Wann braucht eine Katze Hilfe?

Ist eine freilaufende Katze hilfsbedürftig? Unsere Katzenexpertin gibt Tipps

© Heike Engelhart
Nicht jede freilaufende Katze benötigt immer menschliche Hilfe.

Immer wieder kommt es vor, dass Katzen, die eigentlich eine Familie haben, eingefangen und als Fundtier gemeldet werden. Doch das ist oft falsch verstandene Tierliebe. Denn grundsätzlich sollte bei einer fremden Katze solange davon ausgegangen werden, dass sie einen Halter hat, bis das Gegenteil bewiesen ist. Dies bedeutet auch, dass Katzen ohne Anzeichen von Verwahrlosung und Unterernährung nicht gefüttert, angelockt oder gar mit nach Hause genommen werden sollten. Sie gehören zu ihrem Halter, und man darf sie nicht von diesem entfremden. Wenn die Katze trotzdem immer wiederkommt, sollte der Besitzer ermittelt und darüber informiert werden, damit er weiß, wo sein Tier ist.

In einer Notsituation sollten Tierfreunde natürlich eingreifen und Katzen helfen. Manchmal reicht  die spontane Hilfe an Ort und Stelle mit anschließender Freilassung des Tieres, manchmal sollte das Tier zur medizinischen Notversorgung in eine Tierklinik oder Tierarztpraxis mitgenommen werden. Beim Tierarzt kann dann auch geprüft werden, ob die Katze tätowiert ist oder einen Transponder trägt, damit der Besitzer ermittelt werden kann.  Nimmt ein Finder, das Tier an sich, ist er dazu verpflichtet, den Fund des Tieres zu melden, da er sich sonst gegebenenfalls der Fundtierunterschlagung schuldig macht. Zuständig ist das Ordnungsamt, beziehungsweise nachts die Polizei (über die Nummer der Dienststelle, nicht den Notruf).

Notfall oder Streifzug?

Doch wie kann man überhaupt erkennen, ob eine Katze Hilfe braucht oder einfach auf ihrem täglichen Streifgang ist? „Die echte Hilfsbedürftigkeit einer Katze kann anhand bestimmter eindeutiger äußerer Umstände, unter welchen das Tier angetroffen wird, erkannt werden“, sagt TASSO-Katzenexpertin Dr. Cristeta Brause. Sie zählt einige Beispiele auf:

  • Unfälle oder Situationen, aus denen sich die Katze nicht selbst befreien kann, wie der Sturz in einen Teich oder eine Regentonne, das Hängen- beziehungsweise Steckenbleiben mit dem Körper oder Körperteilen in irgendwelchen Vorrichtungen (in auf Kipp stehenden Fenstern),
  • das Eingesperrt sein in Fahrzeugen, Müllcontainern, Garagen, Kellern, Dachböden oder ähnlichem.
  • Auch Kätzchen, die auf einem Baum sitzen und vergeblich versuchen herunterzukommen, könnten unter Umständen Hilfe gebrauchen, da kleine Katzen das Herunterklettern von Bäumen erst noch lernen müssen.
  • Beobachtet man, dass eine Katze Gift (z.B. Schneckenkorn) aufgenommen hat oder von einer Biene oder Wespe gestochen wurde, sollte ebenfalls durch Informieren des Besitzers oder ggf. schnelles eigenes Handeln geholfen werden. Gleiches gilt natürlich für Katzen mit schweren Verletzungen oder lebensbedrohlichen Symptomen wie akute Atemnot.

Offensichtlich ausgesetzte bzw. zurückgelassene Tiere z.B. an Raststätten (Mülleimer) oder in Zugabteilen brauchen Hilfe in der Form, dass sie als Fundtiere behandelt und gemeldet werden.

Streunerkatzen sind zwar auch per se als hilfsbedürftig zu bezeichnen, weil Hauskatzen selbst nach einiger Zeit der Verwilderung domestikationsbedingt nicht allein ohne menschliche Betreuung für sich sorgen können. Sie sollten jedoch – idealerweise in Absprache mit einem Tierschutzverein - nur zum Zweck der Kastration und ggf. medizinischen Versorgung eingefangen, zur Tierarztpraxis gebracht und anschließend wieder an ihrem angestammten Platz frei gelassen und dort weiter versorgt werden.

Extreme Scheu, schlechter Ernährungs- und Pflegezustand, starker Parasitenbefall, Verletzungen, Augen- und Nasenausfluss können bei einer Katze Hinweise darauf sein, dass es sich um eine herrenlose Streunerkatze handelt, Beweise sind es jedoch nicht. Denn auch hier kann es sich um eine Besitzerkatze handeln, die vermisst wird, und über längere Zeit draußen alleine überleben musste.

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