Tierfutter richtig einschätzen

Deklaration, Zusammensetzung und typische Irrtümer

Eine Zutatenliste auf einer Katzenfutterverpackung. © TASSO e.V.
Die Zutatenliste gibt Aufschluss über die Zusammensetzung des Futters.

Viele Tierhalter:innen möchten das Futter für ihren Hund oder ihre Katze bewusst und verantwortungsvoll auswählen. Komplizierte Begriffe und unklare Angaben auf Verpackungen sowie werbliche Aussagen führen jedoch im Alltag dazu, dass das Futter schwer einzuordnen ist. Wichtig zu wissen: Verpackung, Design oder Werbung sagen wenig darüber aus, ob ein Futter wirklich zum eigenen Tier passt. Entscheidend ist die Zusammensetzung und die lässt sich mit etwas Hintergrundwissen deutlich besser einschätzen.

Dieser Artikel soll eine Orientierung über Deklaration und Zusammensetzung von Futtermitteln geben. Dabei geht es nicht darum, einzelne Marken zu bewerten, sondern darum, die Informationen auf Futtermitteln besser zu verstehen und sinnvoll einzuordnen.

Wie erkenne ich gutes Tierfutter an der Verpackung?

Gutes Tierfutter erkennt man an einer transparenten, offenen Deklaration, die alle Zutaten klar und prozentual benennt. Es sollte als "Alleinfuttermittel" gekennzeichnet sein, um sicherzustellen, dass es den Nährstoffbedarf vollständig deckt. Entscheidend ist nicht die Werbung, sondern ob die Zusammensetzung zum individuellen Bedarf des Tieres (Alter, Gesundheit, Aktivität) passt. Letztendlich zeigt das Tier selbst durch ein stabiles Gewicht, glänzendes Fell und eine gute Verdauung, ob das Futter das richtige ist.


Die Deklaration verstehen: Was steht auf dem Futter?

Die Deklaration ist im Grunde der Beipackzettel eines Futters. Sie enthält wichtige Informationen darüber, was und wieviel davon im Produkt steckt und wie es verwendet werden soll. Nicht jede Angabe auf dem Etikett muss vollständig verstanden werden, aber ein paar Begriffe helfen dabei, eine informierte Entscheidung zu treffen.

Alleinfutter vs. Ergänzungsfutter:

  • Alleinfutter ist ein wichtiger Begriff in der Tierernährung, denn ein Alleinfuttermittel ist so konzipiert, dass es allein gefüttert werden kann und den gesamten Nährstoffbedarf eines Tieres allein decken kann. Das bedeutet, es enthält alle notwendigen Makronährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe in der richtigen Zusammensetzung (hier ist immer ein Nachweis erforderlich).
  • Ergänzungsfutter hingegen sind nicht für die alleinige Fütterung gedacht. Sie müssen durch weitere Komponenten ergänzt werden, um eine ausgewogene Versorgung sicherzustellen. Dazu zählen zum Beispiel Mineralfutter, Gemüsepürees oder Öle.

Wichtig zu wissen: Einzelne Komponenten wie rohes Fleisch (etwa bei der Rohfütterung (BARF) sind für sich genommen kein Alleinfuttermittel, da wichtige Nährstoffe für eine ausgewogene Ernährung fehlen.

Offene und geschlossene Deklaration:

  • Offene Deklaration: Hier werden alle Zutaten möglichst genau aufgelistet, oft mit Prozentangaben (z. B. „3 % Leber, 5 % Niere"). Das schafft Transparenz und ist besonders wichtig bei Tieren mit Allergien oder Unverträglichkeiten. Je offener die Deklaration, desto besser lässt sich das Futter nachvollziehen und einschätzen.
  • Geschlossene Deklaration: Hier werden Zutaten in Sammelbegriffen zusammengefasst, wie z. B. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Welche Bestandteile genau enthalten sind, bleibt unklar.

