Hierzu wird Tumorgewebe entnommen und von einem Pathologen histologisch untersucht. Die Entnahme der Proben kann entweder mittels einer Feinnadelbiopsie, bei der mit einer Kanüle Zellen aus dem Tumor entnommen werden, oder aber durch Entfernung eines Teiles, wenn möglich auch des gesamten Tumors erfolgen. In bestimmten Fällen kann es nötig sein, zunächst durch eine Operation einen Zugang zu dem Tumorgewebe zu schaffen (als Beispiel sei hier eine Probelaparotomie – eine chirurgische Eröffnung der Bauchhöhle – genannt).

    Erst wenn die Tumorart genau bestimmt, das Ausmaß bekannt und das Vorliegen eventuell vorhandener Metastasen geklärt ist, kann eine Aussage zur Prognose sowie zu möglichen Behandlungsmethoden getroffen werden.

    Wichtig während der kompletten Untersuchung sowie der sich gegebenenfalls anschließenden Behandlungen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Tierhalter. Da schon die Verdachtsdiagnose „Tumor“ bei fast jedem Tierhalter starke emotionale Reaktionen auslöst, muss der behandelnde Tierarzt besonders intensiv auf den Halter und dessen Sorgen eingehen. Gleichzeitig muss der Tierarzt sich auf den Halter verlassen können, da gerade in diesen Fällen eine genaue Einhaltung von Diagnose-Vorbereitungen und später Therapieplänen für eine optimale Versorgung des Patienten essentiell ist.

    Therapeutische Möglichkeiten
    Wird bei einem Tier ein Tumor diagnostiziert, gilt es zunächst in einem ausführlichen Gespräch zwischen Tierhalter und Tierarzt die möglichen Therapien zu diskutieren. In diesem Gespräch sollten Erfolgsaussichten, Risiken, mögliche Nebenwirkungen, Dauer der Therapie aber auch die Kosten angesprochen werden. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint zu erwähnen, dass stets das Wohl des Tieres im Vordergrund stehen sollte. Nicht bei jedem Patienten (in Abhängigkeit von Allgemeinzustand und möglichen Begleiterkrankungen) ist das Ausschöpfen aller medizinischen Möglichkeiten auch ethisch dem Patienten gegenüber vertretbar.

    Die erste grundsätzliche Frage, die sich, in Abhängigkeit des Ausmaßes und der individuellen Prognose, stellt, ist ob die durchzuführende Therapie auf eine Verbesserung des Allgemeinbefindens abzielen soll (palliative Therapie) oder ob versucht werden soll die Tumorerkrankung zu beseitigen (kurative Therapie).

    Bei palliativen Therapien, die immer dann zu erwägen sind, wenn eine Heilung nicht möglich oder mit zu großen Nebenwirkungen verbunden ist, wird medikamentös, gegebenenfalls auch chirurgisch versucht, das Leben des Patienten bei möglichst gutem Allgemeinbefinden zu verlängern. Eine Heilung wird hierbei in der Regel nicht erreicht. Als Beispiele der hierbei eingesetzten Medikamente seien steroidale Antiphlogistika (zum Beispiel Kortison), die bei einigen Tumorarten eine Verlangsamung des Tumorwachstums, im Idealfall sogar eine zeitweise Reduktion der Tumormasse zur Folge haben, sowie Schmerzmittel genannt. Diese Therapieform besitzt in der Tiermedizin einen recht hohen Stellenwert und sollte keinesfalls als „Therapie zweiter Klasse“ betrachtet werden.

    Bei der kurativen Therapie besteht das Ziel in einer Heilung der Tumorerkrankung. Die hierzu eingesetzten Möglichkeiten sind vielfältig und werden einzeln oder in, auf den Einzelfall abgestimmten, Kombinationen eingesetzt.

