Illegaler Welpenhandel

Das harte Geschäft mit niedlichen Rassehunden

Kleiner brauner Hundewelpe. Pexels/Pixabay © Pexels/Pixabay
Symbolbild: Rassehunde aus dem illegalen Welpenhandel haben einen erschreckenden Hintergrund.

Der illegale Welpenhandel ist ein hartes und leidvolles Geschäft. Die Hundewelpen werden unter tierschutzwidrigen Bedingungen, meist in Osteuropa, gezüchtet, illegal importiert und an unwissende Käufer übergeben. 

Wir haben unsere Tierschutz-Experten Heike Weber und Mike Ruckelshaus gefragt, wie der illegale Welpenhandel eingedämmt werden kann und was eigentlich mit den Rassewelpen passiert, wenn sie beim illegalen Transport entdeckt und beschlagnahmt werden.

TASSO: Warum gibt es den illegalen Welpenhandel und warum boomt er seit Jahren?

Mike Ruckelshaus (MR): Die Gewinne aus dem illegalen Welpenhandel sind astronomisch, das Risiko, geschnappt zu werden, ist für die Welpendealer dagegen verschwindend gering. Harte Strafen oder restriktive Sanktionen müssen die Täter ebenfalls nicht befürchten. Gleichzeitig wird die Nachfrage durch Menschen befeuert, die ihre „Geiz ist geil-Mentalität“ auch auf den Kauf eines vierbeinigen Freundes projizieren, trotz aller Warnungen und Aufklärungsarbeit seitens der Tierschutzverbände.

Heike Weber (HW): Ja, genau. Es ist immer mehr zu beobachten, dass Tiere als „Impulskäufe“ angeschafft werden, sprich: die Interessenten möchten keine lange Wartezeiten in Kauf nehmen oder Kennenlernphasen durchlaufen, bevor ein Tier bei ihnen einziehen kann. „Es muss ein Tier her und zwar sofort“ ist auch oft der Grund, auf dubiose Anzeigen zu reagieren, was natürlich den Handel immer weiter befeuert.

Warum ist der illegale Welpenhandel ein Problem für die Tiere, für den Halter und für den Tierschutz? Und wie tragen Online-Plattformen  dazu bei? 

MR: Die Welpen sind meist ungeimpft und krank und werden viel zu früh der Mutter entrissen, was Auswirkungen auf das Immunsystem und Defizite in der Sozialisierung zur Folge hat. Viele Welpen sterben qualvoll an Infektionskrankheiten, wie Staupe oder Parvovirose. Für die Käufer hat dies in der Regel Tierarztkosten in vierstelliger Höhe zur Folge.

Die Elterntiere werden in den Herkunftsländern unter tierschutzwidrigsten Bedingungen in schäbigen, dunklen Verschlägen gehalten, die Hündinnen als Gebärmaschinen missbraucht und erhalten weder Impfungen oder tiermedizinische Versorgung noch ausreichend und artgemäßes Futter. Hier zählt nur der größtmögliche Profit. Darüber hinaus besteht durch den illegalen Welpenhandel die Gefahr der Einschleppung der Tollwut nach Deutschland.

Online-Plattformen bieten den Welpendealern die Möglichkeit, anonym ihre Welpen anzubieten, ohne dass Name und Adresse des Anbieters verifiziert werden. Daher fordern wir ein Verbot des Online-Handels mit Wirbeltieren.

HW: Für den Tierschutz bringt der Welpenhandel auch große Probleme. In meiner aktiven Zeit im Tierheim haben mein Team und ich etliche Tiere aus illegalen Transporten aufgenommen, gepflegt und vermittelt, teilweise 92 Welpen auf einen Schlag, was ein Kraftakt ist – personell wie finanziell – den Tierheime so eigentlich nicht tragen können. Nicht selten waren die Tiere so krank, dass sie uns trotz intensivmedizinischer Behandlung unter den Händen weggestorben sind.

Selbst wenn die Welpen den Transport, die Zeit im Tierheim oder die Anfangszeit bei neuen Tierhaltern weitestgehend unbeschadet überstehen sollten, darf man niemals das Leid der Muttertiere vergessen. Diese verbringen ihr gesamtes meist sehr kurzes Leben als Gebärmaschinen unter widrigsten Bedingungen. Der Welpenhandel ist rein auf Profit ausgelegt und das Tierleben an sich ist den Händlern nichts wert. Solange die Nachfrage anhält, wird „nachproduziert“.

