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alter Hund mit Verdacht auf Epilepsie

von Gisela M.

Hallo. Ich habe eine alte und blinde Hündin aus dem Tierschutz, Altersschätzungen liegen so um die 12/13 Jahre. Sie hat Tumore in der Mammaleiste, wovon einer zuletzt auffällig größer geworden ist und außen an der Stelle eine Entzündung war. Durch die Gabe von Meloxicam wurde der tastbare Knoten aber deutlich kleiner und die Entzündung liess nach. Röntgenaufnahmen der Lunge zeigen Auffälligkeiten, nicht genau diagnostizierbar, aber durch den Tumorbefund ist laut Tierarzt die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um Metastasen handelt. Jetzt kam leider am Wochenende noch ein Notfall dazu. Sie konnte nach einem Nachmittagsschläfchen plötzlich nicht mehr richtig aufstehen. Die Hinterbeine wollten nicht. Zudem zuckte sie seltsam, optisch eher wie ein länger andauernder Schluckauf als beängstigend (wären da nicht die anderen Symptome gewesen). Sie torkelte auch arg, hatte nicht so recht Kontrolle über ihre Bewegungen, sowohl im Gang (als das wieder ging) als auch der Kopf. Sie war aber sehr bewegungsfreudig, versuchte sogar zu spielen, obwohl sie torkelte. Für mich als Laie kam der Verdacht eines Schlaganfalls. Der Notarzt kam und gab ihr rektal Diszepam und per Injektion Novalminsulfon. Da sie zur Zeit noch Meloxicam bekommt kein Cortison. Sie kam kurz zur Ruhe, aber schnell war sie wieder sehr dauerwandernd und immer noch torkelnd. Zwischenzeitlich hing ihr mehrere Male die Zunge aus dem Maul. Ich brachte sie in eine Klinik. Dort gab es den Verdacht auf einen epileptischen Anfall. Deswegen bekommt sie jetzt Levetiracetam. In Absprache mit dem Tierarzt werde ich demnächst das Medikament ausschleichen, um zu sehen, ob eine Dauermedikation für Epilepsie überhaupt nötig ist. Denn die Ursache ist ja nicht klärbar, wenn ich das richtig verstanden habe. Also auch nicht die Diagnose Epilepsie, und selbst wenn, dann könnte es ja auch ein einmaliger Anfall gewesen sein. Hier mein Fragenkomplex: Sie bekommt eigentlich auch Librela monatlich, allerdings habe ich mehr deutliche Verbesserung gesehen, seitdem sie Meloxicam bekommt. Jetzt kommen da ja einige Medikamente zusammen. Auch weil der Tierarzt empfiehlt, ihr zusätzlich noch einen Magenschutz (Sukrabest) zu geben, wegen der geplanten Dauergabe von Meloxicam. Kurz gesagt, mir ist der ganze Cocktail an so unterschiedlichen teils heftigen Medikamenten unheimlich. Ich würde deswegen zuallererst Librela absetzen. Und erst wenn ich eine deutliche Verschlechterung sehe wieder anfangen. - muss ich zwingend direkt mit Sukrabest anfangen, oder kann ich abwarten, ob sie Symptome zeigt? Und falls ja, auf welche würde ich achten? - oder könnte ich zuerst versuchen mit Ernährungsanpassungen die Widerstandsfähigkeit ihres Magens zu fördern? Sie kommt von der Straße und frisst eh quasi alles was ihr Nase vor meinen Augen findet;). Und bislang hat sie erstaunlicherweise alles gut vertragen. - gibt es jetzt schon eine Konflikt aus dem Mix Librela, Meloxicam, Levetiracetam (bzw. zukünftig wohl Phenobarbital, wenn sich erweist, dass weitere Anfälle kommen)? Plus bald noch Sukrabest.. Ich möchte sagen, mein Tierarzt ist super. Aber vor allem mit dem einen Schocker nach dem nächsten, schaffe ich es nicht die richtigen Fragen zu stellen. Ich wäre dankbar, wenn Sie mir Ihre Einschätzung dazu geben könnten. Vielen Dank schonmal!

Eine wichtige Ergänzung:
Meiner Hündin geht es ansonsten gut, möchte ich behaupten. Sie frisst ungebrochen hochmotiviert, ist neugierig und läuft trotz ihrer Blindheit mutig mit und erfreut sich am Leben.
 

Tierärztin Janina Rohde

Antwort von Tierärztin Janina Rohde

Hallo Frau M.

Das ist insgesamt eine komplexe, aber sehr typische Situation bei einer älteren Hündin mit mehreren gleichzeitig bestehenden Erkrankungen. Die von Ihnen beschriebenen neurologischen Symptome können verschiedene Ursachen haben, unter anderem einen epileptischen Anfall, ein vestibuläres Syndrom oder auch Veränderungen im Gehirn, etwa durch Durchblutungsstörungen oder Tumorgeschehen. Die Akutbehandlung mit Diazepam und die anschließende Gabe von Levetiracetam sind in so einer Situation absolut üblich, und ob eine Dauermedikation notwendig ist, zeigt sich tatsächlich oft erst im Verlauf. Was die Medikamentenkombination angeht, ist Ihre Sorge gut nachvollziehbar. Grundsätzlich lassen sich Meloxicam, Librela und Antiepileptika wie Levetiracetam oder auch Phenobarbital miteinander kombinieren, ohne dass typische direkte Wechselwirkungen zu erwarten sind. Wichtig ist eher, die Gesamtbelastung im Blick zu behalten und regelmäßig zu überprüfen, was wirklich benötigt wird. Wenn Sie unter Meloxicam eine deutlich bessere Wirkung beobachten, ist es absolut sinnvoll, Librela probeweise auszusetzen und den Effekt zu beobachten. Der empfohlene Magenschutz mit Sucralfat wird bei längerfristiger Gabe von Meloxicam häufig ergänzend eingesetzt, gerade bei älteren Hunden. Man kann im Einzelfall durchaus zunächst beobachten und den Magenschutz nicht sofort beginnen, sollte dann aber aufmerksam auf Anzeichen wie Appetitverlust, Erbrechen, Durchfall, insbesondere dunklen Kot – oder Bauchschmerzen achten. Eine gut verdauliche, regelmäßige Fütterung kann unterstützend wirken, ersetzt aber keinen medikamentösen Schutz, wenn ein Risiko besteht. Entscheidend ist am Ende die Lebensqualität, und die beschreiben Sie bei Ihrer Hündin trotz der Diagnosen als gut. In solchen Fällen ist es sinnvoll, gemeinsam mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt einen klaren Gesamtplan festzulegen und die Therapie schrittweise anzupassen, statt alles gleichzeitig zu verändern.

Viele Grüße
Janina Rohde

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