    Zu den gängigsten Therapiemöglichkeiten zählen:

    • Chirurgie: In einem operativen Eingriff wird versucht, den Tumor zu beseitigen. Wichtig hierbei ist es, den Tumor mit einem „Sicherheitsabstand“, also inklusive eines Teils des umliegenden, gesunden Gewebes zu entfernen. Gerade dieser „Sicherheitsabstand“ bereitet je nach Art und Lokalisation des Tumors Probleme (beispielsweise im Bereich des Kopfes).
    • Chemotherapie: Durch den gezielten Einsatz von zellzerstörenden Substanzen wird versucht Tumorgewebe zu zerstören, unter möglichst umfassender Schonung von gesundem Gewebe. Auch wenn heutige Chemotherapien weit weniger Nebenwirkungen haben, als landläufig erwartet, ist doch mit unerwünschten Wirkungen, wie zum Beispiel Erbrechen oder Blutbildveränderungen zu rechnen. Diese Therapieform gestattet jedoch wie keine andere auch die Behandlung von Tumoren, die bereits metastasiert haben.
    • Strahlentherapie: Hierbei wird durch gezielte radioaktive Bestrahlung Tumorgewebe zerstört. In der Regel sind hierzu mehrere Bestrahlungssitzungen notwendig. Für diese Therapieform muss der Patient sediert werden, da Bewegungen während der Bestrahlung zu versehentlichen Zerstörung von gesundem Gewebe führen kann. Als Nebenwirkungen können Irritationen im Bereich der bestrahlten Hautareale auftreten.


    Dieser Artikel kann natürlich in seiner Kürze keinen Anspruch auf eine umfassende Beschreibung der möglichen Therapien bieten. Daher sollten Sie bei weiterführenden oder tiefergreifenderen Fragen Ihren Tierarzt kontaktieren. Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Tierärzte, die sich auf Onkologie (Tumorheilkunde) spezialisiert haben.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek
     

  • Urin-Unsauberkeit bei Katzen

    „Mensch, versteh mich doch!“

    Die gute Nachricht zuerst: Es gibt kein Protestpinkeln bei Katzen! Eine Katze ist nicht unsauber aus Wut oder Rache gegen ihren Halter. Die Katze hat sich das auch nicht bewusst überlegt, die plüschige Badematte statt der zweckmäßigen, überdachten Katzentoilette mit dem extra hohen Rand zu nehmen. Für Katzen ist es zunächst einmal eine normale Verhaltensweise, mit Urin zu markieren und sich eine für sie akzeptable Stelle für den täglichen Toilettengang zu suchen. Das natürliche Bedürfnis der Katze entspricht hier oft leider nicht unseren menschlichen Vorstellungen und Erwartungen, was folglich zu Konflikten zwischen Mensch und Tier führen kann. Sehr bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass das Strafen der Katze völlig wirkungslos ist und nur zu einem Vertrauensverlust des Tieres in seinen Menschen führt. Vor allem körperliche Gewalt zerstört die Mensch-Tier-Beziehung nachhaltig!
    Harnmarkieren ist ein Kommunikationsmittel der Katzen und gehört zu ihrem normalen Verhaltensmuster. Auch Kastraten und Kätzinnen markieren. Sie tun dies nur insgesamt seltener als unkastrierte und männliche Tiere. Markieren tritt als Ausdruck von Aufregung, Frustration oder Aggression auf. Die Katze steht dabei meist aufrecht und markiert nach hinten senkrecht mit zitterndem Schwanz.

    Im Gegensatz hierzu ist „Unsauberkeit“ ein Teil des typischen Ausscheidungsverhaltens der Katze, das im Hocken stattfindet. Ausnahmen gibt es natürlich auch hierbei. Es gibt Katzen, die sind „Stehpinkler“ oder „Hockmarkierer“. In solchen Fällen kann der Ort des Geschehens Aufschluss darüber geben, um welches Phänomen es sich handelt. Markiert wird vor allem an senkrechte Flächen wie Türen, Vorhänge oder – immer wieder sehr beliebt – getragene Kleidungsstücke. Außerdem verbinden viele Katzen das Notwendige mit der Kommunikation, sprich, sie markieren und pinkeln.