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein Welpe nach Deutschland überhaupt einreisen darf?

MR: Welpen, die aus dem Ausland nach Deutschland verbracht werden, müssen über einen gültigen Tollwut-Impfschutz verfügen. Da eine Tollwutimpfung erst im Alter von 12 Wochen erfolgen kann und es 3 Wochen dauert, bis die Impfung wirksam ist, dürfen Welpen erst mit Ablauf der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden. Welpen, die jünger sind und hier angeboten werden, wurden illegal nach Deutschland verbracht. Darüber hinaus benötigen Händler, die Welpen aus dem Ausland nach Deutschland verbringen eine Genehmigung nach § 11 Tierschutzgesetz.

Und wie kann der illegale Handel gestoppt werden?

MR: Eine wirksame Maßnahme zur Eindämmung des Welpenhandels, ist die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde. Die Bundesregierung hat diese Pflicht im Koalitionsvertrag vorgesehen. Ferner plant die Bundesregierung Restriktionen beim Onlinehandel mit Wirbeltieren. So soll zum Beispiel eine Verifizierung der Anbieter eingeführt werden. Die Frage ist allerdings ob und wann diese Gesetzesvorhaben in Kraft treten werden.

HW: Ich denke ein guter erster Schritt wäre mit mehr Kontrollen und konsequenteren und härteren Strafen bei gestoppten Transporten getan. Die Händler kommen meist mit einer geringen Geldstrafe davon – wenn sie überhaupt belangt werden. Die Strafen sind aber in der Regel so niedrig angesetzt, dass die Händler diese bereits einkalkulieren und mit der nächsten Fuhre Welpen meist wieder ausgleichen können.

Es gibt immer wieder Meldungen über beschlagnahmte Welpen. Doch was passiert mit diesen Tieren danach? Heike, welche Erfahrungen hast du während deiner Zeit im Tierheim gemacht?

HW: Mein Team und ich haben während meiner aktiven Zeit im Tierheim etliche Welpen aus sichergestellten Transporten aufgenommen. Das Prozedere läuft immer sehr ähnlich ab: Meist wird ein Transport auf der Autobahn von der Polizei gestoppt und dann muss alles ganz schnell gehen. Die Tiere müssen noch vor Ort begutachtet werden, die Sicherstellung kann nur von Amtswegen erfolgen, das heißt, es muss ein Verstoß gegen geltende Gesetze festgestellt werden. Die sichergestellten Tiere müssen dann in einem Tierheim untergebracht werden und wegen des unbekannten Krankheitsstatus zunächst in Quarantäne. Da die Tiere meist in der sogenannten Immunologischen Lücke transportiert werden – sprich das Immunsystem erhält keine Antikörper mehr durch die Muttermilch und ist noch nicht durch eine Impfung geschützt – sind die Tiere besonders krankheitsanfällig. Es gilt, einen stabilen Keimstatus (also eine gleichbleibende Umgebung) für die Tiere zu schaffen, bis das Immunsystem stabil genug ist, auf Keime aus der Umwelt adäquat zu reagieren beziehungsweise bis die Tiere einen Impfschutz haben. Dies erfordert oberste Hygienemaßnahmen im Tierheim. Bei uns wurden die Tiere gleich nach Ankunft untersucht, um Alter und Gesundheitsstatus festzuhalten. Die Versorgung und Behandlung dieser Welpen ist oft genug ein Wettlauf mit der Zeit. Wir haben etliche Welpen verloren, was für uns jedes Mal sehr schmerzlich war. Was man bei all dem Kampf nie vergessen darf: die Welpen sind zwar sichergestellt, gehören aber rein rechtlich immer noch dem entsprechenden Welpenhändler. Meine Erfahrung ist, dass die Händler in der Regel nicht freiwillig auf ihre „Ware“ verzichten und meist auf Herausgabe der Tiere klagen. Gewinnt der Händler, müssen die Tiere tatsächlich zurückgegeben werden, sobald sie gesundheitlich stabil und transportfähig sind. Der Händler muss alle im Tierheim entstandenen Kosten begleichen. Verliert der Händler, verbleiben die Tiere im Tierheim und können von dort aus je nach Gesundheitszustand auf die Suche nach einem Zuhause gehen.

Und wie groß sind die Chancen, dass die Welpen ein passendes Zuhause finden bzw. gibt es genügend Interessenten?

