Hundehaltung

Tipps für Hundehalter

© Christin Brokfeld
Tipps für ein entspanntes Leben mit Hund.

Inhaltsverzeichnis

Wenn es heiß wird – So helfen Sie Ihrem Vierbeiner durch den Hochsommer
Begegnungen an der Leine
Prävention bei Beißvorfällen
Ein Welpe kommt ins Haus
Hunde aus dem Ausland

Wenn es heiß wird – Vierbeinern durch den Hochsommer helfen

Viele unserer Vierbeiner genießen den Sommer in vollen Zügen. Da jedoch der Grat zwischen Wohlfühltemperatur und Hitze für Hunde recht schmal ist, gilt es für Hundehalter in der heißen Jahreszeit einiges zu beachten. Einige Tipps und Hinweise für die warmen Tage haben wir hier zusammengestellt.

Hunde schwitzen nicht wie wir Menschen. Es besteht daher schneller die Gefahr, dass sie überhitzen. Daher dürfen sie keinesfalls im Sommer alleine im Auto zurückbleiben.
Aber auch beim Spaziergang und im heimischen Garten sollte Rücksicht auf sie genommen werden. Überanstrengen Sie Ihren Hund bei Hitze nicht. Lange Spaziergänge sollten nicht unbedingt in der Mittagshitze durch das Feld führen. Im Wald ist es in der Regel deutlich angenehmer. Auch bieten sich die frühen Morgen- und späten Abendstunden für ausgiebigere Gassirunden an.

Richten Sie im Garten oder auf dem Balkon auch Schattenplätze her, auf die sich der Vierbeiner zurückziehen kann. Viele Hunde lieben kleine Planschbecken um sich abzukühlen, andere legen sich gerne auf spezielle Kühlmatten.
Bedenken Sie auch, dass der Asphalt tagsüber bei mehr als 30 Grad Außentemperatur häufig kurz vor dem Kochen steht. Das kann für die empfindlichen Hundepfoten schnell zu heiß werden. Machen Sie daher vorher den Selbsttest: Legen Sie Ihre Handfläche auf den Boden. Müssen Sie Ihre Hand nach wenigen Sekunden zurückziehen, ist der Untergrund in jedem Fall zu heiß für die empfindlichen Ballen Ihres tierischen Begleiters. Vorsicht beim Radfahren! Vergessen Sie nicht: Jeden Meter, den Sie entspannt radeln, muss Ihr Hund aus eigener Kraft laufen.

Auch ein Bad im See, im Bach oder im Fluss erfrischt viele Vierbeiner effektiv. Doch auch hier sollten Sie Vorsicht walten lassen. Für viele Hunde ist es das größte Vergnügen, sich in die kalten Fluten zu stürzen. Sie denken dabei nicht darüber nach, ob alles sicher ist. Das ist Ihr Job. Achten Sie darauf, dass Ihr Tier sich am Ufer nicht verletzen kann und nicht zu weit hinaus schwimmt. Bedenken Sie Strömungen, die im Meer, aber auch an Flüssen und sogar in manchen Seen herrschen, und lassen Sie Ihren Hund beim Baden nicht aus den Augen.

Es geht auch entspannt: Begegnungen an der Leine

Wer kennt das nicht: Zwei Hunde, jeweils an der Leine geführt, begegnen sich. Plötzlich beginnt ein mächtiges Rüpeln zwischen den beiden, obwohl sie sich kennen und unangeleint keine Probleme miteinander haben. Was steckt dahinter?

Warum sind Hunde an der Leine aggressiv?

Früher wurde häufig behauptet, dass der Hund sich an der Leine stark fühlt oder seinen Halter beschützen möchte. Heute weiß man allerdings, dass die Leinenaggression ganz andere Ursachen hat. Unsere Hunde sehen sich immer wieder folgender Situation ausgesetzt: Auf einem schmalen Weg kommt ihnen ein Mensch mit einem ebenfalls angeleinten Hund entgegen. Würden sich die beiden Hunde im Freilauf begegnen, würden beide wahrscheinlich erst einmal stehen bleiben oder in einem Bogen aneinander vorbeigehen. Das ist ihnen aber durch die Leine nicht möglich. Ganz im Gegenteil: Häufig kann man beobachten, dass der Hundehalter die Leine noch kürzer nimmt, um den Hund besser halten zu können, beziehungsweise um einen direkten Kontakt zu vermeiden. Was passiert: Die beiden Hunde marschieren direkt aufeinander zu, was bedrohlich für das Gegenüber erscheinen kann. Meistens kann hier auch schon ein deutliches Drohfixieren festgestellt werden. Die Hunde schauen sich an und sind nicht mehr ansprechbar. Trotz des Drohens wird von beiden weiterhin die Individualdistanz unterschritten, sodass die Hunde keine andere Wahl haben, als aggressiv zu reagieren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es zu solch einer Ausnahmesituation im Freilauf schlichtweg nicht kommen würde, da die Hunde vermeiden würden, auf diesem direkten Wege aufeinander zuzugehen. Durch die Leine werden sie allerdings gehindert, ihre individuelle Distanz einzuhalten. So kann es passieren, dass sich die Hunde eingeengt fühlen und sich entsprechend verhalten.

