Gute Ernährung für Hunde und Katzen

Nicht die Fütterungsform entscheidet, sondern die Versorgung

Ein Hund mit schwarzem Fell frisst aus einem Napf, eine Katze mit orangenem Fell steht vor einer Futterschale und schaut in die Kamera. © TASSO e.V.
Eine ausgewogene Ernährung ist die Basis für ein langes, gesundes Leben – bei Hund und Katze gleichermaßen.

Viele Tierhalter:innen beschäftigen sich intensiv mit der Frage nach dem richtigen Futter für ihr Tier. Doch gerade rund um das Thema Ernährung gibt es so viele verschiedene Trends, Futtermittel und Fütterungsformen, dass der Überblick schnell verloren geht. Dabei ist gute Ernährung weder eine Philosophie noch eine Glaubensfrage. Sie ist ein Zustand, den man teilweise direkt am Tier erkennen kann.

Dieser Artikel bewertet keine Fütterungsform, sondern beantwortet wichtige Fragen rund ums Thema Ernährung: Woran erkenne ich, dass mein Tier gut ernährt ist? Was bedeutet ausgewogen und bedarfsgerecht? Welche Fütterungsfehler passieren am häufigsten?
 

Woran erkenne ich gutes Futter für Hund und Katze?

Gutes Futter ist vor allem bedarfsgerecht und ausgewogen. Es versorgt das Tier mit allen notwendigen Nährstoffen, die an sein Alter, seine Aktivität und seinen Gesundheitszustand angepasst sind. Anzeichen für eine gute Ernährung sind ein stabiles Körpergewicht, eine gesunde Verdauung, glänzendes Fell sowie ein altersgerechtes Energielevel. Das passende Futter erkennt man also immer am Wohlbefinden des Tieres selbst.


Bedarfsgerecht & Ausgewogen: Was bedeutet gute Tierernährung?

Gute Ernährung orientiert sich am individuellen Bedarf des Tieres: an Tierart, Alter, Gesundheitszustand, Aktivität, Verträglichkeiten, Vorerkrankungen und besonderen Bedürfnissen. Zwei Begriffe helfen dabei, diesen Zustand zu beschreiben: Bedarfsgerecht und ausgewogen.

Bedarfsgerecht: Das Tier bekommt genau das, was es braucht, ohne über- oder unterversorgt zu sein. Der Körper erhält genug Energie, alle notwendigen Nährstoffe und eine Zusammensetzung, mit der Verdauung und Stoffwechsel zuverlässig funktionieren. Mangelerscheinungen und Überversorgung bleiben aus. Die Versorgung passt sich dabei an Alter, Fitness, Aktivität und Gesundheitszustand an.

Ausgewogen: Alle Nährstoffe sind im richtigen Verhältnis im Futter vorhanden. Ein Futter kann sehr viel Energie enthalten und trotzdem wichtige Nährstoffe vermissen lassen. Ausgewogenheit bedeutet, dass die Nährstoffe so austariert sind, dass sie sich in der Verdauung nicht gegenseitig stören, sondern optimal ergänzen. Das ist immer individuell unterschiedlich.


Anzeichen für eine gute Ernährung: Woran erkenne ich, dass mein Tier gut ernährt ist?

Der Körper gibt immer Feedback und ob ein Tier gut ernährt ist, ist im Alltag leicht beobachtbar. Nicht nur das Gewicht, auch Fell, Verdauung, Verhalten und Energie geben Hinweise auf den Ernährungszustand. Folgende Zeichen können Hinweise darauf geben, ob die Ernährung stimmt. Auffälligkeiten sollten immer mit der Haustierarztpraxis besprochen werden:

