Antwort von Tierärztin Janina Rohde
Hallo Frau S.
Wenn der Verdacht auf eine Futtermittelallergie besteht, empfehle ich zunächst keinen Allergietest aus dem Blut. Bluttests zur Diagnose einer Futtermittelallergie sind wissenschaftlich nicht geeignet, da sie häufig positive Ergebnisse liefern, ohne dass diese tatsächlich die Ursache der Beschwerden sind. Deshalb können sie eine Futtermittelallergie weder sicher nachweisen noch ausschließen.
Der Goldstandard ist , genau wie in der Humanmedizin – eine konsequent durchgeführte Ausschlussdiät. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder wird eine Proteinquelle gewählt, die die Katze bisher noch nie gefressen hat, beispielsweise Strauß, Pferd, Ziege oder Kaninchen. Alternativ kann ein hochwertiges hydrolysiertes Diätfutter verwendet werden, beispielsweise Royal Canin Anallergenic oder Purina HA. Bei diesen Futtermitteln wurden die Eiweißmoleküle so stark aufgespalten, dass das Immunsystem sie in den meisten Fällen nicht mehr als Allergen erkennt. Wichtig ist dabei zu wissen, dass nicht jedes Futter mit dem Zusatz „hydrolysiert“ automatisch für eine Ausschlussdiät geeignet ist. Entscheidend ist, wie stark die Proteine tatsächlich hydrolysiert wurden. Ein weiterer Vorteil eines hochwertigen Hydrolysatfutters ist, dass man eine möglichst neutrale Ausgangssituation schafft. Wird stattdessen eine Ausschlussdiät mit einer neuen Proteinquelle durchgeführt und die Beschwerden bleiben bestehen, ist nicht sicher zu unterscheiden, ob tatsächlich keine Futtermittelallergie vorliegt oder ob genau diese Proteinquelle ebenfalls nicht vertragen wird. Bevor überhaupt an eine Allergiediagnostik gedacht wird, sollten außerdem Parasiten als Ursache ausgeschlossen werden. Bereits ein geringer Befall mit Flöhen oder Milben kann erheblichen Juckreiz verursachen oder bestehende Hautprobleme deutlich verstärken. Erst wenn eine Futtermittelallergie sorgfältig ausgeschlossen wurde und die Beschwerden weiterhin bestehen, kann eine Blutuntersuchung auf Umweltallergene sinnvoll sein. Mit ihr lassen sich beispielsweise Reaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze untersuchen. Allerdings gilt auch hier: Bei Allergietests findet man häufig Auffälligkeiten. Entscheidend ist deshalb immer, ob die Testergebnisse auch zu den Beschwerden des Tieres passen. Ein Laborbefund allein stellt keine Diagnose dar, sondern muss immer im Zusammenhang mit der Krankengeschichte und den klinischen Symptomen bewertet werden. Sollten die Hautprobleme trotz sorgfältiger Diagnostik weiter bestehen oder besonders ausgeprägt sein, ist eine Vorstellung bei einer Tierärztin oder einem Tierarzt mit Schwerpunkt Dermatologie sinnvoll.
Viele Grüße
Janina Rohde