Hunde aus dem Ausland

Gesetze, Erfahrungen und wichtige Tipps

© Pixabay
Ein Hund aus dem ausländischen Tierschutz.

„Ein großer Teil der nach Deutschland verbrachten Auslandshunde ist nicht auf der Straße geboren. Sie lebten dort, weil sie von ihren Haltern ausgesetzt wurden. Sie sind dankbar für jede Zuwendung und geregelte Versorgung. Man muss ihnen helfen. Der Kauf von sogenannten Wühltischwelpen aus dem Ausland unterstützt Tierquälerei und sollte unterbleiben“, fasst Petra Zipp, Leiterin Tierschutz Europa bei TASSO die Situation der Tiere im Ausland zusammen.

Im Folgenden können Sie sich über Gesetze und Regelungen, die den Auslandstierschutz betreffen, informieren, nachlesen, wie Sie Ihrem Tier aus dem Ausland die Eingewöhnung erleichtern und erfahren, welche Erlebnisse andere Tierhalter mit ihren Auslandhunden gemacht haben.

Wichtige Gesetze und Regelungen: Was Sie bei der Einführung von Hunden aus dem Ausland beachten sollten

Tierheime und Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland einführen möchten, benötigen eine Erlaubnis nach § 11 Abs. 1 S. 1 Ziffer 5 Tierschutzgesetz.

Die Erlaubnis benötigt, wer Wirbeltiere zum Zwecke der Abgabe gegen Entgelt oder sonstige Gegenleistung nach Deutschland verbringt beziehungsweise einführt oder solche Tiere vermitteln will. Auch die in Schutzverträgen verlangte Schutzgebühr stellt eine solche Gegenleistung dar. Wer also Auslandstierschutz betreibt, indem er Tiere zur Vermittlung nach Deutschland verbringt oder Auslandstiere hier vermittelt, benötigt diese Erlaubnis.

EU-Heimtierausweis seit 29. Dezember 2014 mit neuen Regeln

Der Tierhalter muss nun seine personenbezogenen Daten mit seiner Unterschrift bestätigen. Im neuen Heimtierausweis müssen zudem die Kontaktinformationen des ausstellenden Tierarztes erfasst und von diesem unterschrieben sein. Sowohl die Seite mit dem Transponder-Nummer-Aufkleber, als auch die Seite, die Aufkleber zu der verabreichten Tollwutimpfung enthält, werden mit einer selbstklebenden Laminierung versiegelt. Zudem muss der ausstellende Tierarzt die Kontaktinformationen des Tierhalters, die Ausweisnummer, die Transponder-Nummer, falls vorhanden die Tätowierung und die Tätowierungsstelle, den Ort der Kennzeichnung, den Zeitpunkt der Anbringung oder des Ablesens für mindestens drei Jahre aufbewahren. Alte Heimtierausweise, die vor dem 29.12.2014 ausgestellt wurden, behalten bis zum Lebensende des Tieres ihre Gültigkeit.

Tollwutimpfungspflicht für Welpen für die Einreise nach Deutschland

Seit dem 31. Dezember 2014 dürfen Welpen nur noch mit einer gültigen Tollwutimpfung nach Deutschland eingeführt werden. Da eine Impfung gegen Tollwut erst ab der 12. Lebenswoche möglich ist und der Impfschutz erst 21 Tage nach der Impfung wirksam wird, können Welpen somit erst nach der 15. Lebenswoche nach Deutschland eingeführt werden.

Darüber hinaus benötigt seit August 2014 jeder, der Hunde aus dem Ausland nach Deutschland verbringt, um sie hier gegen Entgelt oder eine sonstige Gegenleistung abzugeben, die Erlaubnis der zuständigen Behörde (Veterinäramt). Dies gilt nicht nur für gewerbliche Händler, sondern auch für Privatpersonen. Lassen Sie sich in jedem Fall die entsprechende Erlaubnis zeigen.

TASSO-TIPP: Angebotene Hundewelpen, die eklatant jünger sind als 15 Wochen, sind oft illegal nach Deutschland eingeführt worden und stammen von einem unseriösen Züchter. Die meisten Welpen werden viel zu früh von der Mutter getrennt und sind oft erst zwischen vier und sechs Wochen alt, wenn sie verkauft werden. Der Käufer riskiert es, ein verhaltensgestörtes und krankes Tier bei sich aufzunehmen. TASSO empfiehlt, nur seriösen Tierschutzorganisationen sowohl im Inland als auch im Ausland, Tierheimen und seriösen Züchtern zu vertrauen.

Ausführliche Informationen zum Thema Wühltischwelpen finden Sie auf unserer Projektseite.