    Die Ursachen für Unsauberkeit bei Katzen liegen fast immer in einer Beeinträchtigung des Wohlbefindens der Katze. Dies können in erster Linie körperliche Erkrankungen wie das Vorliegen einer Blasenentzündung sein. Aber auch zahlreiche andere Erkrankungen wie Durchfall, Zahnschmerzen, eine Zuckerkrankheit oder „Altersdemenz“ kommen als Grund in Frage. Diese Gründe sollten daher auch unbedingt immer durch ein sorgfältiges Gespräch und eine anschließende Untersuchung beim Tierarzt abgeklärt werden. Die zweithäufigste Ursache ist ein für die Katze inakzeptables Klomanagement. Professionelle Beratung kann helfen, die Toilettensituation für die Katze zuhause zu verbessern.

    Test: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel
     

  • Vergiftung mit Rattengift

    TASSO-Hinweis: Zum 1. Januar 2013 hat die EU den Verkauf von Rattengift an Privatpersonen untersagt. Nur: Die meisten Betroffenen wissen von der Regelung nichts. Dabei birgt Rattengift Gefahren für Mensch und Umwelt. Neben den Ratten können auch andere Tiere die Köder fressen und sterben. In seltenen Fällen kommen auch Tiere zu Tode, die ein anderes, mit Rattengift vergiftetes, Tier gefressen haben.

    Diese Vergiftung tritt auf, wenn gerinnungshemmende Stoffe, die zur Bekämpfung von Nagetieren eingesetzt werden, aufgenommen werden. Diese Wirkstoffe blockieren Abläufe der normalen Blutgerinnung. So kommt es zu einer Hemmung der Gerinnung. Als Folge treten Blutungen in und aus dem Körper auf. Diese Blutungen können sich als Blutergüsse, punkt- oder streifenförmige Blutungen in der Haut oder in den Schleimhäuten zeigen. Weitere Symptome können Atemnot, blasse Schleimhäute und Schwäche sein.

    Das erkrankte Tier hat normalerweise das Gift direkt aufgenommen. Eine Vergiftung durch die Aufnahme eines an dem Gift verendeten Tieres ist eher selten. Das Aufnehmen einer einmaligen größeren Giftmenge ist weniger gefährlich als mehrere kleine Giftdosen über einige Tage. Es gibt verschieden Rattengifte in Deutschland zu kaufen. Teilweise setzen sie die Gerinnung für mehrere Wochen herab.

    Die Behandlung dieser Patienten besteht in der Gabe von Vitamin K 1. Dies muss manchmal über einen längeren Zeitraum erfolgen. Dabei wird immer wieder der Gerinnungsstatus des Tieres über das Blut geprüft. Wenn das Tier die ersten 48 Stunden der akuten Gerinnungsstörung überlebt, sind die Überlebensaussichten gut.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Vergiftung mit Schokolade

    Schokoladenvergiftungen gehören zu den häufigsten Vergiftungen beim Hund. Schokolade enthält als giftige Bestandteile Theobromin und Koffein. Koffein wird im Organismus zu Theobromin abgebaut. Kakaoprodukte enthalten unterschiedlich viel Theobromin. So enthält zum Beispiel dunkle Schokolade etwa bis zu sechsmal so viel davon wie Milchschokolade. Je nach aufgenommener Menge können Hunde leicht, mittel oder schwer mit tödlichem Ausgang erkranken. Ab einer Theobromindosis von ca. 40 mg / kg Körpergewicht des Hundes (entspricht ca. 2 g Kakaopulver oder ca. 7 g dunkler Schokolade je kg Körpergewicht) können schwere Symptome entstehen. Eine Dosis von 100-200 mg Theobromin / kg Körpergewicht überlebt nur jeder zweite Hund.

