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Tierschutz im Ausland: Auch Straßenhunde haben ein Recht auf Leben
NEU: Rumänien plant Massentötung von Straßenhunden
Tierschützer laufen Sturm gegen neuen Gesetzentwurf.
Protestieren Sie mit uns.
Seit Tagen beschäftigt ein umstrittener Gesetzentwurf zum Umgang mit Straßenhunden die rumänische Öffentlichkeit. Tierschützer sprechen von einer neuen Dimension der Gewalt, mit der Politiker das Straßenhundeproblem in den Griff bekommen wollen.
Wie aus Kreisen rumänischer Abgeordneter zu hören ist, soll eine großflächige Tötung der Straßenhunde im ganzen Land vorgesehen sein. Das Füttern herrenloser Tiere werde verboten. Aufgegriffenen Hunden drohe bereits nach sieben Tagen der Tod. Beginnen soll die geplante Fang- und Tötungsaktion in der Hauptstadt Bukarest, in der nach Schätzungen fast 100.000 herrenlose Hunde leben. Danach werde die Maßnahme auf das gesamte Land ausgeweitet.
Wie Carmen Arsene von der Nationalen Tierschutzvereinigung Rumäniens mitteilt, sind dieses Mal unterschiedslos alle Hunde betroffen: junge, alte, gesunde, kranke, verletzte, aggressive oder sanfte. Ebenso vielfältig wären die Tötungsmethoden. Sie erinnert an grausame Aktionen aus naher Vergangenheit: "Die Behörden haben das Erschlagen, Vergiften, Strangulieren und Erschießen der Tiere zugelassen und einkalkuliert, dass die gefangenen Hunde in den Tötungsstationen jämmerlich an Hunger, Beißereien und Verletzungen verendet sind", so die gebürtige Rumänin. Es sei bekannt, dass einige Städte Kopfprämien von 25 Euro pro getötetem und "als Müll" entsorgtem Hund zahlen würden.
Gesetz wird blockiert
Vor zwei Jahren hat der Senat einen Gesetzentwurf angenommen, der das Töten der Straßenhunde verbot und die Kastration als Mittel der Wahl zur Populationsreduzierung vorschrieb. "Dieser Entwurf Nr. 912 wird bis heute vom Komitee für öffentliche Verwaltung und ökologisches Gleichgewicht der Abgeordnetenkammer blockiert", erklärt Carmen Arsene. In diesem Vakuum habe der Präfekt von Bukarest den neuen Gesetzentwurf vorgelegt, der anders als der bisherige Entwurf die Vernichtung der im Land lebenden Straßenhunde fordere und Massentötungen legalisiere.
Dass die Bevölkerung ein schärferes Vorgehen gegen Straßenhunde ablehnt, zeigt laut Arsene eine Meinungsforschung der eResearch Corp. Das Ergebnis belege, dass 70 Prozent der befragten rumänischen Bürger gegen die Euthanasie der Hunde sind und sich für die Kastration als beste Lösung aussprechen. 74 Prozent lehnen die geplante Änderung ab, der zufolge sogar Menschen bestraft werden sollen, die in der Nähe ihrer Wohnung Straßenhunde füttern, damit sie nicht verhungern. Erstaunlicherweise würden die Zeitungen nicht über diese aktuelle Umfrage berichten, obwohl sie ihnen vorliege. "Sie drucken weiter tendenziöse Artikel über die Gefahr von Straßenhunden", hat Carmen Arsene beobachtet.
Rumänische Tierschützer setzen auf massiven internationalen Protest, der die Abgeordneten von der Effizienz des Konzepts "Kastration und Wiederauswilderung" überzeugen könnte als der einzigen Lösung zur Reduzierung der Zahl der Hunde.
Der bmt (Bund gegen Missbrauch der Tiere), TASSO und der ETN (Europäische Tier- und Naturschutz) protestieren bei den rumänischen Verantwortlichen und werden prüfen, ob die vorgesehene Massentötung von Hunden gegen europäisches Recht verstößt.