Ausführliche Erläuterungen der Kanzlei Dr. jur. Konstantin Leondarakis, LL.M. & Koll. zu allen oben genannten Themen können Sie hier als PDF herunterladen.

Die richtigen Tipps zur Vorbereitung: So erleichtern Sie Ihrem Hund aus dem Ausland die Eingewöhnung

Waren es früher die Rassehunde und später die Mischlinge, die beim Gassi gehen für Gesprächsstoff sorgten, so trifft man heute zunehmend mehr Hunde aus dem Auslandstierschutz. Da diese Tiere in der Regel schon einige unangenehme, sehr prägende Erlebnisse hinter sich haben, ist es ratsam, sich auf den neuen Mitbewohner besonders vorzubereiten.

Zunächst sollte der Hund gekennzeichnet und bei TASSO registriert sein. Lassen Sie nach der Übernahme des Tieres aus dem Tierheim den Hund bei TASSO auf sich umschreiben. Das Anleinen beim Gassi gehen sollte in den ersten Wochen Pflicht sein, solange man die „Tricks und Ticks“ des Vierbeiners noch nicht kennt. Ein Brustgeschirr verhindert, dass ein ängstlicher Hund sich aus dem Halsband windet und schützt vor Verletzungen an der Kehle bei einem unerwarteten, ruckartigen Ziehen des Tieres. Grundsätzlich haben Hunde aus dem Ausland ein großes Freiheitsbedürfnis. Haustüren und Fenster, durch die das Tier in einem unbeobachteten Moment entweichen könnte, sollten daher gesichert werden.

Das gleiche gilt beim Aussteigen aus dem Auto: erst den Hund mit der Leine sichern, dann aussteigen. Die Erfahrung zeigt, dass sich viele Auslandshunde anfangs weigern, in ein Auto zu steigen. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Um zu überleben, haben die Hunde gelernt, Autos auf der Straße aus dem Weg zu gehen. Verbinden Sie das Ein- und Aussteigen sowie das Autofahren selbst daher mit etwas Positivem für den Hund.

Die meisten Auslandshunde sind sehr gut mit Artgenossen sozialisiert. Dennoch kann man bei einem ersten Kontakt mit anderen Hunden nie sicher sein, wie sich der eigene Hund verhält. Gegenseitige Kontaktaufnahme mit den anderen Haltern, ein langsames, aber selbstsicheres Annähern ohne Hektik geben genug Spielraum, den eigenen Hund zu beobachten.

Grundsätzlich gilt: Geben Sie dem neuen Familienmitglied Zeit, sich an alles zu gewöhnen. Eine Reizüberflutung ist in den ersten Wochen ebenso wenig angebracht wie ein zu behütetes Vorgehen.

TASSO-Umfrage „Hunde aus dem Ausland“: Rund zwei Drittel der befragten Hundehalter berichten ausschließlich von positiven Erfahrungen

Immer mehr Hunde aus dem Auslandstierschutz finden bei deutschen Tierhaltern ein neues Zuhause. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V. wollte deshalb in einer Umfrage wissen, welche Erfahrungen Tierhalter mit Hunden aus dem Ausland gemacht haben.

Das Positive überwiegt
Von den 1.144 Umfrageteilnehmern haben 64 % grundsätzlich positive Erfahrungen mit Auslandshunden gemacht und würden sich wieder für einen solchen Hund entscheiden. Weitere 33 % haben ebenfalls positive Erfahrungswerte gesammelt, berichten gleichzeitig aber auch von Problemen, die über die Eingewöhnungszeit hinaus bestehen und ein kontinuierliches Training mit dem Hund erfordern. Weitere Probleme werden in der Zusammenarbeit mit den vermittelnden Organisationen angegeben. Nur 3 % können ausschließlich Negatives berichten. „Man holt sich ja eigentlich ein Überraschungsei ins Haus und man sollte vorher genau überlegen, ob man auch mit einem Hund klar kommt, der schon negative Erfahrungen gemacht hat und etwas schwieriger in der Erziehung ist“, bringt Hundehalterin Nancy Burkhard die Besonderheit von Hunden aus dem Ausland auf den Punkt.

