zurück zur Übersicht

Anaplasmose und Ehrlichiose - Doxycyclin ausreichend?

von K. J.

Guten Tag, unser Rüde, der seit Monaten immer wieder Blut im Stuhl hat, viel schmatzt und phasenweise sehr schlecht frisst, wurde kürzlich per Antikörpertest positiv auf Anaplasmose und Ehrlichiose (Titer bei lezterem aktuell 4x erhöht) getestet. Außerdem waren im letzten Blutbild Ende November der ALT- und der CRP-Wert erhöht sowie die Thrombozyten erniedrigt. Obwohl es unserem Hund nicht gut geht, möchte unser Haustierarzt die Vektorerkrankungen nicht behandeln, da die nachfolgenden PCR-Tests negativ waren. Er sagt, dann seien die Infektionen nicht akut und hält stattdessen "nur" eine IBD bzw. eine Futtermittelunverträglichkeit für die Ursache der Symptome. Wir möchten uns gerne eine zweite Meinung dazu einholen und haben in Kürze einen Termin bei einer Tierärztin, die sich mit Vektorerkrankungen besser auskennen soll. Darauf möchte ich mich ein bisschen vorbereiten. Eine Behandlung, sollte sie durch die andere Tierärztin für notwendig erachet werden, wird ja sicher auf die Gabe von Doxycyclin hinauslaufen. Ich frage mich nur, ob Doxycyclin allein für die Behandlung einer chronischen Infektion ausreichend sein kann, besonders im Hinblick auf die Ehrlichiose (der Titer ist aktuell >4-fach erhöht). Wäre es sinnvoll oder gar notwendig, zusätzlich mit Imidocarb bzw. Carbesia zu behandeln? Und wie ist das möglich, da Carbesia meines Wissens in D nicht zugelassen ist. Gäbe es u.U. Alternativen zu Carbesia? Über eine Einschätzung und Auskunft hierzu würden wir uns freuen. Vielen Dank und freundliche Grüße 

Tierärztin Janina Rohde

Antwort von Tierärztin Janina Rohde

Hallo. 

Bei Hunden mit chronischen gastrointestinalen Symptomen wie rezidivierendem Blut im Kot, Inappetenz, vermehrtem Schmatzen sowie begleitenden systemischen Veränderungen wie erhöhtem CRP, Transaminasenanstieg und Thrombozytopenie ist eine sorgfältige Einordnung der Befunde notwendig. Antikörpertests auf Anaplasmose und Ehrlichiose zeigen nach den ESCCAP-Leitlinien zunächst nur den Kontakt mit dem jeweiligen Erreger an und erlauben für sich genommen keine Aussage über eine aktuell behandlungsbedürftige Infektion. Ein negativer PCR-Test spricht gegen eine akute hohe Erregerlast, schließt insbesondere bei Ehrlichia canis eine chronische oder subklinische Verlaufsform jedoch nicht sicher aus, da die Erregerlast in diesen Phasen sehr niedrig sein kann. Ein deutlich erhöhter oder im Verlauf ansteigender Antikörpertiter, insbesondere in Kombination mit typischen Laborveränderungen wie Thrombozytopenie, Entzündungszeichen und Leberwerterhöhungen, sollte immer im klinischen Gesamtzusammenhang bewertet und im Verlauf kontrolliert werden. Nach den ESCCAP-Guidelines ist Doxycyclin das Mittel der Wahl zur Behandlung von Ehrlichiose und Anaplasmose. Die empfohlene Therapiedauer beträgt mindestens 28 Tage. Auch bei chronischen Verlaufsformen gilt Doxycyclin bei korrekter Dosierung und ausreichender Therapiedauer als wirksam. Eine zusätzliche Behandlung mit Imidocarb (Carbesia) wird für Ehrlichiose und Anaplasmose nicht empfohlen, da hierfür keine ausreichende Evidenz besteht. Imidocarb ist primär zur Therapie der Babesiose vorgesehen und in Deutschland nicht zugelassen. Eine routinemäßige Kombinationstherapie mit Doxycyclin ist laut Leitlinien nicht indiziert. Parallel zur infektiologischen Abklärung sollte die internistische Diagnostik weitergeführt werden, da die beschriebenen Symptome gut mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder einer Futtermittelunverträglichkeit vereinbar sind. Empfohlen werden eine konsequent durchgeführte Ausschlussdiät über mindestens sechs bis acht Wochen mit einer neuartigen Proteinquelle oder einem hydrolysierten Futter, eine Abdomensonographie zur Beurteilung von Darm, Leber, Milz und Lymphknoten sowie Verlaufskontrollen der Entzündungsparameter, Leberwerte und Thrombozyten. Serielle Antikörperkontrollen können zusätzlich helfen, die Dynamik der Titerentwicklung einzuordnen. Insgesamt ist eine leitliniengerechte Doxycyclin-Therapie bei klinischem Verdacht ausreichend, entscheidend bleibt jedoch die strukturierte Gesamtbewertung aus Klinik, Labordynamik, Bildgebung und diätetischer Diagnostik.

Viele Grüße
Janina Rohde

758.548 „Gefällt mir“-Angaben

Danke für die vielen Likes!

TASSO-Videos

Alles zu den Aufgaben von TASSO in Bildern

Newsletter

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden!

Cookies

Liebe Tierfreunde,
um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen, verwenden wir Cookies. Einige Cookies sind technisch notwendig (essentiell), damit unsere Webseite funktioniert. Zudem verwenden wir Cookies zu Marketing- und Statistik-Zwecken, um Ihnen ein noch besseres Webseiten-Erlebnis zu bieten. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten und diese jederzeit unter „Cookie-Einstellungen“ einsehen und ändern. Erklärung zur Nutzung von Cookies auf unserer Webseite Datenschutzerklärung