„Der Ausnahmezustand dauert drei Tage“

Ein TASSO-Mitarbeiter über den Einsatz an Silvester

Schriftzug: TASSO-Notrufzentrale. © TASSO e.V.
In der Notrufzentrale von TASSO stehen in der Silvesternacht die Telefone nicht still.

In der Silvesternacht laufen in der TASSO-Notrufzentrale die Telefonleitungen heiß, denn dann entlaufen so viele Tiere wie in keiner anderen Nacht des Jahres. Hier haben wir die Silvester-Zahlen der letzten Jahre sowie Tipps und Hinweise rund um den Jahreswechsel für Sie zusammengestellt: Silvester mit Haustier

Interview: Silvester in der TASSO-Notrufzentrale

Wir haben mit TASSO-Mitarbeiter Matthäus über diesen besonderen Dienst gesprochen und darüber, warum es so wichtig ist, schon Tage vor Silvester bereit zu sein.

Hallo Matthäus, vielen Dank, dass Du Dir Zeit nimmst, um mit uns über Silvester bei TASSO zu sprechen. Ist der Dienst da eigentlich wie jeder andere?
Matthäus: Nein, das ist natürlich eine ganz besondere Schicht. Auch normale Nachtschichten sind schon unterschiedlich intensiv, aber Silvester ist nochmal etwas ganz anderes.

Warum?
Weil hier so viel los ist. Wir sind mit viel mehr Mitarbeitern im Einsatz, um die vielen Anrufe entgegen zunehmen und zu bearbeiten. Aber ganz besonders ist diese Nacht auch wegen der Bürohunde hier bei TASSO. Es arbeiten dann besonders gerne Kollegen, die einen Hund haben, weil es hier im Büro etwas ruhiger ist. Trotzdem haben viele Hunde Angst und sind nervös. Aber auch die Anrufer sind in dieser Nacht anders drauf als sonst. Entweder rufen sie an, weil sie ein Tier gefunden haben oder weil ihr Tier entlaufen ist. Im ersten Fall sind sie oft in Feierlaune und gut drauf. Oder aber ihre Feierlaune hat ein jähes Ende gefunden, als ihr Tier entlief.

Entlaufen in der Silvesternacht denn wirklich mehr Tiere als sonst?
Ja, auf jeden Fall. Letztes Jahr waren das an Silvester und Neujahr mehr als 650 Tiere. Vor allem entlaufen außergewöhnlich viele Hunde, weil sie Angst haben. Sie rennen am Silvestertag weg, aber auch schon einige Tage vorher. Eigentlich geht das mit dem Verkaufsstart des Silvesterfeuerwerks los. Auch diejenigen, die an Silvester selbst alles zur Sicherheit ihres Tieres tun würden, vergessen manchmal, dass auch schon früher geknallt wird und die Gefahr groß ist. Ich persönlich würde in diesen Tagen alle Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, die möglich sind, um den Ernstfall zu vermeiden.

Welche wären das?
Katzen sollten in diesen Tagen im Haus bleiben und natürlich muss der Tierhalter gut darauf achten, dass sie nicht entwischen. Hunde müssen jetzt unbedingt richtig gesichert werden. Das bedeutet, dass sie angeleint werden und zwar mit passendem Halsband oder Geschirr. Auch ein Sicherheitsgeschirr kann jetzt eine gute Wahl sein. Die TASSO-Plakette sollte jetzt unbedingt am Halsband oder am Geschirr befestigt werden. Zuhause ist wichtig, dass der Garten ausbruchsicher ist, denn es passiert oft, dass Hunde in diesen Tagen entlaufen, wenn sie nur noch mal kurz in den Garten gelassen werden. Auch Gäste sollten darüber informiert werden, dass ein Tier im Haus ist, damit sie Gartentore, Türen und Fenster nicht offenstehen lassen.

Magst du den Silvesterdienst denn?
Ja, ich mache das gerne. Dieses Jahr bin ich früh am Neujahrsmorgen dran. Ich denke, da werden viele Menschen noch schlafen. Entsprechend ruhig könnte es werden. Erst gegen Feierabend wird es wieder mehr Anrufe geben, denn dann sind die Leute wieder wach. Dann fangen die Rückvermittlungen an, weil sich die Tiere wieder aus ihren Verstecken trauen und gefunden werden. Der Ausnahmezustand zu Silvester geht bei uns eigentlich drei Tage.

Sind die Menschen, mit denen Ihr in der Silvesternacht zu tun habt, denn anders drauf als sonst?
Ja. Diejenigen, die ihr Tier vermissen, sind natürlich sehr verzweifelt. Noch mehr als sonst, denn in der Regel ist ihr Tier in Panik entlaufen. Das ist ja besonders gefährlich. Außerdem kommt es natürlich häufiger mal vor, dass jemand angetrunken ist. Oft melden sich aber zum Beispiel auch Anrufer, die in einer Gruppe unterwegs sind und ein Tier gefunden haben. Da ist die Stimmung dann auch entsprechend. Dann ruft schon mal jemand ins Telefon, um zu betonen, dass der Hund wirklich sehr süß ist.

Ist das nicht anstrengend?
Nein, überhaupt nicht. Die Menschen sind wirklich sehr tierlieb und hilfsbereit. Oft macht es ihnen nichts aus, sich um den Hund zu kümmern, bis wir den Halter informiert haben. Sie nehmen die Tiere dann mit nach Hause und versorgen sie ganz liebevoll. Es ist auch schon vorgekommen, dass jemand eigentlich ganz andere Pläne hatte und die über den Haufen geworfen hat, um sich um das Fundtier zu kümmern. Das ist dann wirklich toll.

Das heißt, es gibt wirklich viele tierliebe Menschen?
Ja, das merkt man in diesen Nächten besonders. Da es manchmal leider etwas dauert, bis wir den Halter informiert haben, ist es sehr wichtig, dass sich jemand um das Tier kümmert.

Es dauert etwas länger? Warum? Wenn ein Tier registriert ist, ist die Rückvermittlung doch kein Problem.
Das stimmt. Eigentlich. Aber leider vergessen viele Tierhalter, ihre Daten aktuell zu halten. Oder sie haben bei uns nur eine Festnetznummer hinterlegt, sind in dieser Nacht aber gar nicht zu Hause. Oder sie haben keine Datenfreigabe erteilt. Das bedeutet dann, dass wir dem Finder nicht die Daten des Tierhalters geben dürfen, damit diese miteinander Kontakt aufnehmen. So dauert das dann leider manchmal länger als notwendig.

Also sind die Aktualität in den Daten und entsprechende Freigaben für Eure Arbeit besonders wichtig. Was wünscht Du Dir darüber hinaus für das neue Jahr?
Glückliche Menschen und Tiere und natürlich, dass weniger Tiere entlaufen und noch mehr Menschen daran denken, dass es nicht nur wichtig ist, die Tiere zu chippen, sondern auch zu registrieren.

 

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