Ausgeprägte Sozialverträglichkeit und hohe Sensibilität
Auslandshunde sind häufig von Beginn an sehr sozialverträglich mit Artgenossen und anderen Tieren, und zeugen von einer hohen Anpassungsfähigkeit. Zudem berichten viele Umfrageteilnehmer von einer äußerst ausgeprägten Sensibilität gegenüber Menschen, die Zuchthunde in dieser Form nicht immer aufweisen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickeln sich die meisten diese Tiere zu menschenbezogenen und gelehrigen Hunden, die sehr darum bemüht sind, alles richtig zu machen und täglich ihre große Dankbarkeit zeigen. „Zu sehen, wie die Hunde nach einiger Zeit aufleben, und dann auch am Leben teilnehmen, ist jedes Mal die Mühe wert“, schreibt Petra Kohl abschließend in ihrem Erfahrungsbericht bei der TASSO-Umfrage.

Unvorhersehbare Reaktionen – vor allem in der Anfangszeit
Einige Umfrageteilnehmer berichten häufig von Angst- und Panikattacken, die sich erst nach und nach herauskristallisierten. Viele Auslandshunde wurden misshandelt und werden ihre Ängste vor dunkel gekleideten Menschen, Besen oder anderen negativen Einflüssen aus ihrer Vergangenheit nur schwer wieder los. Gerade bei ehemaligen Straßenhunden müssen die neuen Halter mit einem ausgeprägten Freiheitsdrang rechnen. Neben Rastlosigkeit und Schwierigkeiten beim Alleinbleiben können in Einzelfällen auch Stubenunreinheit und Aggressionen auftreten. Manche Teilnehmer berichten auch von mangelnden und sogar falschen Auskünften durch die vermittelnden Organisationen, vor allem in Bezug auf den Gesundheitszustand des Tieres, was oftmals zu sehr hohen Tierarztkosten führte, mit denen der neue Halter im Vorhinein nicht gerechnet hat. Deshalb ist zu empfehlen, sich vorab über die Seriosität des Vereines zu informieren und direkt nach der Vermittlung das Tier beim Tierarzt des Vertrauens gründlich untersuchen zu lassen.

Kontinuität und Geduld für die Vertrauensbildung – Tipps von Tierhalten für Tierhalter
Viele Umfrageteilnehmer haben in Ihren Erfahrungsberichten Tipps angegeben, die ihnen im Umgang mit ihren Tieren besonders geholfen haben. Um den Hunden das Eingewöhnen zu erleichtern, ist vor allem ein geregelter Tagesablauf wichtig. Zudem sollten die Hunde nicht überfordert, sondern mit viel Geduld behutsam an ihr neues Leben herangeführt werden. Nach einer unbestimmten Zeit, die das Tier selbst festlegt, kann auch zwischen einem traumatisierten Hund und seinen Menschen eine vertrauensvolle Bindung entstehen. Als besonders wichtig wird trotz aller Vorsicht eine souveräne Führung erachtet. Diese kann mit dem Besuch einer Hundeschule oder Einzeltrainings bei einem Hundetrainer oder Hundepsychologen unterstützt werden. Allerdings ist zu bedenken, dass sich nicht jedes Problemverhalten wegtrainieren lässt, sondern die Halter lernen müssen, im Alltag damit umzugehen. „Die Ängste der Hunde sind teilweise sehr tief verankert und trotzdem bauen diese Hunde – behandelt mit sehr viel Liebe und Geduld – wieder so viel Vertrauen auf, dass sich ein Mensch das gar nicht vorstellen kann. Sie geben so viel und wollen so wenig“, beschreibt Hundehalterin Andrea Hensel ihre Erfahrung mit Hunden aus dem Auslandstierschutz.

Leben retten und einen tierischen Freund gewinnen
Dr. Claudia Ludwig, Journalistin, Autorin und Moderatorin hat schon einige Auslandshunde vor dem sicheren Tod bewahrt und ihnen ein liebevolles Zuhause gegeben. „Schon während meiner ersten Urlaubsreisen nach Griechenland, Spanien, Portugal oder in die Türkei sind mir die vielen hungrigen Streuner und Strandhunde aufgefallen, die Kontakt zu Menschen suchten und ganz offensichtlich kein Zuhause hatten. Ihnen gehörte sofort meine ganze Sympathie und Aufmerksamkeit“, beschreibt Dr. Claudia Ludwig ihre besondere Beziehung zu Hunden aus dem Auslandstierschutz. Über ihre Maremmano-Hündin aus Sardinien, die seit drei Monaten bei ihr lebt, sagt sie: „So viel Souveränität, Gelassenheit, aber auch Neugierde und liebevolles Interesse an ihrer neuen Familie ist geradezu unglaublich.“ Ihre Familie und sie würden sich immer wieder für einen Schützling aus dem Süden entscheiden. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man herrenlosen Tieren aus Süd- und Osteuropa sowie der Türkei dadurch das Leben rette beziehungsweise dazu beitrage, dass andere gerettet werden können.

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