    Die klinischen Symptome entstehen durch eine Stimulation des zentralen Nervensystems und Wirkung auf Herz und Gefäße sowie die Nieren und Bronchien in der Lunge:
    Herzrasen
    schnelle Atmung (Hecheln)
    Aufnahme großer Wassermengen
    Erbrechen
    Durchfall
    Exzitationen
    Krämpfe

    Der Tod tritt durch Atem- und Herzstillstand ein. Die ersten Symptome treten bereits nach ein bis vier Stunden nach Aufnahme der Substanz auf.

    Es gibt keine spezifische Therapie. Daher besteht die Behandlung darin, eine weitere Giftaufnahme zu verhindern, die Ausscheidung des Stoffes zu beschleunigen und die Symptome allgemein zu behandeln.

    Bei Hund wird Theobromin anders als beim Menschen stärker im Darm vom Körper aufgenommen, und es verweilt auch länger im Blut bis es wieder ausgeschieden ist. Durch diese zwei Mechanismen wird beim Hund eine Vergiftung mit Theobromin begünstigt.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Zahngesundheit bei Hund und Katze

    Tierhalter lieben ihre Miezekatze oder ihren Wauwau wirklich über alles und kuscheln eng mit ihnen. Aber ein unangenehmer Geruch, der aus dem Maul aufsteigt, lässt jede Schmusestunde zu einer harten Probe werden. Dabei kann es so einfach sein, die Zähne seines Tieres in Ordnung zu halten. Wenn wir Menschen nie die Zähne putzen würden, wie sähe es da bei uns im Mund aus?!

    Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Zähne von Hunden und Katzen zu pflegen. Zum einen kann man sich das Futter zunutze zu machen. Trockenfutter gilt im Allgemeinen als besser für die Zahngesundheit, da das Kauen zu einem gewissen Abrieb an den Zahnflächen führt. Außerdem gibt es spezielle Zahnpflegefutter auf dem Markt, die aufgrund ihrer Textur zusätzlich zahnreinigend wirken. Parallel gibt es Zahnpflege-Leckerchen wie Kaustangen oder -sticks. Auch diese Produkte helfen, die Zähne zu säubern. Allerdings haben sie einen Nachteil: Sie enthalten Kalorien. Und da jeder zweite Hund und jede zweite Katze in Deutschland zu dick ist, ist eine kalorienarme Variante bei übergewichtigen Tieren besser. Desinfizierende Trinkwasserzusätze sind eine gute Alternative. Diese Produkte helfen auch für einen frischen Atem.

    Noch besser: Man putzt seinem Tier aktiv die Zähne. Hierfür gibt es spezielle Katzen- und Hundezahncremes. Diese Cremes können von den Tieren problemlos abgeschleckt werden. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen (zum Beispiel Hühnchen oder Fisch) helfen bei der Akzeptanz. Man kann mit einer Zahnbürste oder auch mit einem Baumwolltuch die Zahncreme auf die Zähne des Tieres auftragen und verteilen. Hierbei gilt: Ein einfaches Auftragen auf die Zähne ist gut, ein regelrechtes Putzen der Zähne ist besser. Wichtig ist, dass man das Tier langsam und mit Geduld an den Ablauf gewöhnt.

    Das dritte Element für gesunde Zähne und damit für ein langes Tierleben ist die regelmäßige professionelle Zahnreinigung. Diese sollte, je nach Bedarf, alle paar Monate durchgeführt werden. Beim Menschen wird eine zweimalige Reinigung pro Jahr empfohlen. Da Hunde und Katzen schneller altern als wir Menschen, sollte dies bei der Wahl der Abstände berücksichtigt werden. Im Zweifelsfall lieber den Tierarzt als Spezialist nachschauen lassen, zum Beispiel im Rahmen der jährlichen Impfung.

