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Bei Impfungen in der Veterinärmedizin wird zwischen Core-Impfungen und Non-Core-Impfungen unterschieden.
Impfungen schützen nicht nur das einzelne Tier, sondern tragen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten in der gesamten Tierpopulation bei. Viele Erkrankungen können schwere oder tödlich verlaufende Krankheiten auslösen und Impfungen gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um genau das zu verhindern oder abzumildern. Wie wirkungsvoll konsequentes Impfen sein kann, zeigt das Beispiel der Tollwut: Durch eine flächendeckende Impfung von Heimtieren und Füchsen gilt Deutschland seit 2008 als frei von terrestrischer (klassischer, auf dem Land vorkommender) Tollwut. Da sich nicht nur die Tollwut, sondern auch andere Erkrankungen vom Tier auf den Menschen übertragen können, schützt eine Impfung nicht nur das Tier selbst, sondern auch seine Halter:innen.
Moderne Impfempfehlungen berücksichtigen dabei stets die individuellen gesundheitlichen Faktoren und orientieren sich am tatsächlichen Risiko des einzelnen Tieres. Das Ziel ist kein möglichst umfangreicher, sondern ein sinnvoller und individueller Impfschutz: So häufig wie nötig und so selten wie möglich.
Impfpflicht oder Empfehlung – was gilt in Deutschland?
In der Veterinärmedizin wird zwischen Core- und Non-Core-Impfungen unterschieden. Core-Impfungen schützen vor Erkrankungen, gegen die jedes Tier grundsätzlich immunisiert sein sollte. Non-Core-Impfungen sind ergänzend sinnvoll, abhängig von Haltungsform und Lebensumständen des Tieres. Als Orientierung dienen die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkomission Veterinärmedizin (StIKo Vet).
In Deutschland besteht für Heimtiere keine gesetzliche Impfpflicht – weder für Core- noch für Non-Core-Impfungen. Für die Ein- und Ausreise gelten jedoch besondere Regelungen: Hunde, Katzen und Frettchen, die nach Deutschland einreisen, benötigen eine gültige Tollwutimpfung, die im EU-Heimtierausweis hinterlegt ist und mindestens 21 Tage vor Abreise verabreicht wurde. Bei der Rückreise aus Nicht-EU-Ländern kann zusätzlich ein Antikörpernachweis für Tollwut erforderlich sein, da die Erkrankung in vielen Ländern nach wie vor vorkommt.
Welche Impfungen können für meinen Hund wichtig sein?
Ein lückenloser Impfschutz kann Hunde vor bestimmten Infektionskrankheiten schützen und trägt zur Populationsimmunität bei. Das heißt, es werden auch andere Tiere geschützt, die beispielsweise selbst nicht geimpft werden können. Der Nachweis bestimmter Impfungen ist außerdem häufig Voraussetzung für die Teilnahme an Welpengruppen, die Unterbringung in einer Hundepension oder für Auslandsreisen. Auch für die Teilnahme an Ausstellungen und Turnieren werden häufig bestimmte Impfungen vorausgesetzt. Eine gültige Tollwutimpfung ist bei fast allen Vereinen und Verbänden verpflichtend und viele Ausstellungsordnungen orientieren sich darüber hinaus an den Empfehlungen der StIKo Vet, sodass auch Impfungen gegen Staupe, Parvovirose und Hepatitis gefordert werden.
Die Impfentscheidung hängt jedoch immer vom Alter, dem Gesundheitszustand und möglichen Vorerkrankungen des Tieres ab. Bei gesundheitlich vorbelasteten Hunden beispielsweise sollte das individuelle Risiko vorab gemeinsam mit der Tierarztpraxis besprochen werden. Hunde werden in der Regel mit Kombinationsimpfstoffen geimpft, die mehrere Erkrankungen gleichzeitig abdecken. Fragen Sie hierzu in Ihrer behandelnden Tierarztpraxis, welche Erkrankungen im jeweiligen Präparat enthalten sind.
Folgende Impfungen empfiehlt die StIKo Vet für Hunde:
Core-Impfungen (die zu jeder Zeit empfohlen werden):
- Parvovirose: Die hochansteckende Viruskrankheit betrifft besonders Welpen und Junghunde. Sie verursacht blutigen Durchfall, Erbrechen, schwächt das Immunsystem und kann tödlich verlaufen.
- Leptospirose: Eine bakterielle Infektionskrankheit, die Hunde und Katzen meist durch Kontakt mit dem Urin infizierter Nagetiere (z. B. in stehenden Gewässern) aufnehmen. Da sie auch auf Menschen übertragbar ist, hat sie besondere Bedeutung. Die Erkrankung äußert sich durch Erbrechen, Fieber sowie in schweren Fällen durch Gelbsucht, Magen-Darm-Entzündungen oder Nierenversagen. Sie wird im Gegensatz zu vielen anderen Impfstoffen jährlich geimpft.
