EU beschließt Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen

Was die neue EU-Pflicht für Tierhalter:innen in Deutschland bedeutet

Bei einer Katze wird mit einem Lesegerät der Transponder ausgelesen. © TASSO e.V.
Auch Katzen sollten gekennzeichnet und registriert werden.

Was TASSO seit Jahren fordert, wird Realität: Am 28. April 2026 hat das Europäische Parlament der neuen EU-Verordnung über das Wohlergehen und die Rückverfolgbarkeit von Hunden und Katzen zugestimmt. Damit ist der entscheidende parlamentarische Schritt vollzogen. Ende Mai erfolgte auch die formelle Annahme durch den Rat der EU, die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt wird im Anschluss erfolgen und 20 Tage danach erhält die Verordnung Gültigkeit. Die Verordnung sieht erstmals EU-weit verbindliche Mindeststandards für Kennzeichnung, Registrierung, Zucht, Haltung und Online-Handel von Hunden und Katzen vor.

Wichtig für Tierhalter:innen:
Aktuell ändert sich für Sie noch nichts. Obwohl die Verordnung bereits jetzt in Kraft getreten ist, gilt eine allgemeine Übergangsfrist von zwei Jahren. Darüber hinaus gibt es einige Regelungen, für die bis zur Gültigkeit sogar noch längere Fristen vorgesehen sind – insbesondere die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht betreffend. Für manche Vorgaben werden zur genaueren Ausgestaltung in den kommenden Jahren noch detaillierte Rechtsakte erlassen und auch Deutschland hat bei der Umsetzung einen gewissen Gestaltungsspielraum. Zunächst gelten die bestehenden Regeln also weiter, eine Registrierung bei TASSO bleibt sinnvoll und ausreichend.

Warum eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht so wichtig ist

Die Zahl der Heimtiere in Deutschland ist ungebrochen hoch – und mit ihr auch die Notwendigkeit einer verpflichtenden Kennzeichnung und Registrierung.

Wären alle Hunde und Katzen in einem Heimtierregister erfasst, könnten Halter:innen im Verlustfall sofort ermittelt und Tiere schnell wieder nach Hause gebracht werden.
Die Vorteile gehen dabei weit über die Rückvermittlung hinaus:

  • Mehr Verantwortlichkeit: Die eindeutige Zuordnung eines Tieres zu seinem Halter oder seiner Halterin schafft Rückverfolgbarkeit und macht Verantwortlichkeiten nachvollziehbar. Auch die Rückvermittlung entlaufener Tiere wird erleichtert.
  • Stärkere Strafverfolgung: Wenn Tiere ausgesetzt werden oder bei deren Auffinden Anzeichen für Tierquälerei oder andere tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt werden, ist die Rückverfolgbarkeit zu den Tierhalter:innen gegeben. Auch gegen den anonymen und illegalen Welpenhandel ist die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht eine wichtige Maßnahme.
  • Schutz der öffentlichen Gesundheit: Bei Krankheitsausbrüchen kann die Quelle leichter ermittelt werden und so die weitere Verbreitung unterbunden werden. Auch Zoonosen wie Tollwut lassen sich dann beispielsweise besser zurückverfolgen – ein Gewinn für Tier und Mensch.
  • Entlastung der Tierheime: Aufenthalte aufgefundener Tiere verursachen hohe Kosten. Wären alle Hunde und Katzen gechippt und in einem Heimtierregister wie TASSO erfasst, könnten Millionenbeträge eingespart werden.

Mit über 11,5 Millionen registrierten Tieren ist bereits fast die Hälfte aller Hunde und Katzen in Deutschland bei TASSO erfasst. Eine bundesweite Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht ließe sich auf dieser Grundlage ohne übermäßigen bürokratischen Aufwand umsetzen.

Was die EU-Verordnung konkret vorgibt

Die Verordnung schafft einen einheitlichen Rahmen für Kennzeichnung und Registrierung von Hunden und Katzen in allen EU-Mitgliedstaaten. Die wichtigsten Punkte:

  • Kennzeichnungspflicht: die Tiere müssen mit einem Transponder gekennzeichnet werden
  • Registrierungspflicht: Pflicht zur Eintragung in nationalen Datenbanken
  • EU-weit interoperables Netzwerk der nationalen Register: nationale Systeme sollen technisch miteinander verbunden werden
  • Online-Handel: die Registrierung soll über ein Verifikationssystem überprüfbar werden, um gegen den anonymen Handel vorzugehen
  • Weitere Regelungen wie eine Reisedatenbank für Reisende aus Drittstaaten und Mindeststandards für die Haltung und Zucht in professionellen Einrichtungen

Lange Übergangsfristen für Kennzeichnung und Registrierung

Gerade für die Privathaltung sieht die Verordnung lange Übergangsfristen vor. Es gilt:

  • Werden Hunde oder Katzen auf den Markt gebracht (auch durch Tierheime): 4 Jahre
  • Privathaltung von Hunden: 10 Jahre
  • Privathaltung von Katzen: 15 Jahre

Was bedeutet das für Deutschland?