Zusammensetzung und Inhaltsstoffe

Ein Blick auf die Zusammensetzung hilft, das Futter besser zu verstehen. Wichtig ist, welche Zutaten enthalten sind, wie konkret sie benannt werden und wie transparent die Liste insgesamt ist. Klare Angaben zu Fleischsorten oder pflanzlichen Bestandteilen erleichtern dabei die Einordnung.

  • Tierische Nebenerzeugnisse

    Tierische Nebenerzeugnisse oder auch Nebenprodukte (TNP) sind Bestandteile tierischen Ursprungs, die bei der Schlachtung, Lebensmittelherstellung oder Tierhaltung anfallen, aber nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt sind. Dazu gehören z. B. Schlachtabfälle wie Innereien (Leber, Pansen), Federn, Blut, Häute und Eierschalen. Diese Nebenprodukte sind ernährungsphysiologisch nicht grundsätzlich problematisch, aber die Bezeichnung ist oft nicht transparent und sagt wenig über die genaue Herkunft und Zusammensetzung der Produkte aus.

  • Analytische Bestandteile

    Angaben wie Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchte helfen, Produkte in ihrem Nährwert grob einzuordnen. Diese Werte sagen nichts darüber aus, wie hochwertig oder gut verwertbar die Nährstoffe tatsächlich sind. Sie liefern lediglich eine Orientierung.

  • Zusammensetzung und Zusatzstoffe

    Welche Fleisch- und Gemüsesorten im Futter enthalten sind und welche Vitamine und Mineralstoffe zugesetzt wurden, wird oft deklariert. Gerade für Tiere mit Allergien ist ein Blick auf die genauen Proteinquellen besonders wichtig. Zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe sind nicht per se negativ, sondern können notwendig sein, um eine bedarfsdeckende Versorgung zu gewährleisten.

  • Fütterungsempfehlung

    Die auf der Verpackung angegebene Menge ist oft ein guter Ausgangspunkt, aber kein festes Rezept. Die Menge sollte immer auf das Tier angepasst werden, denn Bedarf und Verbrauch sind sehr individuell. Tiere mit einem hohen Aktivitätslevel haben zum Beispiel einen ganz anderen Energieverbrauch und damit auch einen anderen Futterbedarf als Tiere, deren Alltag von weniger Bewegung geprägt ist. Diese individuellen Faktoren werden in den allgemeinen Fütterungsempfehlungen nicht bedacht.

Wichtig zu wissen: Es ist kein einzelner Wert, der für die Qualität eines Futters entscheidend ist. Erst das Zusammenspiel aus Zutatenliste, Nährstoffangaben und Transparenz ergibt ein sinnvolles Gesamtbild.


Marketing-Mythen entlarven: Was bedeuten "getreidefrei" & Co.?

Viele Begriffe auf Verpackungen sind stark von Werbung geprägt und sollten nicht isoliert bewertet werden. Begriffe wie „viel Fleisch“, „natürlich“, „premium“, „getreidefrei“ oder „zuckerfrei“ klingen positiv, sind aber oft nicht klar definiert und nicht immer von Vorteil für das Tier. Sie sagen allein wenig über die tatsächliche Qualität oder Eignung aus, sondern erfüllen oft nur bestimmte Erwartungen. Es ist besser, auf die genaue Deklaration zu achten und dabei die Bedürfnisse des eigenen Tieres im Blick zu haben.

  • Zucker im Futter: Zugesetzter Zucker muss immer kritisch betrachtet werden. Er hat für das Tier keinen Mehrwert, sondern kann Magen-Darm-Probleme, Übergewicht, Diabetes, Zahnschäden und Entzündungen fördern. „Zuckerfrei“ allein reicht jedoch nicht als Qualitätsmerkmal für ein Futter, denn entscheidend ist immer die gesamte Zusammensetzung des Futters.
  • Getreidefrei / glutenfrei: Getreidefrei bedeutet nicht automatisch gesünder. Für viele Tiere ist Getreide gut verträglich. Glutenfreies Futter ist vor allem dann relevant, wenn bei einem Tier eine nachgewiesene Unverträglichkeit oder Allergie vorliegt. Bei sensiblen Tieren kann jede zusätzliche Zutat – ob tierisch oder pflanzlich – einen allergischen Schub auslösen und Symptome wie Verdauungsprobleme oder Juckreiz verursachen. In solchen Fällen ist eine genaue Abklärung und individuelle Beratung wichtig.