  • normaler Körperzustand: Durch eine regelmäßige Gewichtskontrolle behält man den Überblick über Körpergewicht und bemerkt Zu- und Abnahmen schnell.
  • unauffällige Verdauung: Das Tier sollte arttypischen Kotabsatz zeigen, wobei es individuelle Schwankungen gibt. Wer den Kot seines Tieres immer im Blick hat, erkennt schnell, wenn sich Häufigkeit, Form oder Farbe verändern.
  • gutes Fell und Hautbild: Das Fell sollte glänzend und gleichmäßig sein und keine kahlen Stellen aufweisen. Die Haut unter dem Fell kann weiß oder pigmentiert sein, sollte jedoch nie gerötet, juckend, verkrustet oder blutig sein.
  • alters- und situationsangemessenes Aktivitätsniveau: Tiere haben artspezifisch und individuell unterschiedlich starke Bewegungsbedürfnisse. Wer sein Tier gut kennt, merkt in der Regel, wenn es sich plötzlich weniger oder mehr bewegt. Da diese Veränderungen jedoch oft auch schleichend kommen, hilft es, sich regelmäßig ganz bewusst ein paar Fragen zu stellen: Wieviel bewegt sich mein Tier? Mache ich mit meinem Hund ähnliche Spaziergänge wie im letzten Monat? Springt meine Katze auf all ihre erhöhten Lieblingsplätze?
  • insgesamt stabiler Allgemeinzustand: Auch hier hilft ein routiniertes wöchentliches Vorgehen und schützt vor dem gefährlichen Gewöhnungseffekt. So können zum Beispiel einmal die Woche ganz bewusst das Verhalten des Tieres und seine Verfassung beobachtet bzw. reflektiert werden. Geht mein Tier seinen Routinen nach? Gibt es Abweichungen im Verhalten?

Checkliste: Die wichtigsten Faktoren bei der Futterwahl

Die Entscheidung für eine geeignete Futterwahl ist nicht immer einfach. Wer folgende Fragen beantwortet, kommt dem passenden Futter deutlich näher:

  1. Lebensphase: In welcher Lebensphase steckt ihr Tier? Welpe, Adult oder Senior – jede Phase bringt andere Anforderungen mit sich.
  2. Aktivität und Training: Wie viel Bewegung bekommt Ihr Tier? Gibt es sportliche Aktivitäten oder besondere körperliche Anforderungen?
  3. Verträglichkeit: Welches Futter wird gut vertragen? Bestehen Allergien oder Unverträglichkeiten?
  4. Erkrankungen: Gibt es Vorerkrankungen, die eine spezielle Diät erfordern?
  5. Alltagstauglichkeit: Welche Fütterungsform ist für mich und meine Familie in unserem Alltag dauerhaft umsetzbar?

Futter für Welpen, Adulte und Senioren: Ernährung in jeder Lebensphase

Der Ernährungsbedarf verändert sich im Laufe des Lebens. Aktivität, Muskelentwicklung und gerade bei jungen Tieren das Knochenwachstum spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Hunde- und Katzenwelpen benötigen ein besonderes Calcium-Phosphor-Verhältnis für ein gesundes Knochenwachstum. Zu wenig Calcium schadet dem Knochenwachstum, zu viel ebenfalls. Daher empfiehlt es sich, ein Welpen-Alleinfuttermittel zu verwenden, in dem dieses Verhältnis bereits eingehalten wird. Wer roh oder selbst gekocht füttert, sollte den Calcium- und Phosphorbedarf sorgfältig berechnen oder sich fachlich beraten lassen.

Adulte Tiere befinden sich in einer vergleichsweise stabilen Ernährungsphase. Hier geht es vor allem darum, Gewicht, Aktivität, individuelle Bedürfnisse und Nährstoffversorgung im Gleichgewicht zu halten.

Senioren bewegen sich in der Regel weniger, was einen geringeren Energiebedarf mit sich bringt. Gleichzeitig nimmt die Muskelmasse im Alter ab, weshalb ein höherer Proteingehalt im Futter wichtig wird. Ältere Tiere brauchen also weniger Energie, aber mehr hochwertige Proteine.