- Staupe: Die hochansteckende Viruserkrankung befällt Magen-Darm-Trakt, Atemwege und im schweren Verlauf auch das Nervensystem. Besonders für ungeimpfte Welpen endet sie oft tödlich. Überleben die Tiere, können bleibende Schäden an Gehirn und Gebiss zurückbleiben.
Non-Core Impfungen (die unter bestimmten Bedingungen empfohlen werden):
- Tollwut: Die stets tödlich verlaufende Virusinfektion, die meist über infizierte Bisswunden übertragen wird, kann auch auf Menschen übertragen werden. In Deutschland tritt sie aktuell nicht mehr auf, kann jedoch jederzeit aus anderen Ländern zurückkehren. Die Impfung ist gesetzlich geregelt und für Auslandsreisen gemeinsam mit einem Mikrochip und einem EU-Heimtierausweis verpflichtend.
- Hepatitis contagiosa canis: Die virusbedingte Leberentzündung kann ebenfalls tödlich verlaufen. In Deutschland ist sie heute selten, wird aber weiterhin geimpft, da der Impfstoff meist Bestandteil eines Kombinationspräparats mit Parvovirose und Staupe ist.
- Bordetella: Die bakterielle Atemwegserkrankung ist eine der häufigsten Ursachen des Zwingerhustens und äußert sich in trockenem bellendem Husten, Nasenausfluss und Fieber. Die Impfung wird häufig als Nasenspray über die Nasenschleimhaut verabreicht und ist besonders bei engem Kontakt mit vielen Artgenossen – etwa in Hundepensionen – empfehlenswert.
- Parainfluenza: Das Virus ist ebenfalls eine häufige Ursache des Zwingerhustens und verursacht Husten, Fieber und Nasenausfluss. Der Impfstoff ist oft in einer Kombinationsimpfung enthalten.
Non-Core Impfungen (die in Ausnahmesituationen sinnvoll sind):
Canine Herpesinfektion, Leishmaniose, Lyme-Borreliose, Dermatophytose
Welche Impfungen können für meine Katze wichtig sein?
Ob Wohnungskatze oder Freigänger: Alle Katzen profitieren von einem zuverlässigen Impfschutz, denn Krankheitserreger können auch passiv, etwa an Schuhen oder Kleidung, in die Wohnung getragen werden. Wie beim Hund stehen häufig Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung, die beispielsweise mehrere Erreger des Katzenschnupfenkomplexes gleichzeitig abdecken.
Auch bei Katzen hängt die Impfentscheidung vom Alter, dem Gesundheitszustand und möglichen Vorerkrankungen ab. Bei gesundheitlich vorbelasteten Tieren sollte das individuelle Vorgehen gemeinsam mit der Tierarztpraxis besprochen werden.
Folgende Impfungen empfiehlt die StIKo Vet für Katzen:
Core-Impfungen (die zu jeder Zeit empfohlen werden):
- Feline Calicivirus-Infektion (Katzenschnupfen): Katzenschnupfen ist kein einzelner Erreger, sondern ein Komplex aus verschiedenen Bakterien und Viren. Das Calicivirus verursacht Schnupfensymptome, Maulgeschwüre und Augenentzündungen.
- Feline Herpesvirus-Infektion (Katzenschnupfen): Auch das Herpesvirus gehört zum Katzenschnupfenkomplex und löst Schnupfensymptome sowie Augenprobleme aus.
- Feline Panleukopenie (Katzenseuche): Das Virus verursacht Erbrechen, Fieber und eine ausgeprägte Immunschwäche. Für ungeimpfte Jungkatzen verläuft die hochansteckende Erkrankung häufig tödlich.
Non-Core Impfungen (die unter bestimmten Bedingungen empfohlen werden):
- Tollwut: Die stets tödlich verlaufende Virusinfektion, die meist über infizierte Bisswunden übertragen wird, kann auch auf Menschen übertragen werden. In Deutschland tritt sie aktuell nicht mehr auf, kann jedoch jederzeit aus anderen Ländern zurückkehren. Die Impfung ist gesetzlich geregelt und für Auslandsreisen gemeinsam mit einem Mikrochip und einem EU-Heimtierausweis verpflichtend.
- Feline Leukämievirus-Infektion (FeLV): Das Virus wird über Speichel, z. B. durch Bisse oder gemeinsame Futternäpfe übertragen. Infizierte Katzen tragen den Erreger meist lebenslang in sich und entwickeln oft erst später Symptome wie Immunschwäche oder Tumore. Geimpft werden hauptsächlich Freigängerkatzen, wobei diese vor der Impfung auf eine bereits bestehende FeLV-Infektion getestet werden, denn in diesem Fall wäre die Impfung wirkungslos.
Non-Core Impfungen (die in Ausnahmesituationen sinnvoll sind):
Bordetella-Infektion, Chlamydia-Infektion, Dermatophytose
Wie oft sollten Hunde und Katzen geimpft werden?
