Antwort von Tierärztin Janina Rohde
Hallo Frau G.
Guten Tag, es tut mir sehr leid zu lesen, was Sie erlebt haben. Ein solcher Abschied ist extrem belastend und kann sehr verunsichern. Es ist wichtig, das Geschehen sachlich einzuordnen, ohne Ihr Erleben in Frage zu stellen. Aus tiermedizinischer Sicht wird Ketamin bei Katzen nicht allein zur Euthanasie eingesetzt. Üblich ist eine Kombination mit weiteren Wirkstoffen, zum Beispiel Benzodiazepinen wie Diazepam oder Midazolam, α2-Agonisten wie Medetomidin (Dormitor) oder anderen Sedativa. Diese Kombinationen sollen Angst, Muskelstarre, Erregung und sogenannte dissoziative Effekte von Ketamin verhindern. Warum es in Ihrem Fall zu einer so schweren Reaktion kam, lässt sich aus der Ferne nicht beurteilen. Entscheidend wären unter anderem der gesundheitliche Zustand Ihres Katers, insbesondere ob Herz- oder Lungenerkrankungen vorlagen, die Art der Injektion (intravenös oder intramuskulär), die Dosierung, mögliche Vorlaufmedikamente sowie der konkrete Anlass für die Euthanasie. Bei schwer kranken Tieren, vor allem mit Herzproblemen oder Atemnot, kann eine zunehmende Sedierung paradoxerweise zu einer Verschlechterung der Atmung führen, weil Kreislauf und Atemregulation nicht mehr ausreichend kompensiert werden kann, das Tier sollte jedoch bereits tief schlafen. In solchen Situationen kann der Eindruck von Luftnot oder Erstickung entstehen, auch wenn das Ziel der Medikation ein friedliches Einschlafen ist. Dass Ihr Kater frühere Narkosen grundsätzlich gut vertragen hat, schließt leider nicht aus, dass sich die Situation im Alter oder durch neue Erkrankungen verändert hat. Eine Euthanasie ist keine „normale“ Narkose, sondern ein medizinischer Vorgang, der stark vom aktuellen Allgemeinzustand des Tieres abhängt. Ihr Wunsch, andere Tierhaltende auf diese Möglichkeit hinzuweisen, ist nachvollziehbar. Gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass Ketamin bei Katzen seit Jahrzehnten eingesetzt wird und in korrekt gewählter Kombination und Indikation einen sicheren Teil der Narkose darstellt. Wenn Sie Antworten für sich brauchen, kann es sinnvoll sein, das Gespräch mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt zu suchen und gezielt nach Wirkstoffen, Dosierung, Injektionsweg und der medizinischen Einschätzung der Situation zu fragen. Das kann helfen, das Erlebte besser einzuordnen. Ihr Verlust und Ihre Gefühle darüber sind in jedem Fall ernst zu nehmen.
Viele Grüße
Janina Rohde