Katze zu Hause allein lassen

Trennungsstress und Bindung zum Menschen

Ein Finger zeigt auf eine grau-gestreifte Katze, die auf einem Kratzbaum sitzt. © Larissa Weis
Wohnungskatzen sind in Abwesenheit vollständig auf ihre häusliche Umgebung angewiesen.

Katzen wird nachgesagt, dass sie auch mal gerne ohne ihre Menschen sind. Doch ist das wirklich so? Das Interesse einer Katze an der Anwesenheit ihres Menschen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Eines kann man jedenfalls sagen: Auch sie können unter Einsamkeit und Trennungsängsten leiden.

Ob Katzen gerne allein bleiben? Und warum hier die Bindung zum Menschen eine Rolle spielt, dazu haben wir mit Heike Weber, Leiterin Tierschutz bei TASSO, gesprochen.

„Katzen haben oft eine engere Bindung zu uns, als wir denken.“

Heike, sag mal: Interessiert es meine Katze überhaupt, ob ich zu Hause bin oder nicht?

Heike Weber: Ja, auf jeden Fall. Entgegen der noch immer verbreiteten Vorstellung, Katzen seien vor allem unabhängig und wenig an ihren Menschen orientiert, macht es für viele Katzen sehr wohl einen Unterschied, ob ihre menschlichen Sozialpartner anwesend sind oder nicht. Wie stark sie darauf reagieren, ist allerdings individuell verschieden. Eine Rolle spielt zum Beispiel, wie eine Katze aufgewachsen ist und welche Erfahrungen sie mit Menschen gemacht hat. Katzen, die von klein auf engen und positiven Kontakt zum Menschen hatten, zeigen ihre Orientierung an uns oft deutlicher als Katzen, die mit wenig oder wechselndem Menschenkontakt großgeworden sind. Aber auch zurückhaltendere Katzen können enge Bindungen zu Menschen entwickeln, sie zeigen es nur manchmal leiser oder auf eine andere Art.

Also gibt es daher auch Katzen, denen es zu schaffen macht, wenn ihr Mensch weggeht? Auch schon so zwei oder drei Stunden?

Zwei oder drei Stunden können auch Katzen mit einer sehr engen Bindung zum Menschen in der Regel gut überstehen, vorausgesetzt, ihre Grundbedürfnisse sind erfüllt und sie fühlen sich in ihrer Umgebung sicher. Schwieriger kann es werden, wenn sich der Alltag plötzlich stark verändert. Wenn eine Katze es gewohnt ist, dass ihre Menschen sehr viel zu Hause sind, und diese dann auf einmal regelmäßig acht Stunden oder länger abwesend sind, kann das für manche Tiere belastend sein. Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Haltungsform: Wohnungskatzen sind während der Abwesenheit vollständig auf die Reize, Rückzugsorte und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Wohnung angewiesen. Katzen mit sicherem Freigang haben oft mehr Möglichkeiten, sich selbstständig zu beschäftigen. Trotzdem ersetzt Freigang nicht automatisch die Bindung zum Menschen und ist auch keine pauschale Lösung. Entscheidend ist immer die einzelne Katze: ihre Erfahrungen, ihr Sicherheitsgefühl, ihre Beschäftigungsmöglichkeiten und ihr Umgang mit Veränderungen.

Aber es gibt ja auch noch etwas dazwischen – Katzen, die zum Beispiel nur dann eine Stunde in den Garten gehen, wenn man selbst zu Hause ist.

Ja, genau. Freigang ist nicht immer ein Entweder-oder. Es gibt Katzen, die regelmäßig und selbstständig draußen unterwegs sind, und es gibt Katzen, die Außenbereiche nur situativ nutzen, zum Beispiel den Garten, den gesicherten Balkon oder ein Außengehege, wenn ihre Menschen zu Hause sind. Deshalb sollte man im Einzelfall genau hinschauen: Was kennt die Katze? Welche Routinen geben ihr Sicherheit? Welche Möglichkeiten hat sie während der Abwesenheit in der Wohnung? Und wie kann man ihren Alltag so gestalten, dass sie mit vorübergehender Abwesenheit gut zurechtkommt? Entscheidend ist nicht allein die Kategorie „Wohnungskatze“ oder „Freigängerin“, sondern die konkrete Lebenssituation der Katze.

