Qualzucht bei Katzen

Typische Qualzuchtmerkmale bei Katzen

Graue Katze mit abgeknickten Ohren. © Pixabay/Dashko94
Katzen mit angezüchteten Faltohren haben schmerzhafte Veränderungen an Gelenken und Knochen.

Immer wieder gewinnen bestimmte Katzenrassen an Beliebtheit. Besondere Merkmale wie Haarlosigkeit, Ohrform, Fellfarbe oder Körperbau beeinflussen die Entscheidung vieler Menschen, sich eine bestimmte Rasse zuzulegen. Doch vieles von dem, was als „niedlich“ oder „außergewöhnlich“ empfunden wird, kann für die Tiere selbst erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Katzen, die unter den Auswirkungen von Qualzucht leiden, entsprechen zwar vermeintlichen Schönheitsidealen, doch hinter den auffälligen Merkmalen stehen oft Zahnprobleme, chronische Schmerzen, Herz- oder Hauterkrankungen. Zwar ist nicht jede Katze einer betroffenen Rasse automatisch krank, dennoch sind bei manchen Rassen problematische Merkmale fest im Zuchtstandard verankert. Und so unterschiedlich das Leid des einzelnen Tieres auch sein mag: Es zeigt, wie wichtig es ist, unsere Vorstellung von Schönheit zu überdenken, wenn sie für die Tiere ein Leben voller Beschwerden bedeutet. Im folgenden Artikel befassen wir uns mit Katzen, die von Qualzucht betroffen sind. Wir erklären, wie man Qualzuchtmerkmale erkennt und was verantwortungsbewusste Katzenhalter:innen tun können, um betroffenen Tieren zu helfen.


Besondere Ohren aber Schmerzen

Kleine, nach vorne geknickte Ohren sind das Markenzeichen mancher Katzenrassen und werden von vielen Menschen als besonders niedlich empfunden. Die gefalteten Ohren sollen ein runderes Gesicht erzeugen, das dem sogenannten Kindchenschema entspricht. Durch Werbung und Prominente erfuhren diese Katzenrassen in vergangenen Jahren wieder vermehrte Beliebtheit. Doch das ruhige Wesen der Faltohrkatzen ist nicht unbedingt im Charakter begründet. Hinter den gezüchteten abgeknickten Ohren steckt eine schwere Erbkrankheit (Osteochondrodysplasie), die das Knochen- und Knorpelgewebe verändert, und zwar nicht nur an den Ohren. Dieser Gendefekt schädigt Knochen und Knorpel im gesamten Körper, insbesondere in den unteren Extremitäten und verursacht massive dauerhafte Schmerzen, Lahmheiten und Leiden. Sobald die Veränderungen im Knochen voranschreiten, beginnen die Schmerzen und die Katzen springen und laufen weniger. Manche Tiere müssen bereits im jungen Alter von ihren Schmerzen erlöst werden.


Vom Wildtier zum Haustier

Das exotische Fellmuster und die wilde Persönlichkeit von Hybridkatzen faszinieren viele Menschen. Doch die Kreuzung von Hauskatzen mit Wildkatzen ist hochproblematisch. Wildkater werden gezielt mit Hauskatzen verpaart, was für die weiblichen Tiere oft mit Schmerzen, Stress und Verletzungen durch den Größenunterschied und den Nackenbiss des Wildkaters verbunden ist. Die Nachkommen sind häufig deutlich größer als normale Katzenwelpen, was oft zu komplizierten Geburten, Notkaiserschnitten und Totgeburten führen kann. Häufig werden die Wildtiereigenschaften dieser Katzen unterschätzt. Sie bewahren ihre Wildtierinstinkte, wie einen starken Jagdtrieb und Nacht- und Dämmerungsaktivität, was Bedürfniseinschränkung, Verhaltensproblemen und schließlich Leid mit sich zieht. Sie benötigen viel Platz, Beschäftigung und eine Umgebung, die ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht. Anforderungen, die in einem normalen Haushalt oft nicht erfüllt werden können.


Qualzuchtmerkmale

  • Zwergwuchs/abnormale Skelettform
    Eine abnormale Skelettform durch Skelettentwicklungsstörungen (Chondrodystrophie/Chondrodysplasie) bei kurzbeinigen Katzen führt nicht nur zu verkürzten Beinen, sondern kann auch zu Bandscheibenvorfällen, Bewegungsanomalien, Lahmheiten und Ataxien führen.
  • Verkürzung und Verkrümmung der Vorderbeine (Mikrobrachie)
    Die Tiere lahmen aufgrund der Verkürzung von Vorderbeinknochen. Es kommt zur Einschränkung der artspezifischen Bewegungsabläufe.
  • Schwanzlosigkeit oder Kurzschwänzigkeit
    Die Schwanzverkürzung bis hin zur Stummelschwänzigkeit beeinträchtigt das artspezifische Verhalten und die artgemäßen Bewegungen. Ferner können Wirbelsäulenmissbildungen, neurologische Ausfallserscheinungen, Darmschäden und erhöhte Schmerzempfindlichkeit im Beckenbereich auftreten.
  • Faltohren/Knickohren
    Katzen mit angezüchteten Faltohren leiden genetisch bedingt unter Osteochondrodysplasie, einer genetisch vererbbaren Krankheit, die die gesamte Knorpel- und Knochenentwicklung betrifft und schmerzhafte knöcherne Deformationen im gesamten Körper zur Folge hat.
  • Haarlosigkeit
    Nackte Haut ohne schützendes Fell führt zu unzureichendem Schutz vor Wärme, Kälte und Sonne. Außerdem fehlen bei den Tieren oft die wichtigen Tasthaare. Das Fehlen bedeutet den Verlust eines Sinnesorgans, das für die Orientierung und das Sozialverhalten der Katze wichtig ist.
  • Brachyzephalie (Kurzköpfigkeit)
    Die Verkürzung des Gesichtsschädels geht einher mit: Zahnfehlstellungen, Verengung und Umleitung der Tränennasengänge, Augenprobleme, Verengung der Stirnhöhlen, Nasenlöcher und Nasengänge mit Behinderung der Atmung. Die starke Hautfalte im Gesicht kann sich entzünden.
  • „Rein-weiße“ Farbaufhellung
    Das Gen für die weiße Fellfarbe ist häufig mit angeborener Taubheit und Defekten am Augenhintergrund verbunden.
  • Hybridkatzen/Wildkatzen

