Guten Tag, ich kann sehr gut verstehen, wie belastend diese Situation für Sie ist, gerade weil Ihre Hündin noch so jung ist und Sie schon so viel durchgemacht haben. Wichtig vorweg: Sie sind nicht ungeduldig, sondern aufmerksam, und Ihre Sorgen sind absolut berechtigt. Nach einer schweren Erkrankung im Bereich Magenausgang/Zwölffingerdarm kann es tatsächlich langfristig zu funktionellen Problemen kommen, insbesondere zu einer verzögerten Magenentleerung oder auch zu einer narbigen Verengung des Magenausgangs. Dass Ihre Tierärztinnen und Tierärzte diesen Verdacht äußern, passt sehr gut zu den beschriebenen Symptomen, vor allem zum nächtlichen Erbrechen von unverdautem Futter. Dass die Diagnostik inklusive Ausschluss eines Morbus Addison und die Endoskopie bereits so umfassend erfolgt sind, ist dabei ein großer Vorteil, weil viele andere Ursachen bereits abgeklärt wurden. In der Praxis sehen wir bei solchen Verläufen durchaus, dass es wellenförmig verläuft: Phasen, in denen es stabil ist, wechseln sich mit Rückschlägen ab. Das bedeutet aber nicht, dass es so bleiben muss. Oft braucht es etwas Zeit und Feinjustierung, bis man eine stabile Einstellung erreicht. Fütterungsmanagement wie mehrere kleine Mahlzeiten und leicht verdauliches, fettarmes Futter, so wie Sie es bereits umsetzen, ist hier absolut richtig. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, den Zeitpunkt der letzten Fütterung noch einmal anzupassen, zum Beispiel eine kleine, gut verdauliche Spätmahlzeit direkt vor dem Schlafengehen, um nächtliche Magenüberladung oder Säureprobleme zu reduzieren. Die eingesetzten Medikamente zur Förderung der Magen-Darm-Motilität sind ebenfalls ein wichtiger Baustein. Wenn die Symptomatik dennoch anhält, lohnt sich manchmal ein erneuter Blick darauf, ob Dosierung, Wirkstoff oder Zeitpunkt der Gabe optimal gewählt sind oder ob eine Anpassung sinnvoll wäre. In einzelnen Fällen wird auch noch einmal gezielt überprüft, wie ausgeprägt eine mögliche Verengung tatsächlich ist, zum Beispiel bildgebend. Der niedrige Vitamin-B12-Spiegel passt gut zu einer gestörten Darmfunktion und sollte konsequent weiter substituiert werden, da er auch für die Regeneration der Schleimhaut wichtig ist. Die gute Nachricht ist: Viele Hunde mit solchen funktionellen Problemen lassen sich langfristig stabil einstellen, auch wenn es etwas Geduld braucht und nicht immer ganz linear verläuft. Dass es Ihrer Hündin zwischen den Episoden gut geht, sie frisst und insgesamt stabil wirkt, ist ein sehr positives Zeichen. Wenn die Nächte weiterhin so belastend bleiben, wäre es sinnvoll, noch einmal gemeinsam mit Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt die aktuelle Therapie gezielt durchzugehen und eventuell kleine Anpassungen vorzunehmen. Sie sind da bereits auf einem sehr guten und sorgfältigen Weg.
Viele Grüße
Janina Rohde