    Schlechte Zähne sind nicht nur hässlich anzuschauen und riechen übel, eine schlechte Zahngesundheit beeinträchtigt den gesamten Organismus. Bakterien aus der Maulhöhle werden über die Blutbahn abgeschwemmt und schädigen unter anderem Herz, Leber und Nieren. Schlechte Zähne bedeuten außerdem Schmerzen für die Tiere, auch wenn diese keine eindeutigen Schmerzsymptome zeigen.

    Zahncheck für zu Hause:

    1. Frisst oder kaut Ihr Tier abnormal oder meidet es feste Futterbestandteile?
    2.  Speichelt oder blutet Ihr Tier aus dem Maul?
    3.  Riecht Ihr Tier unangenehm aus dem Maul?
    4.  Ist das Zahnfleisch um die Zähne gerötet oder blutig?
    5.  Fehlen bei Ihrem Tier Zähne?
    6.  Sind auf den Zähnen (vor allem hinten nachschauen) Beläge zu sehen?

    Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit JA beantwortet haben, sollten Sie Ihr Tier bei einem Tierarzt vorstellen. Eine Erkrankung in der Maulhöhle ist sehr wahrscheinlich.

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • Zahnprobleme bei Kaninchen

    Dieser Artikel widmet sich einer Tierart, die in den letzten Jahren zunehmend mit Zahnproblemen in der Kleintierpraxis vorgestellt wird: den Kaninchen.

    Bei diesen Problemen handelt es sich gelegentlich um ein übermäßiges Wachstum der Schneidezähne, wodurch das Tier zunehmend nicht mehr in der Lage ist zu nagen, wesentlich häufiger jedoch ist ein unregelmäßiges Wachstum der Backenzähne, mit zum Teil schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen für das betroffene Tier.

    Die Ursache liegt fast immer in einer angeborenen Zahnfehlstellung, die zumindest teilweise durch die Kaninchenzucht in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich begünstigt wurde: Um die Kaninchen möglichst dem menschlichen „Kindchenschema“ entsprechen, und somit möglichst „niedlich“ aussehen zu lassen, wurden zunehmend Tiere mit runder Kopfform gezüchtet. Damit einher ging eine zunehmende Verkürzung von Ober- und Unterkiefer. Die verkürzten Kiefer beherbergen jedoch nach wie vor die gleiche Anzahl von Zähnen, wodurch Fehlstellungen begünstigt wurden. Die bei Nagetieren lebenslang wachsenden Zähne nutzen sich bei entsprechenden Fehlstellungen nicht mehr gleichmäßig ab, was zur Bildung von dolchartigen Haken und/oder messerscharfen Graten führt, die Backenschleimhaut und Zunge erheblich verletzen und dem Tier starke Schmerzen bereiten können. Spätestens wenn sich derart entstandene tiefere Wunden infizieren, stellen die Tiere die Nahrungsaufnahme ein.

    Begünstigt wird die Problematik häufig durch eine nicht „nagergerechte“ Ernährung. So werden oftmals (in bester Absicht) Körnerfutter und Leckerchen wie Grünrollis oder Joghurtdrops im Übermaß angeboten, während rohfaserreiches Futter (an allererster Stelle hochwertiges Heu, aber auch abwechslungsreiches Grünfutter) als vermeintlich minderwertige, in Wirklichkeit aber lebensnotwendige Hauptnahrung vernachlässigt wird. Ein weiterer, relativ weit verbreiteter Irrglaube besteht darin, dass die Verfütterung trockenen Brotes ein probates Mittel sei, um einen adäquaten Zahnabrieb zu erreichen. Da das trockene Brot im Mund des Tieres durch dessen Speichel sehr schnell aufweicht, findet so gut wie kein Zahnabrieb an den Backenzähnen statt.