    Die Kreuzung mit Wildkatzen führt häufig zu Geburtskomplikationen und starken Wildtiereigenschaften. Die vererbten Wildtierinstinkte, wie ein starker Jagdtrieb, Nacht- und Dämmerungsaktivität zieht Bedürfniseinschränkung und Verhaltensprobleme mit sich.


Was können Tierhalter:innen von betroffenen Tieren tun?

Regelmäßige tierärztliche Checks von Atemwegen, Augen, Haut, Zähnen und Bewegungsapparat sind enorm wichtig. Eine Früherkennung von Qualzuchtmerkmalen verhindert, dass Beschwerden als rassetypisch oder normal abgetan werden und spezielle Operationen und Eingriffe können helfen, betroffenen Katzen das Leben zu erleichtern. Informieren Sie sich über die möglichen Erkrankungen, die bei Ihrem Tier rassebedingt (auch bei Mischlingen) auftreten können und lernen Sie, wie sie diese erkennen können. Wichtig ist: Erkennen und handeln.

  • Skelettanomalien: Katzen mit genetisch bedingten Skelettanomalien wie verkürzten oder deformierten Gliedmaßen, leiden häufig unter Arthrose, Wirbelsäulenverkrümmungen, Bandscheibenvorfällen, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Physiotherapie, Schmerzmanagement und gegebenenfalls orthopädische Eingriffe können helfen, die Lebensqualität der betroffenen Tiere zu verbessern.
     
  • Knickohren: Faltohrkatzen mit abgeknickten Ohren leiden aufgrund eines genetischen Knorpeldefektes unter orthopädischen Problemen im ganzen Körper. Diese können schon im jungen Alter zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen und sollten so früh wie möglich tierärztlich überwacht und mit Physiotherapie und Schmerztherapie behandelt werden.
     
  • Zahnprobleme: Zähne erfordern regelmäßige Kontrolle und Pflege (Zähneputzen, Zahnsanierung). Zahnröntgen und gegebenenfalls Zahnextraktionen können notwendig sein, um Schmerzen und Entzündungen vorzubeugen. Besonders bei brachycephalen (kurzköpfigen) Katzen mit kurzer Schnauze und bei allen jungen Katzen sollte die Gebiss- und Zahnstellung frühzeitig untersucht werden, um Folgeprobleme zu vermeiden.
     
  • Herzprobleme: Symptome wie Husten, schnelle Atemfrequenz oder Leistungsminderung können auf Herzprobleme hinweisen. Bei manchen Rassen mit einer genetischen Veranlagung für Herzprobleme sind regelmäßige Herzuntersuchungen (Echokardiografie) wichtig, um vererbte Erkrankungen früh zu erkennen. Medikamente können die Herzfunktion unterstützen.
     
  • Haarlosigkeit: Haarlose Katzen benötigen besondere Pflege, da ihre Haut anfälliger für Verletzungen, Hitze, Kälte, Sonnenbrand und Austrocknung ist. Da die Katzen es nicht schaffen alle Hautfalten alleine zu putzen, sollten Hautfalten regelmäßig gereinigt werden. Es muss außerdem gut auf die Außentemperatur geachtet werden.
     
  • Augenprobleme: Befeuchtende Augentropfen können bei trockenen oder gereizten Augen helfen. Akut oder chronisch entzündete oder ständig tränende Augen sollten immer tierärztlich untersucht werden.
     

Wissen schützt Tiere

Qualzucht bedeutet für viele Katzen ein Leben voller Schmerzen, Einschränkungen und Leid. Die gezielte Zucht auf bestimmte äußere Merkmale mag einem menschlichen Schönheitsideal entsprechen, doch für die betroffenen Tiere hat sie oft gesundheitliche Folgen, die ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Verantwortung beginnt mit Wissen und dem ehrlichen Blick auf die Gesundheit unserer Tiere. Jedes Tier hat das gleiche Recht auf Schutz, Fürsorge und eine art- sowie bedürfnisgerechte Haltung. Aufklärung bildet die Grundlage dafür, Tierwohl dauerhaft über äußere Merkmale zu stellen und weiteres Leid zu vermeiden. Mit guter Pflege, medizinischer Betreuung und bewussten Entscheidungen können wir das Leben vieler Tiere verbessern.

 

 

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