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Kater greifen Katze gezielt an

von Maja G.

Ich habe 5 Katzen, 3 Damen (15, 4, 3) und die beiden Brüder von der jüngsten Dame (beide 3). Die beiden Kater verhalten sich ihrer Schwester gegenüber teilweise aggressiv, der nicht-verwandten mittleren ggü. aber sehr aggressiv. (Mit Fell ausreißen, blutig beißen und Harn- und Stuhl-Abgang bei den Opfern) Ich habe die mittlere daher im Haus dauerhaft getrennt von den Katern, die beiden anderen Damen sind mal hier, mal da. Ich dachte bisher, dass es sich um Langeweile handelt und bin daher umgezogen, habe jetzt ein Stück gesicherten Freilauf abgesteckt, aber die Kater dringen regelmäßig in die Räume der mittleren Dame ein und verprügeln die bis auf's Blut, wenn ich nicht rechtzeitig dazwischen gehe. Ich kann zwar auch getrennte Freiläufe abstecken oder die Freiläufe zeitlich trennen, aber die mittlere Dame traut sich jetzt nicht mal mehr raus, wenn die Kater gar nicht draußen sind und verhält sich auch in ihren Räumen derzeit ängstlich. Die mittlere bekommt wegen Stresszystitis Gabapentin, das hilft ihr gut, aber es lindert nicht die Aggressivität der Kater. (Hatte kurz nach dem Umzug noch alle 5 mit Gabapentin behandelt, jetzt nur noch die mittlere.) Alle fünf sind kastriert, aber mindestens der eine Kater scheint noch reichlich Androgene zu haben (der aggressivere ist aber der andere). Feliway in vielen Räumen, und massenhaft Katzenklos hab ich schon probiert, bringt hinsichtlich der gezielten Nachstellungen nichts. Dauerhafte räumliche Trennung geht theoretisch auch, würde ich aber gern vermeiden, weil sich die 3 Mädels untereinander gut verstehen, die Kater meine alte Dame aber sehr lieben und sie die Kater auch liebt. Würde daher lieber pharmakologisch oder verhaltenstherapeutisch oder mit beidem kombiniert arbeiten. Frage: eher Antiandrogene oder Fluoxetin oder was ganz anderes? Zylkene bringt nix. Anmerkung: bis zur Pubertät der Kater waren alle 5 beste Freunde und die mittlere hat die 3 kleinen sogar liebevoll bemuttert, obwohl sie selber nur ein paar Wochen älter war. Die 3 Geschwister sind Waisenkinder und kamen mit ca. 7 Wochen zu mir, die mittlere war 13 Wochen und hatte eine richtige Mutter und die alte Dame kam mit 1 Jahr vom Tierschutz zu mir.

Tierärztin Janina Rohde

Antwort von Tierärztin Janina Rohde

Hallo Frau G.
In einer solchen Konstellation mit gezielten, schweren Angriffen innerhalb einer Katzengruppe sollte unbedingt genauer hingeschaut werden. Wenn Katzen einander bis zu blutigen Verletzungen attackieren, steckt häufig mehr dahinter als „Langeweile“. Wichtig ist zunächst eine gründliche tierärztliche Untersuchung aller beteiligten Tiere, um Schmerzen oder körperliche Ursachen auszuschließen, die Reizbarkeit oder Aggression begünstigen können. Bei Katzen kommen zum Beispiel Zahnerkrankungen wie FORL, Harnwegserkrankungen, orthopädische Schmerzen oder andere internistische Probleme in Frage, die sich auch über verändertes Sozialverhalten äußern können. Parallel dazu ist bei so ausgeprägten Konflikten meist eine verhaltensmedizinische Beratung sinnvoll. Dabei wird das gesamte soziale Gefüge der Gruppe, die Ressourcenverteilung (Futterstellen, Toiletten, Liegeplätze), die Raumstruktur und die Interaktionen zwischen den Tieren analysiert. Häufig müssen Katzen zunächst konsequent getrennt werden, damit sich die Situation emotional beruhigt, und anschließend über ein strukturiertes Training langsam wieder aneinander gewöhnt werden. Ziel ist es, positive Erfahrungen in Anwesenheit der anderen Katze aufzubauen und Stress sowie Konkurrenz zu reduzieren. Medikamente können in einzelnen Fällen unterstützend eingesetzt werden, sollten aber immer Teil eines Gesamtkonzeptes sein. Ob eher angstlösende Medikamente, stressmodulierende Präparate oder andere Ansätze sinnvoll sind, lässt sich nur nach einer individuellen Einschätzung entscheiden. Eine reine hormonelle Behandlung mit Antiandrogenen löst das Problem bei sozialen Konflikten zwischen Katzen meist nicht dauerhaft, wenn die zugrunde liegenden emotionalen oder sozialen Faktoren bestehen bleiben. Da die mittlere Katze bereits deutliche Stresssymptome entwickelt hat und sogar Angstverhalten zeigt, wäre es aus tierärztlicher Sicht sehr sinnvoll, sich an eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit verhaltensmedizinischer Spezialisierung zu wenden. Dort kann gemeinsam ein medizinischer Check, ein strukturiertes Trainingskonzept und gegebenenfalls eine gezielte medikamentöse Unterstützung geplant werden, damit sich die Situation für alle Katzen wieder stabilisieren kann. Eine individuelle Untersuchung aller Tiere bleibt dabei immer wichtig, bevor konkrete Therapieentscheidungen getroffen werden.


Viele Grüße
Janina Rohde

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