Warum entwickelt sich Aggressionsverhalten an der Leine, und welche Rolle spielt der Halter?

Irgendwann ist immer das erste Mal: Mein Hund begegnet einem anderen Hund, der ihm nicht ganz geheuer ist, er hat Angst. Hunde haben vier Möglichkeiten, mit ihrer Angst umzugehen: Entweder sie flüchten, das wird jedoch durch die Leine verhindert. Sie erstarren, doch meistens wird der Hund durch den Halter weitergezogen. Sie bieten eine Aufforderung zum Spiel an, um die Situation zu entschärfen – doch auch diese Möglichkeit ist an der Leine nur eingeschränkt möglich – oder sie reagieren mit aggressivem Verhalten.

Warum wird Aggression als häufigste Strategie gewählt?

Dies ist ein Lernprozess des Hundes. Er hat gelernt, durch Aggression zum Erfolg zu kommen. Der andere Hund nähert sich nicht weiter beziehungsweise das andere Hund-Halter-Team weicht dem bellenden Gespann lieber aus. Sprich: Aggression bringt die gewünschte Distanz.

Eine nicht zu vernachlässigende Komponente bildet das andere Ende der Leine. Häufig kann man beobachten, dass die Halter des aggressiven Hundes mit ihm schimpfen oder versuchen, das unerwünschte Verhalten abzubrechen. Der Hund kann das Verhalten seines Halters auf zwei Möglichkeiten verstehen:

1. „Meine Mama bellt mit, demnach liege ich wohl richtig.“

Hunde tun nur das, was sich lohnt. Eine Art von Belohnung für den Hund ist Aufmerksamkeit. Hierbei ist dem Hund erst einmal egal, ob die Aufmerksamkeit des Halters in Form von netten Worten oder in Form von Beschimpfungen kommt. Schimpfen ist besser als keine Aufmerksamkeit, demnach belohnt der Halter das Verhalten.

2. „Oh je, jetzt hat meine Mama auch schon schlechte Laune, und ich muss mich auch noch vor ihr fürchten.“

Der Hund hat sowieso schon Angst aufgrund des anderen Hundes, nun macht ihm der Halter zusätzlich noch Stress. Was passiert beim nächsten Mal? Der Hund hat mehr Angst, da ihn nicht nur der andere Hund beunruhigt, sondern auch die schlechte Laune des Halters verunsichert – ein Teufelskreis beginnt.

Trägt der Hund ein Halsband ohne Stopp, ein Stachelhalsband oder gibt ihm der Halter Leinenrucke, hat der Hund zu der Angst noch körperlichen Schmerz, beziehungsweise er bekommt keine Luft mehr. Stellen Sie sich vor, Ihnen würde bei jedem Menschen, dem Sie begegnen, die Luft genommen – nun wissen Sie, wie es Ihrem Hund geht.

Der entgegenkommende Hund wird demnach zum Signal für körperlichen Schmerz, auch hier gerät der Hund wieder in einen Teufelskreis, er hat bei jeder nun folgenden Begegnung mehr Angst.

Wie kann ich vermeiden, dass mein Hund zum Leinenrüpel wird?

Am einfachsten ist, man bringt bereits seinem Welpen bei, dass entgegenkommende Hunde „lecker“ sind, dieses Vorgehen nennt man in Fachkreisen Gegenkonditionierung: Andere Hunde werden mit Futter aus der Hand des Halters verknüpft. Oft sind viele Wiederholungen nötig, bis der entgegenkommende Hund als Signal für Leckerchen wird. Bei ausreichender Übung wird Ihr Hund sich Ihnen zuwenden und wie im Comic sein Leckerchen einfordern. Als Folge ignoriert er den anderen Hund. Auch für den entgegenkommenden Hund entspannt sich nun die Situation, denn er wird nicht mehr bedroht. Ein Passieren ist nun ohne Probleme möglich.

Mein Hund rüpelt an der Leine - was kann ich tun?