Ernährungsberatung bei Tieren durch Expert:innen kann sinnvoll sein

Auch wenn viel Wissen über Tierernährung im Internet zu finden ist, kann bei Unsicherheiten immer eine professionelle Ernährungsberatung sinnvoll sein. Die wird z. B. durch Tierärzt:innen mit Spezialisierung auf Tierernährung durchgeführt und kann besonders bei folgenden Faktoren unterstützend sein:

  • Erkrankungen
  • wiederkehrenden Verdauungsproblemen
  • starkes Unter- oder Übergewicht
  • Wachstumsphase
  • Seniorentiere
  • Unverträglichkeiten und Allergien
  • selbst zusammengestellte Rationen und Rohfütterung

Futtermenge & Fütterungshäufigkeit

Die Mengenangaben auf Verpackungen und Webseiten sind meist Orientierungswerte und keine verbindlichen Rezepte. Die richtige Futtermenge lässt sich deshalb oft nicht einfach nachlesen, sondern muss individuell herausgefunden und regelmäßig angepasst werden.

Beobachten Sie Ihr Tier über mehrere Wochen: Bleibt das Gewicht stabil? Wirkt das Tier satt und fit? Dann stimmt die Menge, ansonsten muss erneut angepasst werden.

Auch die Fütterungshäufigkeit sollte zum Tier passen. Eine dauerhafte Futterverfügbarkeit („Ad-libitum-Fütterung“) ist nicht für jedes Tier geeignet. Stattdessen gilt: lieber zwei- bis dreimal täglich füttern, denn auch Tiere profitieren von Struktur und Vorhersehbarkeit.

Hunde kommen je nach Individuum gut mit ein bis drei Mahlzeiten am Tag aus. Bei magenempfindlichen Hunden sollte die nächtliche Pause zwischen Abendessen und Frühstück nicht zu lang sein, da sonst morgens Übelkeit oder Sodbrennen auftreten können. Hier hilft eine späte kleine Fütterung („Betthupferl“) direkt vor dem Schlafengehen, um die nächtliche Futterpause zu verkürzen.

Katzen sind entsprechend dem natürlichen Jagdverhalten nach kleinen Beutetieren auf viele kleine Mahlzeiten ausgelegt, dennoch ist eine freie Futterverfügbarkeit nicht für jede Katze sinnvoll. Bei übergewichtigen Katzen oder in Mehrkatzenhaushalten ist es oft schwer zu kontrollieren, wie viel jedes Tier tatsächlich frisst. Hier helfen mehrere kleine Mahlzeiten unter Aufsicht oder in getrennten Räumen. Auch chipgesteuerte Futterautomaten, die den Mikrochip der Katze erkennen und sich so nur ganz gezielt bei dem zugehörigen Tier öffnen, können eine gute Lösung im Mehrkatzenhaushalt sein.

Häufige Fehler in der Fütterung

Die richtige Fütterung zu finden ist nicht immer einfach. Manchmal schleichen sich Fütterungsfehler ein und die Ernährung muss nochmal neu überdacht werden. Die häufigsten Probleme, die bei der Fütterung auftreten können, sind folgende:

  • falsche Futtermenge
  • unausgewogene Zusammensetzung
  • zu schnelle Umstellung auf ein anderes Futter
  • unzureichend geplante selbst zubereitete Rationen
  • Leckerlis und Extras werden nicht in die Gesamtmenge eingerechnet
     

Gute Ernährung ist keine Glaubensfrage

Gute Ernährung zeigt sich nicht in einer bestimmten Fütterungsphilosophie, einem Trend oder einer Glaubensfrage. Gute Ernährung zeigt sich immer am Tier selbst: in einem Körper, der zuverlässig funktioniert, einer Verdauung, die stabil bleibt, und einem Tier, das Energie hat und sich wohlfühlt. Entscheidend ist die bedarfsgerechte Versorgung des einzelnen Tieres. Bleiben Unsicherheiten, lohnt sich der Gang zu einer Tierarztpraxis oder zu einer spezialisierten Ernährungsberatung.

 

 

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