Die Braune Hundezecke wird zur Gefahr

Interview mit Expertin von der Uni Hohenheim

Die braune Hundezecke im Fell eines Hundes. © Universität Hohenheim
Die braune Hundezecke kann für Hunde zur echten Gefahr werden.

Die Braune Hundezecke ist eine weitverbreitete Art im Mittelmeerraum und für Hunde sehr lästig und gefährlich. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass nicht nur die Hunde unter einem Befall leiden, sondern auch deren Halter. Denn diese Zeckenart ist fähig, in Wohnungen zu überleben und sich dort zu vermehren. Warum diese Zecke auch in Deutschland zunehmend zum Problem wird und wie Hundehalter sich vor einem Befall schützen können, haben wir mit Katrin Fachet besprochen. Sie ist Doktorandin an der Uni Hohenheim und forscht zur Braunen Hundezecke. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie die Epidemiologie, also die Einfuhr, Überleben, Verbreitung und den Umgang mit der Zecke in Deutschland.

Frau Fachet, die Braune Hundezecke ist ja eigentlich im Mittelmeerraum verbreitet. Wieso beschäftigt uns das Thema nun auch hier in Deutschland?
Die Braune Hundezecke ist schon ungefähr seit 1995 immer wieder mal vereinzelt in privaten Haushalten in Deutschland entdeckt worden. Doch wir glauben, dass das in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Wir vermuten, dass das damit zusammenhängt, dass immer mehr Menschen mit ihren Hunden im Süden Urlaub machen und nicht immer sind die Hunde dabei wirksam gegen Zecken geschützt. Auch dadurch, dass vermehrt Tiere aus dem Ausland gerettet werden und hier ein Zuhause finden, steigt das Risiko, die Zeckenart einzuschleppen.

Raten Sie denn davon ab, im Süden mit dem Hund Urlaub zu machen?
Nein, auf gar keinen Fall. Das würde ich niemals empfehlen. Wir möchten nur auf die Gefahr aufmerksam machen und dafür sorgen, dass diese nicht unterschätzt wird.

Was ist denn das Schlimme an der braunen Hundezecke?
Im Gegensatz zu unserer heimischen Zeckenart, dem Gemeinen Holzbock, können Braune Hundezecken selbstständig in der Wohnung überleben. In dieser Zeit legen Sie in Bodenritzen oder hinter Fußleisten oder auch in dunklen Ecken hinter Möbeln ihre Eier. Das können pro Weibchen bis zu 4000 Eier sein. So haben Menschen dann schnell eine regelrechte Zeckenplage in der Wohnung.

Wann bemerkt man denn, dass die Zecken in der Wohnung sind?
Nach dem nächsten Schlüpfen. Dieses Jahr hatten wir beispielsweise schon im Sommer einige Fälle, in denen haben die Hunde Zecken aus dem Pfingsturlaub „mitgebracht“. Also jetzt werden Sie es vermutlich erst im darauffolgenden Jahr merken. Wenn auf einmal Zecken in ihrer Wohnung umherlaufen oder Ihr Hund ungewöhnlich viele Zecken hat, kann es sein, dass dies die Braune Hundezecke ist.

Was kann man dagegen tun? Im Idealfall wahrscheinlich Kontakt mit Ihnen aufnehmen, oder?
Ja genau. Das wäre toll. Die Betroffenen können dann die Zecken bei uns einschicken und ich kann weitere Untersuchungen vornehmen. Auch Tipps zur Behandlung des Tieres und der Wohnung kann ich aufgrund meiner Erfahrung in diesem Bereich geben. Auf jeden Fall sollte mit dem Hund ein Tierarzt aufgesucht werden und bei einem schweren Befall muss die Wohnung von einem Kammerjäger gereinigt werden.

Sind die Tiere an sich gefährlicher als unsere heimischen Zecken?
Ja, und zwar weil sie die typischen Hundekrankheiten aus dem Mittelmeerraum, wie Ehrlichiose und Babesiose übertragen. Diese hier eigentlich unüblichen Krankheiten sind sehr gefährlich und müssen oft ein Hundeleben lang behandelt werden.