Ignorieren Sie das aggressive Verhalten, kommentieren Sie sein Gebärden nicht, sondern gehen Sie möglichst kommentarlos, ohne zu ziehen, weiter. Leichter gesagt als getan – das stimmt!

Am besten Sie vermeiden erst einmal Hundekontakte, außer in Trainingssituationen. Auch hier kommt wieder die Gegenkonditionierung ins Spiel. Der Hund soll andere Hunde mit etwas Angenehmen – zum Beispiel Leckerchen – verknüpfen. Die Schwierigkeit bei einem Hund, der bereits eine Leinenaggression entwickelt hat, ist, dass er vielleicht schon nicht mehr fressen kann, sobald er einen Artgenossen zu Gesicht bekommt.

Aus diesem Grund muss ihm der andere Hund in einer Entfernung präsentiert werden, in der er sein Gegenüber zwar wahrnimmt, aber noch nicht mit aggressivem Verhalten reagiert. Sobald der Hund am Horizont erscheint, bekommt der zu trainierende Hund Leckerchen, bis der andere Hund wieder verschwunden ist. Nach und nach kann die Entfernung verringert werden bis dann auch ein direktes Aneinadervorbeigehen möglich ist. Dieses Procedere sollte mit so vielen unterschiedlichen Hunden wie möglich geschehen, damit nicht nur der eine Trainingshund als ungefährlich empfunden wird, sondern die angenehme Verknüpfung allgemein übertragen wird. In Fachkreisen spricht man vom generalisieren.

Hilfe, ein Hund kommt!

Natürlich kann uns passieren, dass wir trotz aller Vorsicht in der Trainingsphase einem anderen Hund begegnen. Dazu brauchen wir einen Notfallplan:

Zum einen könnten Sie über ein Halti, ein Kopfhalfter für den Hund, die Situation absichern. Durch das Halti kann der Hund nicht so stark in Richtung anderer Hund ziehen und Sie als Halter können diesen Situationen entspannter entgegengehen. Allerdings muss der Hund zunächst an ein Halti gewöhnt werden, hierzu sollten Sie sich fachmännische Hilfe suchen.

Hat Ihr Hund den anderen Hund wahrgenommen und reagiert noch nicht mit aggressivem Verhalten, sollten Sie Ihren Hund, soweit er noch Futter nehmen kann, an dem anderen Hund „vorbei füttern“.

Ist Ihr Hund allerdings bereits am Pöbeln, sollten Sie souverän ohne Kommentar möglichst schnell und unauffällig die Situation verlassen und Ihren Hund dann wieder für ruhiges Verhalten belohnen.

Zur Person:

Dr. Katrin Voigt ist Tierärztin mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie und führt seit 2007 eine verhaltenstherapeutische Praxis. Des Weiteren ist sie Prüferin für den BHV-Hundeführerschein, Assistenzhund-Team-Prüferin (IHK) sowie Sachverständige zur Abnahme von Wesenstests gemäß hessischer HundeVO. Im Januar 2009 gründete sie das Hundezentrum Rhein-Main. Dazu gehören neben einer Praxis für Verhaltenstherapie auch eine Hundeschule, eine Hundepension sowie eine Praxis für Tierphysiotherapie.

Text und Idee: ©Dr. med. vet. Katrin Voigt
Hundezentrum Rhein-Main
Auf der Lind 3
65529 Waldems-Esch
E-Mail: verhaltenstherapie@hundezentrum-rhein-main.com

Prävention bei Beißvorfällen

Wieso werden Kinder häufiger von Hunden gebissen?

Kinder werden doppelt so häufig von Hunden gebissen wie Erwachsene. Insbesondere werden Kinder im Bereich des Halses und Kopfes gebissen. Kinder bis 4 Jahre werden zu 80 % im Bereich des Gesichtes gebissen, bei den 4 bis 8jährigen sind es noch 62 %, Kinder von 8 bis 11 Jahren werden nur noch zu 15 % im Bereich des Gesichtes gebissen.

Wieso kommt es dazu? Wenn Kinder in Kontakt mit Hunden treten, umarmen sie sie gerne, drücken ihren Kopf an den Kopf des Hundes oder legen sich gar auf ihren Hund. Wenn der Hund sich nun bedroht fühlt, ist nun mal das erste, was er erwischt, der Kopf des Kindes. Die Größe und die Rassezugehörigkeit spielen primär keine Rolle! Natürlich gibt es Rassen, die häufiger in einer Familie gehalten werden und es gibt sicherlich Rassen, die als Familienhund weniger geeignet sind. Aber es gibt viele verschiedene Faktoren, die einen Hund aggressiv werden lassen und da ist Genetik nur ein Punkt unter vielen. Hinzu kommt zum Beispiel die Sozialisierung des Welpen. Hat er seine Beißhemmung gelernt? Hat er in der wichtigsten Zeit seines Lebens Kinder kennengelernt und als „normal“ abgespeichert? Gibt man Tierheimhunden oder Hunden aus dem Ausland eine Chance, kann man sich leider nicht sicher sein, wie das Zusammenleben mit einem Kind funktionieren wird. Auch Schmerzprobleme können zu einem Aggressionsproblem führen. All dies beeinflusst das Verhalten eines Hundes.