Wie kann ich erkennen, ob mein Tier von meiner Abwesenheit gestresst ist?

Katzenhalterinnen und Katzenhalter kennen ihr Tier in der Regel sehr gut. Deshalb sind Veränderungen im gewohnten Verhalten immer ein wichtiges Signal. Pauschal lässt sich das aber nicht beantworten, denn jede Katze reagiert anders. Manche Katzen ziehen sich stärker zurück, wirken unruhiger, miauen auffallend viel, fressen schlechter, schlafen mehr oder weniger als sonst, werden unsauber oder zeigen vermehrtes Kratzen an Möbeln und Türen. Andere suchen nach der Rückkehr ihrer Menschen besonders viel Nähe oder wirken insgesamt angespannter.

Wichtig ist: Solche Veränderungen bedeuten nicht automatisch, dass die Katze unter der Abwesenheit leidet. Sie können auch körperliche Ursachen haben. Wenn sich Verhalten plötzlich oder deutlich verändert, sollte deshalb immer auch tierärztlich abgeklärt werden, ob gesundheitlich alles in Ordnung ist. Wenn medizinisch nichts dagegen spricht und die Veränderungen vor allem rund um die Abwesenheit auftreten, sollte man genauer hinschauen, wie die Katze mit dem Alleinsein zurechtkommt.

Kann man das Alleinbleiben mit Katzen auch trainieren? Für Hunde gibt es da ja ganz klare Ansätze.

Ja, auch Katzen kann man schrittweise daran gewöhnen, vorübergehend allein zu bleiben. Wichtig ist, nicht von heute auf morgen den Alltag komplett umzustellen. Wenn eine Katze es gewohnt ist, dass ihre Menschen fast immer zu Hause sind, sollte man nicht plötzlich regelmäßig acht Stunden weg sein. Besser ist es, mit kurzen Abwesenheiten zu beginnen und diese langsam zu steigern.

Dabei hilft es, den Alltag möglichst verlässlich zu gestalten: feste Routinen, vertraute Rückzugsorte, Beschäftigungsmöglichkeiten und keine große Aufregung beim Weggehen oder Zurückkommen. Manche Katzen profitieren auch davon, wenn sie vor einer längeren Abwesenheit noch eine kleine Spieleinheit oder ein Futterspiel bekommen und danach zur Ruhe kommen können.

Wichtig ist aber: Wenn eine Katze deutlich gestresst reagiert, sollte man wieder einen Schritt zurückgehen. Ziel ist nicht, dass die Katze es irgendwie aushält, sondern dass sie sich während der Abwesenheit sicher fühlt.

Könnte es für Katzen, die das Alleinsein stresst, sinnvoll sein, einen Partner dazuzuholen? Wenn ich beispielsweise einen neuen Job habe und dazu nun mehr ins Büro muss als früher. Hilft es meiner Katze dann, wenn ich noch ein weiteres Tier aufnehme?

Das kann sinnvoll sein, aber es ist keine pauschale Lösung. Ein Partnertier kann für manche Katzen eine große Bereicherung sein, besonders für junge, verspielte oder sozial orientierte Tiere. Gleichzeitig gibt es Katzen, die keinen engen Kontakt zu Artgenossen suchen oder durch eine neue Katze im Haushalt eher zusätzlich gestresst wären.

Deshalb sollte man nicht einfach ein weiteres Tier aufnehmen, um das Alleinbleiben zu „lösen“. Sinnvoll ist zunächst die Frage: Passt ein Artgenosse grundsätzlich zu meiner Katze? Wie ist sie aufgewachsen? Kennt sie andere Katzen? Wie alt ist sie, wie aktiv ist sie, wie sozial ist sie? Und habe ich die Möglichkeit, eine Zusammenführung langsam und sorgfältig zu gestalten?

Wenn diese Voraussetzungen stimmen, kann ein passendes Partnertier helfen, den Alltag der Katze zu bereichern. Es ersetzt aber nicht die Beziehung zum Menschen und löst auch nicht automatisch Stress durch veränderte Routinen.

