© Tierrettung Untermain
Auch Katzen aus einkommensschwachen Haushalten können mithilfe des Projekts geschützt werden.
Seit Mitte 2025 gilt für alle Kommunen im Landkreis Miltenberg (Bayern) eine Katzenschutzverordnung. Sie schreibt vor, dass dort lebende Freigängerkatzen kastriert, gekennzeichnet und registriert sein müssen. Ziel ist es, unkontrollierte Vermehrung frühzeitig zu verhindern und damit langfristig die Streunerpopulationen zu reduzieren.
Drei engagierte Tierschutzorganisationen aus der Region Miltenberg hatten sich daraufhin zusammengeschlossen, um einkommensschwachen Haushalten finanziell dabei zu helfen, ihre Freigängerkatzen kastrieren, kennzeichnen und registrieren lassen zu können: die Tierhilfe Miltenberg, die Tierrettung Untermain und die Aktion Sorgenkatzen. Sie gründeten dafür einen Kastrationsfonds, den auch TASSO unterstützt hat, um einmal mehr aufzuzeigen, welche zentrale Rolle die Kastration bei der Eindämmung des Streunerkatzenelends spielt. Für TASSO gehören Kastration, Kennzeichnung und Registrierung immer zu einer verantwortungsbewussten Katzenhaltung dazu.
So läuft es ab:
- Unkompliziertes Antragssystem über zentrale Projektwebsite, postalisch oder telefonisch
- Fördervoraussetzungen prüfen
- Termin vor Ort vereinbaren
- Bewilligung und anteilige* Kostenübernahme (Gutscheinmodell für die Abwicklung)
- Durchführung bei einem kooperierenden Tierarzt aus der Region
Bereits kurz nach Projektbeginn zeigte sich, dass eine hohe Nachfrage nach dem Angebot besteht. Die Resonanz aus der Bevölkerung war positiv, und die Vereine fanden zahlreiche Sponsoren und Förderer. Und so konnten bis Juni 2026 rund 50 Katzen kastriert werden.
Interview mit Projekt-Initiatorin Stefanie Jungwirth
Wir haben bei Stefanie Jungwirth, einer der Projekt-Initiatorinnen von der Tierrettung Untermain, nach ihren Erfahrungen mit dem Kastrationsfonds gefragt.
TASSO: Welches Resümee ziehen Sie sechs Monate nach dem Projektstart?
Jungwirth: Bereits in den ersten Monaten wurde deutlich, dass ein sehr großer Bedarf besteht. Viele Katzenhalterinnen und Katzenhalter möchten verantwortungsvoll handeln, stoßen aber an finanzielle Grenzen. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig ein niedrigschwelliges und wertschätzendes Angebot ist. Besonders wichtig war die Erfahrung: Hilfe muss ohne Scham in Anspruch genommen werden können.
Im Verlauf des Projekts wurde außerdem zunehmend deutlich, dass der Bedarf weit über die Region hinausgeht. Wir erhalten inzwischen regelmäßig Anfragen aus anderen Bundesländern. Dies zeigt aus unserer Sicht sehr deutlich: Der Bedarf an solchen Präventionsprojekten besteht bundesweit.
TASSO: Was hat das Projekt aus Ihrer Sicht so erfolgreich gemacht?
Jungwirth: Die Kombination aus Katzenschutzverordnung, finanzieller Unterstützung und Öffentlichkeitsarbeit erweist sich als besonders wirkungsvoll. Aus unserer bisherigen Erfahrung sind insbesondere folgende Faktoren entscheidend:
- Kooperation statt Einzelarbeit: Mehrere regionale Vereine arbeiten gemeinsam
- Niedrigschwelliger Zugang: Einfache Antragstellung und klare Kommunikation
- Wertschätzender Umgang: Keine Stigmatisierung einkommensschwacher Halter:innen
- Transparente Struktur: Klare Abläufe schaffen Vertrauen bei Förderer:innen und Halter:innen
- Intensive Öffentlichkeitsarbeit: Thema aktiv über Social Media, regionale Presse, Radiosender, Gemeinden und Sozialverbände in die Öffentlichkeit tragen
TASSO: Wo lagen die Herausforderungen bei der Umsetzung des Projektes Kastrationsfonds für Sie und Ihre Mitstreiter:innen?
Jungwirth: Bei der Einigung auf das Konzept und der fairen Arbeitsverteilung.
TASSO: Wie aufwendig war Ihr Vorhaben und können andere Katzenschutzvereine ein solches Projekt auch gut selbst durchführen?
Jungwirth: Eine Homepage zu erstellen, die Rahmenbedingungen und die Präsentationen für Gemeinden und Förderer zu erarbeiten, war recht aufwendig. Mit ein bisschen technischem Knowhow und auch Mithilfe unserer Erfahrungen und Ideen sollte sich das für andere Vereine aber gut umsetzen lassen. Unser Projekt zeigt bereits nach kurzer Zeit, dass regionale Kastrationsfonds ein wirksames Instrument zur Prävention von Katzenelend sein können. Die hohe Nachfrage, die positive Resonanz und das bundesweite Interesse sprechen dafür, dass dieses Modell auch in anderen Regionen erfolgreich umgesetzt werden kann. Unser Eindruck ist: Prävention funktioniert – wenn sie zugänglich gemacht wird.
TASSO: Was können andere Vereine von Ihrem Projekt lernen?
Jungwirth: Dass man auf jeden Fall feste Rahmenbedingungen und die Grenzen der Grauzonen klar setzen muss, weil man auch Anträge von Katzenhalter:innen bekommt, die eigentlich nicht unbedingt Unterstützung nötig hätten. Wenn man hier keine feste Linie fährt, könnte das Budget sonst schnell aufgebraucht sein.
TASSO: Mussten Sie auch Überzeugungsarbeit bei den Halter:innen leisten, gab es eventuell Schwierigkeiten?
Jungwirth: Die meisten Halter:innen kamen von sich aus auf uns zu, bei manchen, die generell wenig Einsicht gegenüber der Katzenschutzverordnung zeigten, mussten wir schon etwas mehr Überzeugungsarbeit leisten. Hier sind wir sehr dankbar für die gute Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt.
TASSO: Vielen Dank, Frau Jungwirth, und weiterhin alles Gute für Ihre wertvolle Tierschutzarbeit!
*Der Eigenanteil beträgt 20 Prozent der Kosten.