Was viele nämlich nicht wissen: Die meisten Unfälle zwischen Hunden und kleinen Kindern passieren in der Familie, nur 23 % der Unfälle erfolgen durch einen fremden Hund!

Wieso passieren die meisten Unfälle in der Familie?

Häufig passieren die Unfälle in der direkten Interaktion Kind-Hund, beispielsweise beim gemeinsamen Spiel oder beim Streicheln. Leider fühlt der Hund sich häufig in dieser Situation bedrängt und es kommt zum Unfall. Kinder im Kindergartenalter behandeln einen Hund nicht wie einen Hund, sondern wie Spielkameraden, wie Geschwister, aber auch wie Kuscheltiere. Sie vertrauen Ihnen alles an, suchen möglicherweise Trost, kuscheln sich an den Hund obwohl dieser das eventuell gar nicht so toll findet.

Ein weiteres Problem liegt im Spiel zwischen den Kindern. Machen Kinder Fangspiele untereinander, fallen anwesende Hunde relativ schnell ins Jagdverhalten und sind dann nur noch schlecht kontrollierbar. Unfälle sind hierbei vorprogrammiert!

Was kann ich als Elternteil tun?

Lassen Sie bitte nie(!) Ihr Kind alleine mit Ihrem Hund in einem Raum. Kind und Hund müssen immer unter Aufsicht stehen. Ihr Hund sollte einen Rückzugspunkt haben, der für Ihr Kind tabu ist. Wenn er sich dorthin zurückzieht, sollten Sie Ihrem Kind klar machen, dass er jetzt seine Ruhe haben und eventuell schlafen möchte.

Ein guter Grundgehorsam des Hundes kann zudem helfen, dass sich der Hund auch gegenüber den kleinen Familienmitgliedern „höflich“ benimmt. Anspringen, grobe Kontaktaufnahme sollten tabu sein. Auch können Hunde lernen, sich trotz eines Nachlaufspiels zwischen Kindern ruhig zu verhalten, ohne hinterherlaufen zu müssen. Ist Ihr Hund am Fressen oder hat er einen Kauknochen, sollte dies in Abwesenheit des Kindes passieren.

Sollten Familien mit Kinder überhaupt einen Hund halten?

Wenn verantwortungsbewusst mit Kind und Hund umgegangen wird, steht einer Hundehaltung in der Familie mit Kindern nichts im Wege. Hunde wirken sich positiv auf die Entwicklung der Kinder aus. Studien haben gezeigt, dass Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, mehr Empathie für Ihre Geschwister oder Spielkameraden entwickeln, als Kinder, die ohne Hund aufwachsen.

Sollten Sie noch keinen Hund haben, ziehen aber in Erwägung sich einen Hund anschaffen zu wollen, ist der optimale Zeitpunkt, wenn Ihr jüngstes Kind sieben Jahre alt ist. Sollten Ihre Kinder jünger sein, holen Sie sich bitte professionelle Hilfe, um neben der passenden Rasse im Vorfeld alle eventuell aufkommenden Probleme zu klären!

Was können die Kinder bereits im Umgang mit dem Hund lernen?

Kleinkinder haben noch kein Gefahrenbewusstsein, aus diesem Grund ist eine lückenlose Beaufsichtigung der Eltern unerlässlich. Trotzdem können auch die Jüngsten schon einiges im Umgang mit dem Hund lernen, hier hilft beispielsweise „Der Blaue Hund“, ein interaktives Computerspiel, in dem Kinder spielerisch an die wichtigsten Dinge rund um den Hund herangeführt werden. Sind die Kinder bereits im Schulalter, können Sie auch schon selbst ein paar Übungen mit dem Hund lernen, wie zum Beispiel richtig Leckerchen geben, Leinenführigkeit, Sitz, Platz und einfache Tricks, aber auch hier geht nichts ohne Aufsichtsperson!

Wo können sich Eltern Unterstützung holen?

Viele Hundeschulen und Tierärzte mit einer Spezialisierung auf Verhaltenstherapie können Ihnen weiterhelfen.

