© Claudia Evert
Jagdverhalten gehört zum natürlichen Verhalten von Katzen – ob Freigänger oder Wohnungskatze.
Freigang oder Wohnungshaltung, Jagdverhalten oder Wildtierschutz, Kennzeichnungspflicht oder freiwillige Verantwortung – rund um die Katzenhaltung gibt es viele Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Diese Seite bündelt häufige Fragen und beantwortet sie sachlich und differenziert.
Weitere Informationen über die grundlegende Entscheidung zwischen Wohnungshaltung und Freigang gibt es im Hauptartikel zu Wohnungskatzen und Freigängerkatzen.
Ist Freigang nicht grundsätzlich artgerechter?
Freigang ermöglicht Katzen ein umfassendes Ausleben ihres natürlichen Verhaltensrepertoires, insbesondere Erkundungs- und Jagdverhalten. Gleichzeitig ist er mit größeren Risiken wie Verkehrsunfällen, Krankheiten und Verletzungen verbunden. Eine pauschale Aussage, dass Freigang grundsätzlich artgerechter sei, ist daher nicht möglich. Entscheidend ist, ob die jeweilige Haltungsform – mit oder ohne Freigang – den individuellen Bedürfnissen der Katze gerecht und verantwortungsvoll umgesetzt wird.
Können Wohnungskatzen wirklich glücklich sein?
Ja, sofern die Haltung hochwertig gestaltet ist. Eine tiergerechte Wohnungshaltung erfordert ausreichend Platz, Struktur, Rückzugsmöglichkeiten, vertikale Ebenen und regelmäßige Beschäftigung, die jagdtypische Verhaltensweisen im Spiel ermöglicht. Defizite entstehen nicht durch die Wohnung an sich, sondern durch mangelnde Umweltgestaltung oder fehlende Beschäftigung.
Sind Katzen Hauptursache des Artensterbens?
Nein. Der Rückgang vieler Wildtierarten ist in erster Linie auf Lebensraumverlust, landwirtschaftliche Intensivierung, Pestizideinsatz und Klimaveränderungen zurückzuführen. Freilaufende Katzen stellen jedoch einen zusätzlichen, vom Menschen beeinflussten Faktor dar, der insbesondere bei hoher Katzendichte oder in ökologisch sensiblen Gebieten lokal relevant sein kann.
Jagen Katzen auch, wenn sie ausreichend gefüttert werden?
Ja. Jagdverhalten ist nicht ausschließlich hungergetrieben. Auch gut versorgte Hauskatzen jagen, da das Verhalten durch Bewegungsreize und Instinkt ausgelöst wird. Studien deuten darauf hin, dass eine angepasste Fütterung und intensives Spielverhalten den Jagddruck verringern können, vollständig verhindern lässt sich das Jagdverhalten jedoch nicht.
Sind vor allem Streunerkatzen das Problem?
Streunerkatzen jagen in der Regel intensiver, da sie stärker auf Beutefang angewiesen sind. Gleichzeitig ist die Zahl der gehaltenen Freigängerkatzen deutlich höher. Beide Gruppen tragen zum Jagddruck bei. Unkontrollierte Vermehrung verstärkt das Problem strukturell. Eine nachhaltige und tierschutzgerechte Kontrolle von Streunerkatzenpopulationen durch Kastration ist daher sowohl aus Tier- als auch aus Wildtierschutzsicht sinnvoll.
Bringen Glöckchen am Halsband etwas?
Glöckchen können einzelne Beutefänge reduzieren, sind jedoch keine zuverlässige oder umfassende Lösung. Zudem können sie für die Katze selbst belastend sein. Andere Maßnahmen wie bspw. zeitlich begrenzter Freigang oder gesicherte Außenbereiche sind nachhaltiger.
Sollte die Katze ein GPS-Ortungsgerät tragen?
Einige Tierhalter:innen entscheiden sich dafür, ihrer Katze zusätzlich zur Kennzeichnung und Registrierung bei TASSO ein Halsband mit einem GPS-Tracker anzulegen. So kann die Katze in Echtzeit geortet werden. Weiterhin ist der Tracker hilfreich, um zu erfahren, wo sich das jeweilige Tier aufhält und welche Routen es wählt. Doch um ein GPS-Gerät nutzen zu können, ist ein Halsband zur Befestigung notwendig. Viele Menschen befürchten, dass die Katze dadurch Verletzungen erleiden könnte. Lesen Sie ausführliche Informationen zum Thema auf unseren Seiten zum Thema Ortungstechnik für Katzen.
Sollte Freigang in Schutzgebieten verboten werden?
In ökologisch sensiblen Gebieten kann eine Einschränkung des Freigangs sinnvoll sein. Solche Maßnahmen sollten jedoch regional geprüft und differenziert umgesetzt werden. Pauschale Verbote werden der komplexen Situation nicht gerecht.
Warum fordert TASSO eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung?
Kennzeichnung und Registrierung ermöglichen es, entlaufene Tiere schnell ihren Halter:innen zuzuordnen. Gleichzeitig schaffen sie Verantwortlichkeit und Transparenz. Eine bundesweite Regelung erleichtert zudem die Durchsetzung weiterer tierschutzrelevanter Maßnahmen.
Warum ist eine bundesweite Katzenschutzverordnung notwendig?
Unkontrollierte Vermehrung führt zu erheblichem Tierleid bei Streunerkatzen und kann regional zu hohen Populationsdichten führen. Kommunale Einzelregelungen sind uneinheitlich und schwer durchsetzbar. Eine bundesweite Regelung würde Rechtssicherheit schaffen, Tierleid reduzieren und strukturelle Probleme nachhaltiger lösen.