Checkliste: So trifft man die richtige Futterwahl

  1. Die Deklaration als Orientierungshilfe nutzen, nicht als alleinige Wahrheit.
  2. Bei Allergiker-Tieren besonders auf klar benannte Zutaten und Proteinquellen achten.
  3. Fütterungsempfehlungen als Startwert verstehen und dann gegebenenfalls anpassen.
  4. Immer überprüfen, wie es dem Tier mit dem Futter geht: Gewicht, Verdauung, Fell, Haut, Verhalten, Sättigung.
  5. Bei einem bedarfsdeckenden und gut verträglichen Futter bleiben und bei Bedarf Abwechslung gezielt durch hochwertige Snacks und Kauartikel ergänzen.

In manchen Situationen reicht die eigene Einschätzung nicht aus und es lohnt sich, genauer hinzusehen:

  • bei Allergieverdacht oder Unverträglichkeiten
  • bei wiederkehrenden Verdauungsproblemen
  • bei deutlicher Zu- oder Abnahme
  • bei selbst zusammengestellten Rationen (z. B. BARF)
  • in besonderen Lebensphasen (z.B. im Wachstum, bei Trächtigkeit und Laktation, bei sehr hohen sportlichen Aktivitäten, im Seniorenalter) oder bei Erkrankungen

Nachhaltigkeit im Futternapf: Die Ökobilanz von Tierfutter

Neben der Gesundheit spielt für viele Halter:innen auch die Umwelt eine zunehmende Rolle. Forschungen zur Ökobilanz zeigen, dass das Futter über das gesamte Leben eines Tieres einen großen Anteil am ökologischen Fußabdruck hat, insbesondere durch CO₂-Emissionen.

Fleischbasierte Ernährung (vor allem mit hohem Fleischanteil) belastet die Umwelt durch Tierhaltung und lange Produktionsketten stärker als pflanzliche Alternativen. Vegane Futtermittel schneiden in der CO₂-Bilanz deutlich besser ab. Das bedeutet nicht, dass jedes Tier vegan ernährt werden sollte, es kann aber sinnvoll sein, den Fleischanteil bewusst zu hinterfragen und gelegentlich vegane Mahlzeiten oder Snacks anzubieten. Wer BARF füttert, kann die Ökobilanz verbessern, indem z. B. nur Schlachtnebenprodukte aus regionalen Betrieben bezogen und saisonales Gemüse und Obst verwendet werden. Auch bei Fertigfutter kann auf die Herkunft des Fleischs aus regionalen und möglichst artgerechten Tierhaltungen geachtet werden.

Auch der Wasserverbrauch spielt aus ökologischer Sicht eine Rolle. Hier hat Trockenfutter gegenüber Nassfutter Vorteile, denn durch das geringere Transportvolumen fallen auch die Transportemissionen niedriger aus. Auch bei der Müllproduktion schneidet Trockenfutter besser ab, denn Nassfutterdosen verursachen mehr Verpackungsmüll.
 

Fazit: Das Gesamtbild entscheidet

Die Bewertung eines Futtermittels entsteht nicht durch einzelne Schlagwörter auf der Verpackung, sondern aus einem Zusammenspiel aus Deklaration, Zusammensetzung, Nährstoffen und der individuellen Passung zum Tier. Wer die wichtigsten Begriffe versteht und lernt, Informationen richtig einzuordnen, kann gute Entscheidungen treffen und das Futter auswählen, das wirklich zum eigenen Tier passt.

 


© TASSO e.V/KI generiert

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