Text: ©Der Blaue Hund, DVG
www.dvg.net

Ein Welpe kommt ins Haus: Tipps für Hundehalter


Die Entscheidung für einen Welpen ist getroffen, und die nötigen Vorbereitungen sind getätigt. Der große Tag ist da, der junge Hund zieht ein – was ist in nächster Zeit zu beachten?

Gerade das Welpenalter ist eine äußerst wichtige Phase, die genutzt werden sollte. Ungefähr bis zur 16. Lebenswoche entwickelt sich das Gehirn zu über 80 %. Nervenverbindungen werden in dieser Zeit geknüpft, vor allem, wenn sich Welpen mit neuen Situationen auseinandersetzen können. All das, was Welpen kennenlernen, speichern sie ab, da sie besonders aufnahmefähig sind. Neue Anregungen lassen sozusagen das Hirn arbeiten, Erfahrungen werden gesammelt, und ein Fundus an Verhaltenskomponenten wird aufgebaut. Das ist insofern ein wichtiger Punkt, da es einem erwachsenen Hund größere Flexibilität an Reaktionen ermöglicht und sein Potential an (sozialen) Kompetenzen erhöht.

An erster Stelle steht, dass Mensch und Hund zu einem harmonischen Team werden und sich ein stabiles Vertrauensverhältnis entwickelt. Gemeinsame Unternehmungen helfen dabei und sorgen für noch viel mehr: Wenn Sie Ihrem Welpen unterschiedliche Erlebnisse bieten, ihn – in Maßen – mit in die Fußgängerzone oder ins Restaurant mitnehmen, wird er es in seinem späteren Leben leichter haben, wenn es darum geht, mit Neuem umzugehen. Auch wenn Sie möglicherweise der Meinung sind, es wäre unnötig, dass Ihr Welpe Stadtleben kennenlernt, da Sie auf dem Lande wohnen, zeigen Sie ihm bitte trotzdem die „große, weite Welt“. Sie wissen nicht, wie sich Ihre eigene Lebenssituation langfristig verändern wird und ob der Hund, und sei es nur als Ferienunterbringung, mal zeitweise in der Stadt sein wird.

Zum Aufbau des Vertrauens gehört unbedingt, dem jungen Hund zu vermitteln, dass er, wenn notwendig, geschützt wird. Zum Beispiel, wenn sich fremde Menschen überbeugen, ihn anfassen möchten, er sich jedoch verunsichert zeigt.

Ein bedeutendes Thema ist der Kontakt zu Artgenossen. Unbedingt sollte ein junger Hund mit Artgenossen zusammenkommen, um „hündisch“ zu lernen. Gut ist es, wenn er verschiedene Hundetypen kennenlernt, um die unterschiedliche Körpersprache einschätzen zu lernen. Bei Spaziergängen dürfen einzelne Begegnungen mit älteren Tieren nach Absprache stattfinden. Vom Besuch einer Hundewiese ist zunächst abzuraten, weil ein Welpe mehreren erwachsenen Hunden noch nicht gewachsen ist. Stattdessen können Sie Ihrem Hund unter fachkundiger Betreuung passenden Kontakt mit Gleichaltrigen bieten. Inzwischen haben fast jede Hundeschule und jeder Hundeverein eine Welpengruppe. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld, wie die Stunden ablaufen und organisiert sind. Gehorsamstraining ist hier fehl am Platze, da die Konzentrationsfähigkeit im Welpenalter noch sehr begrenzt ist. Welpen verschiedener Rassen und Mixe sollten dabei unter sich sein und keinesfalls acht Wochen alte mit sechs Monate alten Junghunden vermischt werden. Dem Kräftemessen von Halbstarken sind die Welpen noch nicht gewachsen.

Ein Stück weit üben die Hunde in der Welpenstunde für spätere Situationen, mit denen sie sich als erwachsene Tiere konfrontiert sehen. Motorik und Körperbewegungen werden trainiert. Außerdem werden Erfahrungen darin gesammelt zu erkennen, wann es dem Gegenüber zu viel wird und mit Frust umzugehen, wenn man sein Ziel nicht erreicht. Nebenbei können die Halter ihr Auge für hündisches Verhalten schulen, den eigenen Hund einschätzen und noch besser kennenlernen: Was kann man laufen lassen, wann muss der Mensch einschreiten?

Das Überwinden von kleinen Hindernissen und fremden Untergründen kann den Hund in seiner Selbstsicherheit stärken. Und auch wenn erst einmal die Furcht vor dem Neuen überwiegen mag: mit der Unterstützung der Bezugsperson ist fast alles möglich. Der Halter sammelt ganz nebenbei zahlreiche Informationen, wie er seinen Schützling gelassen und stabil durch neue Situationen führt. Hiermit ist der beste Grundstein für das Miteinander gelegt.

