Wann weiß ich, welches Tier das richtige für mich ist?

Checkliste und Hinweise

Katze klettert auf einem Zaun. © Anita Fritsch
Jede Tierart hat an ihre Haltung und ihre Halter ganz unterschiedliche Anforderungen.

Wir weisen nachdrücklich darauf hin: Die Adoption oder der Kauf eines Lebewesens muss gut überlegt sein. Unüberlegte Spontankäufe können folgenschwere Konsequenzen haben. Beim Klick auf den gängigen Social Media-Plattformen wird man von hilfesuchenden Tieren fast überrannt, die meisten mit dem gleichen Text: lieb, nett, leidet sehr, hat nicht mehr viel Zeit, immer übersehen, vergessen, etc. Meist gepaart mit großen, traurig drein blickenden Hunde- oder Katzenaugen. Mit einem Klick hat man dann schnell ein Tier gerettet oder gekauft. Das fühlt sich im ersten Moment gut an – doch man weiß im Zweifelsfall nicht, was auf einen zukommt.

Auswahlkriterien Tierarten

Jede Tierart hat an ihre Haltung und ihre Halter ganz unterschiedliche Anforderungen. Während ein Hund viel mehr am Sozialleben seines Menschen teilnehmen kann und möchte, ist dieses Bedürfnis bei einer Katze schon viel weniger gegeben oder erfüllbar und bei Kleintieren von Natur aus nicht vorhanden.

Faktor Zeit

Machen Sie sich bewusst, wieviel Zeit Sie mit ihrem Tier verbringen, und wieviel Zeit Sie in die Pflege und Versorgung des Tieres investieren können und möchten.

Faktor Geld

Rechnen Sie bitte auf jeden Fall durch, wieviel Geld Sie pro Monat in die Haltung Ihres Tieres investieren können. Hierunter fallen Kosten für Anschaffung, Ausstattung, Futter und medizinische Kosten. Lesen Sie hierzu auch: Kann ich mir ein Tier leisten?

Faktor Platz

Auch hier müssen Sie von den Bedürfnissen der Tiere ausgehend immer kritisch hinterfragen: Kann ich meinem Tier ausreichend Platz bieten? Kaninchen und Meerschweinchen leben am artgerechtesten in einem großzügigen Außengehege, Hamster sind extrem lauffreudige Tiere, die ein großes Terrarium mit vielen und langen Laufröhren brauchen. Außerdem haben Hamster einen dem Menschen entgegengesetzten Tag-Nacht Rhythmus und gehören – wie alle anderen Kleintiere übrigens auch – auf keinen Fall in ein Kinderzimmer.

Katzen, die keinen Freigang haben können, sollten zumindest eine ihrem Bewegungsbedürfnis ausreichende Grund-Wohnungsfläche zur Verfügung haben. Hunde, die ausreichend Beschäftigung und Bewegung haben, stellen in dieser Rubrik wahrscheinlich die wenigsten Ansprüche. Doch gibt es auch hier rassespezifische Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen. Einen Herdenschutzhund in einer 90 Quadratmeter Wohnung in der Stadt zu halten, wird dem Hund in den meisten Fällen nicht gerecht.


Checkliste

Tierhalter:innen sollten sich idealerweise vor der Adoption/Kauf eines Tieres folgende Fragen stellen und sie ehrlich und selbstreflektiert beantworten:

  • Warum will ich ein Tier?
  • Warum will ich dieses Tier?
  • Passt dieses Tier zu meinem bisherigen Leben und meinen Lebensumständen?
  • Wenn nicht, will und kann ich meine bisherigen Lebensumstände für das Tier ändern?
  • Wieviel Zeit möchte und kann ich täglich für meine Tiere investieren?
  • Bin ich bereit, einem Tier einen artgerechten Lebensraum zu schaffen, auch wenn dies mit finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden ist und möglicherweise einen Teil meines eigenen Lebensraums einschränkt?
  • Bin ich bereit, uneingeschränkt die Gesamtverantwortung für das Tier Zeit seines Lebens zu tragen?
  • Bin ich bereit, bei all meinen künftigen Entscheidungen mein Tier mit zu berücksichtigen und eventuell zu Gunsten des Tieres zurückzustecken, wenn keine andere Lösung gefunden werden kann (Jobangebot, Wohnung)?
  • Bin ich finanziell in der Lage für das Tier aufzukommen – Lebenshaltungskosten, bei Hunden Versicherung, Tierarztpraxiskosten, sonstige Kosten für Ausstattung? (Besonders Tierarztpraxiskosten können sehr hoch sein! Bitte bedenken Sie auch, dass die Kosten in der Tierarztpraxis oder einer Tierklinik in der Regel sofort bezahlt werden müssen und selten Ratenzahlung möglich ist. Bereits eine „normale“ Kastration kann nach GOT 800 Euro kosten, eine OP je nach Aufwand ab 1.000 Euro.)
  • Besonders bei exotischen Tieren muss die Frage geklärt sein: Ist es überhaupt möglich, dem Tier als Privathalter:in einen naturnahen Lebensraum zu bieten? Wenn ja, ist es realistisch, dass ich diesen Lebensraum anbieten kann?
  • Habe ich eine fachkundige Betreuung für das Tier, wenn ich in Urlaub fahre oder ins Krankenhaus muss?
  • Bin ich bereit, mir alle notwendigen Kenntnisse anzueignen, die ich für eine ordnungsgemäße Tierhaltung brauche?
  • Bin ich bereit, gemeinsam mit meinem Tier zu arbeiten und zu lernen?
  • Bin ich bereit, mein Verhalten zu ändern, damit es meinem Tier gut geht?
  • Bin ich bereit, bei jedem Wetter mit meinem Hund spazieren zu gehen?
  • Bin ich bereit, die Bedürfnisse meines Tieres zu erfüllen, auch wenn sie meinen eigenen Bedürfnissen widersprechen?
  • Bin ich bereit, bei Verhaltensauffälligkeiten meines Tieres konstruktive Lösungen zu suchen, und bin ich bereit, ein aktiver Teil der Lösung zu sein?
     

Warum es manchmal trotzdem sinnvoller ist, kein eigenes Tier zu haben

Wenn Sie sich viele Gedanken über eine verantwortungsvolle Tierhaltung gemacht haben und auch nur bei einem der voran genannten Punkte nicht aus vollem Herzen „Ja“ sagen konnten, ist es für Sie vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt, ein eigenes Tier zu halten. In dem Fall ist es wahre Liebe zum Tier und zeugt von großer Verantwortung dem Tier gegenüber. Der Tierschutzverein in Ihrer Nähe freut sich bestimmt über eine Patenschaft für eines seiner Tiere oder braucht vielleicht sogar aktive Mithilfe im Tierheim vor Ort. Es gibt viele Möglichkeiten, sich für Tiere zu engagieren.


Welche Erwartungen stelle ich an ein Tier?

Neben den bereits genannten Faktoren Zeit, Geld und Platz muss man sich als potentielle:r Tierhalter:in im Vorfeld auch mit der Frage auseinandersetzen, was ich eigentlich von einem Tier erwarte. Oder besser noch die Frage umdrehen: Was erwartet mein Tier eigentlich von mir?

Dieser Punkt ist enorm wichtig, weil es über das Leben des Tieres entscheidet. Denn: Der Tierhalter bzw. die Tierhalterin selbst, legt die Basis und gestaltet das gesamte Leben des Tieres. 

Bei der Beantwortung der Frage gilt es in allererster Linie, ehrlich zu sich selbst zu sein. Ehrlich im Hinblick auf die eigenen Erwartungen an das Tier. Kann das Tier diese Erwartungen überhaupt erfüllen. Windhunde beispielsweise haben einen genetisch bedingten Jagdimpuls, den es ein Leben lang zu managen gilt. Ein Windhund wird selten ein Begleiter, mit dem man leinenlos (und dabei entspannt) durch den Wald spazieren kann. In vielen Fällen ist der Jagdtrieb so stark, dass die Hunde nur auf sicher eingezäuntem Gelände freilaufen können (das sie für ein artgerechtes Leben zwingend brauchen). Kann (und will) man mit einem Hund leben, der immer an der Leine bleiben muss? Ein ganz aktuelles Beispiel sind Herdenschutzhunde, die für den Schutz und die (eigenständige) Verteidigung der ihm anvertrauten Herde gegen Mensch und Tier gezüchtet wurden. Diese Hunderassen sind so selektiert, dass sie mutig sind und selbstständig Entscheidungen treffen. Sie stellen hohe Ansprüche an ihre Halter:innen und Haltebedingungen und brauchen Menschen an ihrer Seite, die diese Eigenständigkeit als etwas Positives ansehen und nicht als Makel, den es weg zu trainieren gilt.

Auch viele Katzen sind ein wunderbares Beispiel, denn nicht alle können und wollen den Erwartungen ihrer Menschen nach einem Kuschel- und Streichelpartner entsprechen. Je nachdem, welche Erfahrungen die Tiere in ihrem Leben gemacht haben, dulden sie die Anwesenheit der Menschen eher, als dass sie Kontakt suchen. Oft dauert es sehr lange, bis die Tiere zutraulich werden. Auch hier müssen Sie sich die Frage stellen: Kann ich meinem Tier den Raum geben, den es benötigt?