HW: Die Nachfrage nach Rassewelpen im Tierheim ist enorm groß und bei unseren aufgenommenen Welpentransporten stand das Telefon ab Tag eins nicht mehr still. Ich möchte hier auch eine Lanze für alle Kollegen im Tierheim brechen: dieser Ansturm kann nicht bewältigt werden! In so einer Ausnahmesituation heißt es „Alle Mann an Deck!“ und die Versorgung der Tiere steht an erster Stelle. Die Vermittlung in ein neues Zuhause erfolgt dann nach einem notwendigen Auswahlverfahren, denn künftige Tierhalter müssen sich immer ihrer Verantwortung bewusst sein – besonders aber, wenn ihr Welpe nicht den besten Start ins Leben hat und man noch nicht alle gesundheitlichen Defizite bei der Vermittlung voraussehen kann. Wir haben „Gott sei Dank“ für alle unsere Welpen jeweils ein gutes Zuhause gefunden und mit einigen neuen Haltern stehe ich heute noch in Kontakt.

Was sollten Halter tun, wenn sie vermuten, einen illegalen Welpen adoptiert zu haben?

MR: In jedem Fall sollte der Welpe einem Tierarzt vorgestellt werden. Bei einem ungeklärten Impfstatus gegen Tollwut müssen Käufer damit rechnen, dass eine Quarantäne für das Tier angeordnet wird. Die Kosten hierfür hat dann der Käufer zu tragen. Weiter ist es möglich, dass der Welpe durch die zu frühe Wegnahme von der Mutter und den Wurfgeschwistern nur unzulänglich sozialisiert wurde und sich dadurch Probleme oder gar Verhaltensauffälligkeiten, spätestens in der juvenilen Phase, zeigen. Der Besuch einer Hundeschule ist in jedem Fall anzuraten.

HW: Auch ich würde dazu raten, dass der erste Gang der neuen Hundebesitzer zum Tierarzt sein sollte. Neben der Tollwutimpfung werden die Tiere dort noch auf Endo- und Ektoparasiten untersucht und behandelt. Ebenso kommt es sehr häufig vor, dass Tiere „fitgespritzt“ werden. Diese Vitamindepots halten für einige Tage an und der eigentliche Gesundheitsstatus zeigt sich erst bei nachlassender Wirkung. Darauf sollte man vorbereitet sein bzw. dem sollte man frühzeitig entgegenwirken.

Was sollten künftige Hundehalter tun, wenn sie unbedingt einen Rassewelpen haben möchten?

MR: Hände weg vom Online-Handel! Man findet bzw. kauft seinen zukünftigen besten Freund nicht mit drei Klicks im Internet! Der erste Weg bei der Anschaffung eines Hundes sollte immer ins Tierheim führen. Auch hier warten Rassehunde und Welpen auf ein verantwortungsvolles Zuhause. Gerade jetzt, bei den horrend steigenden Energie-, Tierarzt- und Futterkosten und der Überfüllung vieler Tierheime durch die vermehrte Abgabe von Hunden, die während der Corona-Krise unüberlegt angeschafft wurden, benötigen unsere Tierheime jegliche Unterstützung und Entlastung.

HW: Natürlich raten wir als Tierschützer immer dazu, dass der erste Weg bei der Suche nach einem tierischen Begleiter ins nächste Tierheim führen sollte. Doch wenn sich zukünftige Besitzer für eine bestimmte Rasse oder auch ganz generell aus verschiedenen Gründen für ein Tier vom Züchter entschieden haben, ist meine Empfehlung immer, auf Seriosität zu achten und auf keinen Fall auf Online-Handel reinzufallen. Ein seriöser Züchter hat in Regel einen Wurf pro Mutterhündin pro Jahr. Die Würfe werden rechtzeitig ausgeschrieben bzw. bekannt gegeben. Die Auswahl der Interessenten erfolgt persönlich und nach individuellen Kriterien. Hund und Halter müssen in jeder Hinsicht zusammenpassen. Die Welpen können und sollten vor dem Auszug mehrmals besucht werden und die Tiere werden sowohl im Familienverbund als auch mit der Mutterhündin erlebt. Selbstverständlich sind die Tiere bei Auszug alt genug, gechipt, geimpft und entwurmt. Der Züchter hält sicherlich auch nach dem Auszug der Tiere gerne Kontakt mit den neuen Haltern, um Fragen zu beantworten und sicherzugehen, dass es dem Welpen in seinem neuen Zuhause gut geht.

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