Die Häufigkeit der Impfungen richtet sich nach den Empfehlungen der StIKo Vet sowie nach Alter und Gesundheitszustand des Tieres. Grundlage eines zuverlässigen Impfschutzes ist eine vollständige Grundimmunisierung: Leitlinien empfehlen bei Hunde- und Katzenwelpen drei Impfungen im Alter von 8, 12 und 16 Wochen sowie eine abschließende Impfung nach weiteren 12 Monaten. Die Auffrischungsimpfungen erfolgen je nach Impfstoff alle 1-3 Jahre. Die Tollwutimpfung darf erst ab der 12. Lebenswoche verabreicht werden.
Der Grund für die mehrfache Impfung im Jungtieralter liegt in den maternalen Antikörpern: Welpen und Jungkatzen erhalten über die Muttermilch Abwehrstoffe der Mutter („maternale Antikörper“), die sie in den ersten Lebenswochen schützen, gleichzeitig aber die Wirkung von Impfungen abschwächen können. Durch wiederholte Impfgaben während der Grundimmunisierung lernt das Immunsystem die Erreger schrittweise kennen und bildet eigene Gedächtniszellen.
Bei älteren, bisher ungeimpften oder gesundheitlich vorbelasteten Tieren sollte das Impfschema individuell mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.
Können Impfungen bei Tieren Nebenwirkungen haben?
Bei einer Impfung wird dem Körper eine ungefährliche Form eines Krankheitserregers zugeführt. Das Immunsystem reagiert darauf, bildet Antikörper und speichert den Erreger im immunologischen Gedächtnis. Trifft das Tier später auf den echten Erreger, kann der Körper ihn gezielt und rasch bekämpfen, bevor eine Erkrankung entsteht. Milde Reaktionen nach einer Impfung wie Rötung an der Einstichstelle oder leichte Müdigkeit sind somit völlig normal und zeigen, dass das Immunsystem reagiert und aktiv arbeitet. Sie klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Schwerwiegendere Nebenwirkungen wie z. B. starke allergische Reaktionen sind sehr selten, können jedoch bei jeder Impfung auftreten.
Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen überwiegt der Nutzen von Impfungen das Risiko von Nebenwirkungen in den meisten Fällen deutlich. Die Impfentscheidung sollte dennoch immer individuell und nach einer allgemeinen Untersuchung sowie einer ausführlichen Beratung in der Tierarztpraxis getroffen werden.
Bei folgenden Symptomen nach einer Impfung sollten Sie umgehend eine Tierarztpraxis aufsuchen:
- Fieber
- Starke Schmerzen, starker Juckreiz
- Schwellungen am Kopfbereich
- Atembeschwerden
- Kreislaufzusammenbruch, Zittern
- Blasse Schleimhäute
- Extreme Mattigkeit oder Müdigkeit
- Durchfall oder Erbrechen
Mini-FAQ zum Thema Heimtier & Impfung
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Sollte ich meine Katze impfen lassen, auch wenn sie nie rausgeht?
Ja, zumindest die Core-Impfungen gegen Katzenschnupfen und Katzenseuche werden empfohlen, da die Erreger auch passiv in die Wohnung getragen werden können (z. B. an den Schuhen).
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Verfällt der Impfschutz sofort, wenn ich einen Termin für eine Auffrischungsimpfung verpasse?
Nicht unbedingt sofort, aber der Schutz kann unvollständig werden. Sprechen Sie mit Ihrer Tierarztpraxis ab, wie der Impfschutz am besten wiederaufgefrischt werden kann.
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Kann eine Titer-Bestimmung die Impfung ersetzen?
Eine Titer-Bestimmung misst die Anzahl der Antikörper im Blut und kann für einige Krankheiten zeigen, ob noch ausreichend Schutz besteht. Für andere Krankheiten ist sie weniger aussagekräftig, da der Impfschutz nur kurz anhält oder der gemessene Antikörperwert nicht zuverlässig anzeigt, ob das Tier tatsächlich geschützt ist. Zudem sind auch wiederholte Blutentnahmen für die meisten Tiere belastend. Die StIKo Vet empfiehlt grundsätzlich, die bewährten Impfschemata beizubehalten. In Einzelfällen kann eine Titer-Bestimmung jedoch in Absprache mit der Tierarztpraxis sinnvoll sein, um unnötige Impfungen zu vermeiden.
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Welche Symptome sind nach einer Impfung normal?
Müdigkeit und eine leichte Schwellung oder Juckreiz an der Einstichstelle sind häufige und in der Regel harmlose Reaktionen, die zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert. Sie sollten nach 1-2 Tagen von selbst verschwinden. Bei Symptomen wie Fieber, extremer Mattigkeit, blassen Schleimhäuten, Zittern, Kreislaufzusammenbruch, Schwellungen am Kopfbereich, Durchfall oder Erbrechen suchen Sie bitte eine Tierarztpraxis auf.