Haben wir Menschen denn überhaupt einen Einfluss darauf, wie eng die Bindung zwischen uns und unserem Tier ist? Können wir aktiv etwas tun, um sie zu stärken?

Ja, wir können viel dazu beitragen. Wichtig ist aber zuerst zu verstehen, dass Katzen ihre Bindung zu Menschen sehr unterschiedlich zeigen. Nicht jede Katze sucht Körperkontakt oder möchte gestreichelt werden. Trotzdem kann sie sich eng an ihren Menschen orientieren und ihm vertrauen. Bei manchen Katzen ist es schon ein deutliches Zeichen von Nähe, wenn sie sich in denselben Raum legen, Blickkontakt aufnehmen oder einfach in unserer Nähe ruhen. Das heißt nicht, dass wir ihnen weniger wichtig sind, sie drücken Bindung nur anders aus.

Für eine gute Beziehung zu Katzen ist vor allem wichtig, dass wir verlässliche Sozialpartner sind: dass wir sie zuverlässig versorgen, ihre Signale ernst nehmen, ihre Grenzen respektieren und ihre Bedürfnisse erkennen. Diese Bedürfnisse können sehr unterschiedlich sein. Eine vorsichtige oder ängstliche Katze braucht vielleicht vor allem Ruhe, Rückzugsmöglichkeiten und Menschen, die sie nicht bedrängen. Wenn wir ihr genau diese Sicherheit geben, entsteht oft schon sehr viel Vertrauen. Bei jungen, aktiven oder verspielten Katzen kann man die Beziehung zusätzlich über gemeinsames Spiel, Beschäftigung und positive gemeinsame Rituale stärken.
 

Kurzum

Bindung entsteht, wenn wir für unsere Katzen verlässliche Sozialpartner sind. Wenn eine Katze Freiraum braucht, geben wir ihr Freiraum und lassen sie zu ihren Bedingungen Kontakt aufnehmen. Wenn sie Nähe, Spiel oder gemeinsame Rituale sucht, können wir die Beziehung darüber stärken. Wichtig ist, genau hinzuschauen: Dass Katzen nicht viel brauchen und einfach so mitlaufen, ist ein Irrtum. Auch Katzen brauchen Bezugspersonen, Orientierung und eine verlässliche Beziehung zu ihren Menschen.

 

Lesen Sie hier mehr zum Thema Katzen zu Hause


© TASSO e.V

Alltagsgefahren für Katzen

Darauf sollten Tierhalter achten

Ob Freigänger oder Wohnungskatze, im alltäglichen Zusammenleben mit Katzen treten immer wieder Situationen auf, welche für die Tiere gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein können. Einige haben wir hier gesammelt.

© Frank Schlösser

Tipps für mehr Sicherheit

Katzen vor Entlaufen schützen

Einige Sicherheitsmaßnahmen können verhindern, dass Wohnungskatzen entwischen. Auch bei Freigängern gibt es ein paar Dinge zu beachten. Eines gilt aber für alle: die Kennzeichnung und Registrierung.

© Birgit de Levie

Das ideale Katzenzimmer

Katzen brauchen viel Bewegung

Katzen brauchen ausreichend Bewegung und wollen sich zwischendurch richtig austoben. Ein eigenes Katzenzimmer wäre ideal. Tipps für die Einrichtung finden Sie hier. 

758.548 „Gefällt mir“-Angaben

Danke für die vielen Likes!

TASSO-Videos

Alles zu den Aufgaben von TASSO in Bildern

Newsletter

Bleiben Sie immer auf dem Laufenden!

Cookies

Liebe Tierfreunde,
um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen, verwenden wir Cookies. Einige Cookies sind technisch notwendig (essentiell), damit unsere Webseite funktioniert. Zudem verwenden wir Cookies zu Marketing- und Statistik-Zwecken, um Ihnen ein noch besseres Webseiten-Erlebnis zu bieten. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten und diese jederzeit unter „Cookie-Einstellungen“ einsehen und ändern. Erklärung zur Nutzung von Cookies auf unserer Webseite Datenschutzerklärung