    Die häufigsten Anzeichen eines Zahnproblems sind nachlassende Fresslust bis zur totalen Nahrungsverweigerung und übermäßiges Speicheln. Sehr oft entstehen auch Blähungen und Durchfall durch vermehrtes Spielen mit der Zunge an den veränderten Zähnen, einem damit einher gehenden übermäßigen Verschlucken von Luft und oft gleichzeitig auftretenden Fehlgärungen.

    Wird die Diagnose einer Zahnfehlstellung gestellt, muss diese durch den Tierarzt korrigiert werden. Je nach Allgemeinzustand, Temperament des Tieres und möglichen Begleiterkrankungen entscheidet der Tierarzt, ob die Zahnkorrektur unter Sedation oder am wachen Patienten durchgeführt werden muss. Dabei gilt es, das Tier weder durch übermäßige Zwangsmaßnahmen, noch durch ein möglicherweise erhöhtes Narkoserisiko zu gefährden. Die Entscheidung über Art und Weise der durchzuführenden Behandlung muss daher im jeweiligen Einzelfall getroffen werden. Die eigentliche Behandlung besteht in einer instrumentellen Wiederherstellung einer physiologischen Gebissstruktur.

    Da bei Kaninchen die Zähne lebenslang wachsen, muss nach erstmaligem Auftreten von Zahnerkrankungen damit gerechnet werden, dass die Probleme erneut auftreten können. Es ist daher unbedingt anzuraten, in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen durchzuführen. Bewährt hat sich hierbei ein Untersuchungsintervall von maximal drei Monaten.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek

  • Zahnstein

    Zu den häufigsten Gründen, warum Hunde oder Katzen in der Kleintierpraxis vorgestellt werden, zählen Zahnerkrankungen. Dabei nimmt der Zahnstein (Calculus dentalis) einen besonders großen Stellenwert ein.

    Zahnstein entsteht durch Einlagerung von Mineralien, wie Calcium und Phosphaten, in weiche Zahnbeläge (Plaque). Dabei entsteht ein steinharter, fest mit dem Zahnschmelz verbundener, rauer Belag, der mit der Zeit den Zahn komplett einhüllen kann.

    Bei der Entstehung spielen zum einen die mineralischen Bestandteile des Speichels, zum anderen aber auch Mineralstoffe im Futter eine entscheidende Rolle. Da die Zusammensetzung des Speichels von Tier zu Tier etwas variiert, unterscheidet sich auch die Veranlagung zur Bildung von Zahnstein.
    Generell scheinen bei Hunden Klein- und Zwergrassen, wie Dackel oder Zwergpudel, besonders betroffen zu sein, während bei Katzen vor allem reine Wohnungskatzen eine erhöhte Disposition aufweisen.

    Bei zunehmender Zahnsteinbildung bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich Futterreste ansammeln, die anschließend bakteriell zersetzt werden. Durch die progressiv entstehende Entzündung wird der Zahnhalteapparat geschädigt: Die so genannten Sharpey-Fasern, die die Zahnwurzel im Kieferknochen verankern, werden zunehmend zerstört, es kommt zur Parodontitis und Parodontose, die früher oder später zum Verlust des betroffenen Zahns führen.

    Gleichzeitig werden, vor allem bei fortgeschrittener Entzündung vermehrt Bakterien über die Blutbahn abgeschwemmt, die zu schwerwiegenden Erkrankungen, wie zum Beispiel Herzklappenentzündungen oder Nierenschäden (bis hin zum chronischen Nierenversagen) führen können.

    Hat sich erst einmal massiv Zahnstein gebildet, muss dieser professionell mittels Ultraschallsonde entfernt und der Zahn anschließend nachpoliert werden, um eine mögliche Neubildung zu verzögern. Die Entfernung wird durch einen Tierarzt unter Sedation durchgeführt, da die Patienten die Entfernung bei vollem Bewusstsein nicht tolerieren. Idealer Weise findet ein bis zwei Tage oder zumindest einige Stunden vor dem Eingriff eine Behandlung mit Antibiotika statt, um eine Keimverschleppung zu vermeiden.

