Antwort von Tierärztin Janina Rohde
Hallo Herr H.
Nach einer Zahnoperation bei der Katze ist eine dentale Kontrollröntgenaufnahme grundsätzlich sinnvoll, weil nur so sicher beurteilt werden kann, ob wirklich keine Wurzelreste verblieben sind und wie die Knochenheilung verläuft. Gerade bei Schneidezähnen sind Wurzelreste zwar seltener problematisch als bei großen mehrwurzeligen Zähnen, sie können aber in Einzelfällen zu chronischer Entzündung, Fistelbildung oder persistierendem Schmerz führen. Viele sehr kleine Wurzelreste bleiben jedoch klinisch unauffällig, insbesondere wenn sie vollständig entfernt oder vitales, entzündungsfreies Gewebe zurückgelassen wurde. Bei einer Kronenamputation (korrekt: Kronenamputation mit intentionalem Wurzelverbleib) wird die Wurzel bewusst belassen, wenn sie radiologisch vollständig ankylosiert und nicht entzündlich verändert ist, wie es z. B. bei FORL/Resorptiven Läsionen Typ 2 vorkommt. Voraussetzung ist eine prä- /intraoperative Dentalröntgendiagnostik. Wenn die Wurzel tatsächlich vollständig mit dem Kieferknochen verschmolzen ist und keine periapikale Entzündung vorliegt, gilt dieses Vorgehen als etabliert und in der Regel komplikationsarm. Problematisch wäre es nur, wenn entzündlich verändertes Wurzelgewebe belassen wurde oder keine Röntgenkontrolle erfolgte. Ein erneutes Dentalröntgen ist vor allem dann angezeigt, wenn klinische Symptome auftreten wie vermehrter Speichelfluss, Mundgeruch, Futterfallenlassen, einseitiges Kauen, Schmerzreaktion beim Fressen, Zahnfleischrötung oder -schwellung im betreffenden Bereich, Fistelbildung oder unerklärlicher Rückzug/Verhaltensänderung. Auch bei Katzen, die bereits resorptive Zahnerkrankungen hatten, empfiehlt sich ohnehin eine regelmäßige Maulhöhlenkontrolle unter Sedation oder Narkose mit dentalem Röntgen, da neue Läsionen entstehen können. Wenn Ihr Kater aktuell symptomfrei frisst und keine Auffälligkeiten im Maul zeigt, besteht nicht zwingend akuter Handlungsbedarf. Bei Unsicherheit oder wenn keine Röntgenkontrolle dokumentiert ist, kann eine kontrollierende Untersuchung bei einer auf Zahnheilkunde spezialisierten Tierärztin oder einem spezialisierten Tierarzt dennoch sinnvoll sein, um langfristig Sicherheit zu haben.
Viele Grüße
Janina Rohde