Bei Kleintieren unterscheiden sich die Erwartungen der Menschen mit den Bedürfnissen der Tiere am meisten. Oftmals werden Kleintiere für die Kinder angeschafft und grundsätzlich ist es eine wunderbare Idee, dass Kinder mit Tieren aufwachsen, lernen sie doch dadurch Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen und Empathie für sie zu entwickeln. Sowohl Kaninchen als auch Meerschweinchen sind Beute- und somit Fluchttiere, die zwar unbedingt den Kontakt und Zusammenhalt zu Artgenossen brauchen, nicht aber zu Menschen suchen – im Gegenteil. Hier gilt es, sich den Bedürfnissen der Tiere anzupassen und Spaß am Beobachten zu finden. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: Irrtümer bei der Kleintierhaltung

  • Was passiert, wenn`s ungemütlich wird?

    Hat man seine Erwartungen geklärt, muss man sich abschließend noch mit der Frage auseinandersetzen, was passiert, wenn trotz aller Überlegungen im Vorfeld, aller Planung und aller Organisation doch alles anders kommt?

    Denn hier stoßen wir an einen wichtigen Punkt: Wie sehr möchte ich mich ändern? Wie bereit bin ich, aus meiner Komfortzone herauszutreten? Wie sehr bin ich bereit, mein bisheriges Leben zu verändern und für ein Lebewesen mit allen guten und schlechten Aspekten zu öffnen. Bin ich bereit, mich für und mit meinem Tier Problemen zu stellen?

    Tiere – gerade Hunde – halten Menschen oft einen Spiegel vor und stellen einen vor große Herausforderungen. Tiere zeigen ihren Unmut und ihr Unbehagen meist sehr unmissverständlich, weil sie in der Regel viel klarer in ihrer Kommunikation sind. Der erste Schritt zu einer Veränderung fängt auch hier bei sich selbst an. Ein nervöser und sehr reaktiver Hund (ist im Alltag durchaus anstrengend) wird nicht ruhiger, wenn sich seine Bezugsperson von seiner Nervosität anstecken lässt. Er wird dann ruhig, wenn sein Halter ruhig bleibt in einer schwierigen Situation. Ein Hund, der knurrt und droht, macht aus Hundesicht erst einmal nichts falsch, er kommuniziert eben auf „hündisch“.

    Will ich eine Katze, die vielleicht im Haus markiert, weil ihr etwas nicht passt? Oder die mit matschigen Pfoten ins Haus kommt, weil sie Freigang braucht und den Matsch über den Boden und möglicherweise auch noch über die Polster verteilt? Will ich jeden Tag aus jeder Ritze Katzenstreu saugen und das Katzenklo sauber machen? Will ich möglicherweise mein letztes Geld für die Tierarztrechnung ausgeben anstatt für die schicken neuen Schuhe?

  • Verantwortungsvolle Tierhaltung braucht ein vorbehaltloses JA! zum Tier

    Bei all diesen wichtigen Fragen und dem Hinweis auf mögliche Herausforderungen, wollen wir eines auf keinen Fall unerwähnt lassen: Das Leben ist so viel lebenswerter mit einem Tier. Tiere bringen uns an unsere Grenzen und fordern uns, Tiere bringen uns zum Lachen und am Ende ihres Lebens bitterlich zum Weinen. Mit Tieren zu leben ist etwas Wunderbares und ein großes Glück – mit allen guten wie herausfordernden Seiten. Wir sind es unseren Tieren schuldig, ihr Leben in unseren Händen mit so viel Verantwortung wie nur möglich zu gestalten.


© Privat

Verantwortungsvolle Tierhaltung

Warum ist es so wichtig.

Tiere bereichern unser Leben ungemein, machen es schöner, spannender, interessanter, liebevoller und einfach lebendiger. Doch mit all dem Positiven kommt gleichzeitig eine große Verantwortung auf uns Menschen zu – die Verantwortung für ein Leben

© Privat

Seriöse Tierschutzvereine

So erkennen Sie einen guten Verein

Sie möchten ein Tier von einem Tierschutzverein aufnehmen? Wir zeigen Ihnen anhand von fünf Kriterien, wie Sie seriöse von unseriösen Tierschutzorganisationen unterscheiden können. 

 

© TASSO e.V.

Kosten für die Tierhaltung

Kann ich mir ein Tier leisten?

Die Haltung eines Tieres kostet viel Geld. Auf der nachfolgenden Seite finden Sie eine Übersicht der durchschnittlichen Kosten für die Tierhaltung von Hund, Katze und Kleintier.

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Alles zu den Aufgaben von TASSO in Bildern

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