Text: ©Perdita Lübbe-Scheuermann und Frauke Loup
www.Hundeakademie.de
info@hundeakademie.de

Hunde aus dem Ausland: Gesetze, Erfahrungen und wichtige Tipps
 

„Ein großer Teil der nach Deutschland verbrachten Auslandshunde ist nicht auf der Straße geboren. Sie lebten dort, weil sie von ihren Haltern ausgesetzt wurden. Sie sind dankbar für jede Zuwendung und geregelte Versorgung. Man muss ihnen helfen. Der Kauf von sogenannten Wühltischwelpen aus dem Ausland unterstützt Tierquälerei und sollte unterbleiben“, fasst Petra Zipp, Leiterin Tierschutz Europa bei TASSO die Situation der Tiere im Ausland zusammen.

Im Folgenden können Sie sich über Gesetze und Regelungen, die den Auslandstierschutz betreffen, informieren, nachlesen, wie Sie Ihrem Tier aus dem Ausland die Eingewöhnung erleichtern und erfahren, welche Erlebnisse andere Tierhalter mit ihren Auslandhunden gemacht haben.

Wichtige Gesetze und Regelungen: Was Sie bei der Einführung von Hunden aus dem Ausland beachten sollten

Tierheime und Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland einführen möchten, benötigen eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 S. 1 Ziffer 5 Tierschutzgesetz.

Die Erlaubnis benötigt, wer Wirbeltiere zum Zwecke der Abgabe gegen Entgelt oder sonstige Gegenleistung nach Deutschland verbringt beziehungsweise einführt oder solche Tiere vermitteln will. Auch die in Schutzverträgen verlangte Schutzgebühr stellt eine solche Gegenleistung dar. Wer also Auslandstierschutz betreibt, indem er Tiere zur Vermittlung nach Deutschland verbringt oder Auslandstiere hier vermittelt, benötigt diese Erlaubnis.

EU-Heimtierausweis seit 29. Dezember 2014 mit neuen Regeln

Der Tierhalter muss nun seine personenbezogenen Daten mit seiner Unterschrift bestätigen. Im neuen Heimtierausweis müssen zudem die Kontaktinformationen des ausstellenden Tierarztes erfasst und von diesem unterschrieben sein. Sowohl die Seite mit dem Transponder-Nummer-Aufkleber, als auch die Seite, die Aufkleber zu der verabreichten Tollwutimpfung enthält, werden mit einer selbstklebenden Laminierung versiegelt. Zudem muss der ausstellende Tierarzt die Kontaktinformationen des Tierhalters, die Ausweisnummer, die Transponder-Nummer, falls vorhanden die Tätowierung und die Tätowierungsstelle, den Ort der Kennzeichnung, den Zeitpunkt der Anbringung oder des Ablesens für mindestens drei Jahre aufbewahren. Alte Heimtierausweise, die vor dem 29.12.2014 ausgestellt wurden, behalten bis zum Lebensende des Tieres ihre Gültigkeit.

Tollwutimpfungspflicht für Welpen für die Einreise nach Deutschland

Seit dem 31. Dezember 2014 dürfen Welpen nur noch mit einer gültigen Tollwutimpfung nach Deutschland eingeführt werden. Da eine Impfung gegen Tollwut erst ab der 12. Lebenswoche möglich ist und der Impfschutz erst 21 Tage nach der Impfung wirksam wird, können Welpen somit erst nach der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden.

Darüber hinaus benötigt seit August 2014 jeder, der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland verbringt, um sie hier gegen Entgelt oder eine sonstige Gegenleistung abzugeben, die Erlaubnis der zuständigen Behörde (Veterinäramt). Dies gilt nicht nur für gewerbliche Händler, sondern auch für Privatpersonen. Lassen Sie sich in jedem Fall die entsprechende Erlaubnis zeigen.

TASSO-TIPP: Angebotene Hundewelpen, die eklatant jünger sind als 15 Wochen, sind oft illegal nach Deutschland eingeführt worden und stammen von einem unseriösen Züchter. Die meisten Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt und sind oft erst zwischen vier und sechs Wochen alt, wenn sie verkauft werden. Der Käufer riskiert es, ein verhaltensgestörtes und krankes Tier bei sich aufzunehmen. TASSO empfiehlt, nur seriösen Tierschutzorganisationen sowohl im Inland als auch im Ausland, Tierheimen und seriösen Züchtern zu vertrauen.