    Prophylaktisch kann jedoch jeder Tierhalter der Entstehung von Zahnstein entgegenwirken. Zum einen besteht die Möglichkeit, bei kooperativen Tieren mit einer speziellen enzymatischen Zahnpasta für Tiere zwei- bis dreimal wöchentlich die Zähne zu putzen, zum anderen bieten inzwischen viele Firmen speziell strukturierte Futter sowie diverse Zahnpflege-Leckerchen an, die mechanisch Plaque und somit auch die Grundlage des Zahnsteins entfernen.

    Sollten Sie also bei Ihrem Tier bräunlich-beige Zahnbeläge, einen faulig-eitrigen Mundgeruch oder Probleme beim Fressen (einseitiges Kauen, verminderten Appetit oder die zunehmende Verweigerung von Hartfutter) bemerken, sollten Sie Ihren Vierbeiner dem behandelnden Tierarzt vorstellen, um die Zähne überprüfen und gegebenenfalls professionell reinigen zu lassen. Auch im Hinblick auf mögliche prophylaktische Maßnahmen berät Sie Ihr Tierarzt natürlich gerne.

    Text: ©Christian Bank (Tierarzt)
    Kleintierpraxis Dr. Lewitschek

  • Zecken

    Zecken gehören zu der Ordnung der Milben und zu der Klasse der Spinnentiere. Die erwachsene Zecke hat acht Beine (vier Beinpaare), die Entwicklungsstufen Larven und Nymphen haben jeweils sechs Beine.

    Zecken sind sehr anpassungsfähig und nicht streng auf einen Wirt angewiesen, weshalb sie auf vielen Tieren und dem Menschen als Parasiten anzutreffen sind. Ihr Lebensraum ist weit gestreut in Gärten, Parks, Wiesen und Wäldern.

    Ab einer Umgebungstemperatur von 6-8° Celsius sind sie aktiv. Damit ist die Haupt-Zeckenzeit von März bis in den November. Sie können die Winterzeit genauso unbeschadet überstehen, wie bis zu über ein Jahr ohne Blutmahlzeit.

    Die Körpergröße beträgt 1-3 mm in der Länge. Mit Blut vollgesogen können sie sogar eine Größe bis über einen Zentimeter erlangen.

    Die Erkennung des Wirtstieres erfolgt sowohl über optische als auch geruchliche Sinnesreize sowie über Erschütterungen. Zecken sitzen auf Gräsern oder in Sträuchern und heften sich beim Vorbeigehen des Wirtstieres an das Fell. Auf dem Wirt krabbeln sie dann an eine günstige Stelle mit möglichst weicher, dünner Haut wie z. B. dem unten gelegenen Halsbereich, den Achseln oder Innenschenkeln. Dort können sie bis zu zwei Wochen verbleiben. Mit ihren Mundwerkzeugen verankern sich die Tierchen fest in der Haut des Wirtstieres. Sobald dies geschehen ist, beginnen sie mit der Blutmahlzeit. Vollgesaugt lassen sie sich dann abfallen. Die Weibchen legen bis zu 2.000 Eier.

    Bei uns kommt vor allem der „Gemeine Holzbock“ (Ixodes ricinus) vor. In den letzten Jahren verbreitet sich auch immer mehr die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus). Insgesamt gibt es allein in Deutschland über zwanzig Zeckenarten. Diese Tierart ist weltweit verbreitet.

    Der Zeckenstich kann als Folge haben: die Übertragung von Krankheiten, lokale Hautentzündungen und Blutverlust (bei massenhaften Zeckenbefall bis hin zur Blutarmut).

    Von Zecken übertragene Krankheiten sind:

    Borreliose, FSME (Frühsommermeningoenzephalitis), Ehrlichiose, Babesiose, Anaplasmose und Hepatozoonose.

