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Trockenfutter Katze

von Sabine F.

In Facebook Gruppen für Ernährung in denen Fachleute sind wird dringend von Trockenfutter abgeraten Was sagt ein Tierarzt dazu ? In den Gruppen wird gesagt Tierärzte haben davon keine Ahnung. Aufgeführt wird folgende Argumentation: Katzen stammen von der Falbkatzem diese ist ein Wüstentier, sodass sich der Körper darauf eingestellt habe & die Katze einen Großteil ihres Wasserhaushaltes über die Nahrung aufnehme. Bei Trockenfutter sei das nicht möglich. Desweiteren sauge Trockenfutter zusätzlich auch noch Wasser auf. Dies bedeude, das wenige Wasser, dass die Tiere durch das Trockenfutter aufnehmen, aufgesaugt werde. Die Niere werde somit nicht gewässert, was auf Dauer zu Nierenschäden führe. Diese seien allerdings erst dann erkennbar, wenn sie irreraparel sind. Auf 100g TroFu müsse eine Katze 400-500 ml Wasser trinken, zusätzlich zu dem, was sie sich im Normalfall aus der Nahrung holen würde. Dadurch könne es schnell passieren, dass eine Katze insgesamt 800 ml oder mehr an einem Tag trinken müsse, was sowohl biologisch also auch instinktiv einfach nicht gehe. Es sei ein Alarmsignal für Krankheiten, wenn eine Katze anfänge viel zu trinken. Dann seien mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nieren schon geschädigt; CNI, Diabetes oder eine andere Erkrankung seien ersichtlich. Weiter wird darauf hingewiesen, dass Trockenfutter auch niht gut für die Zähne sei. Das Gegenteil sei der Fall. Der durch das Fressen erhöhte Speichefluss führe eher zu Zahnstein.

Es gebe kein Trofu, das kein Wasser aufsauge, da Trofu aus Inhaltsstoffen besteht, die dehydriert wurden. Da der Körper der Katze aber darauf angewiesen sei, Flüssigkeit über die Nahrung aufzunehmen, sei Trockenfutter also nicht artgerecht und gesundheitsgefährdend. Der Verdauungsapperat der Katze sei nicht dazu konstruiert, ungebundene Flüssigkeit aufzunehmen  und zu verwerten. Übermässiges Trinken schade also, da der Körper nicht wisse, was er damit anfangen soll. Das Fazit lautet, dass die Katze, um gesund zu bleiben, nicht nur einen hohen Fleischanteil mit dem richtigen Verhältnis zu Mineralien + Vitaminen benötige, sondern auch im Futter gebundene Flüssigkeit. Fehlt auch nur eine Komponete, werden die Organe über kurz oder lang geschädigt.

Tierärztin Janina Rohde

Antwort von Tierärztin Janina Rohde

Hallo Frau F.

Aus tierärztlicher Sicht werden diese Aussagen in sozialen Medien stark vereinfacht und teilweise falsch dargestellt. Richtig ist, dass Katzen obligate Karnivoren sind und ursprünglich einen Großteil ihres Wassers über die Beute aufnehmen. Daraus folgt aber nicht, dass Trockenfutter per se gesundheitsgefährdend ist oder zwangsläufig zu Nierenschäden führt. Studien zeigen, dass Katzen bei Trockenfütterung tatsächlich mehr trinken. Diese Mehraufnahme gleicht den fehlenden Wassergehalt des Futters meist nicht vollständig aus, weshalb die Gesamtwasseraufnahme unter Nassfütterung höher ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Trockenfutter die Nieren „austrocknet“. Chronische Nierenerkrankungen entstehen multifaktoriell, unter anderem durch Alter, genetische Prädisposition, Blutdruck, Entzündungen und Vorerkrankungen, nicht allein durch die Futterform. Ein vermehrtes Trinken ist eine normale physiologische Anpassung und erst dann ein Warnsignal, wenn es unabhängig von der Fütterung neu auftritt oder deutlich zunimmt. Auch die Aussage, Trockenfutter entziehe dem Körper aktiv Wasser oder müsse den Verdauungstrakt „rehydrieren“, ist physiologisch so nicht korrekt. Die Verdauung und Wasserresorption bei Katzen ist sehr wohl in der Lage, freie Flüssigkeit zu verarbeiten. Wasser wird nicht „ungenutzt ausgespült“, sondern bedarfsgerecht reguliert. Bezüglich der Zahngesundheit gilt: Trockenfutter wirkt nicht wie eine Zahnbürste, verursacht aber auch nicht automatisch Zahnstein. Zahnprobleme hängen primär von Plaquebildung, Speichelzusammensetzung, Genetik und Zahnhygiene ab. Spezielle Dentalfuttermittel können unterstützend wirken, ersetzen jedoch keine zahnmedizinische Vorsorge. Zusammenfassend ist Nassfutter eine sehr gute Möglichkeit, die Wasseraufnahme zu erhöhen und wird bei vielen Katzen, insbesondere mit Harnwegs- oder Nierenerkrankungen, bevorzugt empfohlen. Trockenfutter ist bei gesunden Katzen jedoch nicht grundsätzlich ungeeignet oder schädlich, wenn es ausgewogen zusammengesetzt ist und die Katze ausreichend trinkt. Die pauschale Aussage, Tierärzte hätten „keine Ahnung“, entspricht weder der wissenschaftlichen Datenlage noch der klinischen Erfahrung.

Viele Grüße
Janina Rohde

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