Ausführliche Informationen zum Thema Wühltischwelpen finden Sie auf unserer Projektseite.

Ausführliche Erläuterungen der Kanzlei Dr. jur. Konstantin Leondarakis, LL.M. & Koll. zu allen oben genannten Themen können Sie hier als PDF herunterladen.

Die richtigen Tipps zur Vorbereitung: So erleichtern Sie Ihrem Hund aus dem Ausland die Eingewöhnung

Waren es früher die Rassehunde und später die Mischlinge, die beim Gassi gehen für Gesprächsstoff sorgten, so trifft man heute zunehmend mehr Hunde aus dem Auslandstierschutz. Da diese Tiere in der Regel schon einige unangenehme, sehr prägende Erlebnisse hinter sich haben, ist es ratsam, sich auf den neuen Mitbewohner besonders vorzubereiten.

Zunächst sollte der Hund gekennzeichnet und bei TASSO registriert sein. Lassen Sie nach der Übernahme des Tieres aus dem Tierheim den Hund bei TASSO auf sich umschreiben. Das Anleinen beim Gassi gehen sollte in den ersten Wochen Pflicht sein, solange man die „Tricks und Ticks“ des Vierbeiners noch nicht kennt. Ein Brustgeschirr verhindert, dass ein ängstlicher Hund sich aus dem Halsband windet und schützt vor Verletzungen an der Kehle bei einem unerwarteten, ruckartigen Ziehen des Tieres. Grundsätzlich haben Hunde aus dem Ausland ein großes Freiheitsbedürfnis. Haustüren und Fenster, durch die das Tier in einem unbeobachteten Moment entweichen könnte, sollten daher gesichert werden.

Das gleiche gilt beim Aussteigen aus dem Auto: erst den Hund mit der Leine sichern, dann aussteigen. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Auslandshunde anfangs weigern, in ein Auto zu steigen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Um zu überleben, haben die Hunde gelernt, Autos auf der Straße aus dem Weg zu gehen. Verbinden Sie das Ein- und Aussteigen sowie das Autofahren selbst daher mit etwas Positivem für den Hund.

Die meisten Auslandshunde sind sehr gut mit Artgenossen sozialisiert. Dennoch kann man bei einem ersten Kontakt mit anderen Hunden nie sicher sein, wie sich der eigene Hund verhält. Gegenseitige Kontaktaufnahme mit den anderen Haltern, ein langsames, aber selbstsicheres Annähern ohne Hektik geben genug Spielraum, den eigenen Hund zu beobachten.

Grundsätzlich gilt: Geben Sie dem neuen Familienmitglied Zeit, sich an alles zu gewöhnen. Eine Reizüberflutung ist in den ersten Wochen ebenso wenig angebracht wie ein zu behütetes Vorgehen.

TASSO-Umfrage „Hunde aus dem Ausland“: Rund zwei Drittel der befragten Hundehalter berichten ausschließlich von positiven Erfahrungen

Immer mehr Hunde aus dem Auslandstierschutz finden bei deutschen Tierhaltern ein neues Zuhause. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V. wollte deshalb in einer Umfrage wissen, welche Erfahrungen Tierhalter mit Hunden aus dem Ausland gemacht haben.

Das Positive überwiegt
Von den 1.144 Umfrageteilnehmern haben 64 % grundsätzlich positive Erfahrungen mit Auslandshunden gemacht und würden sich wieder für einen solchen Hund entscheiden. Weitere 33 % haben ebenfalls positive Erfahrungswerte gesammelt, berichten gleichzeitig aber auch von Problemen, die über die Eingewöhnungszeit hinaus bestehen und ein kontinuierliches Training mit dem Hund erfordern. Weitere Probleme werden in der Zusammenarbeit mit den vermittelnden Organisationen angegeben. Nur 3 % können ausschließlich Negatives berichten. „Man holt sich ja eigentlich ein Überraschungsei ins Haus und man sollte vorher genau überlegen, ob man auch mit einem Hund klar kommt, der schon negative Erfahrungen gemacht hat und etwas schwieriger in der Erziehung ist“, bringt Hundehalterin Nancy Burkhard die Besonderheit von Hunden aus dem Ausland auf den Punkt.

