Tiertransporte

Die Fahrten sind für Tiere eine grausame Qual

© Animals' Angels
Eine grausame Fahrt, an deren Ende Tiere in der Regel getötet werden.

Allein im Jahr 2012 wurden in Deutschland über 760 Millionen „Schlacht“-Tiere transportiert. In Europa waren es in dem Jahr sogar 2.438.306.132. Ziel der Transporte sind der Schlachthof oder bei Jungtieren Aufzucht- beziehungsweise Mastbetriebe. Auch zu Zuchtzwecken finden Tiertransporte durch Europa statt. Transportiert werden alle „Nutz“-Tiere, im Wesentlichen also Rinder, Pferde, Schweine, Schafe, Ziegen, Geflügel und Fische. Transportmittel ist meist der LKW, seltener die Bahn oder das Schiff.
 
Spätestens seit den Filmdokumentationen über Schlachttiertransporte von Manfred Karremann in den 90er Jahren sind die hiermit verbundenen unglaublichen Tierqualen bekannt. Die Tiere werden mit ihnen nicht bekannten Artgenossen auf engstem Raum eingepfercht und dem Stress einer unter Umständen tagelangen leidvollen und strapaziösen Fahrt ausgesetzt. Dabei müssen sie Verletzungen, Misshandlungen beim Verladen, Erschöpfung sowie Hunger und Durst durch nicht vorhandene, nicht funktionierende oder nicht erreichbare Tränken erleiden. Extreme Temperaturen tun ihr übriges, sodass bereits auf den Transporten Tiere sterben. Und auf die Überlebenden wartet am Ende dieses Martyriums nicht selten der qualvolle Tod durch betäubungsloses Schlachten am Zielort. 

Rechtsgrundlagen

EU-Verordnung über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen
Nationale Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV)
Diese Verordnungen enthalten zwar Mindestvorgaben wie Platzangebot auf dem Transporter und die Behandlung und Versorgung der Tiere, aus Tierschutzsicht sind diese Regelungen aber völlig unzureichend. Zudem ist beispielsweise der Transport von Rindern in doppelstöckigen LKWs erlaubt, was wiederum besonders bei großen Tieren zu Folge hat, dass sie nicht in natürlicher Körperhaltung stehend mit mindestens 20 cm Platz über dem Widerrist untergebracht werden können. In Deutschland sind nur LKWs mit maximal 4 Metern Höhe für den internationalen Verkehr zugelassen. Andere Länder lassen bei den Transportern eine Deckenhöhe bis 4,4 Meter zu oder verzichten deshalb längst auf doppelstöckige Tiertransporte.

Die „8hours“-Kampagne

Um der Untätigkeit von EU-Kommission und Mitgliedsstaaten bei der zeitlichen Begrenzung von Tiertransporten zu begegnen, haben der EU-Parlamentarier Dan Jørgensen und die Tierschutzorganisation Animals Angels e.V. die europaweite „8hours“-Kampagne ins Leben gerufen, die auch von TASSO unterstützt wurde. Diese forderte eine Begrenzung der Langstreckentransporte von „Schlacht“-Tieren auf höchstens acht Stunden. Unterstützung gab es bei dieser großen Kampagne von vielen EU-Parlamentariern und europäischen Tierschutzorganisationen.

Am 15. März 2012 hat das EU- Parlament die Schriftliche Erklärung 49/2011 „zur Festsetzung einer Obergrenze von acht Stunden für den Transport von zur Schlachtung bestimmten Tieren in der EU“ angenommen. 395 Parlamentarier stimmten für das Dokument. Diese Erklärung fordert die Kommission und den Rat auf, „die Verordnung Nr. 1/2005 dahingehend zu überarbeiten, dass eine Beförderungsdauer von höchstens acht Stunden für Schlachttiere festgesetzt wird“.
 
Im Juni 2012 konnten in Anwesenheit internationaler Tierschutzorganisationen über 1,1 Millionen  Unterschriften, von denen allein in Deutschland über 370.000 Stimmen generiert wurden, dem EU-Kommissar John Dalli überreicht werden.
 
Kommissar Dalli räumte beim Gespräch vor Ort ein, dass die derzeitigen Transportbestimmungen verbesserungswürdig seien und versprach den Anwesenden, eine Überarbeitung der Tierschutztransportverordnung (EG) Nr. 1/2005 vorzuschlagen, die unter anderem kürzere Transportzeiten berücksichtige. Eine Woche später hat jedoch ein Vertreter von John Dalli diese Aussagen widerrufen, worauf noch einmal über 30.000 Beschwerdebriefe beim EU-Kommissar eingingen.
 
John Dalli ist im Oktober 2012 mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten.  Die „8hours“-Kampagne als solche gibt es nicht mehr. 2013 und 2014 hat sich immerhin der EU-Petitionsausschuss mit dem Anliegen der „8hours“-Petition beschäftigt. 
 

 

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