Rumänien ist im Umgang mit seinen Straßenhunden nicht weniger zimperlich als Ungarn, Italien oder Südeuropa. Straßenhunde sind ohne Rechte, weil sie nicht zu den Haustieren zählen. Sie werden überall gejagt und auf brutalste Weise getötet, weil sie nicht selten Überträger der gefürchteten Tollwut sind und sie kaum jemand braucht und leiden kann. Sie ernähren sich von dem Wenigen, was die Müllreste noch hergeben und wer im eiskalten Winter überlebt, hat Glück gehabt.
Das rumänische Gesetz sieht im Hinblick auf die Straßenhunde vor, dass sie eingefangen werden, in Tötungsstationen kommen und nach 2 Wochen Aufbewahrungsfrist getötet werden. Dass die Hunde in Rumänien keine Spritze zum Einschlafen erhalten, dürfte sich von selbst verstehen. Das Einfangen der Straßenhunde funktioniert gut, denn es ist ein lukratives Geschäft. So zahlt die Gemeinde umgerechnet 25 Euro pro Hund. Bei einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 200 Euro ist das ein lohnenswerter Nebenerwerb.
Töten kostet Geld, das in der Rettung von Hundeleben besser angelegt wäre
Die zweitgrößte Stadt des Landes, Brasov, hebt sich ein klein wenig von der für Süd- und Osteuropa ganz normalen Grausamkeit gegen die Straßenhunde ab. Zumindest sind Ansätze erkennbar, die Anlass zur Hoffnung geben. Der Bürgermeister von Brasov, George Scripcaru, ist überzeugt davon, dass sich in seiner Stadt in Bezug auf die Straßenhunde etwas ändern muss. Auch wenn ihn ganz andere Gründe bewegen als die Tierschützerin Petra Zipp vom bmt, die das Straßenhundeprojekt in Brasov vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. Rumänien braucht den Tourismus wie alle anderen Schwellenländer, will sich der Welt nicht als roh und mittelalterlich präsentieren und in der EU mithalten können.
So kam es 2007 auch zu ersten Gesprächen des rumänischen Bürgermeisters und dem bmt. Allerdings ist der Tierschutz hier von noch kleineren und unsicheren Schritten geprägt als in Deutschland. Eine Gesetzesänderung ist zäh und bedarf unendlich vieler Verhandlungsrunden, weil zu viele Interessen miteinander kollidieren. Politik und Lobbyismus sind auch in Brasov stark miteinander verschmolzen. Zumindest sind sowohl die internationalen als auch die lokalen Medien durch die unermüdliche Arbeit der Tierschützer langsam aufmerksam geworden.
Letztendlich wird sich der Erfolg einstellen, die Hunde nach und nach medizinisch versorgt, kastriert, gekennzeichnet und registriert werden. Das Ziel des "Castrate-and-Release"-Programmes ist es, die Straßenhundepopulation in den nächsten Jahren durch Kastration auf ein für die Hunde erträgliches Maß zu reduzieren.
EU-Bürger sind sich einig: Straßenhunde sollen leben! Bereits 60.000 Unterschriften gesammelt
Ohne die Hilfe der EU geht es nicht. Deswegen fordern wir die EU auf, Verantwortung zu übernehmen. Unterzeichnen Sie die Resolution „Auch Straßenhunde haben ein Recht auf Leben“ an die EU, indem Sie sich das PDF zum Unterschreiben und Verschicken runterladen! Danach an TASSO schicken.
Was Sie noch tun können:
Geben Sie einem rumänischen Hund ein Zuhause. Viele Hunde konnte der bmt aus den Tötungsstationen retten und nach Deutschland bringen. Jetzt warten die Tiere sehnsüchtig auf ein neues Zuhause. Über Ihren Anruf oder ein E-Mail freut sich Petra Zipp vom bmt: 07121.820170 oder
petra.zipp@bmt-tierschutz.de