Sind sie auch für den Menschen eine Gefahr?
Das passiert in den seltensten Fällen. Nur, wenn der Hund den Tieren nicht mehr ausreicht oder aus dem Haushalt entfernt wird, kann es passieren, dass sie auch auf den Menschen übergehen. Dazu muss der Befall aber schon wirklich heftig sein. Dann spielen auch Krankheitserreger eine Rolle, zum Beispiel das Mittelmeerfleckfieber.

Das heißt, wer keinen Hund hat, wird direkt zum Opfer?
Nein. Wer keinen Hund hat, wird gar nicht erst von diesem Zeckenbefall betroffen sein. Man kann schon sagen, dass ein Hund sein muss, um die Zecken in der Wohnung einzuschleppen. Und in der Regel muss der Hund auch mit im Süden gewesen sein. Wir haben ganz seltene Fälle, in denen Hunde betroffen waren, die nicht im Ausland waren, aber da gab es wahrscheinlich einen ganz engen Kontakt mit anderen betroffenen Hunden.

Wie kann ich meinen Hund, meine Wohnung und mich denn schützen?
Wenn Sie Ihren Hund mit ins Ausland nehmen, sollten Sie unbedingt in Absprache mit Ihrem Tierarzt einen geeigneten Schutz gegen die Zecken treffen. Das können die üblichen Tropfmittel für den Nacken sein oder auch Wirkstoffe, die in Tablettenform verabreicht werden. Wichtig ist, dass sie einen Wirkstoff enthalten. Alternative Methoden sind hier nicht sicher genug. Außerdem sollten Sie Ihren Hund vor der Rückkehr gründlich auf Zecken absuchen und gegebenenfalls auch das Auto, wenn Sie vor Ort viel mit dem Auto unterwegs gewesen sind.

Wieso kommen die Fälle denn jetzt so gehäuft vor? Sie sagten eingangs ja, dass bereits vor mehr als 20 Jahren vereinzelt die Braune Hundezecke in Deutschland aufgefallen ist.
Meine Vermutung ist, dass es derzeit ein bisschen ist wie beim Impfen: Viele Hunde werden nicht mehr ausreichend mit den üblichen wirksamen Mitteln behandelt, um sie vor Zecken zu schützen. Zum einen wird die Gefahr unterschätzt und dann vertragen einige Tiere bestimmte Wirkstoffe auch nicht so gut. Deswegen ist es so wichtig, vorher mit dem Tierarzt eine Lösung zu finden. 

Wenn Sie von einer „Zunahme“ der Fälle sprechen, in welcher Größenordnung bewegen wir uns da?
Genau das versuchen wir derzeit mit unserer Forschung herauszufinden. Ich habe in diesem Jahr zehn Fälle betreut. 2018 waren es zwei. Und davor haben wir diese Zahlen noch gar nicht erhoben, weil in dem Bereich noch nicht geforscht wurde.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Fachet.

Wenn Sie von einem Befall mit der Braunen Hundezecke betroffen sind, nehmen Sie bitte Kontakt mit Frau Fachet an der Universtität Hohenheim auf.
Schicken Sie eine E-Mail mit einem Foto oder senden Sie die Zecke per Post zu. Dazu geben Sie die Zecke in ein luftdichtes Gefäß, wie eine leere Cremedose oder ein Einmachglas, auch gerne lebend. Bitte achten Sie darauf, dass die Zecke keinen Kontakt zu Tesafilm hat. Wenn die Zecke verpackt wurde, senden Sie sie am besten in einen kleinen Karton oder in einer Luftpolstertasche, damit die Zecke nicht zerquetscht werden kann. Bitte fügen Sie auch folgende Daten bei: Anschrift, Ihre Kontaktdaten und die Hunderasse. Frau Fachet wird sich dann bei Ihnen melden.

Webseite: hundezecken.uni-hohenheim.de
Email: hundezecken@uni-hohenheim.de
Anschrift: Universität Hohenheim, Fachgebiet für Parasitologie 220b, Katrin Fachet, Emil Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart,
Vermerk: Hundezecken .

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