Antwort von Tierärztin Janina Rohde
Hallo Frau N.
Bei solchen Baustellensituationen mit starkem, unvorhersehbarem Lärm ist es absolut sinnvoll, vorübergehend medikamentös zu unterstützen, gerade bei ängstlichen Tierschutzkatzen.Das von Ihnen eingesetzte Bonqat (Wirkstoff Pregabalin) kann in der Regel auch über mehrere Tage bis hin zu ein bis zwei Wochen gegeben werden, wenn die Situation anhält und die Katzen davon profitieren. Eine Verlängerung um eine weitere Woche ist meist gut vertretbar, insbesondere wenn Sie bereits mit einer reduzierten Dosierung arbeiten und individuell anpassen. Wichtig ist, dass Sie jede Katze weiterhin gut beobachten (Fressverhalten, Koordination, Rückzug, Nebenwirkungen). Eine niedrigere Dosierung in den „mäßig lauten“ Phasen kann sinnvoll sein, sofern noch eine ausreichende Wirkung besteht. Ein Ausschleichen ist bei Pregabalin nach kurzer Gabe über wenige Tage in der Regel nicht erforderlich. Sie können das Medikament also üblicherweise einfach absetzen. Bei längerer Anwendung oder sehr sensiblen Tieren kann man optional über 1–2 Tage reduzieren, zwingend notwendig ist das aber meist nicht. Für die anschließenden Wochen mit weniger intensiven, aber weiterhin vorhandenen Geräuschen können pflanzliche bzw. diätetische Ergänzungen eine gute Option sein, auch wenn die Wirkung deutlich milder ist. Häufig eingesetzte Präparate sind zum Beispiel Zylkene, Anxitane oder auch Sedarom. Diese können unterstützend wirken, brauchen aber meist einige Tage bis Wochen Vorlaufzeit und ersetzen keine gezielte Medikation bei starkem Stress. Parallel beziehungsweise langfristig deutlich nachhaltiger, ist ein verhaltensmedizinischer Ansatz wichtig. Dazu gehören Management (ruhiger Rückzugsort, möglichst schallgedämpfter Raum, ggf. Hintergrundgeräusche wie gleichmäßiges „White Noise“), aber auch gezieltes Training zur Geräuschgewöhnung und zum Resilienzaufbau (Resilienz = Fähigkeit, mit Stressoren besser umzugehen). Gerade bei vorbelasteten Katzen aus dem Tierschutz lohnt sich hier eine individuelle Begleitung. Wenn Sie möchten, können Sie sich an eine verhaltenstherapeutisch arbeitende Tierärztin wenden, z. B. über die Liste der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie (GTVMT). Wichtig ist: Die konkrete Dosierung und Dauer sollten Sie immer noch einmal individuell mit Ihrer Haustierärztin oder Ihrem Haustierarzt abstimmen, da Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Sensibilität der einzelnen Katze eine Rolle spielen.
Viele Grüße
Janina Rohde