    Daher gilt: Zecken immer so schnell wie möglich entfernen. Dabei keinen Kleber, Öl etc. verwenden und den Zeckenkörper nicht drücken oder quetschen. Dies kann sonst zur Speichelentleerung in die Wunde führen und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Erreger übertragen werden. Besser entfernt man Zecken mit einem geeigneten Instrument (je nach Vorliebe Zeckenzange, -Hebel, oder ähnliches) durch sanften Zug oder leichte Drehbewegung. Da die Zecke kein "Gewinde" hat, ist der vorsichtige Zug an der gesamten Zecke am wichtigsten für eine vollständige Entfernung".

    Text: © Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

  • "Zwingerhusten"

    Unter „Zwingerhusten“ versteht man eine hochansteckende Erkrankung der Atemwege des Hundes. Die daran beteiligten Erreger sind auch vom Hund auf die Katze und umgekehrt übertragbar. Die Infektion breitet sich schnell von Tier zu Tier aus. Dies geschieht durch direkten Kontakt mit einem Erregerausscheider oder per Tröpfcheninfektion.

    Die Erkrankung betrifft oft Hunde, die viel Kontakt mit anderen Hunden haben, zum Beispiel in Zwingern, Tierheimen oder bei Ausstellungen. Erkranken kann jeder Hund. Die Infektion wird auch als Virushusten oder im Fachjargon als infektiöse Tracheobronchitis bezeichnet. Hauptsächlich handelt es sich um eine virale Infektion mit verschiedenen Viren (Canines Parainfluenzavirus, Adenovirus-2, Coronavirus, Herpesvirus, Reovirus, Influenzavirus und Staupevirus). Zusätzlich kann es zu einer bakteriellen Zweitinfektion kommen, die vor allem durch Bordetellen hervorgerufen wird. Gefährdet sind vor allem junge Hunde, ungeimpfte Tiere, Tiere aus schlechter Haltung oder mit Auslandsaufenthalt.

    Die Inkubationszeit beträgt zwischen 2 und 30 Tagen. Typischerweise haben die Hunde einen trockenen Hustens, teilweise mit Würgen, ohne weitere Krankheitsanzeichen. Die Symptome kommen plötzlich. Bei schweren Verläufen zeigen die Tiere außerdem Fressunlust, Fieber und Atembeschwerden.

    Die Therapie besteht bei milden Verläufen vor allem in Ruhe halten und dem Meiden von anderen Hunden sowie der Stärkung der körpereigenen Abwehr. Stresssituationen, Aufregung und körperliche Anstrengung sollten bei dem Patienten möglichst vermieden werden. Gegen den Reizhusten können Hustensäfte verabreicht werden. Bei schwereren Infektionen werden Antibiotika eingesetzt. Weitere Maßnahmen, wie das Sauberhalten von Augen und Nase, die Gabe von Schleimlösern und das Durchführen von Inhalation, sind hilfreich. Bei Staupe können zusätzlich Immunglobuline verabreicht werden.

    Gegen „Zwingerhusten“ kann man sein Tier impfen lassen. Allerdings gibt es keinen Impfstoff auf dem Markt, der alle Erreger gleichzeitig abdeckt. Es gibt die Möglichkeit der Injektion (als Kombinationsimpfstoff mit anderen Hundekrankheiten) oder der Impfung in die Nase. Die Impfung wird für Hunde mit viel Kontakt zu anderen Hunden empfohlen. Es entsteht kein vollständiger Schutz vor der Erkrankung, aber die Symptome sind dann im Erkrankungsfall reduziert. Auch gegen „Zwingerhusten“ geimpfte Tiere und Tiere ohne Symptome können Viren ausscheiden!

    Text: ©Dr. Anette Fach (Tierärztin)
    Kleintierpraxis Oberursel

     

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