Ausgeprägte Sozialverträglichkeit und hohe Sensibilität
Auslandshunde sind häufig von Beginn an sehr sozialverträglich mit Artgenossen und anderen Tieren, und zeugen von einer hohen Anpassungsfähigkeit. Zudem berichten viele Umfrageteilnehmer von einer äußerst ausgeprägten Sensibilität gegenüber Menschen, die Zuchthunde in dieser Form nicht immer aufweisen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickeln sich die meisten diese Tiere zu menschenbezogenen und gelehrigen Hunden, die sehr darum bemüht sind, alles richtig zu machen und täglich ihre große Dankbarkeit zeigen. „Zu sehen, wie die Hunde nach einiger Zeit aufleben, und dann auch am Leben teilnehmen, ist jedes Mal die Mühe wert“, schreibt Petra Kohl abschließend in ihrem Erfahrungsbericht bei der TASSO-Umfrage.

Unvorhersehbare Reaktionen – vor allem in der Anfangszeit
Einige Umfrageteilnehmer berichten häufig von Angst- und Panikattacken, die sich erst nach und nach herauskristallisierten. Viele Auslandshunde wurden misshandelt und werden ihre Ängste vor dunkel gekleideten Menschen, Besen oder anderen negativen Einflüssen aus ihrer Vergangenheit nur schwer wieder los. Gerade bei ehemaligen Straßenhunden müssen die neuen Halter mit einem ausgeprägten Freiheitsdrang rechnen. Neben Rastlosigkeit und Schwierigkeiten beim Alleinbleiben können in Einzelfällen auch Stubenunreinheit und Aggressionen auftreten. Manche Teilnehmer berichten auch von mangelnden und sogar falschen Auskünften durch die vermittelnden Organisationen, vor allem in Bezug auf den Gesundheitszustand des Tieres, was oftmals zu sehr hohen Tierarztkosten führte, mit denen der neue Halter im Vorhinein nicht gerechnet hat. Deshalb ist zu empfehlen, sich vorab über die Seriosität des Vereines zu informieren und direkt nach der Vermittlung das Tier beim Tierarzt des Vertrauens gründlich untersuchen zu lassen.

Kontinuität und Geduld für die Vertrauensbildung – Tipps von Tierhalten für Tierhalter
Viele Umfrageteilnehmer haben in Ihren Erfahrungsberichten Tipps angegeben, die ihnen im Umgang mit ihren Tieren besonders geholfen haben. Um den Hunden das Eingewöhnen zu erleichtern, ist vor allem ein geregelter Tagesablauf wichtig. Zudem sollten die Hunde nicht überfordert, sondern mit viel Geduld behutsam an ihr neues Leben herangeführt werden. Nach einer unbestimmten Zeit, die das Tier selbst festlegt, kann auch zwischen einem traumatisierten Hund und seinen Menschen eine vertrauensvolle Bindung entstehen. Als besonders wichtig wird trotz aller Vorsicht eine souveräne Führung erachtet. Diese kann mit dem Besuch einer Hundeschule oder Einzeltrainings bei einem Hundetrainer oder Hundepsychologen unterstützt werden. Allerdings ist zu bedenken, dass sich nicht jedes Problemverhalten wegtrainieren lässt, sondern die Halter lernen müssen, im Alltag damit umzugehen. „Die Ängste der Hunde sind teilweise sehr tief verankert und trotzdem bauen diese Hunde – behandelt mit sehr viel Liebe und Geduld – wieder so viel Vertrauen auf, dass sich ein Mensch das gar nicht vorstellen kann. Sie geben so viel und wollen so wenig“, beschreibt Hundehalterin Andrea Hensel ihre Erfahrung mit Hunden aus dem Auslandstierschutz.

Leben retten und einen tierischen Freund gewinnen
Dr. Claudia Ludwig, Journalistin, Autorin und Moderatorin hat schon einige Auslandshunde vor dem sicheren Tod bewahrt und ihnen ein liebevolles Zuhause gegeben. „Schon während meiner ersten Urlaubsreisen nach Griechenland, Spanien, Portugal oder in die Türkei sind mir die vielen hungrigen Streuner und Strandhunde aufgefallen, die Kontakt zu Menschen suchten und ganz offensichtlich kein Zuhause hatten. Ihnen gehörte sofort meine ganze Sympathie und Aufmerksamkeit“, beschreibt Dr. Claudia Ludwig ihre besondere Beziehung zu Hunden aus dem Auslandstierschutz. Über ihre Maremmano-Hündin aus Sardinien, die seit drei Monaten bei ihr lebt, sagt sie: „So viel Souveränität, Gelassenheit, aber auch Neugierde und liebevolles Interesse an ihrer neuen Familie ist geradezu unglaublich.“ Ihre Familie und sie würden sich immer wieder für einen Schützling aus dem Süden entscheiden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man herrenlosen Tieren aus Süd- und Osteuropa sowie der Türkei dadurch das Leben rette beziehungsweise dazu beitrage, dass andere gerettet werden können.

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