Die EU-Verordnung gibt Mindeststandards vor, die Mitgliedstaaten dürfen jedoch ausdrücklich strengere nationale Regelungen oder kürzere Übergangsfristen erlassen. Hier setzt eine Forderung von TASSO an: Deutschland sollte die langen EU-Übergangsfristen nicht ausreizen, sondern die Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht zügig und einheitlich für alle Hunde und Katzen nach 4 Jahren umsetzen.

Bislang steht noch nicht fest, wie die Regelungen der Verordnung im Detail ausgearbeitet werden und wie sie in Deutschland konkret umgesetzt werden sollen. Im Gegensatz zu Deutschland existieren in den meisten anderen EU-Staaten bereits umfassende Kennzeichnungs- und Registrierungspflichten für Hunde. Für Katzen müssen die meisten Länder nachjustieren, da es entsprechende Pflichten bisher kaum in den EU-Mitgliedstaaten gibt.

Entscheidend ist dabei aus unserer Sicht:

  • Bestehende, etablierte Register müssen eingebunden werden, statt parallele staatliche Strukturen aufzubauen.
  • Mit über 11,5 Millionen registrierten Tieren ist TASSO bereits heute die größte Datengrundlage für die Rückvermittlung von Hunden und Katzen in Deutschland.
  • Millionen Tierhalter:innen haben mit der Registrierung ihrer Tiere bereits Verantwortung übernommen und zeigen, dass etablierte Systeme gut funktionieren.

Bisherige Situation: Staatliche Hunderegister in Deutschland vermitteln falsche Sicherheit

In Deutschland gibt es bislang keine bundesweite Pflicht zur Kennzeichnung und Registrierung, sondern unterschiedliche Regelungen einiger Bundesländer. Umfassende Registrierungspflichten haben dabei die wenigsten Länder, häufig gibt es Meldepflichten lediglich für bestimmte Hunderassen. Es gibt Bundesländer wie Niedersachsen oder Berlin, die mit der Einführung einer allgemeinen Registrierungspflicht für Hunde eigene staatliche Register erstellt haben.

TASSO befürchtet, dass durch solche Register der Länder eine trügerische Sicherheit bei Hundehalter:innen entstehen könnte. Denn die Registrierung dort hat einen anderen Zweck als den von TASSO verfolgten. Die Registrierung bei TASSO hat einen entscheidenden Vorteil: sie dient der Rückvermittlung entlaufener Tiere. Einer Registrierung nach länderspezifischen Hundegesetzen dagegen liegen in der Regel lediglich die Identifizierung eines Hundes, die Ermittlung des Hundehalters oder der Hundehalterin und die Gewinnung von Erkenntnissen über die Gefährlichkeit von Hunden in Abhängigkeit von Rasse, Geschlecht und Alter zugrunde.

TASSO rät daher: Hundehalter oder Hundehalterinnen, die im Vermisstenfall ihres Tieres auf Nummer sicher gehen wollen, sollten ihr Tier auf jeden Fall zusätzlich kostenlos bei TASSO registrieren. 
Sie erhalten rund um die Uhr Unterstützung, sollte Ihr Tier einmal weggelaufen sein.

Registrierungspflicht für Katzen in Deutschland

Bislang gibt es keine flächendeckende Registrierungspflicht für Katzen. Zumindest Katzen mit Freigang müssen vielerorts gekennzeichnet und registriert werden. Grundlage dafür sind lokale Katzenschutzverordnungen, mit denen auch häufig eine Kastration der Freigängerkatzen zur Eindämmung von Streunerkatzenpopulationen beschlossen wurde. Die Entscheidung über die Einführung solcher Katzenschutzverordnungen liegt derzeit meist bei den einzelnen Städten und Gemeinden.
 

Wichtig: TASSO bleibt zentrale Anlaufstelle für die Rückvermittlung entlaufener Heimtiere

Egal ob ein neues Register geschaffen wird oder eine Lösung, die die bestehenden Register einbezieht: TASSO bleibt ungeachtet neuer Entwicklungen die zentrale Anlaufstelle, wenn es um die Rückvermittlung entlaufener Heimtiere geht. Außerdem bleiben alle Serviceleistungen rund um die Registrierung und die Hilfe bei Suche kostenfrei für alle Tierhalterinnen und Tierhalter.

 

 

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